Barfuß! Ein Problem für den Partner/die Partnerin? (3)
(Forumbeiträge im Herbst 2002)

Dieser Thread führt ein sehr altes Thema fort, das bereits behandelt worden ist.

Hallo zusammen!

Ein hier im Forum immer wieder aktuelles Thema ist die Frage „ Wie hält es eigentlich der Partner/die Partnerin mit dem praktizieren, tolerieren, akzeptieren vom Barfußlaufen?"

Es gibt sicherlich keine generelle Antwort darauf. Aber wie oft sind es ja grade die zusammengetragenen Erfahrungen, die eigentlich interessant sind, weil sie in der Regel grundverschieden sind. Darum denke ich, könnten meine Erfahrungen zu einem lebhaften Austausch anregen.

Mein Mann und ich sind z.B. grade durch mein Faible zusammengekommen. Es war noch während des Studiums, als ich irre viele Klausuren zu schreiben hatte und trotz reichlich Anstrengungen dennoch durch so manche Klausur durchfiel. In der Zeit bin ich abends mit Freunden oft in Hamburg auf Piste gegangen. Und weil es mir natürlich immer barfuß besser ging, ließ ich meine Schuhe zuhause. Und so barfuß in der Disco fiel ich meinem heutigen Mann auf. Er fand das wohl ganz faszinierend und irgendwie auch attraktiv so ein Girl in T-Shirt und Jeans aber barfuß in der Disco. Wir haben uns lange unterhalten, uns wiedergetroffen und viel Zeit in meiner Bude verbracht. Irgendwann wollte ich ihn mal bei sich besuchen und bin zu ihm.

Dann kam die erste Krise. – Er wollte nicht, dass ich barfuß (also mit meinen „Straßenfüßen") in seine Wohnung komme wegen der Sauberkeit. „Ja, hat der sie denn noch alle?????" – war meine Reaktion. Der Typ war für mich gegessen.

Irgendwie wurde seine Einstellung dann aber doch etwas normaler, er war sehr hartnäckig und nach 8 Monaten konnte man sagen, wir wären zusammen.

Er hat es dann irgendwie hingenommen, wenn ich barfuß unterwegs war, aber mehr war wohl scheinbar auch nicht drin.

Die letzte Krise liegt nun vielleicht ein halbes Jahr zurück. Ich war sauer wegen dieser dauernden Hinnehmerei. – Ja, ich weiß, mancher wäre bereits über ausreichende Toleranz glücklich. – Ich war es nicht. Schließlich war ich ihm ja mal anscheinend positiv durch meine Liebe zum Barfußlaufen aufgefallen und dann war nur noch Ignoranz zu spüren. Wir haben viel gezofft über Ignoranz, liebevollen Umgang, sich nicht verstehen können, Unterschiede zwischen Mann und Frau usw.. – Nun mein Mann mag es immer noch und hat bloß verlernt, mir seine Gedanken und Gefühle mal so offen zu zeigen, wie „frau" es wohl braucht. Nicht desto trotz war der Streit gut, weil es ihn wieder mal intensiv wach gemacht hat und ich nun eben am Abend nicht mehr nur einen Brummkopf habe.
Und außerdem zeigt er es nun in letzter Zeit auch öfter, dass es ihn freut mit einer Barfüßlerin unterwegs zu sein. Und das mag ich.

Schreibt doch mal über Eure Erfahrungen, Gefühle und vielleicht auch Tipps.

Grüßchen Eure Silvia

 

Hallo, ich habe die Feststellung gemacht, dass durch die Tatsache, dass ich immer mehr barfuß laufe, meine Frau immer weniger barfuß läuft. Als ich meine Frau kennenlernte, fiel es mir sofort angenehm auf, dass sie in ihrer Wohnung ständig barfuß war. Sie sagte mir auch, dass sie in den 80ern oft auch barfuß in der Stadt war.

Dadurch, dass meine Frau in unserer Kleinstadt aufgrund ihres Berufes eine Art "Prominentenstatus" hat, verzichtet sie wohl oder übel aufs Barfußlaufen außerhalb der Wohnung. Nur die Vorliebe für Fußschmuck teilt sie mit mir und war ganz begeistert über ein paar Zehenringe von der Gaultier-Modenschau, die ich in der letzten Woche erhielt. Sie nervt mich schon die ganze Zeit, dass ich ihn tragen soll, aber da warte ich den nächsten Sommer oder eine passende Party ab.

