[Bernhard (HH) läuft als Querdenker barfuß] [Bernhards (HH) barfüßiger Alltag]

Bernhard (HH) läuft als Querdenker barfuß
(Forumbeiträge seit Winter 2004/2005)

Hallo zusammen,
jetzt ist es an der Zeit, mich mal mit einer kurzen Vorstellung für eure Beiträge und dieses Forum insgesamt zu bedanken. Bisher habe ich hier nur als Leser ein wenig herumschmarotzt. Da meine eigenen Barfuß-Erfahrungen noch knapp sind, werde ich hier nichts Neues erzählen können, so also nur ein paar Worte zu mir.
Ich bin erst im vorletzten heißen Sommer darauf gekommen, mal häufiger auf die Schuhe zu verzichten. Barfußlaufen war bis dahin überhaupt nicht meine Sache. Im vergangenen Frühjahr dann habe ich mich schon richtig auf die ersten warmen Tage gefreut, um endlich die Schuhe ausziehen zu können. Auf die Idee, das schon eher zu tun, bin ich überhaupt nicht gekommen. Für meine Verhältnisse hatte ich die Schuhe aber schon früh aus. Motivationsfaktor dabei war unsere neu gemachte Terrasse, auf der sich die Steine so wunderbar von der Sonne aufwärmen.
Den Sommer über habe ich dann sehr viel auf die Schuhe verzichtet, allerdings immer nur in der Freizeit. Dann las ich zum wiederholten Male in der Presse einen Beitrag über einen Menschen, der hier in Hamburg, wo ich wohne, seit 7 Jahren das komplette Jahr über alle Wege barfuss macht.  Das brachte mich auf die Idee, die Sache auch mal zu probieren. Zudem erinnerte ich mich an ein Gespräch, dass ich mal in den frühen Morgenstunden vor einem Hotel hier in Hamburg hatte. Da ging ein Mann mit seinem Dackel spazieren und er sah mir aus, als wolle er den Hansemarathon, der an dem Tag stattfand, laufen. Ich sprach in an und fragte, was er denn mit dem Hund mache. Er meinte, der liefe mit! Darauf sagte ich, er sei dann wohl bekannt als "Der mit dem Hund läuft". Darauf entgegnete er, nein, er sei bekannt als "Der barfuss läuft." Diese Begegnung hatte ich lange im Kopf und nun war sie wieder präsent und ein weiterer Mutmacher, denn hier im Hamburger Nordwesten bin ich noch keinem einzigen Barfußläufer begegnet.
Ich habe ein sehr günstiges Umfeld zum Barfußlaufen, da ich große Teile der Woche in meinem Büro im eigenen Haus arbeite. Als Hundebesitzer und Vater von Kindergarten- Vorschul- und Tagesmutterkindern, mache ich viele Wege mit Kinderkarre und Kind vor den Bauch geschnallt. Das sieht dann aus wie schwanger und ich habe wahrscheinlich ein wenig den ruf eines "Bunten Hundes". Ist der Ruf dann erst mal ruiniert, lebt es sich ja gänzlich ungeniert. So hatte ich jedenfalls keine großen Hemmungen, mich mit nackten Füßen auf der Straße zu zeigen. Anfänglich hatte ich schon das Bedürfnis, mir einen sportlichen Pullover dazu anzuziehen, aber inzwischen trage ich hochgekrempelte Jeans, Oberhemd und schicken Wollpullover und jetzt, wo es kälter wird, auch die Lederjacke und Schal dazu. Alles kein Problem mehr. ...
Die letzte Woche wurde es hier in Hamburg recht kühl. Morgens gegen 8 Uhr, wenn ich meine Hunde- und Kinderrunde drehe, war das Gras auf den Parkwiesen teilweise noch mit Raureif überzogen. Da musste ich schon ein wenig stöhnen. Hier im Forum habe ich dann nachgelesen, wann man es besser lassen soll und mir die Info geholt, dass man ab einer gewissen Zeit, die bei jedem individuell zu sein scheint, auf einen Wärmeschub hoffen kann. Darauf habe ich vertraut und habe es heute das erste Mal erlebt. Das war ganz klasse! Nach ca. 3km über gepflasterte Parkwege, durch nasses Laub und Gras und über Asphalt war es so weit. Es ging ein richtiger Wärmschub in meine Füße! Ich habe sogar 10 Minuten auf einer Parkbank gesessen und es ließ nicht nach.
