Laufen Sie nicht barfuß - bei peripherer Verschlusskrankheit
(Forumbeiträge im Winter 2000 / 2001)

Medizinischer Schwachsinn, oder sinnvoll!? - "Laufen Sie nicht barfuß"
Beim Durchblättern der neuesten Ausgabe der "Apotheken-Umschau" vom 15. 02. 01 (erhältlich in allen Apotheken kostenlos) traf ich auf einen Artikel, der mich doch sehr verwundert hat.
In dem Beitrag ging es um arterielle Verschlusskrankheit und "wie Sie Ihre Gefäße gesundhalten". Weiter in dem gesamten Artikel kam die Rubrik "So halten sie Ihre Füße fit".
Folgende Passagen waren darin abgedruckt:
Tipps für Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen an Beinen und Füßen:
Füße waschen. Sie sollten Ihre Füße täglich waschen; jedoch nicht länger als drei bis fünf Minuten und das Wasser sollte maximal 37°C warm sein. Verwenden sie als Badezusatz rückfettende Seifen. Bürsten sollten Sie nur mit Vorsicht einsetzen – sie könnten Hautschäden verursachen.
Füße gut abtrocknen. Besonders wichtig sind die Zehenzwischenräume. Bei Fußpilz sollten Sie zum Arzt. Hornhaut entfernen. Hornhaut sollten Sie mit einem Bimsstein (vor der Fußwäsche!), einer trockenen Feile oder mit einem batteriebetriebenen Schleifgerät behandeln. Verzichten Sie auf Rasierklingen, Hornhauthobel oder Salizylsalbe. Verdickte Hornhaut ist die Folge von Druck - kontrollieren Sie deshalb Schuhe bzw. Einlagen.
Hühneraugen behandeln. Hühneraugen können Sie gut mit Bimsstein abtragen. Bevor Sie zu speziellen Tinkturen oder Pflastern greifen, sollten sie erst Ihren Arzt fragen.
Nägel pflegen. Die Nägel sollten mit der Zehenkuppe abschließen - zu kurze Nägel wachsen schneller ein. Kürzen Sie ihre Nägel mit einer Sandfeile oder einer abgerundeten Diamantfeile. Scheren, Fußzangen, Nagelklipser und spitze Nagelfeilen sind verboten. Die Nägel an den Ecken nur leicht abrunden. Schneiden oder feilen Sie niemals tief in die Ecken. Vorsicht bei eingewachsenen Nägeln - sie sind ein Fall für den Arzt.
Füße schützen. Laufen Sie nicht barfuß, tragen Sie keine offenen Schuhe. Auch am Strand oder im Schwimmbad sollten Sie Badeschuhe tragen.
Baumwollsocken tragen. Am besten sind Strumpfmodelle ohne Nähte. Socken täglich wechseln.
Auf gute Schuhe achten. Kaufen Sie sich Modelle mit weichem Oberleder. Die Schuhsohle sollte nicht zu biegsam, der Absatz nicht höher als drei Zentimeter sein. Dadurch reduzieren Sie die Belastung des Vorfußes und beugen Druckverletzungen vor. Die Zehen brauchen genügend Spielraum. Laufen Sie neue Schuhe ein, indem Sie diese zu Beginn nicht länger als 30 Minuten tragen.
Ich bin kein Mediziner und maße mir nicht an solche Ratschläge für gefäßgeschädigte Patienten zu beurteilen, halte Sie aber dennoch für äußerst merkwürdig, besonders die letzten drei Passagen. Serfuß UlliDO

Ich weiß nicht, wie das bei bereits geschädigten Patienten ist; ich vermute aber, dass barfuß gehen auch den angesprochenen Störungen vorbeugen kann. Unci

