Barfuß an der Ahr und durch Bergisches Land, Westerwald und Siebengebirge
(Forumbeiträge seit Sommer 1998)

Erzählen wollte ich aber vom Samstag auf dem "Rotweinwanderweg" an der Ahr. Abschnittsweise herbstliche Wanderungen auf diesem, durch Waldstücke und v. a. durch Weinberge führenden, flussbegleitenden Wanderweg haben wir schon vor einigen Jahren begonnen. Der Weg ist nicht schwierig, deshalb bin ich früher immer in meinen Zehenstegsandalen gegangen. Diesmal wollte ich aber ausprobieren, ob es nicht auch ganz barfuß geht.
(Die Zehenstegs habe ich freilich sicherheitshalber mitgenommen.) Und : es geht !
Am schönsten war die Wegführung durch den Wald, da es noch etwas feucht und der Boden leicht matschig war. Schön war es auch, auf randlichen Wiesenstreifen oder Maische zu gehen, auch festgestampftes Erdreich bot sich an. Trotzdem musste ich immer wieder über den asphaltierten Weg gehen; der war zwar schön warm und die Struktur gefiel mir durchaus, aber leider verschlimmerte sich eine Blase an der linken Ferse, die ich mir zwei Tage vorher ebenfalls auf Asphalt gelaufen hatte. Die störte mich zwar nicht, aber ich hatte Sorge, dass sie sich zu sehr mit Wasser fühlen und dann platzen würde, und auf eine Entzündung war ich nicht scharf.
Deshalb kamen ganz am Ende die Zehenstegs doch noch zum Einsatz, und das Gefühl von Kork an den Fußsohlen hat mir zum Abschluss auch gut gefallen. Aber ich bin jetzt schon sicher : das nächste Teilstück kommt wieder barfuß dran - und dann hoffentlich komplett ! Übrigens ist mir erstaunlicherweise in den ganzen drei Stunden niemand aufgefallen, der mich schief gemustert hätte. Lediglich drei junge Frauen tuschelten und ich hörte etwas von "... dafür muss man Übung haben ...".
Wie schreibt Katja immer so schön : Zeigt her Eure Füße und tragt keine Schuh´ - es lohnt sich ! ...
Die angeregte Diskussion mit Markus über das Barfußwandern vor oder nicht vor anderer Leute Augen hat mich veranlasst, heute nicht nur barfuß wandern zu gehen, sondern auch einmal in einer Art "Selbstversuch" besonders gut aufzupassen.
Ich hatte vor zwei Wochen schon einmal von einer Barfußwanderung auf dem Rotweinwanderweg berichtet. Dieser viel begangene Weg führt durch das Ahrtal, vorbei an den Weinbergen. Er ist wohl rund 50 km lang, von Altenahr aus bis zur Ahrmündung führend; landschaftlich am schönsten ist der obere Teil. Auf diesem waren wir heute unterwegs. Im Unterschied zu neulich war diesmal Sonntag und die Zeit der Weinfeste ist gekommen, was erheblich mehr Menschen anlockt.
Ich bin also knapp drei Stunden lang barfuß gewandert, auch auf einigen Teilen, wo ich innerlich die Zähne zusammenbeißen musste, weil sie mit dickem Schotter nur so übersät waren. Uns sind dabei etliche hundert Leute begegnet, meist in kleinen Gruppen, sodass reichlich Öffentlichkeit da war. Selbstverständlich waren Reaktionen zu verzeichnen, und bestimmt habe ich auch nicht alle mitbekommen. Bei manchem Lächeln in den Gesichtern anderer bin ich mir auch keineswegs sicher, ob es mit Weingenuss, der Sonne oder meinen nackten Füßen (dann in den Alternativen freundlich oder mitleidvoll) zu tun hatte.
In Altenahr rief eine Frau gut mittleren Alters aus : "Lur ens, der is op bläcke Fööss !", was ins Hochdeutsche übertragen heißt : "Schau mal, er geht auf nackten Füßen !" Ein etwa 11jähriges Mädchen rief erstaunt : "Mama, guck mal, der ist -", dann war sie an mir vorbei, barfuß habe ich nicht gehört, ob sie nicht einmal mehr wusste, wie man den Zustand nennt ?
