[Barfuß - Chronik vor uns liegenden Jahrzehnts]

[Barfuß - Blick zurück : 2. Hälfte 20. Jhdt.]

Barfuß - Chronik eines vor uns liegenden Jahrzehnts
(Forumbeiträge im Winter 1999/ 2000)

2000 : Im Frühling und Sommer werden immer wieder einige wenige Leute barfuß, auch in Grüppchen, gesehen. In vereinzelten Pressemeldungen ist von einem neuen Trend die Rede, es wird von einer Organisation übers Internet geredet. Auch im Herbst werden in den Städten immer wieder einzelne Leute barfuß gesichtet, nun in warmen Hosen und Anoraks. Im Winter lassen mehrere Modeschöpfer unabhängig voneinander ihre Sommerkollektionen für 2001 barfuß präsentieren - jedenfalls die der Damen.
2001 : Im Frühling ist bereits eine deutlich größere Anzahl Leute barfuß zu sehen. Eine neue Popgruppe, die stets barfuß auftritt, wird populär. Erste Barfußdiscos eröffnen in den Großstädten. Auch im "etablierten Nachtleben" sind zunehmend schwarze Sohlen zu sehen.
2002 : Modegag im Frühsommer sind neue sohlenfreie Sandalen. Orthopäden, in den Medien dazu befragt, ob das denn gesund sei, geben zur Antwort, es sei sicher weit weniger schädlich als der Plateausohlentrend. Dieser ebbt nun stark ab ...
2003 : Auch die Herrenmode zieht nach. Neben "wohlgekleideten" Bermudashorts kommen knöchellange, enggeschnittene Hosen auf, die als Alternative zum Schlabberlook populär werden, nachdem ein bekannter Showmaster seine Samstagabendshow barfuß präsentierte.
2005 : Eine Warenhauskette macht damit Furore, dass sie unter dem Motto "Schuhe aus - Preise runter" im Sommerschlussverkauf alle Mitarbeiter barfuß gehen lässt. Damit finden die nackten Sohlen auch Eingang ins Berufsleben. Allenthalben sind Tipps zum Barfußlaufen zu lesen.
2006 : Nach dem Regierungswechsel in einem Bundesland legt ein Minister barfuß seinen Amtseid ab und tritt damit einen Schwall von Kommentaren in der Presse los. Ein Polizist, der im Sommer barfuß seinen Dienst in der Amtsstube verrichtet, wird abgemahnt, gewinnt aber vor Gericht.
2007 : Nicht nur in den Unis, sondern auch in den Schulen kommen an warmen Tagen die Studenten und Schüler ungefähr zu Hälfte barfuß. Auch Lehrer geben sich zunehmend schülernah. Mehr und mehr Kindergärten lassen die Kinder grundsätzlich barfuß gehen. Ein großer Hersteller von Kinderschuhen gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
2008 : Selbst im Winter sind nun mehr und mehr nackte Füße zu sehen. "Stiefel", die sich weich gefüttert um den Knöchel und über den Fuß legen, aber die Sohle frei lassen, sind der Hit der Saison, zumal es auch eine Variante mit abnehmbarer Sohle gibt. Im Sommer gibt es einen kurzzeitigen Trend, sich die Sohlen semipermanent schwarz zu färben.
2009 : In der "jüngeren Generation" geht die Mehrheit barfuß, sobald es das Wetter zulässt. Auch in der "feinen Gesellschaft" werden zunehmend Schuhe an der Theatergarderobe abgegeben. Selbst Rentner erinnern sich mehr und mehr an ihre Jugendzeiten ... Schuhe gibt es weiterhin, aber in allen Lebensbereichen nur noch als fakultatives Zubehör.
2099 : An der Schwelle zum neuen Jahrhundert ist es nur noch eine vage Erinnerung, dass Leute ohne Schuhe einmal komisch angesehen wurden ...
U.

Lieber U. (?) und alle Barfußfreunde, dieser Artikel hat mich so begeistert, dass ich mitten in der Millennium - Nacht als erster im neuen Jahrtausend (geschafft!!) reagieren muss.
Auch wenn eine gehörige Portion Optimismus notwendig ist, gehen wir doch einfach mal davon aus, dass wir in 10 Jahren diese traumhafte Entwicklung bestätigen können und fangen wir einfach damit an, unser möglichstes dazu beizutragen. Gute Vorsätze darf/ sollte man ja haben, nicht nur heute.
Ein gutes, erfolgreiches, zufriedenes, glückliches und möglichst barfüßiges Jahr 2000 allerseits! Moritz

