Barfuß in der Öffentlichkeit - als Freak oder lieber kontaktfreudig ?
(Forumbeiträge im Sommer 2000)

Viele haben ein Problem damit in der Öffentlichkeit barfuß zu laufen.
Sie wechseln die Straßenseite, damit ja keiner sieht, was sie da tun.
Sie tragen Schuhe in der hand, die vom weiten schon zu eng aussehen.
Sie kleben sich Alibipflaster an die Füße, um den Spießern zu demonstrieren, dass der Grund für unten ohne wahrscheinlich ein kleines Wehwehchen sein muss.
Mein wissenschaftlicher Rat: steht doch dazu.
Macht es zum Ausdruck, dass ihr absichtlich und gerne barfuß lauft.
Das geht natürlich schwer, wenn man
(1.) wie ein Sparkassenangestellter aussieht, zu dem barfußlaufen so gar nicht passt und dann auch noch
(2.) das Selbstbewusstsein nicht so groß ist.
Man fühlt sich die ganze Zeit in einem gewissen Erklärungsnotstand.
Das muss nicht sein. Mein Tipp:
Freaks genießen bei der Bevölkerung eine gewisse Toleranz. werdet einfach zum Freak:
1) macht euch Rastaas und werdet zum Ökofreak! "ach, ein Ökofreak schon wieder, und auch noch barfuß? klar, is ja ein Ökofreak..." denkt sich da der Spießer.
2) lasst euch einen Ziegenbart wachsen und werdet zum Goa - Freak! "... schon wieder so ein Goa -  Spinner. und dann noch barfuß, wie in Goa ... warum eigentlich nicht? Schließlich ist es hier sogar sicherer als in Goa. Hier gibt's keine Klapperschlangen ..." denkt sich da der Spießer.
3) lasst euch lange Haare wachsen und werdet zum Jesusfreak! "Hey, der sieht ja aus wie Jesus. und auch noch barfuß, wie authentisch! Ob der wohl übers wasser laufen kann ...?" denkt sich da der Spießer. Höchster religiöser Respekt ist diesem Freak sicher, besonders in Bayern.
FAZIT: die Welt liebt Freaks. Niemand nimmt einem Rastafari barfußlaufen übel. Niemand hindert Jesus am Betreten eines Supermarktes. Wer geliebt werden und sein Lieblingshobby ausüben will, sollte Freak werden. Er macht die graue Welt in D ein bisschen bunter. Dr. Freund

*grins* ... eindeutig 'best of '- verdächtig!
Trotzdem werde ich weiterhin ohne Rastas, Ziegenbärtchen, etc. barfuß die Straße säubern und den Schmutz zuhause in der Badewanne entsorgen. Lomo

Kein schlechter Einwurf. Ich selbst habe auch schon 2 oder 3 mal ein freudiges "Jesus lebt" zugerufen bekommen, obwohl ich keine langen Haare habe, zumindest nicht oben auf dem Kopf :-) Füßle Wylly

Hmmm, da hab' ich jetzt aber ein Problem.
Ich bin total spießig und trotzdem barfuß unterwegs.
Was werden denn da jetzt die Freaks sagen?
Werden sie mich zwingen, Lackschuhe anzuziehen?
In großer Sorge, Jörg (Hanna)

Hallo zusammen, immer wieder lese ich hier im Forum, dass Barfüßer versuchen die möglichen Kontakte mit Beschuhten auf ein Minimum zu reduzieren.
Da wird die Gehwegseite gewechselt, ein Umweg genommen, etc. um ja nicht möglichen Bemerkungen ausgesetzt zu sein oder aufzufallen.
Da stellen sich mir nun aber zwei Fragen:
1) Fällt man durch solches (oft offensichtliches) Verhalten nicht mehr auf, als dass man Aufsehen vermeidet? Zeigt man dadurch nicht sein eigenes "schlechtes Gewissen" (völlig unnötig)?
2) Wenn es unser Wunsch ist, dass das Barfußlaufen in der Öffentlichkeit mehr Akzeptanz findet, dann geht das wohl nur so, dass die Schuhträger/innen sehen, dass es Barfußläufer gibt. Je weniger Barfußläufer auf den Straßen und Wegen unterwegs sind, desto exotischer ist man als solcher.
Fazit: Barfußlaufen fördert man am besten, indem man selber möglichst oft und "auffällig" barfuß läuft. Was meint ihr dazu? Kai

Hallo Kai, gerne beteilige ich mich an der von Dir angeregten Diskussion!
[Barfußlaufen fördert man am besten, indem man selber möglichst oft und "auffällig" barfuß läuft]
Im Sommer ist es gar nicht so einfach, durch Barfußlaufen aufzufallen, zumindest in Süddeutschland!
Abgesehen von einigen Kindern hat kaum jemand Interesse, sich mit der Frage auseinander zu setzen, ob man wegen defekter oder unbequemer Schuhe, wegen der Hitze, aus Spaß an der Freud' oder aus Weltanschauung unten ohne unterwegs ist.
Und vom Urlaub, vom Badesee, vom eigenen Garten ist man den Anblick barfüßiger Menschen auch gewohnt.
Komisch wirkt nur, wenn jemand entweder besonders auffällig oder besonders unauffällig wirken will.
Laufen wir doch einfach normal barfuß!
Das wird zwar von vielen Leuten gar nicht zur Kenntnis genommen, aber wer es wahrnimmt, gewinnt den Eindruck, dass Barfußlaufen ohne Wenn und Aber o.k. ist!
Da die Presse Barfußlaufen als neuen Sommertrend beschreibt (obwohl dies eigentlich noch gar nicht so recht sichtbar ist), sind die Leute auch dafür aufgeschlossen, einen Barfüßer vorurteilsfrei zur Kenntnis zu nehmen und zu akzeptieren.
Und notfalls könnte man sagen: "Haben Sie nicht in der Zeitung gelesen, dass Barfußlaufen in Kommen ist?"
Meine eigene Erfahrung ist, dass ich mir als Initiator von Barfußpfaden bei verschiedenen Veranstaltungen sehr viele Sympathien erworben habe -- und ich würde gewiss schwach angeredet, wenn ich mich irgendwo mit Schuhen blicken ließe.... Herzliche Füße, Lorenz

