[Barfüßige Herbstwanderungen 1999]  [ ... und 2000]

Barfüßige Herbstwanderungen 1999 ...
(Forumberichte im Herbst 1999)

Hallo zusammen, Seit Beginn dieser Woche präsentieren sich die Bayerischen Alpen schneebedeckt - man glaubt es kaum, dass ich am vergangenen Samstag den Großteil unserer Familienwanderung im Karwendelgebirge barfuß zurückgelegt habe.
Über Bad Tölz / Vorderriß / Hinterriß sind wir in "die Eng" gefahren. Dieses Tal ist gar nicht einmal so eng, am wenigsten im malerischen hinteren Teil, dem "Großen Ahornboden". Den Talgrund bedecken dort weiträumige Viehweiden, locker mit Ahornbäumen bewachsen. Man kann da kilometerweit kreuz und quer barfuß laufen.
Ich nehme an, dass das im Sommer auch öfter mal praktiziert wird, aber Anfang Oktober hält das natürlich so gut wie niemand mehr für möglich. Wir hatten allerdings die Falkenhütte auf 1850 m Meereshöhe zum Ziel, und da der Weg zunächst über Wiesen ging, mussten sich meine Stiefel wohl oder übel in den Rucksack stecken lassen. Da blieben sie auch noch, als der Weg ein wenig steinig wurde; beim langsamen Bergaufgehen fand ich immer ein Fleckchen, wo ich den Fuß beschwerdefrei aufsetzen konnte.
Als der Weg wieder über Wiesen führte und die Sonne den Boden auch schon erwärmt hatte, trennte sich auch meine größere Tochter liebend gerne von den Schuhen, die ich dann allerdings auch noch in meinen Rucksack stecken musste. Auf dem letzten Drittel mussten unsere Barfüße jedoch vor der Querung eines langen Geröllfeldes mit scharfkantigen, meist faustgroßen Kalksteinbrocken kapitulieren.
Doch an der Hütte kamen unsere Füße sofort wieder an die frische Luft! Natürlich wurden wir als einzige Barfußläufer des Tages wohlwollend bestaunt und angesprochen - und ich habe wieder einige meiner Faltblätter weitergegeben. Unter anderem trafen wir auch auf eine andere "Randgruppe": Leute, die freiwillig Müll aufsammelten, den andere achtlos weggeworfen hatten. Da war natürlich die gemeinsame Öko-Wellenlänge gegeben, und es ergab sich ein längeres interessantes Gespräch.
Jetzt, bei Temperaturen unter 10 Grad, beschleicht mich das traurige Gefühl, dass das vielleicht die letzte Gelegenheit zum Barfußwandern in diesem Jahr war.
Aber irgendwie freue ich auch auf bevorstehende barfüßige Freudentänze im frisch gefallenen Schnee!
Herzliche Füße, Lorenz