[Zwei Fragen an Dich: 1. Wie viel Grad waren es da?]
Luft: von mir gefühlte 5, laut Thermometer ca. 3
Boden: von mir gefühlte -5, vielleicht auch noch etwas weniger;-))
gemessen habe ich den Boden nicht, aber der Raureif im Gras war schon ein klein wenig fest, also so um 1 Grad rum, denke ich.
[2. Wie hast Du das nur angestellt, bist Du sehr zügig gegangen]
Da es Nutzwege sind, die ich da gehe (ich bringe wie beschrieben meine Kinder weg) und morgens die Zeit eigentlich immer knapp wird, gehe ich naturgemäß zügig ;-) Ich bin allerdings noch ein wenig schneller gegangen als nötig, teilweise gelaufen und das hatte einen ganz guten Effekt. Zudem habe ich meine jüngste Tochter um den Bauch geschnallt, die wiegt jetzt ca. 9 Kg. Das erhöht den Druck auf die Füße. Und dann schiebe ich eine Kinderkarre vor mir her, in der meine zweitjüngste Tochter sitzt. Das sind dann mit Karre bestimmt noch mal 25 KG, die ich da auf schlecht aufgepumpten Reifen vor mir her schiebe. Die Wiese habe ich aber auch nur kurz angetestet und die mit kleinen pieksigen Steinen übersäten Parkwege vorgezogen. Im Gras war es schon gemein. Aber toll der Effekt, wie man plötzlich merkt, wie unterschiedlich kalt die Wege sind. Zwischen den Häusern viel wärmer, als im offenen Park.
Heute hatte ich wieder ein neues Barfußerlebnis. Meine große Tochter hatte erst später Schule, so dass ich meine Jüngste bei ihr lassen konnte. So konnte ich den morgendlichen Rundweg mit Karre fast komplett laufen. Das war bei Dauerregen und 9 Grad Lufttemperatur ein echter Spaß! Regenjacke, Regenhose, Fleece-Pullover bis zum Hals zu, Handschuhe an und dann immer schön über die matschigen Wiesen und durch jede Pfütze. Einen kleinen Wärmeschub hatte ich schon nach ca. 2 km und die waren im Laufschritt schnell erreicht. Deutlich spürbar auch hier wieder, wie verschieden kalt es auf dem Boden ist. Und, was ich nicht öffentlich sagen würde, aber hier im Forum wird es vielleicht ähnliche Erfahrungen geben: Auch die Nässe ist sehr differenziert zu spüren. Auf meinem Weg war es sehr unterschiedlich nass, obwohl es von oben dauerregnete. ...
Es hat mich schon beim ersten Herumlesen hier im Forum vor einigen Wochen gewundert, dass das Thema "blöde Blicke/Glotzaugen" so häufig zwischen euch auftaucht. Entweder ist mein Selbstbewusstsein da anders gelagert, oder mein Umfeld ein anderes, oder meine innere Einstellung und damit verbunden auch meine Außenwirkung ist nicht der Norm entsprechend oder es ist etwas, worauf ich jetzt nicht komme. Jedenfalls mache ich mir keine großen Sorgen um die Blicke der anderen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich öffentliche Auftritte gewohnt bin und mit so komischen Sachen mein Geld verdiene, bei denen ich naturgemäß die Blicke auf mich ziehe. Ich habe jedenfalls im Laufe der Jahre immer mehr zu mir selber gefunden und stelle fest, dass mein Problem, mich äußerlich anders als die Norm zu verhalten, gering ist.
Über Konventionen müssen wir dabei nicht reden. Es gibt Orte, an denen ich nicht auf Schuhe verzichten würde, weil ich damit andere kompromittieren würde, oder auch mir selber schade. Meine Freizeit besteht aus erheblich mehr, als Momenten, in denen der Fleecepullover passend ist. Und ich finde mich überhaupt nicht unpassend angezogen, außer dass meine Schuhe ausgezogen sind. Aber genau das wollen wir hier ja alle ganz bewusst so. Damit verhalte ich mich nun einmal gegen die Norm und es scheint mir schlecht investierte Energie zu sein, Gedanken darauf zu verwenden, wie ich mich innerhalb dieses Normbruchs wieder möglichst weit einnormiere. Ich lasse da, letztlich nicht anders als du, mein Gefühl entscheiden und das sagt, dass es keineswegs komisch ist, wohl aber für manch einen komisch aussieht. Das liegt aber nicht an Schal, Handschuhen und Stirnband, sondern daran, dass um mich herum kein anderer Mensch barfuss über den Raureif läuft. Das ist in sich ein so kolossaler Normbruch, dass ich niemandem seine „Glotzaugen“ vorwerfen kann. Wie ich diese Blicke dann interpretiere, dass liegt allerdings ganz bei mir selber. Mir tut es gut, erst mal unvoreingenommen positiv zu interpretieren und ich glaube, dass nimmt den auftretenden Situationen von vorn herein ein gehöriges Maß an Problemen. ...
