[In Kindheitsclique galt Schuhetragen als "uncool"] [Er formierte im Gymnasium Barfuß - Lobby]

In Geralds Kindheitsclique galt Schuhetragen als "äußerst uncool" ...
(aus verschiedenen Forumbeiträgen im Frühjahr 1999)

Da ich es leider ziemlich eilig habe, nur kurz zum 1. Mai: Das hat nichts mit Gewerkschaft oder Aufmarsch zu tun, sondern ganz einfach mit kindlichen Barfuß - Erfahrungen:  Wo ich aufgewachsen bin, galt der Spruch, dass man in Monaten ohne R (Mai-August) barfuß läuft. Dort war es daher üblich, dass wir als Kinder am 1. Mai die Schuhe auszogen und bis mindestens 1. September barfuß liefen. Wer ohne zwingenden Grund in dieser Zeit Schuhe trug, galt in unserer Clique als äußerst uncool.
Wenn es warm genug ist, sind mir die "R" im Monatsnamen reichlich egal.
füßlich Gerald

Hallo Gerald,
[Gegend, wo ich aufgewachsen bin, üblich ... als Kinder am 1. Mai Schuhe auszogen und bis mindestens 1. September barfuß liefen. Wer ohne zwingenden Grund Schuhe trug, galt in unserer Clique als äußerst uncool.] Obwohl die Möglichkeiten zum Barfußlaufen ganz bestimmt nicht der einzige Sachverhalt sind, nach denen man seine Kindheit und Jugend beurteilen sollte, macht diese Aussage doch bestimmt viele hier recht neidisch. Wo bist Du denn aufgewachsen ? Und sind die Verhältnisse dort auch heute noch so, oder schwitzen auch da inzwischen junge Füße Sommertags in Turnschuhen und ähnlichen Fußgefängnissen ?
[ nur kurz zum 1. Mai: Das hat nichts mit Gewerkschaft oder Aufmarsch zu tun]
Das hatte ich auch nicht vermutet und suchte eigentlich nur den Aufhänger für die von Dir ja beantwortete Frage nach dem (Hinter-) Grund für den 1. Mai als ersehntes Datum.
Georg

Jetzt aber wie versprochen und um Georgs Neugier zu befriedigen noch kurz zu meiner Barfuß - Geschichte: Als Kind bin ich auf dem Land aufgewachsen und da gehörte es einfach dazu, im Sommer barfuß zu laufen.
Gefördert wurde das in unserer Clique, wo es regelrechte Wettkämpfe gab, wer am besten abgehärtet ist. Besonders beliebt waren Wettläufe über geschotterte Straßen, wobei es weniger darum ging, wer am schnellsten laufen konnte. Sieger war, wer es am längsten aushielt. Wenn ich heute auf einer Forststraße wandere und dabei die Schmerzgrenze erreiche, wundere ich mich noch oft über meine damalige Barfußausdauer.
Selbstverständlich gingen wir auch barfuß in die Schule. Nicht nur, dass wir keine Probleme damit hatten, die Klassenlehrerin förderte dies sogar. So mussten etwa im Sportunterricht alle SchülerInnen barfuß sein.
Für den Fall, dass diesbezügliche Anfragen kommen: Nein, ich bin nicht in der Zwischenkriegszeit in die Schule gegangen. Das alles spielte sich vor etwa 25 Jahren ab. Ob es heute dort noch immer so ist, weiß ich nicht, da wir nach der Grundschulzeit leider weggezogen sind.
Im Gymnasium gab es dann eine kurze barkfußfreie (eigentlich ein Unwort) Zeit. Erst meine damalige Freundin brachte mich in der Oberstufe wieder zum Barfußlaufen zurück. Sie war eine echte Hardlinerin, die konsequent barfuß ging. Auch nach dem Ende dieser Beziehung blieb ich beim Barfußlaufen.
Inzwischen habe ich zahlreiche Urlaubsreisen und Wanderungen barfuß unternommen. Auch den einen oder anderen Berg habe ich barfuß erklommen, obwohl dies wegen des erhöhten Risikos (Sprunggelenksverletzung) eher selten vorkommt. Am liebsten laufe ich aber stundenlang in Städten herum, da ich so richtig schwarze Fußsohlen besonders toll finde.
Und was die Kommentare anderer betrifft, so habe ich damit noch kaum negative Erfahrungen gemacht. Ich habe den Eindruck, dass viele Leute liebend gerne barfuß laufen würden, sich aber nicht trauen. Erst wenn sie einige Barfüße treffen, nehmen sie ihren Mut zusammen und ziehen auch die Schuhe aus.
Mir selbst geht es hin und wieder genau so. Aus diesem Grund ist Barfußlaufen eine wichtige soziale Aktion, weil man damit vielen Menschen zu ihrem Glück verhilft ... barfüßigst Gerald

