Warum laufen wir barfuß?
(Forumbeiträge im Frühjahr 2005)

Euch geht es bestimmt so ähnlich. Ich werde oft gefragt oder beantworte die Frage auch ungefragt, warum ich so gerne barfuß laufe. "Weil es Spaß macht!" fand ich bislang eine brauchbare Antwort. Oder "weil es gesund für meinen Rücken" ist, diente auch schon oft als Ausrede! Aber warum macht es eigentlich Spaß?  
Am Sonntag kraxelten meine Frau und ich auf einen kleinen Berg, noch knietief verschneit und wir noch mit Stiefeln. Im Sommer waren wir auch schon dort hinauf gelaufen, jedoch beide barfuß. Aber im Gegensatz zum Sommer empfand ich den eigentlich sehr kurzen Aufstieg diesmal als extrem lästig. Nicht weil er anstrengend war. Nein, er war einfach langweilig.
Dabei ist mir vollkommen unspektakulär ein Licht aufgegangen, warum Barfußlaufen so viel Freude bereitet: Mit Schuhen zählt nur das Ankommen (und allenfalls noch das Betrachten der Landschaft). Ohne Schuhe dagegen macht zwar auch noch lange nicht jeder Schritt Spaß, manch einer tut sogar weh, aber beim Barfußlaufen ist jeder einzelne Schritt für sich gesehen interessant!  
Für manch Einen mag dies keine neue Erkenntnis sein, aber ich war ehrlich sehr erstaunt darüber. Manche Dinge sind so naheliegend, dass man sie übersieht!
Barfpotenbär

Ja, Du triffst den richtigen Kern! Wenn ich mit Schuhläufern zusammen wandere merke ich es am deutlichsten: Die gehen DEN WEG, ich suche, ertaste erfühle MEINE SCHRITTE und bin dabei ganz begierig, wie es sich jetzt gleich anfühlen wird.  
Wir führen Neulinge an's Barfußlaufen heran, indem wir sie ermutigen die vielfältigen Eindrücke, die man mit den Füßen wahrnehmen kann doch mal auszuprobieren. Aber ich glaube, dass dieser spielerische Anteil, dieses ständige freuen auf neue Sinneseindrücke sich beim Barfußlaufen nicht verliert. Wie viele von uns genießen die Abwechslung von warm, kalt, feucht, matschig, trocken etc. auf ein und demselben weg, während der Schuhträger nur mit grausen an diese Eigenschaften des Untergrundes denkt (er muss seine Schuhe ja wieder putzen). Gerade die kindliche Freude der Erwachsenen an den Matschstrecken der Barfußpfade oder unsere bei den kleinen und großen Pfützen) zeigt diese gesunde Entdeckerfreude an jedem Schritt.  Auf geht's ;-)
es grüßt barfuß  
Martin

[Ohne Schuhe macht zwar noch lange nicht jeder Schritt Spaß, aber beim Barfußlaufen ist jeder einzelne interessant!]
Als ich am vergangenen Sonntag beim Konzertbesuch wie von meiner Frau gewünscht geschlossene Schuhe trug, nahm ich wieder mal wahr, wie einengend das ist. Mir kam dabei der Gedanke, dass Laufen mit Schuhen so ist, wie Sightseeing mit verbundenen Augen. Das Konzert war trotzdem schön, weil ja nackte Ohren in der Öffentlichkeit bislang noch toleriert werden.....  
Gestern und heute ging ich im Sonnenschein barfuß aus dem Haus, bei der Arbeit mit Flipflops, am Abend natürlich wieder unbeschuht, bis schließlich die Schmelzwasser der Schneehäufen in der klaren Nacht zu gefrieren begannen :-))  
Barfüßige Grüße, Lorenz

Ein sehr schöner Satz von barpfotenbaer, der genau ins Schwarze trifft:  
[Mit Schuhen zählt nur das Ankommen (und allenfalls noch das Betrachten der Landschaft). Ohne Schuhe dagegen macht zwar auch noch lange nicht jeder Schritt Spaß, manch einer tut sogar weh, aber beim Barfußlaufen ist jeder einzelne Schritt für sich gesehen interessant!]
Das Betrachten der Landschaft in - worst case - Bergwanderstiefeln ist ein Betrachten einer "toten" Landschaft. Was sieht man nicht alles an Waldtieren, wenn man sich auf - im wahrsten Sinne des Wortes - leisen Sohlen durch die Natur bewegt.
Das Knacken der unbeachteten Zweige unter den Tretern hat schon frühzeitig für die berühmte "Waldesruh" gesorgt.
Und was gibt es nicht alles auf dem Weg selber zu entdecken. So viel! Von Ameisenstraßen, spitzen Kieseln über kleine aber gemeine Brennnesseln bis hin zu Echsen.
Dank der erweiterten Aufmerksamkeit leben die Tiere und Pflanzen weiter und auch die "spitzen Steine" bleiben links - oder auch rechts - liegen.
Der Wald bleibt lebendig. Und vor allem interessant. Wichtig in einer Zeit, in der häufig die "Jugend nur noch beschäftigt ist, bis die Batterien alle sind". Traurig, traurig...  
Viele Grüße  
Vesa Local

[... häufig die "Jugend nur noch beschäftigt ist, bis die Batterien alle sind"]
Hihihihi, das betrifft aber nicht nur die Jugend! Auch auf Opis mit Herzschrittmacher trifft das voll zu! :-))
Ich war zuerst versucht anzunehmen, dass jeder, der es erst einmal kennengelernt hat, davon zu überzeugen ist. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann glaube ich das doch nicht.
Viele Menschen sind einfach nicht zu sensibilisieren. Zum Schärfen der Sinne braucht es mehr, als nur den Eindruck. Es bedarf auch der Fähigkeit, den Eindruck zu verarbeiten. Gestern fuhr der Zug einige Zeit an einem über die Ufer getretenen Fluss entlang. Glaubst Du, das hätte dort irgendjemanden interessiert? Die Leute interessieren sich schon -- für Sensationen. Aber damit sie überhaupt merken, dass es eine Sensation ist, muss es "Bild" erst schreiben bzw. aufmalen. Was Du so blumig umschreibst, sind Sensationen im Kleinen, die sind schwerer zu erkennen, weil sie sich nicht so einfach plakatieren lassen.  
Wenn Bild brächte: "Barfußlaufen ist der geilste Trend seit der Latex-Welle!", dann vielleicht erst, würden sie es kapieren. Aber ehrlich gesagt: dann bleibe ich damit lieber im kleinen Kreis. Denn die vielen Unsensiblen, die würden das Schöne, was Du da beschreibst auch dann nicht bemerken, wenn sie barfuß wären. Ich denke, die sind vorm Fernseher schon ganz gut aufgehoben ... ;-))  
Viele Grüße  
Barpfotenbär

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