Derbe Sprüche habe ich bisher noch keinen einzigen gehört. Ich bin allerdings relativ Spruch resistent. Vielleicht hört sich in meinen Ohren manch ein Spruch positiver an, als in deinen. Von einem Risiko, mich einem Spruch auszusetzen, würde ich allerdings nie sprechen. Eher von der Chance, die darin liegt. Ich habe früher immer die Raucher beneidet. Nicht um die Lunge, sondern um den Gesprächsanlass. „Hast du mal Feuer?“ war bestimmt schon in ungezählten Fällen der Beginn wunderbarer Gespräche, zu denen es ohne das Rauchen nicht gekommen wäre.
Es ist meine grundsätzliche Art, Leuten, die mich ansprechen, offen und mit der Grundeinstellung zu begegnen, dass die mir nichts Schlechtes wollen. Zu dem habe ich einige Übung darin, Dinge anders zu machen, als es die Allgemeinheit tut. Meinen Beruf habe ich ja schon erwähnt. Dann bin ich Vater von 5 Töchtern. Was meinst du, wie oft ich schon gefragt wurde, ob ich nun so lange weiter machen wolle, bis endlich ein Sohn da sei. Eine total bescheuerte Frage in meinen Ohren, aber sie scheint förmlich in der Luft zu liegen, so wie die Fragen, die sicher alle hier bezüglich des Barfußlaufens schon zig mal gehört haben. Ich entscheide je nach Gesprächspartner, ob ich einen Spruch zurück schicke, oder ob ich ernsthaft von meinen wunderbaren Töchtern erzähle.
Meine Jüngste ist übrigens 5 Monate alt. Seit sie 8 Wochen ist und es aus orthopädischer Sicht grünes Licht gibt, trage ich sie vor dem Bauch mit mir herum. Was meinst du, wie das unter einer Regenjacke aussieht? Und was glaubst du, wie oft ich schon gefragt wurde, ob das Kind denn da unten nicht ersticken würde. Manchmal sage ich „…die anderen 4 leben jedenfalls noch…“, manchmal ergreife ich die Chance des Gesprächsanlasses. Mein Gang mit Kind vor dem Bauch sieht übrigens auch komisch aus. Das Hohlkreuz lässt grüßen. Sieht halt aus wie schwanger, nur dass ich ein Mann bin, 190cm groß und eine Geisthaltung vor mir her trage, die offenbar nicht den schrägen Vogel erkennen lässt. Das alleine gibt manchem schon zu knacken. Na ja, und dann geht der Kerl halt noch ohne Schuhe über frostige Wiesen. Das fällt dann vielleicht nicht mehr so ins Gewicht.
Übrigens fahre ich auch mit Kinder vor dem Bauch mit dem Fahrrad. Das machen auch nicht viele. Ehrlich gesagt kenne ich keinen. Und selbst die, die es wissen, fragen immer wieder ungläubig nach, ob ich meine Tochter da unter der Jacke habe. Heute z.B. 13km reine Nutzstrecke durch strömenden Regen. Ach ja, Regenkleidung ist schon ganz lange kein Thema mehr für mich. Das ist eines der vielen alten Vorurteile, die ich für mich abgebaut habe. Ich dachte auch lange Zeit, dass sei schrecklich, im Ganzkörper-Regenanzug Fahrrad zu fahren. Ist aber alles nur eine Frage des Gesamtaufbaus der Kleidung, Stichwort Zwiebel. 