Hallo Gerald, du schilderst einfach paradiesische Verhältnisse. Für mich einer der interessantesten Beiträge der letzten Zeit ... Angesichts des aktuellen Disputs über "Fragen" müsste folgender Satz jetzt lauten: Darf man fragen, ob man fragen darf nach der Region, in der das vor 25 Jahren noch so praktiziert wurde? Schöne Füße Jörg

Hallo Jörg! Diese paradiesischen Zustände gab es damals in Oberösterreich - denn wie Georg schon haarscharf geschlossen hat, komme ich aus Österreich. Etwas präzisiert war das im Gebiet der oö. Kalkalpen, wo ich im Haus meiner Großeltern aufgewachsen bin.
Jetzt lebe ich in Graz, im wärmeren Süden. Allerdings hat sich leider meine Barfußfrequenz hier - berufsbedingt - drastisch auf´s Wochenende bzw. Urlaub reduziert. Mit herzlichem Fußgruß Gerald

[Selbstverständlich gingen wir auch barfuß in die Schule ... Klassenlehrerin förderte dies sogar ... im Sportunterricht alle SchülerInnen barfuß sein. ..... Im Gymnasium dann eine kurze barfußfreie Zeit.]
Nachdem meine ältere Tochter gerade in das Gymnasium gekommen ist, stelle ich auch fest, dass die Förderung der Fußgesundheit, die in der Grundschule durchaus noch einen Stellenwert hatte (Barfuß - Sport, Tragen von Hausschuhen) jetzt an der "höheren" Schule keinerlei Unterstützung mehr erfährt. Bleibt mir nur die Taktik, meine Kinder und ihre Freundinnen regelmäßig zum Barfußgehen anzustiften.
[den einen oder anderen Berg habe ich barfuß erklommen, obwohl dies wegen des erhöhten Risikos (Sprunggelenksverletzung) eher selten vorkommt]
Ich denke, gerade ein lädiertes Sprunggelenk kann davon profitieren, dass man sich barfuß einen belastungsarmen Bewegungsablauf aneignet und dabei Muskeln und Sehnen natürlich und schonend kräftigt.
[Kommentare anderer ... noch kaum negative Erfahrungen gemacht ... Eindruck, dass viele Leute liebend gerne barfuß laufen würden, sich aber nicht trauen. Erst wenn sie einige Barfüße treffen, ... ziehen auch die Schuhe aus ... Barfußlaufen eine wichtige soziale Aktion, weil man damit vielen Menschen zu ihrem Glück verhilft]
Genau das stelle ich auch immer wieder fest! Einer muss immer den Anfang machen, es gibt immer einige, die diesen Anstoß brauchen. Wer die Erwartungen so hoch schraubt, dass gleich alle mitmachen sollten, hat natürlich seinen Frust sicher in der Tasche. Aber brauchen wir für das, was wir selbst gerne tun, die Bestätigung durch die Masse???
Herzlichst und füßigst, Lorenz

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... und er formierte im Gymnasium eine Barfuß - Lobby
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen im Frühjahr 1999)

