Barfußskepsis bei Kindern und Eltern
(Forumbeiträge seit Sommer 1999)

Tut Kindermund Wahrheit kund ?
Heute (August 1999) im Laufe des Nachmittags. Ich schwinge mich bei bedecktem Himmel und vielleicht 22 °C barfuß aufs Fahrrad, da kommen mir zwei Mädchen von etwa acht Jahren entgegen.
Eine der beiden sagt : "Gut dass wir es nicht schuld sind, wenn Sie krank werden !"
Ich tue ahnungslos und sage : "Warum soll ich denn krank werden ?"
Das Mädchen : "Na, weil Sie keine Schuhe anhaben !"
Ich : "Und warum werde ich dann krank ?"
Sie : "Weil der Boden so kalt ist !"
Ich : "Das stimmt gar nicht, sondern der ist ganz warm. Fühl mal mit der Hand !"
Sie fühlt und schaut ob des Ergebnis' erstaunt.
Darauf die andere, etwas vertraulicher : "Und wenn Du in Scherben trittst !"
Meine Antwort : "Da gehe ich einfach drum herum !"
Endgültiges Schweigen. Einige Zeit später treffe ich die beiden mit einem dritten gleichaltrigen Mädchen im Ort, diesmal barfuß auf dem Weg zum Briefkasten. "Habt Ihr immer noch Angst, dass ich krank werde ?"
Fröhliches Lachen der beiden Mädchen von vorhin, aber die dritte legt nach : "Und die ganze Hundekacke !"
Da hätten wir doch fast die ganze Palette von Vorurteilen beisammen ... Bleibt noch die Frage, ob die nicht eben kindgerechte Formulierung vom Anfang "Mutter-" oder "Vatersprache" ist - und die falschen Vorstellungen über das Barfußlaufen gleich mit.
Herzliche Füße Georg

Kindermund spricht Elternschund ?
Meinen Beitragstitel halte ich für die wahrscheinlichere Variante. Denn wie du schreibst, sind Kinder meist gefangen in den Grenzen, die ihre Eltern (und weiteres Umfeld) ihnen bewusst oder unbewusst stecken.
Wenn Barfußlaufen immer (mit den uns schon aus den Ohren herausquillenden Scheinargumenten) mies gemacht wird, braucht man sich nicht zu wundern. Nur, dass Kinder eben auch unterschiedlich sind in dem Grad der Verinnerlichung solcher Grenzen und vor allem derer aktiven Wieder- und Weitergabe an andere. Manche Kinder beugen sich halt dem Druck, andere nutzen jede Chance, ihren natürlichen Bedürfnissen nachzukommen (ich kenne beide "Sorten"). Zumindest war es ein Kind (ein verzogenes Mittelstandsmädchen), welches die einzig wirklich abfällige Bemerkung - im Beisein seiner Sippe - über meine nackten Füße in meinem ganzen bisherigen Gelegenheitsbarfüßerdasein gemacht hat ...
Erwachsene denken's wahrscheinlich und verbreiten's am Frühstückstisch, die Kinder plappern's dann aus ... Lupu

Hallo miteinander, Es war eine feine Sache, 60 Stunden lang keinerlei Schuhe in die Hand geschweige denn an die Füße zu nehmen. So spielte sich mein Leben endlich wieder mal ein ganzes Wochenende lang mit perfekter Bodenhaftung, d. h. völlig normal ab: zu Hause, beim Wandern, im Biergarten, bei der Eisdiele und auf dem Flohmarkt. Eine Freundin meiner Tochter, die auf dem Flohmarkt ihre alten Spielsachen anbot, zog bei meinem Anblick sofort Schuhe und Strümpfe aus und bewegte mit sichtbar erleichtertem Gesicht die Zehen -- und ihr Bruder tat es genauso.
Wieder mal ein Beispiel dafür, dass viele die unbehaglichen Schuhe gerne ablegen, wenn es ihnen jemand vormacht. Alles in allem ein wunderbares Wochenende, einziger Nachteil: es war zu kurz! Serfuß, Lorenz

Was manche Eltern ihren Kindern so erzählen ... würde mich wirklich mal interessieren.
Nach dem Standardsatz ("Kuck mal der läuft barfuß") höre ich auch von Kindern ziemlich oft solche Dinge wie "Das ist gefährlich!". Gruß, Wilhelm