Als ich genussvoll durch dicken Matsch ging, begannen drei mittelalte Damen verwundert ein Gespräch über ihre eigenen Barfußerfahrungen (war nicht viel). Und eine Damengruppe fing tatsächlich an zu gackern, wahrscheinlich wegen mir, weiß ich aber nicht so genau. Schließlich noch ein älterer Herr, der in anerkennender Absicht und deutlich an mich gerichtet anmerkte, früher habe man häufiger Leute barfuß gehen sehen.
Meine Frau ging zeitweise ein Stück hinter mir und sagte, es habe noch manch einer so etwas wie Verwunderung geäußert. Sie meint, es sei eben ungewöhnlich, wenn jemand dort barfuß ginge, und so erkläre sich das. Wenn sie richtig liegt, kann ich damit wunderbar leben, denn so zu sein wie alle anderen und ganz unscheinbar in einer uniformierten Masse zu verschwinden, erschien mir noch nie so erstrebenswert.
Was mir unterwegs länger durch den Kopf ging, war die Frage, ob ich nicht konsequenterweise ein Sweatshirt o.ä. mit einer passenden Aufschrift tragen sollte, wie z.B. "Barfußwandern - das ist es", "Meine Füße - bessere Wander(Sport)schuhe gibt es nicht" oder "Barfuß - wie die Natur es will" ... Die amerikanischen "Barefoot hikers" haben übrigens ein Sweat- bzw. T-Shirt mit genau dieser Aufschrift. "Barfuß Wanderer" finde ich allerdings sprachlich nicht besonders schon (weiß jemand etwas besseres ?)
Aber zurück zur Wanderung und zum "Selbstversuch". Ich fand es sehr schön und einen echten Genuss, das ganze Stück barfuß zu gehen, über wechselnde Untergründe, schattige und sonnige Stellen. "Angemacht" worden bin ich meinem Empfinden nach von niemandem, nichts war anflugsweise peinlich, deshalb kann ich ein sehr positives Fazit ziehen. Ich weiß schon ganz sicher, dass ich beim nächsten Mal, wenn die Temperaturen es erlauben, wieder barfuß gehen werde - warum auch nicht ?  ...
Der Weg ist zwar 50 km lang, aber ich schrieb, dass wir drei Stunden auf dem oberen Teil unterwegs waren ... Für die kompletten 50 km am Stück müssten meine Füße sicher noch etwas üben ... Ist allerdings eine reizvolle Idee, nur fehlen mir dazu auch Wandergesellen (beschuhte wie unbeschuhte). ...
Für das Kompliment betreffend Rotweinwanderweg besten Dank, aber zugegeben, da rechne ich auch nicht mit vielen Bekannten ... der eine oder andere wäre mir zwar egal; allerdings würde ich mir wünschen, dass mich jemand, der mich erkennt, anspricht statt rumzutuscheln. Schließlich kann ich ganz einleuchtend erklären, warum mir das Barfußlaufen besser gefällt (und bekommt) als in Schuhen. Aus dem gleichen Grund habe ich ja auch im Beitrag schon darüber nachgedacht, ob ich die nichtgestellte Frage nicht unaufgefordert per T- (Sweat-) Shirt beantworten sollte ...
Meine Füße lassen Euch und Eure Füße herzlich grüßen. Es geht ihnen richtig gut.
Georg

Hallo Freunde, heute ist wieder aktivitätsmindernd - trauriges Wetter im Rheinland bei 10° mit vielen Wolken und Nieselregen. Gestern war das glücklicherweise anders, zeitweise sonnig bei ähnlichen Temperaturen.
