[Markus befürchtet, dass er für "beklatscht" gehalten wird, weil er bis November barfuß geht] [Georg diskutiert mit Markus über seine Bedenken]

Markus befürchtet, dass er für "beklatscht" gehalten wird, weil er bis November barfuß geht
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumsbeiträgen im Herbst 1998)

Hi Ihr Entschuhten ! Dass Barfußlaufen gesund ist, ist sicher nichts neues, aber ich habe lustigerweise festgestellt, dass es offensichtlich den Körper erkältungsfester macht. Okay, außer am liebsten täglichem Barfußlaufen habe ich noch ne andere Macke, ich hau mir auf der Arbeit nämlich gerne Unmengen von Fruchtsäften rein, aber ich denke dies in Verbindung mit meinen schuhlosen Wanderungen im Wald sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich bis Mitte November barfuß laufen kann, ohne mir dabei eine Erkältung einzufangen. Und dabei sagt ja der Fachmann (Fachmänner lügen!), dass nasse/kalte Füße krank machen ! Humbug !
Allerdings hab ich volles Verständnis dafür, wenn mich andere Passanten für beklatscht erklären, wenn ich bei diesem Wetter barfuß herumlaufe, und irgendwie traue ich mich dann auch nur in den späteren Abendstunden heraus, weil das sonst einfach megapeinlich ist. Man kommt sich ja vor wie ein Exhibitionist. Aber egal, no risk no fun, ich bleibe dabei ;) ...
Genau dieses Problem ist m.E. nicht so ganz einfach "wegzudenken". Ich laufe wirklich sehr oft draußen barfuß, aber halt immer nur zu späterer Stunde, und nur in möglichst menschenleeren Gegenden (Wald, Feldwege...), weil es ganz einfach in unserer Gesellschaft "nicht normal" ist, insbesondere zu dieser Jahreszeit barfuß zu gehen.
Im Sommer, wenn's wirklich heiß draußen ist, könnte ich mich ggf. auch mal dazu überwinden, barfuß in die Stadt zu gehen, aber bei Temperaturen um die 10 Grad und weniger ist es schlicht und ergreifend anormal. Trotzdem tue ich es, weil es mir Spaß- und nichts aus macht.
Aber jeder (!), der mir so begegnet, MUSS (wenn nicht gleichgesinnt) denken, dass ich/wir ne Schraube locker haben, und ich kann denen das beim besten Willen nicht übel nehmen, weil ich - bevor ich auf den Trip gekommen bin- genau so gedacht hätte.
Wenn mir jetzt im Wald ein einsamer Jogger oder Radfahrer entgegenkommt, dann WEISS ich, was er denkt, und das ist mir bereits so was von super uncool peinlich, dass ich am liebsten in den nächsten Busch hüpfen würde, fast so als wäre ich komplett nackig und nicht nur barfuß.
Aber ganze Menschenhorden auf einmal, ich glaube, das wäre nicht zu überleben - wie gesagt, im Sommer sicher kein Thema, aber es ist kalter Herbst. Käme mir jetzt abends im Wald ein Mädel im Bikini entgegengejoggt, oder ein Oben- ohne- Typ, dann würde ich sie - obwohl selber untypisch bekleidet- garantiert für beklatscht erklären. Ich glaube nicht, dass wir beklatscht sind , aber es ist verletzend für mich, wenn mich jemand für selbiges hält. Aber in der Stadt wären es gleich zig- bis Hunderte Augengeschosse, die sich in meine Eingeweide bohren würden. Es ist fast so, als würde ich barfuß mitten auf dem Roten Platz stehen, umringt von pelzumhüllten Menschenmassen, und angestrahlt von gleißenden Scheinwerfern, und aus Lautsprechern hallte es heraus "Hahaha, seht mal, der Spinner da ist barfuß !".
Ich falle einfach nicht gerne unangenehm auf, mir fehlt es nicht an Selbstwertgefühl, aber ich habe natürlich eine gesunde Portion Stolz, und daher gehe ich Menschenmassen - sofern schuhlos- gerne aus dem Weg. Ich würde gerne wissen, welche Erfahrungen andere Barfüßler insbesondere im Herbst/Winter für Erfahrungen gemacht haben mit den lieben Mitmenschen. ...
Also, heute war uns erfreulicherweise auch mal wieder ein schönes Wetter vergönnt (Norddeutschland sucks), also habe ich mich entschlossen, meinen geliebten Waldwanderrundweg gleich 2x zu durchlaufen. So gegen 18 Uhr hab ich mich also auf die Socke ... Sohlen gemacht und bin losmarschiert. War einfach klasse, obwohl diverse Autos auf dem Parkplatz standen ist mir keine Menschenseele begegnet....jedenfalls in der ersten Runde.
Als ich dann auf meiner zweiten Runde von einem schmalen Nebenweg auf einen breiten Hauptweg gelangte, flitzte ein Jogger auf mich zu, und er war vielleicht noch 50m von mir weg. Was tun ?? Umkehren, abhauen ? Nee. Gott sei dank wollte ich in die selbe Richtung gehen, wie er lief, also musste ich ihm nicht ins Angesicht sehen, wenn ich einfach meinen Weg fortsetzen würde. Also denn ! Schließlich hatte er mich eingeholt, und was macht der ?? Er hat einfach mit einer freundlichen Stimme (ohne blöden Unterton) gegrüßt ! Puh, also war ich für den schon mal kein Aussätziger ! Hm, okay.
Den Rest der Strecke ist mir niemand mehr begegnet, und schließlich, so kurz vor 8, fing es an zu dämmern, und ich befand mich bereits 50m vor dem Ziel (Parkplatz), da bog ein junges Pärchen (uff. Deutsche Rechtschreibung. Das Paar, Die Paare, Das Pärchen ??) [das Pärchen wär's gewesen ... G.] auf den Weg ein ! ! !
Sch####, was nun ? Umkehren, weglaufen ? Uncool. Also hab ich allen Mut zusammengenommen, sie angesehen und ganz lieb gegrüßt --- und sie haben lieb zurückgegrüßt ! Gott sei dank, wieder keine blöden Sprüche/Blicke/Grinser etc.
So witzig es klingen mag, aber bisher ist es mir im Herbst/Winter IMMER gelungen, anderen Leuten aus dem Weg zu gehen, und heute hatte ich gleich zwei nichtnegative Begegnungen dieser Art, das macht Mut. Gut, zu Zeiten des Joggers war es noch hell und warm, aber gegen 8 war es schon deutlich abgekühlt und dämmerig, daher bin ich echt positiv überrascht !!!
Markus

