Fixiert auf nackte Füße - ein Erklärungsversuch
(Forumbeiträge im Frühling 2000)

Hallo zusammen, zunächst einmal zu meiner Person.
Aufgrund der Diskussion der vergangenen Tage möchte ich ein wenig von meinem Leiden mit nackten Füßen erzählen. Vielleicht werden dadurch die Beiträge einiger Forumsteilnehmer nachvollziehbarer. Was nicht heißt, dass sie zu tolerieren oder zu entschuldigen sind.
Ich bin als Kind wenig barfuß gelaufen, höchstens bei uns im Garten oder am Strand. Auch wenn ich mich mit den Nachbarskindern traf, von denen einige barfuß liefen, behielt ich meist die Schuhe an. Meine Eltern hatte eben eine negative Einstellung zum Barfußlaufen.
Höchstens wenn ich ein paar Tage bei meiner Oma zu Besuch war, ging ich auch schon mal etwas länger barfuß, z. B. zum Supermarkt. Ab dem 10. Lebensjahr war es für mich mit dem Barfußlaufen praktisch vorbei, denn meine Oma lebte nicht mehr. Doch immer wenn ich Barfüßer sah, was ja in 95% aller Fälle Frauen und Mädchen waren, fühlte ich mich davon angezogen. Ja, es hat mich erregt, viel mehr als Bilder von nackten Frauen. Aber nie im Schwimmbad oder am Strand, sondern nur auf der Straße und an ungewöhnlichen Orten. Und auch nur bei Frauen, bei Männer schaute ich kurz und dann war es auch schon vorbei.
An warmen Tagen lief ich oft lange durch die Stadt in der Hoffnung, irgendwo ein barfüßiges Mädel zu sehen. Schwarze Sohlen fand ich besonders erregend und spürte immer den Drang, hinterher zugehen und zu schauen, wohin sie überall barfuß geht.
Wenn ich nackte Frauenfüße sah, konnte ich an nichts anderes mehr denken. Ich habe mich dabei aber immer sehr unwohl gefühlt.
Seit einiger Zeit bin ich in Psychotherapie. Wir haben viel über dieses Thema gesprochen und endlich weiß ich, was mich so faszinierte. Es ging nicht um die Füße an sich, sie waren nur ein Bild. Ich hatte große Kontaktschwierigkeiten. Mit nackten Füßen hat man Kontakt zum Boden. Sie drückten eine Sehnsucht aus, nach Kontakt und nach Gefühl. Alles erleben, nicht mehr dieses Gefühl der Wand zwischen mir und den Mitmenschen, symbolisiert durch die Schuhsohle.
Nackte Füße waren ein Bild der Befreiung von inneren Zwängen, aus denen ich nicht rauskonnte. Für diese Zwänge standen die Schuhe Symbol. Je schwärzer die Fußsohlen sind, desto länger ist der- oder diejenige barfuß gelaufen, und zwar an ungewöhnlichen Orten. Leuten, die irgendwo barfuß mit sauberen Fußsohlen sitzen, haben sich nur mal gerade die Schuhe ausgezogen und werden sie wohl vor dem Weitergehen wieder anziehen. Schwarze Sohlen waren also ein Erkennungszeichen: diese Person hat's getan, sich was getraut, was ich mich nicht traue, ist barfuß an einem ungewöhnlichen Ort gegangen.
Bei der Fixierung auf bestimmte Köperteile ist oft Konfliktunfähigkeit vorhanden. Menschen können mir wehtun, Füße nicht. Warum viele dann gerade so oft auf die Füße fixiert sind, hat seinen Grund darin, dass man an den Füßen empfindlich ist. Alle Nervenbahnen des Körpers enden an den Füßen. Die Füße sind also ein Abbild des Körpers. Wenn mir ganz nackt durch die Natur gingen, es wäre windstill, kein Duft in der Luft, die Hände würden in der Luft hängen, wären die Füße das einzige Organ, dass etwas spüren würde, nämlich die Erde. Mit den Füssen ergeben sich also die meisten Möglichkeiten der Sinneserfahrung.
Für mich ist es zur Zeit, weniger wichtig, viel barfuß zu laufen, weil es nicht das eigentliche Problem ist. Höchstens, dass ich als Kind den Wunsch unterdrückt habe und er dadurch stärker wurde. Ich muss überhaupt erst mal lernen, sinnliche Erfahrungen, zu machen. Dazu gehört z. B. einmal die Waldluft nach einem Gewitter zu riechen, ein gutes Essen wirklich zu genießen, Freude an netten Gesprächen zu haben. Ich berühre jetzt oft mit den Händen Sachen am Wegesrand, sei es ein Baum, ein Laternenpfahl oder ein Stromkasten. Die Füße können dann irgendwann dazu kommen.
Dass mich nur Frauenfüße erregten, spricht für den Wunsch nach Kontakten mit dem anderen Geschlecht, was auch nur ein nettes Gespräch bedeuten kann. Also ist auch das Ziel der Therapie. Ungezwungen auf Frauen zugehen.
Als es kürzlich so warm war, aber ich in der Kölner Fußgängerzone einige Frauen und Mädchen barfuß gesehen. Ich habe schon hingeguckt, aber das zwanghafte war weg, ich musste nicht hinterhergehen und konnte mich dann wieder auf andere Dinge konzentrieren. Für mich gilt jetzt einfach: das Leben mit allen Sinnen wahrnehmen.
Dies war ein Versuch, einige männliche Beiträge in diesem Forum zu erklären. Da Männer ihre Gefühle oft unterdrücken, ist bei ihnen einiges sehr stark ausgeprägt. Aber wie gesagt, das ist keine Entschuldigung für die Entgleisungen, die hier passiert sind. Man darf sich freuen, wenn jemand was erzählt. Einige Beiträge haben mir persönlich weitergeholfen. Aber hier darf niemand zu etwas gedrängt werden. Ich hoffe, dass bald wieder eine sachliche aber zugleich gefühlvolle Diskussion geführt werden kann. Schöne Grüße Ingo (K)