Hallo U., besten Dank für den zugleich amüsanten und optimistisch stimmenden Beitrag zur Jahreswende ! Auch wenn einige der Prognosen als etwas gewagt gelten dürfen, können / sollten wir gemeinsam der Entwicklung etwas nachhelfen, und sei es "nur" durch unser Vorbild im Alltag ! Und dazu ergeben sich hoffentlich 2000 viele Gelegenheiten !
Aber eine Frage bleibt noch : Was bitte ist 2004 los ? Bargrüßige Füße Georg

[ 2005: Warenhauskette macht Furore, dass sie unter Motto "Schuhe aus - Preise runter" im Sommerschlussverkauf alle Mitarbeiter barfuß gehen lässt ]
Ich mag ja so meine Zweifel haben, ob alle Mitarbeiter hier mitmachen, oder ob es nicht zum großen Personalaufstand kommt. Doch wie wäre es mit folgender Schlagzeileile:
2005: Eine Warenhauskette macht damit Furore, dass sie unter dem Motto "Schuhe aus - Preise runter" allen barfußlaufenden Kunden und Kundinnen einen zusätzlichen Rabatt auf die Einkäufe gewährt.
Es soll ja Leute geben, die alles tun oder in Bewegung setzen, wenn es etwas gratis oder billiger gibt, auch barfuß einkaufen.... Spency

Hallo, die Idee hatten wir schon mal im Forum - als Aprilscherz und mit einigen kreativen Ausweitungen .
Herzliche Füße Georg

Leider sehr unrealistisch das Ganze, man kann ein Monatsgehalt darauf verwetten, dass es nicht so kommen wird, ohne Angst um sein Geld haben zu müssen.
Eine Sache ist allerdings eh schon passiert, bzw. man sieht es immer wieder mal: Modemacher lassen ihre Sommerkollektionen zwar nicht grundsätzlich barfuß präsentieren, es kommt aber doch recht oft vor, dass Models ohne Schuhe über den Laufsteg gehen. Marco N.

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Barfuß - Blick zurück : die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts
(Forumbeitrag im Frühling 2001)

[Frage an Dich, Lorenz: Wie war es zu Deiner Zeit? Lag die Barfuß - Quote wirklich so viel höher, wie wir Jüngeren es uns für die späten Sechziger, frühen Siebziger immer so vorstellen?
Erzähl doch mal! Lotsi
]

Aus der Jugendzeit könnte ich natürlich Bände erzählen -- zum Glück für das Hobby- Barfuß- Forum habe ich nicht so viel Zeit und muss mich kurz fassen.
50er Jahre: Kindheit in Unterfranken (Hammelburg, Würzburg) -- geschlossene Schuhe waren meiner Erinnerung nach absolut Standard. Meine älteren Cousinen haben sich bereits damals mit Stöckelschuhen die Füße ruiniert.
Ende der 50er erster Familienurlaub in Oberbayern (Waginger See), Ferien auf dem Bauernhof. Da haben wir echt gestaunt, dass da die Kinder bei jedem Wetter und auf jedem Untergrund barfuß liefen! Außer am Sonntag, da waren sie mit Schuhen an den Füßen etwas schwerfällig zu Gange und haben eher betrübt aus der Wäsche geschaut. Das barfüßige Nord-Süd-Gefälle war damals viel stärker als heute.
60er Jahre in Würzburg: Meine Gymnasialzeit -- leider reine Bubenschule.
Barfußsport wurde immer von einigen praktiziert, man musste nur seine Turnschuhe vorzeigen, damit man nicht als vergesslich gebrandmarkt wurde. Ein einziges Mal bin ich mit einem Freund barfuß durchs Schulhaus gelaufen und wir wurden gleich von einem recht verknöcherten Pauker zur Schnecke gemacht.
Aber die geschlossenen Schuhe waren plötzlich out und die legendären Holzklappern waren der Renner! Und bei schönem Wetter sah man meistens einige barfüßige Jugendliche -- vielleicht, weil die Holzklappern öfters mal zu Bruch gingen?
Für mich kam der Barfüßerdurchbruch im Schrebergarten meiner Eltern und auf dem angrenzenden Sportplatz -- und vor allem im Ruderclub. Ich erinnere mich noch an einen Klassenkameraden, der auf einer Ruderwanderfahrt barfuß dem Boot entstieg und zur Kneipe ging. Das nächste Mal war er nicht mehr der einzige :-) Auch ich habe oftmals Vorbilder gebraucht ...
70er Jahre in Würzburg: Da wurde schon deutlich mehr barfuß gelaufen, als vorher -- oder auch als heute. Leider hinderte mich mein Chemiestudium, an diesem Trend voll beteiligt zu sein, denn ich bin während der schönen Studienzeit meist mit Sicherheitsschuhen im Labor gestanden.
80er Jahre in Oberbayern: Da bürgerte sich flächendeckend FKK ein und ich habe meine Zeit entweder im Job oder "barfuß bis zum Hals" in der Natur verbracht. Wie ansonsten der öffentliche Barfußtrend verlief, habe ich etwas aus den Augen verloren.
In diesem Jahrzehnt sind wir aufs Land gezogen, wo man im Sommer mehr Barfüßige sieht, als anderswo.
90er Jahre in Oberbayern: Seit der Wende sind der FKK- und Barfußtrend leider eher rückläufig, auch in der Kleinstadt :-(( Besonders leider bei Jugendlichen ...
Neues Jahrtausend: Das Internet macht's möglich -- wir machen den Trend selbst und lernen immer mehr nette Barfüßige kennen für Erfahrungsaustausch und gemeinsame Unternehmungen!!! Also brauchen wir keinen nostalgischen Rückblick, weil wir den Gang der Dinge (genauer: unserer bloßen Füße) selbst bestimmen!
Herzliche Füße, Lorenz