Insofern hatte ich nicht ganz so große Mühe, meine Familie davon zu überzeugen, dass wir nach längerer Winterpause zu einer kleineren Wanderung aufbrechen sollten. Unsere Wahl fiel auf das Bergische Land im Osten Kölns, genauer auf die Umgebung von Wipperfürth, denn ich hatte aus dem 8. Band einer Buchreihe namens "Tippeltouren" mit je 25 Wandervorschlägen im Kölner Umland diese herausgesucht. Mein Hintergedanke war (die Familie muss ja auch nicht immer alles wissen), dass der Beschreibung nach dieser 10 km lange Weg häufiger über Wald- und v. a. Wiesenwege führte.
Ich bin barfuß zum Startpunkt an der Kirche von Thier gefahren und ebenso ausgestiegen, was meiner Frau die leicht ironische Frage entlockte, ob ich "Dummheiten" machen wolle. Mit meiner bejahenden Antwort hatte sie wohl schon gerechnet. Meine Schuhe kamen also sicherheitshalber in den Rucksack und wir gingen los.
Am Straßenrand lagen noch Schneereste und auf den Wegen das Streumaterial, worauf meine Fußsohlen doch wieder empfindlicher reagierten - trotz recht regelmäßiger Barfußlaufphasen im Winter ist ein Teil der "Abhärtung" erst mal weg (und kommt bald wieder).
Obwohl ich mir anfangs die Frage gestellt hatte, wie lange es wohl dauern würde, bis meine Füße nach dem Wärmeschutz der Wanderschuhe verlangen, war ich mir recht bald sicher, dass ich barfuß "durchhalte". Kürzere Wegstücke durch schattigen Wald mit Tauwasser stellten diese Zuversicht zwar gelegentlich in Frage, aber als dann etwas überraschend das erste noch verschneite Wegstück kam, war ich inzwischen meiner Sache sicher. Meine beschuhte Familie habe ich dabei übrigens abgehängt, nicht nur weil ich etwas besser trainiert bin, sondern vor allem weil Schlamm und auch Schnee keine Ausweichmanöver für meine Füße nötig machten.
Wo die Sonne hinkam (leider mitunter hinter Wolken versteckt), war der Boden wohlig warm, im Kontrast zu den kälteren Stellen ein besonderer Genuss. Nach fast zwei Stunden dann eine Überraschung : unsere beiden Söhne (9 und 13) waren inzwischen leichtsinnig / mutwillig so oft durch feuchte Wegstellen durchgelaufen, dass sie beschlossen, meinem Vorbild zu folgen und das letzte Wegstück ebenfalls barfuß zu gehen. Diese Entscheidung rief bei meiner Frau Befürchtungen hervor, aber sie fügte sich ins Unvermeidliche, und wir legten den Rest des Weges zu dritt barfuß zurück. Unser Jüngster klagte zwar gelegentlich über kalte Füße (kein Wunder, er wollte auch barfuß durch die Schneereste statt außen herum zu gehen), die sich bei aktivem Gehen dann auch wieder erwärmten.
Falls die Dame, der wir schon am Anfang unseres Weges begegneten und die meinte, ich würde schon morgen sehen, was ich davon habe, dies jetzt lesen sollte (nicht unbedingt wahrscheinlich, aber ...) : mir geht es blendend und ich bin froh, die erste Barfußwanderung von hoffentlich vielen in 1999 schon am letzten Februartag gemacht zu haben.
Auf die Sohlen, Leute, der Vorfrühling ist im Anmarsch ! ...
Zwanzig Barfußkilometer. Hin und wieder (eigentlich viel zu selten) ergibt es sich, dass ich mir Teile eines Tages mal frei räumen kann. Meine Lieben waren anderweitig beschäftigt und ohnehin eher immobil, so habe ich mich alleine aufgemacht, einmal mehr auf Tippeltour ins Bergische Land. Das herrliche Wetter und die fehlenden Bedenkenträger motivierten mich, mir die längste Tippeltour im Bergischen Land überhaupt (es handelt sich dabei ja um eine Serie von Wandervorschlägen im Kölner Umland) vorzunehmen : sie führt - für die, die sich da auskennen - von Wipperfürth - Agathaberg nach Schloss Gimborn und zurück.