Ich dagegen bin nicht "prominent" und nehme mir meine Freiheiten heraus. So bin ich heute bei Nieselregen und 15 °C in unsere Stadtbibliothek gegangen. Es waren ziemlich viele Teenies anwesend, die auch herzhaft hinter meinem Rücken tuschelten oder sich neben mich stellen, um Bücher im untersten Regal zu suchen ;-)

Mir hat es aber nichts ausgemacht. Vielleicht kann man durch ein gutes Vorbild den Nachwuchs begeistern.

Was mich betrifft, kann ich Deinen Mann verstehen, dass er so auf Dich abfuhr. Jede Frau, die barfuß in der Stadt oder in der Disco ist, würde ich vorbehaltlos vertrauen, weil Frauen dadurch eine sehr starke Natürlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit ausstrahlen.

Dadurch, dass man der Öffentlichkeit eine "intime" Stelle seines Körpers präsentiert, wirkt man wahrscheinlich auch vertrauter.

Gruß und Fuß, Andreas S.


Bei mir gibt es auch leichte Schwierigkeiten. Früher sind meine Frau und ich oft im Urlaub und immer zuhause barfuß gelaufen. Ich habe allerdings den Eindruck, je mehr ich barfuß laufe, destoweniger tut sie es. Mittlerweile trägt sie auch im Haus meistens Schuhe. Ich habe mir auch völlig abgewöhnt, sie irgendwie dazu zu überreden. Sie blockt dann nur ab und zieht erst recht Schuhe an. Für meine Frau ist das Argument "das tut man nicht als Erwachsener" noch ziemlich wichtig. Ich löse mich immer mehr davon. Ihr ist auch schon mal ein "das ist aber peinlich" rausgerutscht, als sie merkte, dass ich einen gemeinsamen Spaziergang barfuß unternehmen wollte. Hinterher hat sie sich jedoch dafür entschuldigt.

Manchmal habe ich allerdings auch das Gefühl, dass sie meine zunehmende Selbstsicherheit bewundert.
Ich verbringe oft meine Wochenenden auf einem Naturlisten- Campingplatz. Dort haben die Leute meistens nichts an, außer Schuhen!!! Ich habe seit 3 Jahren auf dem Platz schon keine Schuhe mehr angehabt und mittlerweile gibt es Nachahmer. Auch bin ich noch nie negativ darauf angesprochen worden, höchstens neugierig.
Ich glaube diese Reaktion hatte meine Frau nicht erwartet. Auch sie zieht jetzt immer öfter keine Schuhe mehr dort an.

Vielleicht wird's ja noch was..... Gruß, Rainer (HH)


Ich kann mich glücklich schätzen mit meiner Frau seit 12 Jahren in einer Beziehung zu leben, in der die gegenseitige Toleranz und Achtung ein ganz wesentlicher Punkt ist. Wahrscheinlich spielt es auch eine Rolle, dass wir beide uns vor 5 bzw. 4 Jahren jeder in seinem Beruf selbstständig gemacht haben und dieser Aufbau „eines eigenen Ladens" ist ein Prozess der Selbstfindung und ständiger Änderung und Anpassung. Von daher also beobachten wir beide seit Jahren aufmerksam und nicht argwöhnisch die Veränderungen beim Partner.

Meine Leidenschaft für's Barfußlaufen ist wahrscheinlich älter als ich's mir eingestehe. Bis zum Anfang d. J. bin ich aber nur zu Hause oft und frei barfuß gewesen. Dazu gab's immer wieder die heimlichen Momente, in denen ich es einfach genoss an (für mich) ungewohnten Orten Schuhe und Strümpfe auszuziehen und den Boden zu erleben.
Waldspaziergänge gehörten dabei zu den absoluten Highlights – aber immer mit dem Gedanken: „Hoffentlich merkt's keiner".
Im Frühjahr entdeckte ich dieses Forum und merkte schnell, 2002 wird mein persönliches Barfußjahr. Seit April trug ich nie mehr Socken und sooft es ging keine Schuhe.