Ich glaube auch, dass die Idee mit dem Dominoeffekt die allerbeste Werbung für´s Barfußlaufen ist. Mir ist es bis jetzt meistens so gegangen, dass die Leute für die Argumente, warum man barfuß läuft, sehr aufgeschlossen sind. Und manche lassen sich wirklich dazu motivieren, ihre Schuhe einfach auszuziehen und barfuß weiterzulaufen. Nur muss eben jemand mit gutem Beispiel vorangehen. Das müssen nicht immer Promis sein. Du und ich genügen schon dafür.
In der Schule ist das sicher nicht anders. Wenn sich erst einmal die Lehrer und v.a. der Direktor daran gewöhnt haben, kann man ohne große Probleme trendsetten. Bei uns war das genauso.
Als ich noch in die Unterstufe ging, lief in der Schule praktisch niemand barfuß. Die höheren Semester trugen Schuhe und wir Junghüpfe wagten es nicht, etwas zu tun, was sonst keiner macht. Gemeinsam mit einem Freund und einer Freundin lief ich jedoch in der Freizeit fast immer barfuß herum.
Die Freundin (nona) war die erste, die es wagte, barfuß zur Schule zu gehen. Und prompt bekam sie Schwierigkeiten. Eine Lehrerin wollte sie des Unterrichts verweisen und drohte ihr, sie ins Klassenbuch einzutragen, wenn sie nicht unverzüglich Schuhe anzog. Das Problem an der Sache: Sie hatte gar keine Schuhe dabei. Auch war unser Klassenzusammenhalt so groß, dass die meisten aus Solidarität begannen, ihre Schuhe auszuziehen. Daraufhin gab die Lehrerin für´s erste auf, lief aber in der Pause zum Direktor, der uns eine Standpauke hielt. Wir argumentierten hin und her - so die üblichen Sachen halt mit Gesundheit und wesentlich hygienischer als dreckige Schuhe etc. Und schließlich gab es ein paar von den Profs, die das Barfußlaufen verteidigten.
Dazu kam, dass wir mit unserem Barfußlaufen offenbar ein lange gehegtes Bedürfnis einiger KollegInnen weckten, denn plötzlich erschienen außer uns noch Barfüßer in Parallelklassen. Den endgültigen Durchbruch schafften wir aber schließlich Ende Juni beim alljährlichen Schulfest. Mehr als die Hälfte aller Schüler liefen barfuß. Nicht nur das, sie liefen dann auch in der Schule bis zum Schulschluss ohne Schuhe rum. Im folgenden Jahr gab es keinerlei Diskussionen mehr. Von den ersten warmen Apriltagen bis zum Schulschluss war barfußlaufen angesagt und immer mehr schlossen sich uns an.
Wir erreichten das auch durch offensive Werbung. So wie Du sprachen wir vor allem an heißen Tagen KollegInnen an, ob es ihnen in ihren dicken Schuhen nicht zu blöd sei. Damit landeten wir einen relativ großen Erfolg. Vor allem im Sportunterricht hatten wir eine Lobby beisammen, so dass es wirklich out war, beim Sport Schuhe zu tragen.
Trotz all dieser Erfolge hatte unsere Dreierbande von Barfüßern der ersten Stunde bald eine spezielle Punzierung. Das ist in einem System wie der Schule kaum zu vermeiden. Hier dominieren die Angepassten und wer barfuß ist, gehört nun mal nicht wirklich dazu. Von einigen wurden wir als Asoziale oder Sandler bezeichnet. Manche konnten sich nicht damit abfinden, dass wir uns nicht ins System der Schuhträger einfügten.
Aber was sind all diese Dinge, wenn man dafür barfuß geht. Die blöden Kommentierer wissen oft gar nicht, was sie da versäumen. Wir haben sozusagen zwei Vorteile: Erstens haben wir das Vergnügen des Barfußlaufens und zweitens motivieren wir andere, die sich nicht so trauen, auch auf die lästigen Schuhe zu verzichten. Da sind wir wieder bei der großen Bedeutung des Dominoeffekts.
Und einmal ehrlich: Wer von uns hat ihn nicht schon gebraucht, diesen Anstoß durch andere Barfüße. Manchmal braucht´s diesen Ruck und alles geht viel einfacher. ...
Das mit der barfußfreien Zeit im ersten Posting bezog sich eben auf die Schule, da ich von der Barfußzeit in der Grundschule berichtete. Also: In der Grundschule liefen wir die ganze Zeit barfuß herum. Im Gymnasium (Unterstufe) nicht, in der Oberstufe machte besagte Freundin aus dem Barfußlaufen eine Mode. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch im Alter von 10-14 barfuß liefen - nur eben viel seltener als zuvor (Gruppendruck und das Vorbild der Älteren waren damals doch tonangebend).
Aber Gott sei Dank hab ich mir die Lust am Barfußlaufen die ganze Zeit über bewahrt und konnte sie ab der 9. Klasse wieder voll ausleben...
Noch eine schöne barfüßige Zeit in der Schule, der Stadt und wo immer Du rumläufst
Fuß zum Gruß Gerald

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