Hallo Kai, ich glaube eigentlich, dass barfuß laufen nichts so besonderes ist solange man es nicht übertreibt.
Warum soll ich denn besonders auffällig sein, mit Schuhen ist man es ja auch nicht.
Gruß Matthias (WN)

Schwierig, Schwierig: Für mich ist es einerseits wegen meines Jobs ein Problem, hier an meinem Wohnort erwischt zu werden; dies ist es was mich hier hindert und was derzeit einer der Gründe ist, darüber nachzudenken, einen anderen Job zu wählen aber das geht leider nicht mehr. Andererseits ist es außerhalb dieses Gefahrengebietes fast kein Problem mehr und seit das so ist, staune ich eigentlich mehr darüber, wie wenig Leute zur Kenntnis nehmen, dass man barfuß läuft oder zumindest nicht zu erkennen geben, dass sie es registriert haben.
Als ich hier auch noch darauf bedacht war, nicht erwischt zu werden, oder extrem genau registrierte, was andere Leute sagten oder dachten, war die Resonanz wesentlich größer.
In Hannover auf der EXPO habe ich echt gestaunt, dass am ersten Tag ganze drei Leute meine nackten Füße zur Kenntnis nahmen und lediglich einer mich direkt angesprochen hat und das, obwohl absolutes Scheißwetter war mit Regen und kühlen Temperaturen tagsüber so zwischen 12 und 15 und nachts zwischen 8 und 10 Grad. Selbst als ich barfuß um 23,00 h bei Flambe und anschließend an der Straßenbahnhaltestelle stand, hat mich kaum jemand zur Kenntnis genommen und keiner angesprochen.
Das bestätigt die Theorie, dass man umso weniger auffällt, umso weniger einem selbst bewusst ist, dass man keine Schuhe anhat. Lothar

[man umso weniger auffällt, umso weniger einem selbst bewusst ist, dass man keine Schuhe anhat]
Ich denke, Du hast hier voll den Nagel auf den Kopf getroffen. Offenbar ist es wirklich auch die eigene Körpersprache, die anderen (bewusst oder unbewusst) erst den Anlass zu geben scheint, die Barfüßigkeit zu "bemerken". Kai

Hallo Kai und die anderen, umgekehrtes Problem. Wie begegnet man einem anderen Barfüßer grußtechnisch ansprachegemäß etc.
Obwohl ich einen Job habe, wo es umgekehrt sein müsste, bin ich alles andere als kontaktfähig.
Bin ich barfuß unterwegs, werde ich angesprochen oder auch nicht, also alles ok. Mittlerweile habe ich zumindest einmal bei mir erlebt, dass ich bewusst versuchte, einem anderen Barfüßer nicht aufzufallen bzw. mich in die andere Richtung zu bewegen.
So etwas ist nicht beabsichtigt, passiert aber. Lothar

Hallo, ich habe festgestellt, dass wenn ich barfuß unterwegs bin, ich ein anderes Auftreten habe als sonst. Wahrscheinlich um seine anfängliche Unsicherheit zu überspielen, tritt man forscher und selbstbewusster auf. Das wirkt sich auf die Mitmenschen auch positiver aus.
Ich habe bei meinem letzten Barfußeinkauf in Bremen festgestellt, dass ich von meinen Mitmenschen ganz anders wahrgenommen wurde.
Einige Beispiele: Ich wurde auf der Straße angesprochen, ob ich nicht an einer repräsentativen Umfrage teilnehmen möchte. Ich sagte zu. Statt auf der Straße wurde die Umfrage dann aber in einem Großraumbüro in der Bremer City durchgeführt. Es gab natürlich große Augen als ich dort barfuß hinein marschierte, aber umgebracht hat es mich nicht.
Ich wurde z. B. eine Stunde später dann von einer Person angesprochen, die meinte, ich würde unheimlich "cool" durch die Stadt laufen und ziemlich selbstbewusst wirken. Das war mir in meinen 33 Lebensjahren noch nie passiert.
Ich bin der Meinung, dass wenn man sich auch traut, das zu machen, was man machen möchte, es sich sehr positiv aufs Allgemeinbefinden auswirkt.
Also Leute, immer fleißig weiterlaufen. Umgebracht hat es noch keinen. Andreas S.

Exakt so ist es auch bei mir! Und das hat mir ganz allgemein geholfen, sicherer und kontaktfreudiger zu werden. Serfuß, Lorenz

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