Wanderhemd und knielange Bluejeans, dazu ein Rucksack mit Verbandsmaterial, Ringelblumensalbe, Äpfeln und - nach der geschilderten Erfahrung von Sonntag - Sandalen (die ich aber letztlich nicht gebraucht habe), so machte ich mich auf den Weg. Der Weg führte über recht einsame Strecken und wechselnde Untergründe, leider etwas viel asphaltierte Wirtschaftswege (aber der beschuhte Ottonormalwanderer mag es ja auch bei feuchtem Wetter nicht matschig). Immer wieder ergab sich aber auch hierbei die Möglichkeit auf parallele Weiden, auch mal in den Wald auszuweichen. Insbesondere die asphaltierten Strecken (es war auch eine ziemlich raue Variante) sorgten bald für nachhaltig erwärmte und trockene Füße, wogegen sich gelegentliches Auftragen der Salbe bewährte.
Schloss Gimborn, der Wendepunkt, wird als Tagungsstätte genutzt und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, glücklicherweise wohl aber die benachbarte Kirche, deren kühler Marmorboden mir wie gerufen kam.
Als der Rückweg an einem Bauernhof vorbeiführte, dessen freilaufender Wachhund sich mir so nachhaltig in den Weg stellte, dass ich lieber die Ankunft des herbeieilenden Bauern abwartete, kam von diesem als einzigem Menschen auf der ganzen Strecke die besorgte Frage : "Tut das nicht weh ?" Ich stand wieder auf Asphalt, nachdem ich allerdings gerade ein ziemlich geschottertes Wegestück überwunden hatte, und antwortete für den Moment wahrheitsgemäß mit "Nein, überhaupt nicht, warum ?". Da der Hund allerdings unser beider Aufmerksamkeit mehr in Anspruch nahm, war die Diskussion schon zu Ende.
Nach knapp fünf Stunden Gehzeit zurück am Auto war ich schließlich recht froh, eine Wasserflasche zum Füßewaschen und -abkühlen bei mir zu haben. Die nicht mehr ganz neue (sondern bereits vor über 10 Jahren verfasste) Wegbeschreibung hatte noch zwei Gasthäuser am Streckenrand aufgeführt, die beide nicht mehr existierten. Ich fuhr deshalb noch in die nahegelegene Kleinstadt Wipperfürth, suchte mir einen Parkplatz und hätte es nun ziemlich inkonsequent gefunden, wenn ich mir jetzt die Sandalen angezogen hätte. Ich ging also barfuß in den Ort, dessen Menschen trotz angenehmer Temperaturen noch wie im Winter gekleidet waren. Dort bin ich allerdings ziemlich aufgefallen, besonders den Kindern und Jugendlichen, die sich bzw. ihren Eltern bedeutungsvolle Blicke zuwarfen. Hoffentlich bedeuten diese : "Guck mal - barfuß laufen müssen wir jetzt aber auch wieder !" (ich bin mir aber nicht so sicher).
Zuhause habe ich meine Füße noch mal gründlich eingecremt, sie machten schon einen etwas strapazierten Eindruck. Aber das kennt man ja von anderen Muskelgruppen nach Beanspruchung auch nicht anders. ...

Hallo Freunde, da mir der Weg zu Lorenz und seinen Mitbarfüßern nach Bayern leider zu weit war und ich den gestrigen Tag obendrein auch recht gern mit meiner Familie verbringen wollte, haben wir erneut eine "Tippeltour" gemacht. Es stehen ja, wie ich schon schrieb, in 8 Bänden 200 zur Auswahl, sodass die Qual der Wahl durchaus stattfindet. Wir entschieden uns diesmal für einen 13 km langen Rundweg im Westerwald, unweit von Altenkirchen.
