Dürfen Diabetiker barfuß laufen ?
(aus verschiedenen Forumsbeiträgen seit Herbst 1998)

Hallo, liebes FORUM, Ich möchte folgende Frage an Euch richten, die mich sehr bewegt:
Ich selbst bin begeisterter Barefooter. Eine mir sehr nahestehende Person ist Diabetiker seit ihrer Kindheit. Man hat ihr immer gepredigt (Ärzte, und in der Folge Elternhaus), Barfußgehen sei so ungefähr das Dümmste, das ein Diabetiker anstellen könnte, da die geringfügigste Verletzung am Fuß katastrophale Folgen habe (diabetesbedingte Gerinnungsprobleme in den Adern des Fußes erschweren die Heilung), und eine Amputation zur Folge haben würden.
Die Person hat also bis zu meinem Eintritt in ihr Leben nur beschuht gelebt; durch meinen schlechten (?) Einfluss läuft sie zuhause jetzt meist barfuß, mit positivem, weil stärkendem Einfluss auf ihre Fußmuskulatur, traut sich aber immer noch nicht, einen Fuß in die Natur zu setzen.
Global gibt die Schulmedizin den Diabetikern die unmöglichsten "Ratschläge", immer mit Androhung der schlimmsten Konsequenzen , deren Befolgung im Alltag kaum zu ertragen ist. In Wirklichkeit ist diese Krankheit bei vernünftiger und etwas disziplinierter Lebensweise sehr einfach zu handhaben, aber wenn man allen Drohungen der Ärzteschaft Folge leistet, ist das Leben für Diabetiker eine Qual.
Beispiel Ein Rat eines angesehenen Internisten an diese Person lautete beispielsweise, jeden Tag Sauerkraut zu essen, aber nur aus dem Reformhaus, wenn eine Lebenserwartung von X Jahren erreicht werden soll. Der vernünftig denkende Mensch stellt sich wohl die Frage nach der Genießbarkeit dieser Diät , oder ? Dies war natürlich bestimmt ein wissenschaftlich begründeter Ratschlag, vorgetragen mit der Autorität des Mediziners.
Andere Beispiele für ähnlichen Unfug hat die betroffene Person unzählige bekommen, aus deren beklemmenden Einfluss sie sich im Laufe der Jahre befreit hat. Ich habe so den Verdacht, dass die Antibarfuß - Propaganda in die gleiche Gattung gehört wie das zwangsweise Sauerkrautessen, u a.m. Trotzdem sitzen solche Parolen, von früher Kindheit an eingeprägt, sehr tief.
Kann jemand im Forum mir eine fundierte, oder auch spontane Ansicht zum Thema geben, die die Person überzeugen können, ihre Ängste zu verlieren, oder haben die Götter in Weiß ausnahmsweise uneingeschränkt recht ?

Hallo begeisterter Barefooter,
vielleicht helfen meine Gedanken ein bisschen weiter.
Die heutigen Ärzte sind oft von vorneherein gegen das Barfußlaufen voreingenommen. Ich bin kein Mediziner, arbeite aber in einer Firma, die auf dem Gebiet Diagnose und Behandlung von Diabetes einen bedeutenden Namen hat.
Da geht man davon aus, dass ein gut (und mit geringer Schwankungsbreite) eingestellter und überwachter Diabetes ein völlig normales Leben erlaubt. Kann der Zucker im Normalbereich gehalten werden, so ist auch die Gerinnung und die Wundheilung o.k. Falls die betroffene Person ihren Blutzucker gut im Griff hat und sonst keine Wundheilungsprobleme bestehen, sollte das Barfußlaufen auch kein Risiko sein.
Andernfalls muss man schon vorsichtig sein -- allerdings auch mit Schuhen! Bei mir sind nämlich die häufigsten Fußverletzungen Blasen, die ich mir laufe, wenn ich wieder einmal Schuhe anziehen muss!
Beinamputationen bei Diabetikern werden erforderlich, wenn die Blutgefäße so verstopft sind, dass das Gewebe abstirbt. Diese Verstopfung wird durch dauerhaft erhöhten Zucker und die in der Regel damit verbundene Fettstoffwechselstörung verursacht, sie kommt sozusagen von innen. Schuhe bieten dagegen wirklich keinerlei Schutz. Vielleicht ist da die durchblutungssteigernde Wirkung des Barfußlaufens gar nicht so schlecht?? ...
Ich habe heute mal kurz mit der Suchmaschine nach Diabetes AND Wundheilung recherchiert und etwas medizinische Fachinfo gefunden, die eigentlich bestätigt, was ich geschrieben habe. Amputationen werden danach tatsächlich erst durch Blutgefäßverschlüsse notwendig -- und die Wundheilung ist bei Insulinzufuhr o.k.
Ein Kollege hat mir erzählt, dass seine Schwiegermutter seit 40 Jahren 3x täglich Insulin spritzen muss und gewissenhafte Blutzucker-Selbstkontrolle treibt. In letzter Zeit musste sie sich einigen Operationen unterziehen, wobei keinerlei Probleme mit der Wundheilung auftraten.
Fazit: Wenn ein Diabetiker den Blutzucker gut im Griff hat und nicht unter Durchblutungsstörungen leidet, trägt er beim Barfußlaufen dasselbe Risiko wie jeder von uns -- das ist nach meiner Erfahrung der Verlust einiger Tröpfchen Blut alle paar Jahre.
Gruß, Lorenz