Hallo miteinander, die Erfahrungen des heutigen Tages waren sehr erfreulich - auch wenn das Wetter nicht hielt, was der schöne Vormittag versprochen hatte. Den hatte ich leider schon mit Fahrradreparaturen verbracht. Aber radelte die Familie ca. eine halbe Stunde zu einer Bauernwirtschaft mit schönem Bergblick. Bemerkenswerterweise schwangen sich auch meine Frau und meine größere Tochter unbeschuht aufs Fahrrad - ohne dass ich das irgendwie angeregt hätte. Die Kleine hatte Sandalen an, was bei ihrer noch unsicheren Fahrweise auch etwas für sich hat.
Meine Frau, die früher alles andere als barfußbegeistert war, wird eben allmählich von der Selbstverständlichkeit meiner Barfüßerei angesteckt. Als zufällig zwei Schülerinnen von ihr dort auftauchten, rief sie sie völlig unbefangen zu sich her - kein "megapeinlicher" Gedanke kam ihr dabei in den Sinn (sie hätte ja auch unauffällig wegschauen können). Und die Schülerinnen beachteten ihre Füße in keiner Weise, sie waren zu sehr mit dem Verkauf von Programmheften für ein Reiterfest beschäftigt.
Doch dann zogen Wolken und Gewitterschauer heran, und meine Damen entschlossen sich zu einem ausgiebigen Mittagsschlaf. Aber mir war das Wetter dazu nicht schlecht genug. So probierte ich alleine etwas Neues aus: barfuß auf einen Berg gehen, ohne überhaupt Schuhe dabei zu haben. Das hatte ich mir in Hinblick auf den Abstieg bislang nicht zugetraut. Ich wählte mir ein einfaches Ziel, einen Berg unmittelbar am Alpenrand, der etwa 600 m Anstieg durch den Wald erfordert. Es war inzwischen bewölkt und hatte schon einmal ein wenig geregnet. So war der Boden eher kühl und feucht, stellenweise recht steinig, stellenweise Waldboden mit vielen Wurzeln. Und einige schlammige Passagen fehlten auch nicht.
Trotzdem hatte ich beim Aufstieg keine Probleme mit der Trittsicherheit, auf Steinen und Wurzeln fand ich mit den Zehen wesentlich besser Halt, als sonst mit Schuhen. Da meine Fußmuskulatur schon seit Jahren keine Untätigkeit kennt, war sie dieser Herausforderung gewachsen. Es war überhaupt keine Quälerei, sondern ein Barfußgenuss ganz nach meinem Geschmack. Leichtfüßig bewältigte ich den Anstieg in einer Stunde - mit Schuhen hatte ich die letzten Male viel länger gebraucht! Doch als ich kaum oben war, fing es an zu regnen. Einen Regenumhang hatte ich dabei, aber der Boden wurde verteufelt glatt!
Ich wollte mich auf gar keinen Fall verletzen, und so dauerte der Abstieg wesentlich länger als der Aufstieg. Dabei konnte ich reichlich experimentieren, wie man bergab am besten Halt findet. Es funktioniert überhaupt nicht wie in Bergstiefeln, wo man die Ferse kräftig aufsetzen und so mit dem Profil Halt finden kann, denn der Fuß hat sein Profil nur vorne in Form der Zehen und Ballen! Und nur durch ganz bewussten Einsatz dieser Partie findet man beim Bergabgehen Halt. Andererseits ist es von Vorteil, dass man barfuß unmittelbar fühlt, ob man Halt findet oder wegzurutschen droht.
So bin ich auch kein einziges Mal auf dem Hosenboden gelandet. An einer lehmigen Stelle kam ich allerdings einmal ins Rutschen wie auf Glatteis und hatte alle Mühe, den sicheren Waldboden neben dem Weg zu erreichen. Und jetzt sind meine Füße wunderbar warm, fühlen sich richtig kräftig an und sind völlig unbeschädigt. Und ich bin um ein schönes Erlebnis reicher!
Herzlich Füße, Lorenz

[dauerte Abstieg wesentlich länger als Aufstieg ... konnte experimentieren, wie man bergab am besten Halt findet ... Fuß hat sein Profil nur vorne in Form der Zehen und Ballen ... durch ganz bewussten Einsatz dieser Partie findet man beim Bergabgehen Halt]
Ein Tipp: Wenn's gar nicht mehr geht: Rückwärz gehz besser Rainer