Wie vor zwei Wochen auch waren wir wieder mit den beiden Jungen unterwegs. Diesmal ließ ich allerdings meine Wanderschuhe gleich im Auto (wo sie sich auch eher zufällig befanden, weil ich gar nicht erwogen hatte, sie zu benutzen) und nahm sie auch nicht im Rucksack mit. Der Weg war wie immer (der Autor der Reihe gibt sich große Mühe mit der Wahl seiner Streckenführung) sehr schön und abwechslungsreich, führte aber leider über weite Strecken über asphaltierte Wege (es lebe die Flurbereinigung). Die Asphaltdecke fühlte sich zwar sehr schön warm an, aber auf Dauer ist der Asphalt ermüdend, langweilig anzufühlen und macht mir Blasen an der Ferse.
Glücklicherweise gab es allerdings häufig wegbegleitende Wiesen (-ränder), sodass meine Füße (und ich mit ihnen) auch zu ihrem Recht kamen. Der in der Beschreibung erwähnte Gasthof unterwegs war leider zwischenzeitlich zum "FKK-Club Schweinestall" (so hieß das wirklich) mutiert, weshalb das Picknick erst am Ende mit Mitgebrachtem auf einer Wiese stattfand.
Auf dem letzten Stück hat unser Jüngster mich wieder barfuß begleitet; vor einem kurzen sumpfigen Stück (das man auch leicht umgehen konnte) hatte er beschlossen, jetzt auch nur noch barfuß weiterzukönnen. Ob er sich demnächst auch von Anfang an traut ? Drängen werde ich ihn nicht; erfahrungsgemäß erreicht man als Elter damit viel zu oft das Gegenteil von dem, was man anstrebt ...
Eine lustige Begebenheit will ich noch erzählen : als wir durch einen kleinen Ort kamen, spielten zwei Hunde, ein recht verspielter großer Labrador o.ä. und ein kleinerer weißer Wussel vor einer Hofeinfahrt. Beide schlossen sich uns an und ließen sich auch von ihrem penetrant auf einer Flöte pfeifenden Herrchen nicht davon abbringen. Während der weiße Wussel nach einiger Zeit zurücklief, zeigte der Labrador keine Anstalten, den Heimweg anzutreten. Nun ist solches in vergangenen Jahren schon zweimal passiert, dass Hunde uns spontan adoptiert hatten, aber man hat dann große Mühe, sie zu ihrem eigentlichen Eigentümer zurückzubringen (einmal hat die Polizei uns dabei geholfen). Also übte ich mich nach einem guten Kilometer in Solidarität zwischen Barfüßer und Barpfoter und ging mit ihm die Strecke bis zu seinem Hof zurück, wobei er zwar vorlief, aber immer wieder stehenblieb und sich überzeugte, dass ich auch mitkomme. Erst als er seinen Hof wieder vor Augen hatte, lief er nach Hause - und ich das Wegstück zum dritten Mal zu meinen Lieben zurück.
Die Gegend, in der der Rundweg lag, war zwar nicht sehr belebt, aber wir sind doch etlichen Leuten begegnet. Irgendwelche Bemerkungen zu meinen nackten Füßen habe ich nirgends gehört, ein paar Leute schmunzelten freundlich. Vielleicht dachte der ein oder andere wirklich, dass die Gelegenheit ganz gut sei ... Aber alle anderen Füße verbüßten weiterhin ihre winterliche Haftstrafe in den als "Schuhe" bezeichneten Gefängnissen.
Und wenn man wie ich gestern einige Stunden entspannt und im Wortsinn "sinnlich" barfuß gegangen ist, fragt man sich nur : warum tun sich die anderen bloß die Schuhe an ? ...
Hallo Barfüßer, mein derzeitiges Motto lautet : Alles zu seiner Zeit - Barfußlaufen wenn das Wetter schön ist, und darüber schreiben, wenn das Wetter mies ist ... Gerade ist also Zeit zum Schreiben, vorgestern (Donnerstag) war Zeit zum Laufen. Die Wettervorhersage hatte den mildesten Tag dieser Woche mit Temperaturen über 15 °C versprochen, und ich konnte mir meine Zeit so einteilen, dass ich mir den Nachmittag freihalten konnte.