Periphere Verschlusskrankheit tritt meist als Folge von Diabetes oder starkem Rauchen auf und bedeutet, dass Gewebe der Extremitäten gefühllos wird und wegen Mangelversorgung absterben kann. Amputation von Zehen, Füßen oder gar Beinen ist dann oft unumgänglich.
Da sind Verletzungen der Füße sicher oft ausschlaggebend. Diese Verletzungen kommen in der Regel von Schuhen, die irgendwo einschneiden oder scheuern -- worauf dieser Artikel ja vor allem hinweist.
Da zwei Drittel der Bevölkerung Barfußgehen für lebensgefährlich halten, kommt die Warnung gleich auch noch dazu -- sie ist bei solch gravierenden Gesundheitsstörungen aber wahrscheinlich auch angebracht.
Serfuß, Lorenz

Hallo, ein wesentlicher Punkt ist die bei solchen Krankheiten oft auftretende sog. Polyneuropathie. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung der peripheren Nerven. Damit verbunden ist - neben der allgemein eingeschränkten Sensibilität - eine fehlende Wahrnehmung von Schmerzen.
Sprich: Eine Verletzung wird nicht bemerkt oder der Schmerz als Warnsignal fällt aus. Zusammen mit den Ent-/Versorgungsstörungen einer peripheren Verschlusskrankheit kommt es zu einer sehr schwer beherrschbaren Beeinträchtigung der Wundheilung. Die Folge ist oftmals eine Amputation.
Deshalb: Den Rat der "Apotheken-Umschau" unbedingt befolgen!
Gruß Sven Fritz, Heilpraktiker (=Sven (BS))

[mit Ent-/Versorgungsstörungen einer peripheren Verschlusskrankheit kommt es zu Beeinträchtigung der Wundheilung. Folge ist oftmals Amputation. Rat befolgen]
Dem kann ich nur beipflichten!
Ich habe schon viele Diabetiker oder Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit erlebt, bei denen aus ursprünglich kleinen Verletzungen rasch therapieresis tente schwärende Wunden wurden.
Häufig kam es dabei zu Nekrosen (= abgestorbene Gewebepartien) und letztlich zu Amputationen. Vorsichtig sollten aber auch Personen sein, die an chronischer venöser Insuffizienz, meist hervorgerufen durch einmal durchlittene Thrombosen, Frostbeulen (also Vorsicht bei winterlichen Barfußgängen!) oder an einer bestimmten Form arteriellen Bluthochdrucks laborieren (im letzteren Fall meistens Frauen zwischen 40 und 60).
Apropos Thrombosen (= Blutpfropfen, zumeist in den Venen, seltener in den Arterien):
Laut einem Artikel, der unlängst im "Spiegel" erschien, sollen Langstreckenflüge der Bildung von Thrombosen höchst förderlich sein! Allerdings dürften dabei nur Personen betroffen sein, deren Blutgefässe bereits vorgeschädigt sind.
Ciao, Julius, Krankenpfleger

Hallo zusammen! Ich habe vor ein paar Wochen im Warteraum der ambulanten Notaufnahme eines Kreiskrankenhauses zufällig dieselben Hinweise samt Schaubildern gefunden. Nach meiner Erinnerung war der Text wörtlich gleich.
Allerdings wird die Schautafel ausdrücklich als Hinweistafel für Diabetiker verwendet. Von Patienten mit Durchblutungsstörungen war nichts zu finden.
Da nach meinem Wissen Diabektiker Probleme mit der Wundheilung haben können, fasste ich die Hinweise, nicht barfuß zu laufen, so auf, dass dadurch Verletzungen vermieden werden sollten.
Ich stelle nun leicht amüsiert fest, dass jemand diese Hinweise übernommen und unter anderem Vorzeichen gedruckt hat.
Bei Nichtdiabetikern, die an Durchblutungsstörungen leiden, sollte der Rat IMHO dahin gehen, die Durchblutung zu verbessern. Ganz hervorragend geeignet ist dafür nicht übertriebene sportliche Betätigung. Und wer barfuß läuft, trainiert seine Füße mehr als der, der sie in irgendwelches Schuhwerk steckt, das automatisch verhindert, dass die Summe der Fußmuskeln beansprucht wird.
Es gab schon viele Postings, die auf die Verbesserung der Durchblutung hingewiesen haben, die auch bei kühlen Außentemperaturen schnell eintritt. Hans-Martin