Nicht vor dem Herbst kapitulieren! Hallo zusammen, Als ich gestern früh aus dem Fenster in den Nebel blickte und am Thermometer zwei Grad ablas, dachte ich ganz und gar nicht ans Barfußlaufen. Aber am späten Vormittag kam die Sonne durch und die Temperatur stieg trotz schneidenden Ostwinds auf sieben Grad. Meine Frau schlug einen Familienausflug nach Krün (nahe Mittenwald) vor - landschaftlich wunderschön gelegen. Dort wollten meine Damen Rollerskates fahren, während ich so etwas noch nicht besitze. Auch dort war es ganz schön windig, aber die Temperatur schien mir doch knapp im zweistelligen Bereich zu liegen. Also packte ich die Schuhe mal wieder in der Rucksack, ganz ohne wollte ich aber doch nicht aufbrechen (auf den letzten Metern des Ausflugs wurde es dann auch so kalt, dass ich sie doch sehr zu schätzen wusste). Es gab da Asphaltwege, die in der Sonne eine angenehme Temperatur erreichten und weite Wiesen, die sich kneippmäßig erfrischend anfühlten. Ich fand es ganz toll, immer wieder zwischen den beiden Untergründen hin und her zu wechseln. An den Füßen fror ich dabei weniger als an den Händen, die ich vor dem kalten Wind meist in den Hosentaschen vergrub - ansonsten war warmer Pulli und Anorak angesagt. Natürlich wurde ich öfters von anderen Spaziergängern angesprochen, aber wie üblich im positiven Sinn. Mit einem Familienvater, dessen Kinder Drachen steigen ließen, kam ich ins Gespräch, und der erzählte mir, dass in Farchant (nahe Garmisch-Partenkirchen) ein Fühlpfad eingerichtet worden ist (wäre ich nicht barfuß unterwegs gewesen, hätte ich davon nichts erfahren). Also machten wir auf der Heimfahrt einen kleinen Umweg, denn ich wollte mir das unbedingt anschauen - ich möchte ja gerne so etwas in meinem Heimatort einrichten. Was wir dann fanden, war eine nette Kneipp-Anlage am Rande eines Wildbachs: mit Wassertret- und Armbadebecken und einem ganz kleinen Rundweg mit verschiedenen Materialien jeweils auf 2-3 Metern Strecke. Drei verschiedene Arten Kies, gröbere Steinbrocken, zwei Arten Holzuntergrund, grober und feiner Rindenmulch, Moospolster und Rasen, Kiefern- und Tannenzapfen waren da zum Zwecke des gefühlsechten Gehens aufgeboten. Alles war ganz neu gemacht und hat auch meine Kinder sehr beeindruckt. Wer also auf der Fahrt nach Süden durch Farchant kommt, kann mal einen kurzen Abstecher zwecks Erfrischung seiner Füße machen: man muss den Wegweisern Richtung Kuhflucht-Wasserfälle folgen (zunächst mit dem Auto) und noch ca. eine Viertelstunde zu Fuß gehen. Serfuß, Lorenz

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... und 2000
(Forumbeiträge im Herbst 2000)

Barfuß wandern auf den Roßstein.
Hallo Barfußläufer! Heute war Bilderbuchwetter in den Bayerischen Alpen und meine Familie war sich einig (so was gibt's gelegentlich auch), dass wir zur Tegernseer Hütte wandern wollten. Diese sehr beliebte Wanderung hat ihren Ausgangspunkt an der Straße vom Tegernsee zum Sylvenstein - Stausee.
Die Tegernseer Hütte liegt wild verwegen in einem engen Sattel zwischen den beiden 1700 m hohen Gipfeln von Roß- und Buchstein. Ich war schon zweimal mit Schuhen dort und wollte den Anstieg diesmal barfuß versuchen. Der Anstieg war wesentlich besser barfuß zu begehen, als die Benediktenwand, mit der wir uns vor zwei Wochen barfüßig auseinandergesetzt hatten.
Es ging zunächst durch den Wald, dann ein kürzeres Stück über Almen. Die Wege waren nicht sonderlich steinig, so dass sich nach 1/3 des Wegs auch meine größere Tochter entschloss, barfuß zu gehen. Der letzte Anstieg zur Hütte führte über einen unschwierigen, aber doch ausgesetzten Klettersteig. Meine Tochter entschied sich, wieder die Bergschuhe anzuziehen, aber ich traute mir auch dieses Stück barfuß zu.
Ich hatte ein sehr sicheres Gefühl beim barfüßigen Klettern, da ich alle Tritte genau spürte und mich mit den Zehen ideal festhalten konnte. Wegen der vielen Leute, die diese Stelle passieren, ist dort der Stein an den Griffen und Tritten völlig glatt poliert, was beim Klettern mit Schuhen unangenehm rutschig ist - aber barfuß kam ich optimal zurecht. Allerdings ließ die Kraft in den Zehen allmählich nach - es hätte nicht unendlich lang so zugehen können.
Nach der wohlverdienten Hüttenrast stiegen wir noch die paar Dutzend Meter auf den Roßstein und genossen die wunderbare Fernsicht zum Großglockner und in Richtung Karwendelgebirge und Zugspitze.
Bergab wusste ich meine guten Bergschuhe dann schon sehr zu schätzen - aber bergauf hätten sie mich nur behindert (meine Frau hechelte hinterher und meinte, dass ich sonst noch nie so schnell gegangen wäre).
Natürlich gab es Kommentare zu den beiden barfüßigen Bergwanderern. Aber die waren jedes Mal positiv, wenn nicht gar bewundernd. "Mei, seid's ihr hart," oder "das könnte ich nie" war da zu hören. Dabei war der barfüßige Anstieg über weite Strecken weder schwierig noch unangenehm! Eine Frau, die fragte, warum wir das machen, bekam gleich einen meiner Flyer in die Hand gedrückt ...
Es war ein wunderbarer Ausflug - und hoffentlich nicht die letzte barfüßige Bergwanderung in diesem Jahr! Und den Füßen geht es bestens. Serfuß, Lorenz