Hallo Ingo Vielleicht kann Dein wirklich sehr behutsam formulierter ehrlicher Beitrag eine Brücke schlagen zwischen den Leuten, die alle Vorbehalte überwunden haben und frohgemut barfuß voranschreiten, und denen, die das nur mit sehnsüchtiger Glut wünschen, weil ihnen ihre Erziehung den Weg dahin nicht geebnet hat. Doch ist dieser Weg in kleine Schritten einfach zu erschließen!
[Leben mit allen Sinnen wahrnehmen]
Ja!!!! Und in den Fußsohlen steckt immerhin ein Viertel des Tastsinns. Aber Augen, Ohren, Mund und Nase sind als Wahrnehmungszentren auch nicht zu verachten!
Herzliche Füße, Lorenz

Hallo Ingo, Dank für einen der interessantesten und aufschlussreichsten Beiträge, die ich seit langem im Forum gelesen habe; Respekt für Deinen Mut, hier so offen und direkt über ein Dich selbst betreffendes und von Dir selbst erkanntes Problem zu berichten; und schließlich die Hoffnung, dass nicht nur Dein Wunsch in Erfüllung geht ...
[hoffe, dass bald wieder sachliche aber zugleich gefühlvolle Diskussion geführt werden kann] ... sondern auch der ein oder andere Mitleser hier im Forum, den ähnliche Probleme betreffen, wie Du den Mut aufbringt und professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, statt das Internet zum Ausleben der Symptome zu benutzen.
[ Leben mit allen Sinnen wahrnehmen]
Eigenes Barfußlaufen passt super dazu !
Nach einem Nachmittag auf bloßen Sohlen unterwegs grüßt Dich ganz herzlich Georg

Hallo Ingo! Auch von meiner Seite meinen Respekt und meine Anerkennung für Deinen so aufschlussreichen Beitrag! Wenn alle so ehrlich sich selbst und anderen gegenüber wären wie Du, sähe es auf dieser Welt sehr viel besser aus!
Alles Gute und letztenendes die Erfüllung Deiner tatsächlichen Wünsche und Träume (z.B. Liebe und Partnerschaft) wünscht Dir MarkusII

Ehrlich und genial! Viel Glück, dass du die Therapie erfolgreich umsetzen kannst.
Und viel Spaß weiterhin beim barfußlaufen und Barfüßern - "Nachschauen" Grüße, Stefan

Klingt alles sehr konstruktiv und informativ. Auch von mir aus vielen Dank an Ingo und Erfolgswünsche für ihn. Allerdings, und das ist mir sehr wichtig zu erwähnen, heißt das nun nicht das alle Leute, die irgendwann irgendwie in beliebiger Häufigkeit barfuß laufen irgendwelche Psychischen Defekte haben müssen.
Es gibt ja immer wieder Leser die solche Beiträge fix verallgemeinern. Plattfuß

Hallo Ingo, herzlichen Dank für Deine Darstellung. Es ist schon mutig, sich so offen über die eigenen persönlichen Dinge zu äußern. Ich gratuliere Dir dazu und freue mich, denn es zeigt, dass Du bereits weitaus kommunikativer bist, als viele andere ...
Viel Spaß bei allem, was Du tust, wünscht Dir: Michael (AL)