Hallo Forum ! Fand im Forum folgenden Beitrag :
[Periphere Verschlusskrankheit als Folge von Diabetes oder starkem Rauchen ... Da zwei Drittel der Bevölkerung Barfußgehen für lebensgefährlich halten, kommt Warnung gleich dazu -- ist bei solch gravierenden Gesundheitsstörungen auch angebracht]
Aber Hallo ! Gegen den letzten Satz muss ich als (im Job) kettenrauchender Barefooter Protest anmelden. Dass Kettenrauchen nicht gerade gesundheitsfördernd ist, weiß ich selbst. Steht ja auf jeder Packung.
Wenn ich nun wegen des Risikos der peripheren Verschlusskrankheit das Barfußlaufen einstellen müsste, wäre meiner Gesundheit sicher kein Dienst geleistet, ganz im Gegenteil. Denn bei meinem wöchentlichen Barfußspaziergang im Wald rauche ich erstens prinzipiell NICHT, und zweitens sorge ich für eine korrekte Durchblutung meiner peripheren und nicht peripheren Blutgefässe, und drittens entspannt es mich extrem, so dass ich übers Wochenende allein dadurch entschieden weniger rauche als an den Wochentagen.
Ich wage also die Meinung zu äußern, dass Barfußlaufen den Kettenrauchern eher empfohlen und verordnet werden sollte, solange die dazu dienlichen Gliedmassen noch nicht amputiert sind, oder ?
Meine Lebensgefährtin ist Diabetikerin (und Nichtraucher), glaubt im allgemeinen keine einzige der Alarmmeldungen in den konsumfördernen Postillen der Pharmaindustrie, wie der zitierten Apothekenzeitung, die die Bevölkerung zu einem gesundheitsschädlichen medikamentösen Überkonsum anreizen soll, der mindestens so schädlich ist wie Kettenrauchen, bis auf EINE EINZIGE, an die sie standhaft glaubt, nämlich dass Barfußlaufen außerhalb des Hauses für sie schlecht sei. Jeder Überzeugungsversuch ist bis jetzt gescheitert. (Allerdings ist sie zu meiner Vorliebe sehr tolerant bis anspornend)
Ich wage zu behaupten, dass Barfußlaufen bei Diabetikern, die ihre Krankheit im Griff haben, was für viele leider nicht zutrifft, nicht schaden kann.
Was meint Ihr dazu ? MfG Aquajeans

[wegen Risikos der peripheren Verschlusskrankheit Barfußlaufen einstellen, wäre Gesundheit kein Dienst geleistet]
Nicht wegen des Risikos sollte man Barfußlaufen einschränken, sondern wenn die periphere Verschlusskrankheit manifest ist!
Ich denke auf jeden Fall, dass die Durchblutungsförderung beim Barfußlaufen eine gute Vorbeugung gegen dieses Übel darstellt -- gerade auch für Raucher.
[Barfußlaufen Kettenrauchern empfohlen und verordnet werden, solange Gliedmassen noch nicht amputiert sind]
Ich bin auch als Nichtraucher völlig Deiner Meinung -- und wir wollen hoffen, dass alle Gliedmaßen dran bleiben!
[wage zu behaupten, dass Barfußlaufen bei Diabetikern, die Krankheit im Griff haben, nicht schaden kann]
Jeder Diabetiker kann doch wohl überprüfen (oder überprüfen lassen), ob er Gefühlsstörungen an den Füßen hat. Und er kann beurteilen, ob er von Wundheilungsstörungen heimgesucht ist oder nicht. Und dann kann er beurteilen, in welchem Maße er unbesorgt barfuß gehen kann.
Ansonsten stellen schlechte Schuhe eine ebenso große Gefahr für die Diabetikerfüße dar!
Herzliche Füße, Lorenz

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