Wanderführer für barfüßige Mädels [ 23. Oktober 2000]
Ich weiß nicht, ob das auf Dauer ein Traumberuf ist; gestern hat es mir jedenfalls Spaß gemacht, dies für ca. 20 min auszuprobieren. Es war einer der netten Spontankontakte, die sich so oft ergeben, wenn ich barfuß wandere.
Um das herrliche Wetter auszunützen, war ich wieder mal auf dem Weg zum Herzogstand, Nach vielleicht 150m Aufstieg saß eine Gruppe von sieben Mädels und zwei Jungs (so um die 14 Jahre) am Wegrand und diskutierte mit ihrem jungen Lehrer darüber, dass sie doch lieber umkehren wollten.
Als sie mich sagen, kam der übliche Ausruf: "Oh, da geht ja einer barfuß!"
Ich antwortete: "Das geht super, aber bei euch habe ich doch den Eindruck, dass euch eure Fußfesseln sehr beim Laufen behindern!"
Die frechste Göre sagte gleich drauf: "Zeigen Sie doch mal Ihre Füße her, wie viel Hornhaut haben Sie denn?"
Ich leistete Folge, zeigte meine Sohlen: "das sind ganz normale Füße mit einer ganz normalen Hornhaut wie sie jeder hat."
"Dann gehen wir auch barfuß!" hörte ich zu meinem Erstaunen, und schon begannen die Mädels, ihre Schuhe aufzuziehen (nicht so die Jungs).
Ich schaute zu dem Lehrer, wie der wohl reagieren würde, aber der sah mich ganz erwartungsvoll an. Ihm war wohl alles recht, was seine Gruppe zum Weitergehen bewegen konnte. Also bot ich meine Erfahrung als Führer von Barfußwanderungen an, gab ein paar Tipps, wie und wo man auftreten sollte und lief langsam los. Eines der Mädels zog gleich an mir vorbei und strebte flotten Schritts voran - die lief sicher nicht zum ersten Mal barfuß. Einigen Kameradinnen, die entgegenkamen, über diverse Unpässlichkeiten klagten und der Talstation der Seilbahn zustrebten, rief sie zu: "wir gehen jetzt barfuß, das ist viel besser!".
Ich ging dann vor der zweiten im Bunde her, die langsam aber sicher ihre hübsch gepflegten Füße Schritt für Schritt auf den manchmal schon etwas steinigen Weg setzte. Und sie meinte, dass sie sich echt viel besser fühlt als mit den Schuhen. Der Rest blieb weiter zurück und zog wohl bald wieder die Schuhe an - irgendwann hielt dann auch sie inne und wartete auf die anderen - immer noch barfuß. Ich gab ihr den Flyer zu meiner Homepage, für die sie sich sehr interessierte. Ein paar Kehren weiter wartete dann die leichtfüßige Kameradin. Auch sie war nach wie vor barfuß und wollte noch ein Foto von mir machen. Auch sie lud ich natürlich zum Besuch meiner HP ein.
Dann lief ich alleine weiter, beschwingt von dem netten Erlebnis und der Freude darüber, dass ich nicht der einzige Oktoberbarfüßer war. Herzliche Füße, Lorenz

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