Jetzt im Herbst hört man diesen Standardsatz wieder öfter!
Antworten von Eltern, die ich so aufgeschnappt habe, waren dann:
"Es ist zu kalt"
"Hier ist es zu schmutzig"
"Hier liegen Glasscherben herum"
"Du wirst wieder in eine Biene treten" (das eher im Hochsommer).
Ich fürchte, dass Kindern oft vermittelt wird, dass man sich die Füße nicht schmutzig machen darf, oder gar: "Das gehört sich nicht!"
Aber die öffentliche Meinung soll nicht unbeeinflusst bleiben!! Gerade über das Internet kann man vielen Eltern zu zeigen, dass sie auch eine Verantwortung gegenüber der Gesundheit der Kinderfüße haben! Und denen, die noch offline sind, kann man ja z.B. Info im Faltblattformat zukommen lassen. Serfuß, Lorenz

Ist es nicht zu warm in den Schuhen? ... das ist die passende Gegenfrage auf "ist es nicht zu kalt ohne Schuhe?"
Ich bin aber nicht von selbst auf diesen coolen Spruch gekommen, sondern verdanke die Idee einem netten Erlebnis, das ich vorgestern (Oktober 1999) hatte. Ich bin nach Dienstschluss bei warmem Föhnwetter noch ein wenig am Stadtrand von Penzberg barfuß gegangen, erst über Wiesen, dann zum Aufwärmen auf einem asphaltierten Weg.
Ich kam da an zwei Mädchen (Drittklässlerinnen) vorbei, die ihre Puppenwägen etwas mühselig über die angrenzende Wiese schoben. "Ist Ihnen nicht zu kalt an den Füßen", tönte es zunächst einmal. Das stritt ich ab und forderte sie auf, doch den Boden mal anzufassen. Sie gaben mir recht, dass er doch einigermaßen warm war.
Die beiden erwiesen sich als sehr gesprächig; eine erzählte, dass sie schon einmal bei Regen barfuß gelaufen sei, die andere im Schlamm - und sie habe auch mit Schlamm geworfen. "Mit den Füßen?" fragte ich, hob mit den Zehen einen Erdklumpen auf und warf ihn weg. "Das kann ich auch", sagte sie, und schon hatte sie ihre Turnschuhe ausgezogen und versuchte, es mit gleichzutun. Auch ihre Freundin fackelte nicht lange, und so hatte ich ein sehr aktives Publikum für meine Fußgymnastikideen. Als ich sagte, ich könne auch mit den Füßen schreiben, hatte eine prompt Papier und Bleistift dabei, und so musste ich den Beweis antreten, was auf dem rauen Asphalt - Untergrund gar nicht so einfach war.
Wenn Passanten vorbeikamen, riefen ihnen die beiden Spontan - Barfüßerinnen jedes Mal zu: "ist es nicht zu warm in den Schuhen?"
Es ist doch erstaunlich - und natürlich erfreulich - wie schnell Kinder die Barfußskepsis abstreifen und vom Gegenteil überzeugt sein können! Und für mich war es wieder einmal eine der netten Begegnungen, die mit Schuhen an den Füßen nie zustande kommen würden. Serfuß, Lorenz

Hallöle, Georg! Deine Berichte habe ich mit Freude gelesen. Einerseits ist es ziemlich traurig, daß die Kinder durch konsumgeile Eltern, Konsumdruck und Oberflächlichkeit, durch den Einfluß von Kinderfernsehen, Nintendo, McDonalds etc. der Natur so übel entfremdet wurden und nicht einfach, wie früher, meinetwegen die Sechziger, um jetzt mal einen Eckpunkt zu nennen, barfuß laufen und generell der Natur entfremdet sind - ich denke da an einen Artikel, wo er stand, weiß ich nicht mehr, ich glaube, es war die Neue Presse in Hannover, wo Kinder fast ausnahmslos Kühe lila gemalt haben - aber ich denke, daß diese Barfußpfade, Erlebniskindergärten und Aktionen mit Kindern extrem (!!!) wichtig sind, um Kindern wieder das barfuß Laufen zu ermöglichen, sie wieder in Kontakt mit sich selbst und der Natur zu bringen und um therapeutisch zu wirken.
Ich sage nur: Übergewichtigkeit, motorische Störungen, Hyperaktivität und Haltungsschäden. Diese Sachen sind enorm gut und wichtig, auch vom pädagogischen Standpunkt (bin abgebrochener Lehrer).
Übrigens: Wenn Du mehr Infos willst, wende Dich bitte an den Landesverband Deines Bundeslandes, oder, wenn Du in Au oder CH wohnst, an den Landesverband Bayern der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und frage nach "Kinder erleben Natur", "Der Naturkindergarten" und "Holunderschule". Da wirst Du ein enormes Paket an Infos bekommen. Ach so: Kostet nix!
Barfüßige Grüße, Black Soles rule! Francisco