Ein ganz entscheidender Grund, warum ich zum Barfußlaufen gekommen bin liegt nämlich darin, dass ich schon immer von Querdenkern angezogen war. Inzwischen entdecke ich aber immer mehr, dass mich die „Querhändler“ noch mehr begeistern. Keine Revoluzzer oder Provokanten und schon überhaupt nicht Trendsetter, sondern Menschen, die einfach Dinge aus Überzeugung anders machen. Aus Überzeugung, weil sie z.B. meinen, dass ein Schuh dem Fuß viel mehr Schaden zufügen kann, als Barfußlaufen. Na und da treffen wir uns dann ja wieder, oder? ...
Viele Grüße aus Hamburg
Bernhard

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Bernhards (HH) barfüßiger Alltag
(Forumberichte seit Herbst 2004)

Hallo zusammen, nachdem ich nun seit Sommer keine Schuhe mehr trage, so weit das möglich ist, geht es in den letzten Tagen noch einmal mit großen Schritten voran bei mir. Das hat nicht zuletzt mit dem zu tun, was ich hier im Forum lese.
Z. B. das Autofahren. Bisher war ich immer mit Schuhen Auto gefahren, was die Zeiten für das Barfußlaufen stark einschränkte. Inzwischen fahre ich barfuß Auto. Heute morgen zum Beispiel mit meiner mittleren Tochter zum Schularzt. So hatte ich meinen ersten Barfußgang in ein Behördengebäude. die Premiere verlief prima. Ich habe mich gewundert, an wie vielen Stellen in diesem 60er Jahre Bau Fußbodenheizung ist. Von der Schulärztin gab es ein wenig Erstaunen, aber wer heutzutage 5 Töchter hat, muss ja eh irgendwie komisch gepolt sein. Ich weiß nicht, wofür diese Ärztin mich mehr bedauert hat, für das Barfußlaufen, oder für die 5 Töchter.
Heute Mittag hatte ich dann ein ernstes Gespräch im Kindergarten. Ich bin dort Elternvertreter und da an den Kindern hier in Hamburg z.Z. viel zu Tode gespart wird, sind die Themen ernster Natur. Ich war jedenfalls barfuß durch den Park gelaufen und saß dort zum Gespräch auch so. Ging prima. Im Kindergarten kennen sie mich jetzt sowieso schon so und es gibt entweder stilles Lächeln, oder anerkennendes "Ich könnte das nicht!"
Bei so vielen Mädchen im Haus komme ich natürlich nicht um das Reiten herum. Dienstags fahre ich meine Großen zum Reiterhof. Nachdem ich gerade 2x mit dem Auto liegen geblieben bin, griff ich vorsichtshalber nach den Schuhen. Gebraucht habe ich sie aber nicht. Auch die großen Pfützen auf dem Reiterhof waren kein Problem. Auf dem Reiterhof kannte man mich bisher nicht barfuß, weil ich die Strecke dorthin immer mit dem Auto fahre. Es gab freundliche und erstaunte Kommentare. Der netteste: "Hast du eine Wette verloren?" "Ne, ich will nur keine Erkältung bekommen." "Na egal, das ist echt ein Ding, da gebe ich dir auch so einen aus!"
Noch mache ich täglich neue Erfahrungen und merke, dass noch viel mehr barfuß geht, als ich bisher dachte. ...
Der nächste große Schritt für mich ist jetzt am Wochenende passiert. Ich habe barfuß gearbeitet. Nun gehe ich keiner normalen bürgerlichen Tätigkeit nach, sonder verdiene mein Geld u. a. als DJ. Am Freitag nun war ich im altehrwürdigen Ratsweinkeller unter dem Rathaus hier in Hamburg im Einsatz. Dort feierten 480 Fielmänner ihre Weihnachtsfeier und ich durfte für die Musik sorgen. Ich stand sehr günstig hinter meinem DJ-Pult, ca. 2,50 Meter über der Tanzfläche, zudem geschützt von einer Brüstung, so dass mir niemand direkt auf die Füße sehen konnte. Nur die 3 Techniker, die hinter mir standen, nahmen somit wahr, dass ich meine Schuhe auszog. Die Gelegenheit, um erst mal ein Gefühl dafür zu bekommen, ob ich mich barfuß bei der Arbeit wohl fühle. Ich fühlte mich prächtig!