Hi, Lorenz,
Vielen Dank für die ermutigende Information. Ich werde sie an die geeignete Person weiterleiten, und hoffe sie zu überzeugen

Mit der Diabetes auf gutem Fuß stehen [...]
Claus Tietjen kennt die Sorgen seiner Kunden: Krallenzeh- und Ballenbildung, Fußdeformationen und Ödeme sind für ihn keine Fremdwörter. Keine noch so schlimm aussehende Fußveränderung kann ihn abschrecken, wenn er als orthopädischer Schuhmachermeister versucht, Diabetes mellitus-Patienten mit Ratschlägen fürs Schuhwerk festen Boden unter ihren empfindlichen Füße zu geben.
"Ich verstehe oft nicht", beginnt er seinen Vortrag in der AOK-Gesundheitskasse am Marktplatz, "dass die Menschen ihren Füßen so wenig Aufmerksamkeit schenken." Gerade für denjenigen, der an Diabetes mellitus leide, also zuckerkrank sei, sei es besonders wichtig, sich mindestens einmal täglich die Füße ganz aufmerksam anzusehen, um eventuelle Verletzungen sofort festzustellen und behandeln zu lassen.
Die Nerven- und Duchblutungsstörungen in den Füßen, als Nebenerscheinung der Zuckerkrankheit, führten häufig zu einer Temperatur- und Empfindungsstörung der Füße. "Selbst Tritte auf Glasscherben oder heiße Temperaturen nimmt der Betroffenen nicht mehr wahr", erklärt der Schumachermeister Tietjen.Die Füße seien wie taub in ihren Wahrnehmungen, Verletzungen würden dadurch häufig nicht sofort entdeckt. "Dadurch können sich Stoß- oder Scheuerstellen entzünden und im übelsten Fall so weit verschlimmern, dass dem Arzt letztlich als Behandlungsmaßnahme nur noch die Amputation bleibt", weiß Claus Tietjen aus seinem Berufsalltag zu berichten.
Generell empfiehlt er Fußdiabetikern, wie er Zuckerkranke mit Fußproblemen nennt, gut sitzende Schuhe zu tragen. "Auch zu Hause auf gar keinen Fall barfuß laufen. Das Risiko, unbemerkt auf eine Reißzwecke zu treten oder sich zu stoßen und Verletzungen davonzutragen, ist viel zu groß", warnt er.
Zur Vermeidung von Problemen bietet sich seiner Einschätzung nach nur konsequente Fußhygiene: "Täglich die Füße kontrollieren und mit lauwarmem Wasser reinigen", rät er. Des Weiteren rückfettende Salben benutzen, um die weitere Nebenerscheinung der Krankheit, das verstärkte Verhornen der Füße, einzudämmen. [...]
"Auch wenn die Füße vom Kopf weit entfernt sind, ist es wichtig für die Gesundheit, die Krankheit samt Nebenwirkungen anzunehmen", appellierte Claus Tietjen an die Diabetiker. [...]
[Weser Kurier, 23. 01. 2001]

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