[Christian G.s neue Erfahrungen beim Barfußgehen] [Julius ist zum "Barfuß" geworden]

Christian G. macht neue Erfahrungen beim Barfußgehen
(Forumbeiträge seit Sommer 2001)

Ihr kennt mich nicht? Korrekt. Bin neu hier dank des Tipps von Lorenz Kerscher.
Jetzt aber mehr: Ich bin nicht nur neu hier, sondern das Barfußgehen in der Öffentlichkeit insgesamt scheint sich für mich zu einer neuen Erfahrung zu entwickeln (abgesehen von Strand etc.).
Bin mir nicht sicher, ob ich das in der Stadt (hier: Bonn) machen möchte. Denke, wenn ich mal im Grünen unterwegs sein sollte, werde ich es ab sofort aber tun.
Trotzdem interessiert mich, wie man über die Schwelle treten kann, von einem Tag auf den anderen die Schuhe verstauben zu lassen. Klar, das wichtigste, das einen davon vielleicht abhalten kann, ist halt, dass man damit zumindest anfangs furchtbar Aufsehen erregt und vielleicht sogar Lacher auf sich zieht.
Gehöre nicht unbedingt zu denjenigen, die durch Äußerlichkeiten meinen, Aufsehen erregen zu müssen - will also auch nicht in diese Schublade gesteckt werden.
Aber ich würde gerne mal wissen, wie man es den Leuten (und sich selber) klar macht ( gesund, angenehm ...), die einen vorher so nicht kannten. Das finde ich schwierig.
wie habt ihr das denn so gemacht (welches Alter, Großstadt/Dorf, neu irgendwo?, Freunde, Arbeitgeber ...)?
Na ja, Ihr wisst schon ... Hemmungen.
Danke Euch für ein paar wertvolle Tipps! (leider fehlt mir die Zeit, hier regelmäßig erscheinen/ antworten zu können - denke ich)
Christian G.

[ nicht sicher, ob ich das in Stadt Bonn machen möchte ... im Grünen unterwegs, werde ich es tun]
Denk nicht so sehr darüber nach. Mach's einfach. Wenn du einmal urplötzlich Lust hast, aus den Schuhen zu kommen, zieh die einfach aus und lauf barfuß weiter, egal wo du bist. Wenn du mal in der richtigen Barfußstimmung bist, dann ist wohl die Hälfte der Hemmungen so gut wie überwunden.
Aufsehen erregt man m. E. umso mehr, wenn man sich Sorgen macht. Wenn man aber gepflegt ist und sich ganz natürlich verhält, dann fällt man wegen der Barfüßigkeit nicht so sehr aus dem Rahmen.
Selbstverständlich merken die Leute an mir den Mangel an Schuhwerk. Zuerst verhalten sie sich so, als hätten sie nichts gemerkt. Nachdem sie aber wahrgenommen haben, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, fassen sie Mut und stellen Fragen wie: "Tut es nicht weh?" oder "Ist es nicht gefährlich?" oder einfach "Warum läufst du barfuß?"
Mit meiner Antwort, dass ich mich barfuß wohlfühle und dass meine Fußsohlen gut abgehärtet sind, geben sie sich meistens zufrieden und akzeptieren es voll und ganz. Manche erwidern sogar, dass sie's toll finden. Tuscheleien lassen mich sonst völlig gleichgültig.
Grüße aus Italien (kein Barfußparadies - in meiner Gegend auch wettermäßig!)
Tiziana