Zu Hause habe ich dabei – gestützt durch Eure Postings – daraus einfach die große Selbstverständlichkeit gemacht und meinen Barfußradius rund um Wohnung und Haus einfach täglich größer gezogen. Ihr kennt das alles: das erste Mal beim Bäcker, im Baumarkt und eben bei den Spaziergängen mit dem Hund. Eigentlich eine Domäne meiner Frau, wobei sie sich sehr freut, wenn ich sie dabei „freiwillig" begleite.
Und wie gerne habe ich das dieses Jahr gemacht! Zuerst während des Spaziergangs auf den Wiesen einfach die Schuhe aus, später erst gar keine mitgenommen. Meine Frau hat natürlich erstaunt gefragt: „Willst Du ohne Schuhe mitgehen?" und dann aber mein „Na klar!" mit Schulterzucken quittiert. Beim dritten Gassigehen war's schon normal – obwohl es geregnet hatte!

Bei unserer Lieblingsunternehmung am Abend, dem gemeinsamen Kinoabend in Marburg (Karten abholen – Stadtbummel – Kleinigkeit trinken u/o essen – dann Kino) hab´ ich es genauso gemacht. Hier allerdings hab ich sie zum ersten mal echt ärgerlich erlebt, als ich beim Aussteigen aus dem Auto keine Schuhe anziehen wollte: „So gehst Du nicht mit mir in die Stadt!" –„Warum nicht" – „Weil sich's nicht gehört" … Ich habe an diesem Abend kurz mal einen Schmollmund gemacht und war mir sicher, dass sich die Einstellung noch ändert. Tja und beim nächsten Versuch (3 Wochen später) hat's schon geklappt: Kopfschütteln - aber kein Kommentar mehr.
Zu Hause, bei der Arbeit und Freizeit in Haus und Garten hat dann auch meine Frau immer häufiger ihre Schuhe stehen gelassen und ich hatte den Eindruck, dass sie neugierig darauf war selber zu spüren, was ich am Barfuß-laufen so toll finde. Ihr Lächeln war mein Lohn.

Die „Krönung" habe ich am letzten Wochenende beim Ausflug zum weinseligen Herbstfest an die Mosel erlebt.

Wir waren mit 2 befreundeten (Schuhträger-) Pärchen von Freitag bis Sonntag zusammen unterwegs. Dabei war ich als einziger zu 90% ohne Schuhe auf den Beinen. Meine Frau hat in dieser Zeit keine der spaßig-lästerlichen Bemerkungen unserer Freunde aufgegriffen, sondern einfach nur nach dem Motto „Jaja, das macht der jetzt immer" kommentiert.

Die Verwandtschaft an der Mosel war einfach nur interessiert „Sag mal läufst Du jetzt immer Barfuß? Aha!"
Am Sonntag Rückfahrt nach Hause. Auf Wunsch meiner Frau sollten wir über Idar-Oberstein zurückfahren. Als ich in der Straßenkarte die Route abcheckte sah ich, dass wir dann auch an Bad Sobernheim vorbeikommen würden und fasste meinen Plan. Ich erzählte am Frühstückstisch kurz vom Barfuß-Pfad, besuchte dann mit den anderen als einziger barfuß das Edelstein-Museum (Teppich und Parkett- keine Probleme!) und schlug vor, noch bis Bad Sobernheim zum Essen weiterzufahren. Ich hatte Glück: genau gegenüber dem zufällig angesteuerten Chinarestaurant am Felke-Center prangt ein riesiger Wegweiser zum Barfuß-Pfad. Als den meine Frau erblickte schimpfte sie laut aber angesichts unserer Gesellschaft schon lachend über meine Hinterlistigkeit. Ich sagte nur, das wäre doch ein prima Verdauungsspaziergang und so haben alle zugestimmt.

Ich kann euch sagen, es war grandios: Sonntag Nachmittag, 24°, Sonne, plötzlich überall Barfüßer aller Altersstufen und für uns ein Gemeinschaftserlebnis.

Ich hätte ehrlich nicht damit gerechnet, und es ist auch nicht für's Forum schön-gefaked, 2 Stunden später sagten mir alle, es habe ihnen riesig Spaß gemacht und fanden es sei eine super Idee gewesen den Abstecher nach Bad Sobernheim zu machen. Auf den 90min Rückfahrt hat keiner mehr sein Schuhe angezogen! Zu Hause hat auch unter 4 Augen meine Frau sich noch mal für das Erlebnis bedankt!

Im nächsten Jahr werde ich das Barfuß-Wandern probieren!

Viele Füße und - wie Ihr gemerkt habt: Vielen Dank an alle Schreiber hier!!!
Martin (Giessen)

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