Da meine Lieben alle etwas vorhatten, entschloss ich mich zu einer Allein - Tippeltour im Bergischen Land , und dann auch gleich zu einer von mir noch nicht begangenen und relativ langen (16 km). Das Wetter war zwar, wie sich beim Start herausstellte, nicht ganz so freundlich wie erhofft - also zog ich statt einer Weste lieber meine Jacke an. Dass die Schuhe nicht dabeisein würden, stand aber immer außer Frage !
Ich machte mich durch den Ort auf den Weg, leider über relativ viel Asphaltdecke, doch die war von der Sonne immerhin schön aufgewärmt worden. Später folgte eine Schotterstrecke, an die sich meine Füße 1999 erst mal wieder gewöhnen müssen. Der Weg näherte sich dann einem einzelnstehenden Gehöft und einer Wegekreuzung.
Im Abstand von rund 200 m sah ich von links eine "klassische" Wanderergruppe kommen : kniebundbehost, wanderbestiefelt und altersmäßig im wohlverdienten Ruhestand. Sie passierten vor mir die Wegekreuzung nach rechts - und als ich an der Ecke war, sah ich, dass auch mein Weg dort lang führte. Etwa hundert Meter weiter bog der Wanderweg von dem Feldweg nach links über einen schmalen Pfad in den etwas höher gelegenen Wald - und da standen sie alle Schlange am "Aufstieg". Ich grüßte freundlich, stellte mich hinten an und nahm mir vor, die Truppe schnellstens zu überholen - und war gespannt, wie lange es brauchen würde, bis der erste etwas sagt.
Ich stieg seitlich an einigen vorbei, sobald das möglich war, überholte andere und wartete am nächsten Anstieg auf eine Möglichkeit, auch an den übrigen vorbeizukommen. Ich hatte bisher erst eine männliche Stimme gehört, die (hoffentlich behält der Mann recht !) sagte : "Der muss später nicht zum Orthopäden !" (Ob das wohl unausgesprochen so weiterging : hätte ich besser auch so machen sollen !?) Am zweiten Anstieg jedoch warteten "oben" einige Leute auf den nachkommenden Rest, und eine ältere Dame fragte mich mit teilnahmsvoller Stimme : "Haben Sie Ihre Schuhe verloren ?" Ich antwortete knapp : "Keineswegs, das ist reine Absicht !" und nutzte die Gelegenheit, auch den Rest der Truppe abzuhängen. Immerhin führte der Weg jetzt erst über schönsten Waldboden, dann Wiese - barfußfreundlichstes Gelände also, wie den Wanderbeschuhten möglicherweise auch aufgefallen ist (auf dem Schotterweg hätte ich streckenweise wohl keine so gute Figur abgegeben).
Später begegnete ich an einem Wanderparkplatz noch einer Gruppe Jugendlicher, und ein etwa 16jähriges Mädchen fragte interessiert : "Ist es nicht etwas kalt zum Barfußlaufen ?" Ich verneinte wahrheitsgemäß, sagte noch, dass der Boden angenehm warm sei - dachte auch kurz daran, dass das regelmäßige Barfüßern im Winter sicher dazu beiträgt, dass ich jetzt auch im Schatten kein Kältegefühl habe - und habe meinen Weg fortgesetzt.
Auf dem letzten Stück ist mir dann tatsächlich (hallo MarkusII) zum ersten Mal außerhalb eines Wildgeheges ein Wildschwein über den Weg (eine Zufahrt zu einem Einzelhof). Es nahm aber von mir fast keine Notiz.
Am Ende der Wanderung machten meine Füße einen durchaus "benutzten" Eindruck - aber das ist ja nach 16 km Barfußlaufen durch die Landschaft nur richtig so. Der Asphalt hatte auch wieder dafür gesorgt, dass ich mein altes Problem mit den Druckstellen an den Fersen wieder spürte - hoffentlich gibt sich das bald. ...