In Südbayern (zumal in der alpenvorländischen Kleinstadt) findet man es völlig o.k., dass in den Monaten ohne "R" barfuß gelaufen wird. Da erregt man keinerlei Aufsehen -- es sei denn, man geht barfuß auf Bergtour, da wird man öfters angesprochen und als "Hartei" bewundert.
Wenn kühles Wetter ist, wird man auch sonst manchmal angesprochen, aber ich erfahre das immer in sehr netter Form. Meist sagen die Leute: "wenn es warm ist, gehe ich auch sehr gerne barfuß, zu Hause und im Garten -- aber der Schmutz und die Scherben in der Stadt ..."
Da ich ohnehin mehr für das Barfußlaufen in der Natur bin, lenke ich das Thema dann in diese Richtung. Und da kann ich mit meinen Aktivitäten und Erfahrungen durchaus überzeugen.
Auch im Job lebe ich seit ein paar Jahren auf freiem Fuß. Es hat sich dann der Kompromiss herauskristallisiert, dass ich auf dem Werksgelände mit Tevas, im Büro und in Sitzungsräumen aber barfuß zu Gange bin. Meine Chefs akzeptieren das -- und sind durchaus beeindruckt, dass ich eine ganz gut besuchte HP zu diesem Thema habe und über die Lokale Agenda auch erfolgreich die Einrichtung eines Barfußpfads initiiert habe.
Heute habe ich in unserem Konferenzzentrum vor dem versammelten Kollegenkreis mein Projekt vorgestellt -- barfuß! Und das kam recht gut rüber, was mir auch Lob seitens der Chefs einbrachte. An die baren Füße hat man sich längst gewöhnt. Übrigens: ein Kollege, der heute vom Urlaub zurückkam, erzählte mir stolz und freudig, dass er fast die ganze Zeit auf Amrum barfuß verbracht hat.
Fazit: wenn Barfußgehen nicht als Erscheinungsform des Vergammeltseins, sondern an einem gepflegten Menschen beobachtet wird, finden es die meisten recht und billig, und man trifft eher auf Sympathisanten als auf Kritiker! ...
Ein ganz wichtiger Gesichtspunkt fällt mir noch ein: das Vorbild von Leuten, die genau mit der Selbstverständlichkeit barfuß gehen, wie sie Tiziana beschreibt. Wer überzeugt ist, das Richtige zu tun, wirkt automatisch auf die anderen als überzeugendes Vorbild.
Auch mir haben einige Male Vorbilder auf die bloßfüßigen Sprünge geholfen -- von Leuten, die mir darin ein Stückchen voraus waren.
Als ich mit 14 Jahren in den Ruderclub ging, haben wir nicht nur verbissen trainiert, sondern auch Wanderfahrten unternommen und dabei gerne die Wirtshäuser in den gemütlichen Weindörfern am Main besucht. Und da ist ein Klassenkamerad von mir ganz locker barfuß hingegangen. Da war mir klar, dass ich das auch wollte und die Hemmschwelle war nur noch ganz niedrig, weil ich es nicht alleine "riskieren" musste.
Im Job habe ich bloße Füße zunächst nie für möglich gehalten. Doch als ich ein Büro in einem angemieteten Haus vor den Toren des Werksgeländes bekam, sah ich, dass im Sommer einer unserer Netzwerkadministratoren barfuß war und auch unbeschuht über den Hof zu dem Container ging, in dem die Server standen. Und schon war er nicht mehr der einzige, der dort barfuß im Job war (ein dritter wurde auch bald gesichtet); ich verdanke ihm, dass ich inzwischen gute 90% meiner Arbeitszeit barfuß bin.
Etwa zu dieser Zeit ging ich zu einem Liebhaberorchester, um meinen Jugendtraum wahrzumachen, in symphonischen Werken auf dem Waldhorn mitzuspielen. Um einen guten Eindruck zu machen, zog ich beim ersten Mal meine besten Schuhe an -- trotz sommerlichen Wetters. Doch dann sah ich eine Frau und ein Mädchen, die barfuß mitmachten -- und auch barfuß nach Hause gingen! Die Frau stellte sich als Ärztin, siebenfache Mutter und vor allem als engagierte Barfußläuferin heraus, die auch bei kaltem Wetter ohne Schuhe auskam, was ich damals noch nicht für möglich hielt. Natürlich entschloss ich mich sofort, die musikalische Barfußfraktion zu vergrößern!
Die Selbstverständlichkeit, mit der ich heute barfuß laufe, habe ich mir also zunächst von Vorbildern abgeschaut -- und natürlich in der Diskussion dieses Forums weiterentwickelt. Und da sind wir uns gegenseitig Vorbilder, zunächst im Erfahrungsaustausch, dann aber auch immer mehr im persönlichen Kontakt. Mal sehen, ob wir uns auch mal barfüßigst kennenlernen werden?
Mach's gut, und wenn Du Lust hast unbeschuht!
Gruß, Lorenz

[würde gerne wissen, wie man es Leuten (und sich selber) klar macht ... finde ich schwierig. Wie habt ihr das gemacht ... Ihr wisst schon ... Hemmungen]
Das stimmt. Am schwierigsten ist es mit Leuten, die man vorher schon kannte und die einen eben als Beschuhten einstufen.
Man muss einfach mal den Anfang machen, nach zwei drei mal Kommentare abgeben wird es auch den Hartgesottensten langweilig.
Ich denke es ist wichtig, einfach gelassen und möglichst auch witzig zu reagieren. (Frage: Ist es denn schon so warm, dass man barfuß laufen muss? Antwort: Ist es denn schon so kalt, dass man Schuhe tragen muss?"
Oder einfach eine Notlüge: "Hat mir der Orthopäde verordnet, weil's gesund ist."
Gruß Dirk (MS)

[ nicht sicher, ob ich das in Stadt Bonn machen möchte ... im Grünen unterwegs, werde ich es tun]
Das ist natürlich eine Frage der eigenen Einstellung, nicht jedem gefällt es, barfuß auf hartem Boden zu gehen, und das auch noch inmitten vieler beschuhter. Und es soll einem doch gefallen!
Ich habe in Bonn bis jetzt nur ganz selten barfuß Probleme gehabt. In den Parkanlagen (Hofgarten, Rheinaue ...) wirst du im Sommer auch barfuß nicht auffallen.
[ wie man über Schwelle treten kann, von einem Tag auf anderen Schuhe verstauben zu lassen]
Da kann ich dir auch nicht helfen :) so war und ist es bei mir nicht. Ob und wann ich Schuhe (im Sommer nur Sandalen) anziehe oder weglasse, entscheide ich spontan.
[würde gerne wissen, wie man es Leuten (und sich selber) klar macht ... finde ich schwierig. Wie habt ihr das gemacht ... Ihr wisst schon ... Hemmungen]
Etwas Experimentierfreude ist schon notwendig. Man muss es einfach mal tun, und dann sehen, was passiert.
Klaus a.k.a. [asc]