Ich finde es toll, wie Du dich [Lorenz] aktiv gerade auch um die Kinder kümmerst. Die Kinder sind diejenigen, die in der Zukunft das Barfußlaufen hoffähig machen könnten.
Doch in diesem Zusammenhang muss ich immer wieder entsetzt feststellen, dass gerade Kinder oft bei mehr als 25° im Schatten noch mit Turnschuhen und Socken herumlaufen (müssen?). Auch ich war als Kind nicht ständig barfuß (auch wenn meine Eltern wohl nichts dagegen gehabt hätten), beschränkte mich im Sommer bei der Fußbekleidung aber auf Sandalen.
Ich glaube, hier sollte gerade an den Schulen mehr Toleranz geübt werden und vor allem mehr Aufklärung stattfinden - so wie etwa in Südafrika, Australien oder Neuseeland. Es muss den Kindern klargemacht werden, dass es NICHT cool ist, mit Turnschuhen herumzulaufen, und andere beim Ausziehen der Schuhe in die Flucht zu treiben!
Natürlich sollte man auch die oft asphaltierten oder gepflasterten Schulhöfe durch Grasflächen ersetzen, um die Schüler zumindest in den Pausen zum Ausziehen der Schuhe zu animieren.
Da ich selber (noch?) keine Kinder habe, kann ich leider auf solche Dinge kaum Einfluss nehmen, und um Fremde auf die unpassende Fußbekleidung ihrer Kinder anzusprechen, bin ich wohl einfach zu feige. Charly F.

Dem kann ich mich leider nur anschließen. Noch schlimmer finde ich es aber wenn kleinere Kinder selbst bei großer Hitze mit geschlossenen Schuhen und Strümpfen im Kinderwagen transportiert werden, obwohl sie sonst mit T-Shirt und kurzen Hosen bekleidet sind oder man anhand der Fußbekleidung der Kinder meint, man würde sich im Tiefwinter befinden.
Letzten Sonntag war ein Papa in kurzen Hosen und Sandalen - allerdings mit Socken - unterwegs; das kleine Mädchen auf seinem Arm trug dagegen eine Strumpfhose, darüber eine Hose und die Füße waren dann noch mal mit dicken handgestrickten Wintersocken eingepackt und steckten dann noch in Halbschuhen.
Aber wie gesagt; auch ich wage es nicht, jemanden anzusprechen und denke als Kinderloser habe ich auch kein Recht in irgendeiner Form in die Erziehungsmethoden von Eltern einzugreifen.
Lothar

"Auf Erde darf man nicht!"
Folgende kleine banale aber denkwürdige Episode habe ich heute bei einem barfüßigen Spaziergang im Dortmunder Westfalenpark erlebt:
Ich kam durch ein angelegtes Gelände voller blühender und duftender Rhododendron- u. Azaleenbüsche, durchzogen von kurzen Wegen die mit Rindenmulch und Torf ausgelegt sind. Die Wege gehen alle wieder in Asphalt über und kurz davor kam mir eine Gruppe Vorschulkinder mit ihren Betreuerinnen entgegen.
Da ich mit dem Beschnuppern der Blüten beschäftigt war, bemerkte ich zunächst nicht, dass die meisten der Kinder völlig fassungslos auf mich starrten. Erst als ich weiterging (in die Kinder kam auch sich wieder Bewegung), hörte ich eine Betreuerin zu einem Mädchen sagen: “Es ist doch warm und gut ist es auch.” Daraufhin das Mädchen: “aber auf Erde darf man doch nicht?!”
Den Anfang dieses Dialogs habe ich nicht mitbekommen und ob er noch weiter ging weiß ich nicht, weil ich da schon außer Hörweite war. Ich hatte auch keine Lust irgendeinen Kommentar abzugeben und mein anfängliches Schmunzeln wich schnell als ich darüber nachdachte. Welch horrendenden Blödsinn erzählen doch manche Eltern ihren Kindern. Ist es übertriebene Fürsorge, Unwissenheit, Gleichgültigkeit, Tunneldenken? Da bleibt nur zu hoffen das diese Kinder, wenn sie älter werden, selber anfangen zu denken obwohl die Chance nicht besonders groß ist.
Was einmal anerzogen ist das haftet. Ich mache da keine Ausnahme und habe heute noch Worte wie „lauf nicht auf den kalten Steinen“ im Ohr. Dass es seit über 3 Jahren auch anders geht und der Gesundheit auch noch förderlich ist habe ich nicht zuletzt durch dieses Forum erfahren. Eigentlich nur schade, dass es nicht schon vor 30 Jahren stattgefunden hat. Aber besser spät als nie.
Gruß, UlliDO

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