Gut, dass hier wieder mal die "Goldene Ära" des Barfußlaufens angesprochen wird.
In den 70ern war Barfußlaufen als "Protest" gegen das "Establishment" ein allgegenwärtiger Mode-Trend. Gesundheitliche Beweggründe waren dafür nicht ausschlaggebend. Auch Life-Style oder esoterische Gründe nicht.
Ich kann mich erinnern, dass ganze Gruppen von jugendlichen Barfußläufern die Fussgängerzonen bevölkerten, und sie schockierten dabei nicht mal: in den älteren Passanten weckten sie Erinnerung an ihre eigene (oft bitterarmen, aber glücklichen) Jugendjahre!
Niemand dachte sich damals was dabei, wenn du am Hauptplatz deiner Heimatstadt oder in irgendeiner Diskothek barfuß auftauchtest - sofern du ein bestimmtes Alter nicht überschritten hattest. Und das lag so etwa bei 35 Jahren. "Traue keinem über 30" war ja das Motto der Hippie- und Antikriegs- Bewegung damals. (Heute sind die "dynamischen" 68er auf ihrem "langen Marsch durch die Institutionen" gutbezahlte Politiker geworden, und leiden durch das oftmalige Wenden des Halses unter so schweren Verspannungen, dass sie dringend wieder mit dem Barfußgehen anfangen sollten) ... lol
Mit fortschreitende Vereinnahmung des 68er-Gedankenguts seitens der etablierten Politik einerseits - und dem Ende des letzten "Kolonialkriegs" in Vietnam anderseits - änderte sich auch der Modetrend. Es wurde schick, als kahlgeschorene Punks mit Schnürstiefeln und Stahlkappen herumzustiefeln. Das schockierte die ältere Generation tatsächlich - und brachte den erwünschten bzw. erhofften Effekt; nämlich zu zeigen, dass man anders ist, anders denkt, und überhaupt: dass man sich gegen etwas und jedes und alles auflehnt, weil sowieso alles besch.. ist.
Während in den 80ern das Barfußlaufen "aus der Mode" kam, weil es den (überkommenen) Zeitgeist der Hippiebewegung veranschaulichte, begann in den späteren Jahren und dann insbes. in den 90ern ein neues, von der Ökologie- und New Age- Bewegung geprägtes Denken, das uns Hoffnung für die Zukunft verspricht. Dazu zählt jetzt u.a. auch:
-- Barfuß als "Vereintsein mit der unverdorbenen Natur"
-- Barfuß als persönlicher "Life-Style" und als "Ego-Trip"
-- Barfuß aus Gesundheitsbewusstsein, Stärkung des Immunsystems etc.
-- Barfuß als Spass, Lebensfreude, Hobby...
-- Barfuß als "Sport", ja sogar als "Sportgerät"
-- Barfuß zur Wiedergewinnung verlorenen Selbstwertgefühls
-- Barfuß als kostenlose Therapie vieler Zivisationsleiden
-- Barfuß, um Gleichgesinnte und Partner kennenzulernen..
Aus allen diesen genannten Komponenten erwächst m.E. in den nächsten Jahren auch wieder EIN NEUER MODE- TREND. Dessen bin ich mir sicher!
mit barfüßigen Grüßen
Frankie von Süden
(Diplomarbeit :-))

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