Einen großen Dank an alle, die auf meine erste Mail so ausführlich geantwortet hatten!
Heute habe ich auf jeden Fall auf dem Weg zum Sport durch das bisschen Wald ein Oma/Opa-Paar überholt. Ein freundliches Guten Tag! Sonst nichts weiter, was mich verwunderte. Nur Opa begann auf einmal zu pfeifen. War nett. Hatte mich ja an sich darauf eingestellt, mich groß rechtfertigen zu müssen. Aber nichts da. Is man gut so.
Also bis bald (bis zu meinen Prüfungen bis Ende Nov werde ich mich hier etwas dünn machen müssen. Muss mich halt auf die Prüfungen konzentrieren.) und nochmals DANKE!
Christian G.

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Julius ist mit den Jahren zum "Barfuß" geworden
(Forumbeitrag im Frühjahr 2000)

Es ist schon eine Reihe von Jahren her. Seinerzeit war unser Sportlehrer ausgefallen und einen Ersatz gab es für ihn nicht. Der Schulsport fiel daher für einige Wochen flach, und dann kamen die Sommerferien.
Als wir wieder zur Schule mussten, hieß es bereits am ersten Tag, unser Lehrer sei wieder da und noch in dieser Woche hätten wir unsere gewohnten 2 Stunden Sport.
Ich weiß noch, dass es an einem Donnerstag war. Ich stand in der Umkleide am Rand unseres Sportplatzes und wollte meine Turnschuhe anziehen, als ich zu meinem Entsetzen bemerkte, dass sie mir in der Zwischenzeit zu klein geworden waren! Mit 14 Jahren wächst man ja schließlich. Straßenschuhe waren nicht erlaubt, da es hieß, sie würden ruiniert und seien außerdem für den Fuß zu starr. Mir blieb also nichts anderes übrig, als dass ich, anstatt Schuhe anzuziehen, meine Strümpfe auch noch auszog.
Anschließend kam es knüppeldick! Der Sportplatz war schon recht alt und verfügte über eine mit Schlacke bestreute Laufbahn. Und es wurde ein 1500-Meter-Lauf angesetzt! Ich war zuvor noch nie beim Sport barfuß gelaufen und tat mich sehr schwer. Als es vorbei war, schwor ich mir, dass ich möglichst bald neue Turnschuhe kaufen würde, verschwitzte es aber dann doch.
Und man sollte es nicht glauben: Trotz der unangenehmen Erfahrung, die ich gemacht hatte, stand ich am nächsten Donnerstag immer noch ohne Schuhe da, und wieder hieß es, runter mit den Strümpfen. Obwohl ich auf mich selbst fluchte, trat anstelle der von mir erwarteten Katastrophe etwas ganz anderes ein: Mir gefiel es plötzlich, barfuß zu sein, und die Schlackenbahn, die mir das erste Mal die Fußsohlen noch ganz jämmerlich malträtiert hatte, kam mir mit einem Mal ganz angenehm vor.
Auf diese Art und Weise ging es weiter und weiter, und als ich mit 19 Jahren das Abitur abgelegt hatte, war ich in sämtlichen Sportstunden nur noch bloßfüßig gelaufen, ob in der Turnhalle, auf dem asphaltierten Schulhof oder immer wieder auch auf der Schlackenbahn.
Ich habe während meiner ganzen Schulzeit Tagebuch geführt. Daher konnte ich ausrechnen, dass es schließlich und endlich zu 126-maligem Barfußlaufen gekommen war!
Barfuß laufen war auf meiner Schule wenig verbreitet, so dass ich sogar einen sehr treffenden Spitznamen abbekam: Meine Klassenkameraden nannten mich nur noch "Barfuß".
Gestört hat's mich nicht, sonst hätte ich meine Gewohnheit nicht auch noch ausgeweitet.
Heute laufe ich bei vielen Gelegenheiten barfuß auf der Straße. Mir macht es nichts aus, mit nackten Füßen U-Bahn zu fahren, oder auf die gleiche Weise in den Münchner Kaufhäusern unterwegs zu sein.
Nur einmal habe ich es bereut, mir zu viel zuzutrauen. Weil ich das Barfußlaufen ja so gewohnt war, ging ich auf eine Wette ein und bingo, ich musste den gesamten Tegernsee auf nackten Füssen umwandern, und den größten Teil der Strecke ging es über Straßen.
Heute würde mir selbst das nichts mehr ausmachen. Ich bin tatsächlich zu einem "Barfuß" geworden. Julius

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