Mit Beginn des Tanzes kam der eine Tänzer oder die andere Tänzerin zu mir rauf, um Musikwünsche zu äußern (bei 480 Gästen hat man reichlich Besuch am Abend). Ich registrierte nahezu alle üblichen Reaktionen der eher festlich gekleideten Gäste von Erstaunen, über Gekicher oder nervösem Wegsehen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die Reaktionen nicht bis zum Entsetzen gingen. Aber ich konnte nur die Mimik interpretieren, denn es gab einen ganz deutlichen Unterschied zu den Äußerungen im Alltag. Es kamen nämlich keine verbalen Äußerungen, außer von einem Gast der folgendes sagte: "Also erst mal finde ich das total klasse, dass du hier barfuß stehst und dann wünsche ich mir ..." (er nannte irgendeinen Titel).
Irgendwann gegen 2 Uhr musste ich das erste mal das Klo aufsuchen. Ich stellte mir kurz die Frage, ob ich die Schuhe anziehen sollte, denn es war ein langer Weg von meinem Platz aus. Dort unter dem Rathaus ist es total gediegen hanseatisch. Schwere Säulen, starke Steintreppen und dunkle Holztäfelung an den Wänden. Zudem nur Schlips und Kragen Träger, von denen ich sicher 150 auf meinem Weg zum Klo passieren müsste. Ich habe mich ganz rasch entschieden und bin barfuß gegangen. Ging auch ohne Probleme. Bei meinem zweiten Weg zum Klo um ca 4 Uhr war es dann schon ganz selbstverständlich.
Da ich von 19 Uhr bis 5 Uhr hinter meinem Pult gestanden habe, kann man wohl von einer stehenden Tätigkeit sprechen. Muss ich euch erzählen, dass sich meine Beine und letztlich auch mein ganzer Körper viel weniger ermüdet anfühlte, als sonst? Aus gesundheitlichen Gründen ist es eigentlich Blödsinn, nicht grundsätzlich die Schuhe aus zu lassen. Ich habe dafür die Gegenprobe am Samstag gemacht. Da hatte ich eine ähnliche Feier, nur diesmal für den Media Markt. Ich hätte gut die Schuhe auslassen können, aber wollte den Gegensatz bewusst testen. Der Unterschied der Bein- und Körperermüdung war deutlich spürbar. Zudem meine ich auch den sicher sogar physikalisch messbaren Unterschied der viel besseren Erdung bei Barfüßigkeit deutlich gespürt zu haben.
Im letzten Jahr habe ich auf der Fielmann Weihnachtsfeier auf einem Glasbalkon gestanden. Ich war komplett einsichtig von allen Seiten, sogar von oben und unten. Ich glaube, an diesem Platz hätte ich es (noch?) nicht gewagt, barfuß zu stehen. Zudem habe ich Herrn Fielmann das Mikro für seine Rede reichen müssen. Dahinter stand dann der komplette Vorstand der Fielmann AG, alle in Schlips und Kragen und mit italienischen Designer Schuhen. Ich glaube, hüstel, für solche Situationen brauche ich noch Training. In diesem Jahr stand dieser Tross weit weg von meinem Platz. Meine einzige Befürchtung dabei ist allerdings nur, dass ein sehr gut bezahlter Job weg sein könnte, wenn jemand der hohen Fielmannherren sagen würde, "So einen Barfußspinner wollen wir hier nicht wieder sehen!" Und ich halte das nicht für unwahrscheinlich. In dieser Firma wird sehr scharf geschossen, wie mir scheint.
Ich bin jedenfalls vom Organisator der Feier trotz meiner baren Füße noch morgens um 5 Uhr für die nächste Weihnachtsfeier gebucht worden. Die wird im Atlantik-Hotel hier in Hamburg stattfinden. Auch ein schönes Pflaster, um ein wenig Barfuß-Werbung zu machen. Die haben da so flauschige Teppichböden ;-)) Wenn ich allerdings zu einsichtig stehe, weiß ich noch nicht, ob ich barfuß sein werde. Allerdings liegen bis dahin ja noch 12 Monate Barfußerfahrung vor mir und wenn ich sehe, was die ersten ca. 3 Monate schon gebracht haben, bin ich mir nicht ganz sicher. ...
