Der echte Barfußläufer ... was zeichnet ihn aus?
(Forumbeiträge im Sommer 2004)

Hallo zusammen,
Markus U. schrieb unten in einem Beitrag folgenden Satz im Kontext, dass er die Mitnahme von Notschuhen verabscheue:
[Ein echter Barfüßer aber muss in der Lage sein, alle möglichen Situationen barfuß im buchstäblichen Sinne "durchzustehen"]
Dazu mal einige Gedanken:
1) Jede/r hat seine persönliche "Schmerzgrenze" beim Barfußlaufen. Kälte, gesellschaftliche Konventionen, eigene und fremde Moralvorstellungen, Hitze, Schotter ...
2) Ich habe noch von keinem Forumsteilnehmer gelesen, der/die nicht eine Schmerzgrenze hätte und damit irgendwie umgeht. Was den einen seine Not-Flip-Flops sind, ist dem anderen ein Ausweichen auf Rasenstücke bei Schotter, der Besuch von Kaufhäusern bei zu großer Kälte, das Ausnutzen des Schattenwurfs von Verkehrsampeln etc. 
3) Solange mir kein Barfüßer präsentiert wird, welcher in gleichem (!) Maße barfuß mobil ist wie mit Schuhen, halte ich das Gerede von "echten" Barfüßern für Schaufenstergewäsch und reine Ideologie.
4) Wer anderen barfuß laufenden Menschen abspricht "echte Barfüßer" zu sein, nur weil sie Not-Flip-Flops im Rucksack haben und gleichzeitig fordert, alle möglichen Situationen "durchzustehen", sollte sein eigenes Handeln reflektieren. Was dem einen der unangenehme Schotter ist, ist dem anderen der barfüßige Auftritt vor Gericht oder ein barfüßiger Gottesdienstbesuch ... (bei welchem ich persönlich keinerlei Probleme hätte).
Grüße
Kai (WN)

PS: Eine Assoziation zu obigem Satz von Markus U wäre: "Ein echter Soldat muss in der Lage sein, alle möglichen Situationen soldatisch durchzustehen."

Bin ja noch gespannt auf Markus Antwort; aber ohne ihm vorgreifen zu wollen, bin ich der Überzeugung, dass es sich da um eine Idealvorstellung handelt, die zumindest in unseren Breiten keiner erreicht und zwar völlig ohne Schuhe auszukommen. Dabei hilft beständiges Training das zunehmend zeitlich und in den Schwierigkeitsgraden (Wärme, Kälte, unangenehme Untergründe wie Schotter) ausgedehnt wird. Bei der Berufswahl müsste man sich dann danach richten, wo barfuß problemlos möglich ist. Und gesellschaftliche Verpflichtungen, bei denen Schuhe angesagt sind, müssen dann vermieden werden.
Zumindest eine "echte" Barfüßerin, die nachgewiesenermaßen keine Schuhe mehr benötigt - ich meine, sie wohnt irgendwo in der Eifel und ist Krankenpflegerin - ist mir bekannt: Luzia Falkenberg. Und ob die sich als "echte" Barfüßerin fühlt?
Ich fühle mich nicht als "echter" Barfüßer, da ich bei einigen Gelegenheiten immer wieder auf Schuhe zurückgreife sei es aus beruflichen (obwohl ich da meist ohne Schuhe auskomme), gesellschaftlichen oder witterungsbedingten Gründen (Hitze/Kälte).
Mit einer Barfußquote >90% fühle ich mich nicht als "echter" Barfüßer, aber als jemand, dem Barfuß sein, -laufen, -radfahren usw. einfach nach wie vor Spaß macht - und ganz nebenbei tut man ja auch etwas für die Gesundheit.
Barfüßige sommerliche Grüße
Rainer L.