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Georg diskutiert mit Markus über seine Bedenken
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumsbeiträgen im Herbst 1998)

Es besteht auch bei mir kein Zweifel, dass je niedriger die Temperaturen werden, desto merkwürdiger dem Außenstehenden das Barfußlaufen erscheint. Aber was geht es ihn schon an ? Gibst Du wirklich so viel auf die Vorurteile fremder Leute ? Warum denn eigentlich ?
Ist es wirklich DEIN Problem, wenn ein Ahnungsloser denkt, Du seiest bekloppt ? Warum denkt der andere eigentlich nicht : "Boh, der geht ja barfuß, bewundernswert, ich könnte das nicht !"
Vielleicht hilft Dir eine kleine, gestern erlebte Geschichte. Ich war bei vielleicht 13° bei einer Regenpause in der Grünanlage barfuß joggen. Ein jugendliches Pärchen kam mir entgegen und einer sagte halblaut : "Ist das eigentlich nicht kalt ?" Ich antwortete ihnen : "Alles nur eine Frage der Übung", und hatte den Eindruck, dass sie durchaus anerkennend reagierten.
Wie ich schrieb, füge ich mich selbstverständlich auch den Konventionen, aber Wildfremden gegenüber empfinde ich da nicht viel Bedarf (nackt in der Öffentlichkeit gilt aber - anders als barfuß - als schamverletzend). Im übrigen machst Du es doch auch richtig, wenn Du auf Deine Bedenken reagierst, indem Du den potentiellen Gaffern aus dem Weg gehst ! Ich jedenfalls gehe und laufe ohnehin nicht barfuß, damit andere das sehen, sondern weil es mir Spaß macht ! ...
Die Geschichte von den "wohlmeinenden Passanten", wenn es denn überhaupt welche waren, habe ich nur angeführt, um aufzuzeigen, dass man - wenn man überhaupt bemerkt wird - nicht automatisch "unangenehm auffällt". Du hast offenbar als Kind / Jugendlicher noch schlechtere Barfußerfahrungen gemacht als ich (ich habe meine im Dialog mit Silvia im Forum berichtet). Die Folge ist offenkundig, dass Du die ablehnende Haltung anderer stark verinnerlicht hast, was ich zwar nachvollziehen kann, was mich aber bei Deiner doch positiven Einstellung zum Barfüßigen trotzdem etwas verwundert.
Es ist bestimmt hilfreich für Dich zu wissen, dass Du mit Deiner Freude am Barfußgehen nicht alleine auf der Welt bist; lies doch im "Best of" einmal die vielen Barfüßerberichte durch. Da wirst Du einige Berichte von Leuten finden, die - ohne besondere Probleme empfunden zu haben - gerne und öffentlich auf nackten Sohlen unterwegs sind; andere haben ihre Scheu erfolgreich überwunden und sind jetzt sehr froh darüber, und wiederum andere sind von ähnlichen Zweifeln beseelt wie Du. Du findest auch dort und in einigen Forumsbeiträgen der letzten Tage gute bzw. gut gemeinte Ratschläge dazu, wie z. B. den Vorschlag von Micha, zur Tarnung Rollerblades über die Schulter zu hängen. ...
Um zunächst einmal ein Missverständnis auszuräumen : ich wundere mich überhaupt nicht über Deine positive Einstellung zum Barfußlaufen - ich wundere mich über die Leute mit negativer Einstellung ! -, ich wollte lediglich auf einen gewissen Widerspruch hinweisen, den ich zwischen Deiner positiven Einstellung einerseits und den von Dir zum Ausdruck gebrachten Bedenken ("Barfußlaufen ist mir megapeinlich") gesehen habe.
Deine Erfahrungen im Wald hat Du in Worte gefasst, die sich glatt zur Veröffentlichung in einer Werbebroschüre für Barfußwanderer eignen; ich kann sie sehr gut nachempfinden, weil ich ähnlich empfinde, nur leider haben bei uns ökologische Überlegungen (die ich aber ansonsten sehr befürworte) dafür gesorgt, dass unseren Wald keiner mehr "aufräumt", sprich es liegen Unmengen mehr oder weniger kleiner bzw. großer abgestorbener Äste herum. Barfußgehen ist deshalb meist nur auf den - dann häufig irgendwie befestigten - Wegen möglich; und immer wieder nehmen sie zum Befestigen diesen spitzen Schotter ... sei's drum, ist halt eine Herausforderung.
Georg

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