Nachdem ich hier schon von Barfußwanderungen im Bergischen Land und Westerwald erzählt habe, soll es sich heute einmal ins und ums Siebengebirge gehen. Das liegt zwischen den beiden anderen Gebieten, gegenüber dem Bonner Stadtgebiet auf der rechten Rheinseite, und ist dank Autobahn von Köln aus gut zu erreichen. Schon als Kind fuhr ich mit meinen Eltern dorthin : nach Königswinter und dann auf den Drachenfels - wo fast alle Touristen langlaufen und der Weg fein betoniert ist. Da ich als Barfußwanderer nicht auf die Begegnung mit den Touristen und schon gar nicht auf den Betonweg erpicht bin, starte ich lieber woanders, letzte Woche am Spätnachmittag in Bad Honnef am Sportplatz Scherfbachtal (für die Ortskundigen).
Das Scherfbachtal aufwärts führt über ein längeres Stück ein gut zu begehender Naturpfad, dem ich frohgemut folgte. Hinter einem Wanderparkplatz hatte die Naturparkverwaltung erkannt, dass ab hier die Wanderermassen gebündelt und trockenen Fußes geführt werden müssen : es gab also den hier leider klassischen geschotterten Wanderweg, den meine Fußsohlen wahrscheinlich nie lieb gewinnen werden, aber schon nach kurzer Zeit führte ein gut erkennbarer Pfad durch den Wald bergauf; er kam mir wie gerufen und führte auf einen anderen, breiteren Naturpfad, der sich in einem Rodungsgebiet ziemlich verlor - doch durch den Wald führte eine verfolgbare Spur ins Scherfbachtal zurück, direkt an eine Wegekreuzung, die auf der anderen Talseite auf natürlichem Pfad bergauf führte. Leider endete dieser Weg auf einer dieser Wandererschneisen, doch glücklicherweise von einem Pferdeweg begleitet. Diesem folgte ich, da ich mir sein Begehen als bedeutend erfreulicher als die leicht verkniffene Gangart auf dem Schotter (oder gar den Griff zu den Sandalen im Rucksack) vorstellte.
So gelangte ich schließlich zur Löwenburg in ein Gebiet, das ich aus meiner beschuhten Zeit ganz gut kannte, und suchte für den Rückweg den Lieblingsweg unseres Jüngsten, einen durch ein kleines Kerbtal, einen Siefen (die gaben dem Gebirge per Lautverschiebung seinen Namen), abwärts führenden Naturpfad. Und dann ging ein gehöriger Gewitterregen los, den ich von einem Baum geschützt ganz gut überstand - aber dann fingen die Probleme an, denn der matschige und abschüssige Lehmpfad war wie Schmierseife (und das sorgte ja schon früher im Fernsehen bei "Spiel ohne Grenzen" für die schönsten Ausrutscher). Als ich unten ankam, hatte ich jedenfalls leichte Probleme mit meinem Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit und machte mich am Rande von Bad Honnef auf die Suche nach meinem Parkplatz. Eine ältere Dame meinte, am einfachsten, aber ziemlich weit, sei es durch die City (eine Idee, die mir wegen der Matschspuren nicht so behagte). Als sie mit ihrer Erklärung fertig war, ich mich bedankt hatte und weiterging, kam noch ein "Oh Gott, barfuß" - das war also wohl doch bemerkenswerter als der Matsch, aber nicht mein Problem.
Ich versuchte mich dann an einer Abkürzung, traf auch die Richtung ganz gut, landete aber nach nicht einfachem Abstieg in waldigem Gelände im Tal in einem Areal, das zur Talstraße hin von Brennnesseln umzingelt war. So blieb nach längerem Suchen nur der Versuch, über ein Industriegelände die Straße zu erreichen - doch der von mir befürchtete wadenbeißende Hund existierte glücklicherweise nicht.
Die richtige Wegführung für einen empfehlenswerten Barfußwanderweg im Siebengebirge war das noch nicht, aber ich kann ja auch noch ein Weilchen weitersuchen ... Wenn ich sie habe, veröffentliche ich eine Beschreibung hier und/oder bei Btreff. Hat jemand von Euch vielleicht einen Tipp, wie man barfuß über einen feuchten Naturpfad den Abhang hinunter kommt ? Trockene Füße an Euch alle ...