Lieber Ingo, ich habe Deinen Beitrag mit größtem Interesse gelesen. Ich bin Fußfetischist und habe keine Schwierigkeiten mit diesem Wort. Auch ich finde den Anblick barfüßiger Frauen sehr erregend, aber meine Erfahrungen unterscheiden sich doch erheblich von Deinen.
Ich habe schon als Kind mit leuchtenden Augen zugeschaut, wenn Mädchen barfuß Gummihüpfen gemacht haben und später als Schüler viel Freude gehabt - lang lebe der Koedukative Sportunterricht. Dabei habe ich mich nie, wie Du schreibst, "unwohl" gefühlt, abgesehen von einer kurzen Phase mit etwa 18 Jahren.
Wenn man merkt, dass man ein bisschen anders tickt als die vermutlich überwiegende Mehrheit um einen herum, zweifelt man schon etwas an sich. Aber das war sehr bald wieder vorbei. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, mich in Therapie zu begeben, dazu macht mir meine Abweichung viel zu viel Spaß. Das einzige Problem ist die Suche nach einer passenden Partnerin - selbstverständlich NICHT in diesem Forum.
In der durchaus lesenswerten Novelle "Barfuß" von Michael Kleeberg wird eine brauchbare Erklärung für die erotische Faszination nackter Füße gegeben. In Kürze: nackte Füße - Schutzlosigkeit, Wehrlosigkeit, in gewisser Hinsicht Ausgeliefertsein. Das kann ich - für mich - bestätigen.
Ich finde, dass nackte Füße eine Frau femininer erscheinen lassen.
Ein guter Freund von mir - er ist schwul - sagte, er würde im Sommer zwar Sandalen tragen, aber nicht barfuß laufen - "da käme ich mir vor wie Brigitte Bardot".
Falls es Dich interessiert, Prominente Fußerotiker waren u.a. der Dichter Charles Baudelaire, F. Scott Fitzgerald und der Hollywoodveteran Cecil B. deMille. Meine besten Wünsche bernd

Hallo, zunächst einmal vielen Dank für die durchweg positiven Rückmeldungen auf meinen Beitrag. Ich war ja doch sehr gespannt auf die Reaktionen.
Ich muss noch nachtragen, dass die Fixierung auf nackte Füße nicht der Hauptgrund für die Therapie war. Ich hatte große persönliche und dadurch auch berufliche Schwierigkeiten. Ich tat mich sehr schwer, dieses Thema in der Therapie anzusprechen. Während ich über alle anderen Dinge offen redete, schob ich diese Sache einige Zeit vor mir her.
Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn man sich gerne schöne Füße anschaut. Schließlich gibt es hier im Forum ja auch eine Galerie und man kann eine CD erwerben (habe ich übrigen schon bestellt). Das schlimme bei mir war ja dieses Zwanghafte, dass ich, wenn ich nackte Füße sah, an nichts anderes mehr denken konnte. Insofern hat dieses mir schon sehr geholfen, da ich hier mal andere Meinungen zum Thema "Barfußlaufen" erfahren konnte.
Jetzt weiß ich, wo Leute barfuß laufen, warum sie es tun, was sie dabei empfinden. Da waren auch immer Fragen, die mir durch den Kopf schossen, wenn ich Barfüßer sah. Wie gesagt, es geht darum, das Leben mit allen Sinnen zu erfahren und sich an allen schönen Dingen zu erfreuen, dazu gehören auch Barfußlaufen und schöne Füße.
Man kann die Fixierung auf nackte Füße vielleicht mit Alkoholismus vergleichen. Ein Glas Bier oder Wein schmeckt sehr gut, wenn aber das Trinken zur Sucht wird, ist es gefährlich und höchste Zeit zu handeln. Schöne Grüße Ingo

Lieber Ingo! Vielen Dank für Deinen ehrlichen Bericht! Nach so manchen Dingen, die ich eher mit Verwunderung gelesen habe, hat mir Dein Text dieses Forum wieder so richtig sympathisch gemacht.
Ich möchte versuchen, auf einen Aspekt noch ein bisschen näher einzugehen, der mir von mir irgendwie bekannt vorkommt: Ich denke, meine Begeisterung fürs Barfußgehen ist auch irgendwie ein Versuch, etwas nachzuholen, das ich als Kind versäumt habe. Ich war wohl ein wenig überbehütet und hab einfach zu wenig Platz gehabt für spontanes Handeln und Erleben. Aber heute bin ich glücklich darüber, dass ich nicht nur etwas nachtrauere, sondern es gelernt habe, mir eben meine Freiheiten zu nehmen.
Mit meiner Leidenschaft für Wanderungen und Reisen, beides immer wieder auch allein und ziemlich oft barfuß, schaffe ich es, die Sehnsüchte meiner Kindheit eben heute zu leben. Ich glaube schon, dass ich es dennoch geschafft habe, erwachsen zu werden. Diese Sehnsüchte sind eben Teil meiner Persönlichkeit, sie sind da, ich habe ein Recht, über mich zu bestimmen, und deshalb lebe ich sie. Deshalb wünsche ich auch Dir, lieber Ingo, noch ganz viel Spaß im barfüßigen Teil Deines Lebens! Harald

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