Da ich hier zitiert werde, nehme ich selbstverständlich auch Stellung.
[Jede/r hat persönliche "Schmerzgrenze" beim Barfußlaufen. Kälte, gesellschaftliche Konventionen, eigene und fremde Moralvorstellungen, Hitze, Schotter ... ]
Ich habe nie gesagt, dass ein echter Barfußläufer niemals Schuhe tragen dürfe. Völlige Schuhlosigkeit ist zwar ein Traum von mir, der sich jedoch zumindest in absehbarer Zeit nicht realisieren lässt. Gerichtstermine, die Arbeit im Büro, die Göttliche Liturgie sowie Beerdigungen sind Situationen, in denen ich stets beschuht (und bei Beerdigungen sogar besockt) bin und in denen ich barfüßiges Erscheinen auch niemals ernsthaft erwogen habe. 
Der springende Punkt ist aber folgender: Wenn ich beschuht bin, dann bin ich eben beschuht und behalte die Schuhe an, bis ich zu Hause bzw. in meiner Unterkunft bin. Erst da ziehe ich die Schuhe aus, bis ich sie wieder brauche, was, je nach Situation, am nächsten Tag oder erst eine Woche später der Fall sein kann.
Wenn ich aber barfuß gehe, dann habe ich selbstverständlich keinerlei Schuhe dabei, weil ich mich ja dann gerade entschlossen habe, barfuß zu gehen, und zwar ohne Wenn und aber. Der einzige Ort, wo Schuhe praktisch immer "in Reichweite" sind, auch wenn ich gerade keine anhabe, sind also die eigenen wände. Früher pflegte ich außerdem "für alle Fälle" ein Paar Schuhe im Auto zu haben (falls ich mal in eine Polizeikontrolle kommen sollte), aber ich bin gerade dabei, mir das abzugewöhnen (auch nach ein paar Jahren Barfußpraxis gibt es also immer noch "zu erobernde Freiräume").
Eine weitere Ausnahme sind längere Reisen, aber am Schönsten ist es immer noch, wenn ich gleich für mehrere Tage einen Zwischenraum von mehreren hundert Kilometern zwischen mich und alle meine Schuhe legen kann, weil ich dann alle Situationen, in die ich komme, irgendwie barfuß bewältigen muss (wobei kilometerlange Märsche über scharfkantiges Geröll und Herumirren im Dorngestrüpp selbstverständlich nicht vorgesehen sind - dass es für Barfüßer unzugängliche Gebiete gibt, kann ich akzeptieren). Und wenn ich es geschafft habe, eine neue Situation barfuß zu meistern (wie vor kurzem einen längeren Spaziergang über grobgeschotterte Wege), dann ist das ein Erfolgserlebnis.
[noch von keinem Forumsteilnehmer gelesen, der/die nicht eine Schmerzgrenze hätte ... dem einen seine Not-Flip-Flops, dem anderen Ausweichen auf Rasenstücke bei Schotter, Besuch von Kaufhäusern bei zu großer Kälte, Ausnutzen des Schattenwurfs von Verkehrsampeln etc. ]
Gegen diese kleinen Tricks ist ja auch nichts zu sagen, solange eben keine Schuhe (dazu gehören auch Flipflops) in Reichweite sind. Wer in einer bestimmten Situation einfach nicht auf Schuhe zurückgreifen kann, der hat die Schuhe nicht nur von den Füßen, sondern ein Stückweit auch von seinem Denken und Wollen gelöst; das Barfußgehen ist zur Selbstverständlichkeit und Schuhe sind zur Ausnahme geworden.
[Solange mir kein Barfüßer präsentiert wird, welcher in gleichem (!) Maße barfuß mobil ist wie mit Schuhen, halte ich Gerede von "echten" Barfüßern für Schaufenstergewäsch und reine Ideologie]
Soweit bin ich zwar noch nicht, aber genau das ist meine Zielvorgabe, weshalb ich daran arbeite. Ich schrieb schon weiter oben, dass ich wohl nie in der Lage sein werde, über scharfkantiges Geröll oder durchs Dornendickicht barfuß zu gehen, aber es fällt mir ja zumindest in Deutschland nicht weiter schwer, solche Gegenden, in denen ich auch den beschuhten Aufenthalt nicht allzu verlockend fände, zu meiden!
Ich kann mich aber auf Böden wie Flusskieseln und auch grobem Bruchschotter immer besser barfuß bewegen. Auf steinigen Hängen, an denen man sich auch mit Schuhe vorsichtig bewegen muss, weil man nicht einfach drüberrennen kann, komme ich sogar besser barfuß zurecht als mit Schuhen.
Ich hoffe also, eines Tages barfuß zumindest annähernd genauso gut zurechtzukommen wie mit Schuhen.
[Wer anderen barfuß laufenden Menschen abspricht "echte Barfüßer" zu sein, nur weil sie Not-Flip-Flops im Rucksack haben und gleichzeitig fordert, alle möglichen Situationen "durchzustehen", sollte eigenes Handeln reflektieren. Was dem einen der unangenehme Schotter ist, ist dem anderen der barfüßige Auftritt vor Gericht oder ein barfüßiger Gottesdienstbesuch ... (bei welchem ich persönlich keinerlei Probleme hätte)]
Das tu ich ja. Und das Problem bei barfüßigen Gerichtsauftritten oder Gottesdienstbesuchen ist wohl kaum die Beschaffenheit des Bodens, sondern die fehlende Akzeptanz. Und ich kann es mir um meines Leibes willen nicht leisten, meinen Beruf aufzugeben, und um meiner Seele willen nicht, die Kirche aufzugeben. Im übrigen ist eine barfüßige Teilnahme an der Göttlichen Liturgie auch für mich im Prinzip vorstellbar (und ich würde mich hüten, jemanden daran hindern zu wollen), aber eben nicht als Altardiener im goldenen Gewande.
Barfüßige Sommergrüße,
Markus U.