PS : Wie immer beim Barfußwandern war dies ein sinnliches Vergnügen dank der zahllosen Reize, die die vielen Nerven der Fußsohlen melden. Unter "erotisch" stelle ich mir freilich etwas anderes vor, was ich eh nicht öffentlich machen will - und im Kontext dieses Forums erst recht nicht. ...
Barfuß an G8. Hallo Barfüßer, der Titel erinnert an K2, und das ist eine Anhöhe, die vermutlich auch Rainer und Gerald nicht barfuß bezwingen würden - wenn sie denn überhaupt da hinauf wollten. Anhöhe ist auch bei G8 ein gutes Stichwort, aber ein bisschen Rätseln darf ja vorläufig auch mal sein ... Heute wieder etwas Freizeit für eine Barfußwanderung und ein neuer Versuch im Siebengebirge. Diesmal wieder auf den Spuren einer "Tippeltour" aus der gleichnamigen Serie von Wandervorschlägen im Kölner Umland.
Start in Niederdollendorf auf der rechten Rheinseite, da wo die Rheinfähre nach Bad Godesberg ablegt. Es geht 2 km am Rhein entlang nach Königswinter, über angenehm warmen Asphaltbelag oder wegbegleitendes Grün. In Königswinter - einem Touristenort am Fuß der bekanntesten Siebengebirgshöhe, des Drachenfels - führt der Weg durch den Ort. Meine nackten Füße, die unten aus einer Bluejeans rausschauen, finden erstaunlich wenig Interesse (aber das wäre an Pfingsten, wenn dort feiertägliches Spießbürgertreffen ist, vermutlich anders). Am Bahnübergang muss ich erst einmal innehalten (Schranke zu) und ein etwa 60jähriger Mann auf Fahrrad spricht mich sehr wohlwollend auf meine Barfüße an und dass dies doch gut für die Füße sei. Es entspinnt sich ein kurzes freundliches Gespräch bis die Schranke wieder aufgeht.
Der Weg verlässt den Ort und führt über den alten Bittweg entlang zahlreicher Bildstöcke aus dem vorigen Jahrhundert hinauf auf den Petersberg. Leider ist die zweite Weghälfte mal wieder übel versplittet, so dass ich meine zwischenzeitliche Hoffnung, jetzt einen schönen und empfehlenswerten Barfußwanderweg im Siebengebirge gefunden zu haben, erst mal wieder begraben muss (ich werde da mal nach alternativen Streckenführungen suchen - zur Not auf der Straße). Oben angekommen geht es durch ein offenes Tor im Sicherungszaun auf das Gelände des alten Petersberghotels, das heute Gästehaus der Bundesregierung ist. Ich werde von einem zivil gekleideten Herrn interessiert gemustert, grüße freundlich, er zurück. Einige Meter weiter dann jede Menge Bundesgrenzschutz und ein Parkplatz voller Dienstfahrzeuge - auf dem Petersberg tagt eine Kommission der G8 - Staaten, um eine Lösung für den Kosovo-Konflikt herbeizuführen. Ich irre etwas umher, weil ich den Abgang nach Oberdollendorf finden muss, und werde diesmal von den Sanitätern ebenso interessiert begutachtet, aber nicht am ziellos scheinenden Herumsuchen behindert. Ob die Barfüße unzweiflig Harmlosigkeit signalisieren ? Beschuhte Vergleichssubjekte waren nicht gleichzeitig mit mir oben, so dass ich dies nicht experimentell ermitteln konnte.
Der Weg herunter war zum größten Teil ganz barfußfreundlich, am Ende im Bereich einer Obstwiese - auf der das Kraut sehr hoch stand - leider wieder zerschottert. Dann durch den Ort zurück zum Auto - und 11 schöne Barfußkilometer waren erwandert. Und aufs nächste Mal Barfußwandern freue ich mich schon !
Wanderfreudige Füße Euch allen Georg

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