Nachdem ich nun seit einiger Zeit barfuß meine Jobs bei Kinderfesten mache, hatte ich heute einen Termin an sehr nobler Adresse. Ich habe schon kurz überlegt, ob ich barfuß hingehen sollte. Immerhin hatte ich einen Termin an der Elbchaussee und zwar direkt neben dem altehrwürdigen Hotel Jakob mit einem der schönsten Elbblicke Hamburgs. Meine Frau meinte, ich solle vorher noch das Auto waschen...;-)) und auf jeden Fall Schuhe anziehen. Habe ich dann auch gemacht, aber es fühlte sich schon im Auto nicht echt an. So habe ich die Schuhe an einer roten Ampel ausgezogen und bin dort barfuß auf die Überwachungskamera zugeschritten. Kurz dahinter lief ich dann auf den auf Hochglanz polierten Porsche zu um dann in eines dieser unglaublichen Häuser an der Elbchaussee einzutreten.  
Zunächst war meine Barfüßigkeit kein Thema, aber am Schluss wurde ich dann vom Kindermädchen gefragt, ob ich das immer mache. Als ich das mit ja beantwortete, wollte sie sich nicht einkriegen, aber die Gastgeberin outete sich als Schwedin und meinte, bei ihr in Schweden liefen alle Kinder vom letzten bis zum ersten Schnee an barfuß und während der Schneezeit nur ohne Socken in den Schuhen.  
Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, dass ich die Schuhe noch bei der Fahrt ausgezogen habe und auch darüber, dass ich einen Job habe, der mir solche Dinge erlaubt. Wer sein Geld bei Kinderfesten verdient, der kann ja sowieso nicht ganz echt sein... es hat seine Vorteile. Ich hätte sonst auch nicht gewusst, wie unglaublich weich und angenehm zu gehen so ein Teppichboden an der Elbchaussee sein kann ...
Zu Kinderfesten gehe ich grundsätzlich nur noch barfuß. Da differenziere ich inzwischen überhaupt nicht mehr. Mitte Juni werde ich z.B. einen deiner Träume verwirklichen und barfuß in einer Bank arbeiten. Ich bin von der HASPA zur Altonale gebucht und werde dort mein Programm barfuß spielen.
Wenn ich als DJ arbeite, mache ich allerdings noch Unterschiede. Ich will mich dann nicht zur Hauptperson machen und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich als barfüßiger DJ ein Gesprächsthema bei den Gästen bin. Wenn allerdings im Laufe des abends Gäste ihre Schuhe ausziehen und baruß tanzen, was nicht selten vorkommt, bin ich sofort dabei. Ähnlich, wie ich mein Sakko auch erst dann ablege, wenn es der Gastgeber tut.  
Am Sonntag war ich erst mit meinem Kinderprogramm und danach mit meiner Musikanlage von einer Firma gebucht. Da hatte ich die Schuhe natürlich erst aus, war ja Kinderprogramm. Anschließend, als ich dann meine Musikanlage aufgebaut hatte und den DJ Part übernahm, fühlte es sich richtig an, die Schuhe wieder anzuziehen. Ich habe mich selber gewundert.

Grüße aus Hamburg,  
Bernhard

Hallo Bernhard,  
Ich habe keine Kontakte zu den oberen Zehntausend, bin aber überzeugt, dass diese ein ausgesprochen positives Verhältnis zum Barfußlaufen haben. Sie gehen von ihren Segeljachten barfuß an Land, laufen barfuß auf ihren schönen, gepflegten Grundstücken, machen Urlaub auf den Malediven, wo man seine Schuhe gleich bei der Ankunft beim Personal abgibt. Und die Jetsetter haben nicht die geringste Angst, dass sie jemand wegen der nackten Füße für arm halten könnte.  
Anders die einfachen ALG-II-Empfänger aus den Glasscherbenvierteln der Ballungszentren. Bei denen weckt der Gedanke ans Barfußgehen unmittelbare Ängste vor weiterem sozialem Abstieg ...
[habe mich gefreut, dass ich die Schuhe bei der Fahrt ausgezogen habe und dass ich einen Job habe, der mir solche Dinge erlaubt]
Gut dass du das einsiehst! Du bist geradezu ein Saboteur, du hintertreibst die Selbstausrottung unserer Wohlstandsgesellschaft. Schon schlimm genug, dass du eigenen Kinder hast -- und noch viel schlimmer, du vertreibst den anderen Leuten ihren Familienfrust mit deinem Kasperlthater! Wie soll die hehre politische Vision von der Greisengesellschaft Realität werden, solange es solche Quertreiber gibt???  
Ich denke, du verstehst, was ich durch Verdrehung der Tatsachen ausdrücken wollte :-))  
Mit schalkhaften Barfußgrüßen, Lorenz

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