Hallo Markus,
danke für die ausführliche Antwort. Ich finde es gut, dass Du explizit von Dir schreibst und nicht mehr verallgemeinerst im Sinne von "echte Barfüßer". Das führt nur zu gedanklichen Ausgrenzungen.
[am Schönsten ist es immer noch, wenn ich gleich für mehrere Tage Zwischenraum von mehreren hundert Kilometern zwischen mich und alle meine Schuhe legen kann, weil ich dann alle Situationen, in die ich komme, irgendwie barfuß bewältigen muss ...
dass es für Barfüßer unzugängliche Gebiete gibt, kann ich akzeptieren ... Ich hoffe, eines Tages barfuß annähernd genauso gut zurechtzukommen wie mit Schuhen]
Ich wünsche Dir, dass Du dich diesem Ziel näherst! 
Das klingt für mich viel angenehmer und akzeptabel als das idealisierte und verallgemeinerte Bild eines "echten Barfüßers". Denn den scheint es nur als verschwommene Vision am Horizont zu geben.
Grüße, Kai

Seit Monaten beobachte ich dieses Forum, weil ich mein ganzes Leben über viel barfuß gelaufen bin und es nach wie vor gerne tue. Vielleicht sehe ich deshalb manches anders als die vielen Teilnehmer hier, die diese Vorliebe irgendwann entdeckt haben und sich erst überwinden mussten, barfuß zu laufen, vor allem in der Öffentlichkeit.
Vieles von dem, was hier so geschrieben wird, verdient meiner Meinung nach gar keine Antwort, aber nachdem ich Georg auf einer Barfußwanderung in der Wahner Heide kennengelernt habe, habe ich mich nun doch entschlossen, meinen Senf auch noch dazuzutun.
Diese Diskussion über "echte" oder "unechte Barfüßer" ist meiner Meinung nach so ziemlich das überflüssigste, was ich hier im Forum je gelesen habe. Eigentlich sollten Leute mit gleichen Interessen doch zusammenhalten und versuchen, gemeinsam etwas zu erreichen.
Und wenn es schon so was wie "echte" Barfüßer geben könnte, dann sind das doch sicher die Menschen, für die das Barfußlaufen am selbstverständlichsten ist. Und je selbstverständlicher eine Sache ist, umso weniger redet man auch darüber.
Zum Thema Schmerzgrenze hatte ich neulich übrigens folgendes Erlebnis: Unter der Rheinaue-Brücke in Bonn lief ich durch ein wahres Scherbenmeer und wollte mal wissen, wie es denn eigentlich ist, so richtig in eine Scherbe zu treten (ist mir außer bei wenige Millimeter großen Mini-Scherben, die man nicht mal beim Darauftreten bemerkt, noch nie passiert!). Ich bin dann absichtlich, aber langsam in eine ca. 5 cm große Scherbe getreten, die unter meinem Fuß zerbröselte und deren Teile ich eine paar Schritte lang in der Hornhaut stecken hatte. Aber sie fielen von selber wieder heraus und nach zwei Tagen sah man auch nichts mehr davon. Schmerzen hatte ich nicht dabei. Aber das mit den Verkehrsampelschatten kommt mir irgendwie bekannt vor...
Viele Grüße vom Rhein, Andreas (SU)

Dass diese Frage immer wieder auftaucht, bringt mich schon ein wenig zum Schmunzeln. Natürlich bin ich ein echter Barfüßer.
Ich lebe selbstbestimmt und entscheide, wann und wo ich barfuß laufen will. Wenn ich keine Lust dazu habe, dann lasse ich es sein. Ich muss mir und anderen nicht beweisen, dass ich jede Situation barfuß "durchstehen" kann. Wozu auch? Wer will sich schon anmaßen festzulegen was das sein soll, echt oder unecht? Sollte es wirklich eine Kategorisierung geben? Ich bin nicht nur ein echter Barfüßer, ich bin sogar voll und ganz echt. Ich habe zwei Arme, zwei Beine, zwei Ohren, zwei Augen, zwei Hände, zwei Füße.... soll ich weitermachen?
Darüber hinaus bin ich sogar ein entspannter echter Barfüßer.
Vergnügte Grüße vom JOE

Für mich ist eine Person in dem Moment barfuß, in dem sie weder Schuhe noch Strümpfe trägt, also wenn die Füße nackt sind. Ob man dabei eventuell Schuhe im Rucksack dabei hat oder in der Hand trägt oder sonst wie, ändert nichts daran dass die Füße unbekleidet sind.
Jemand könnte einen Wohnwagen voll mit Kleidungsstücken hinter sich herziehen, wenn er kein einziges davon am eigenen Leib trägt, ist er trotzdem nackt ;-)
Marco N.

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