[Markus verschiebt Barfuß - Grenzen weit in  Alltag] [Markus zeigt, was trainierten Füßen möglich ist]

MarkusII verschiebt seine Barfuß - Grenzen weit in den Alltag
(Forumbeiträge im Sommer 1999)

Ich bin froh, dass sich meine bisherigen Grenzen des Barfußlaufens (also "nur" lange Wanderungen) nun weit in den Alltag hinein vorgeschoben haben. Und dies eben in starkem Maße dank dieses Forums!
Die Wochenenden sind nicht selten von Freitag Abend (vor der Tür der Firma, wo ich im Nebenjob arbeite) bis Montag früh (vor der Fahrt zur Fortbildung) komplett schuhlos, und in der Fortbildung ziehe ich die Sandalen im Lehrgangsraum inzwischen sofort aus (und werbe ab und zu, wenn die Gelegenheit sich ergibt, mit Argumenten "pro Barfußlaufen" - aufdringlich möchte man ja nicht sein!). Vor kurzem bekam ich dort plötzlich zu hören, dass man meinen Füßen ansähe, dass sie oft nicht in Schuhen unterwegs seien, sie könnten ganz offensichtlich mehr. DAS Kompliment hat mich sehr gefreut! ... Gerade heute habe ich mich getraut, die Barfuß - Grenzen weiter hinaus zu schieben. Bisher habe ich im jeweiligen Kursraum die Sandalen "fallen" gelassen und bin zunächst am Platz so gewesen und dann im Raum so herummarschiert. Heute war ich überall im Gebäude so unterwegs, auch vorm Chef und vor der Verwaltung. Hat reibungslos geklappt, bin sogar noch nett angesprochen worden! Die Toiletten stellen für Missgünstige eine große Angriffsfläche dar, wenn man dort so auftaucht – dachte ich. Auch hier keine Probleme.
Der größte Schritt war jedoch: mittags auch raus in die Stadt gehen, um die Mensa aufzusuchen. Die Bedingungen waren ja günstig (warm, kurze Hosen...). Ich hatte dies bereits mehrfach versucht, es aber einfach nicht geschafft. Und wie ärgerlich war dies, und wie widerlich finde ich die an den Füßen klebenden Sandalen (dass die anderen sich vor diesem Nährmedium für nachweislich unangenehme Kleinlebewesen nicht ekeln, wundert mich).
Heute habe ich dem inneren Bedürfnis dann nachgegeben, und siehe da: Im Bereich der Universität, wo viele StudentInnen unterwegs sind, und im Bereich der Mensa war es allen anderen schlicht – einfach schnurzpiepegal! Einige nette Blicke einiger Frauen, keine negativen Reaktionen.
Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich nicht nur für mich, sondern auch von der Umwelt her ansatzweise fühlen, wovon ich hier immer nur schreibend träume: Barfußlaufen ist das normalste (und natürlichste) der Welt! Gerade das war mir "weggenommen" worden. Es wird tatsächlich nur dadurch etwas Besonderes, weil man es nicht darf (da es sanktioniert wird). Das vorhandene Grundbedürfnis staut sich immer mehr an - und entlud sich bei mir dann in den 30 - km - Wanderungen, die ich viel zu selten machen konnte, und im Schreiben über dieses Thema.
Nach der Mensa musste ich noch in die Innenstadt, und da wird man schon öfter als etwas "Besonderes" wahrgenommen, aber auch hier ist es (bei dem Wetter) vielen einfach – egal! Außerdem sollte man lernen, es nicht mehr als etwas Besonderes zu empfinden, dass man etwas stärker auffällt – eine energiesparende Standardreaktion finden eben. Die seltenen negativen Reaktionen rutschen einem am besten vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen und des Wissens aus diesem Forum "den Buckel runter". Hier habe ich schon viel gelernt (und habe leider doch noch einiges zu lernen). Ansonsten bemühe ich mich zumindest, immer etwas freundlicher zu sein als im "Normalfall" (mit den aufgezwungenen Schuhen), und dies klappt nicht selten ganz gut.
Tja, hatte ich mir als nächstes Hindernis ausgedacht, wie wird das bloß werden, wenn ich nun mit richtig dreckigen Sohlen das Institut betrete? Innenstadt ist nun mal Innenstadt, und das Bild Michaels auf der Homepage dieses Forums gibt da den ganz realistischen Eindruck wieder. Heute hat sich dies immerhin zum Teil geklärt: Als ich reinkam, war vom Personal keiner da. In der Schule selbst hat sich keiner drum gekümmert, obwohl es manchem aufgefallen sein muss, und als ich am Nachmittag ging, wurde ich vom Personal freundlich verabschiedet. Ich glaube, auch dreckige Sohlen werden nur zu etwas besonderen "gemacht", weil man im Kopf hat, dass man so etwas ja nicht darf. Nachdem ich nun sowieso schon seit längerem die Erfahrung gemacht habe, dass helle Teppiche hell bleiben, wenn man vorher die Fußmatte gründlich traktiert hat, wird mir auch gefühlsmäßig immer mehr klar: Auch sie sind das normalste der Welt – sie sind nun mal immer ein Spiegelbild des Untergrundes, auf dem man sich bewegt, nicht "mehr". Und dies ist nicht nur physikalisch Naturgesetz, sondern sollte es ebenso vom Gefühl her sein.
Und abschließend: die Verletzungsgefahr, Schmerzen etc.? De facto einfach nicht existent (nachdem ich ja auch den "Härtetest" bei R(h)einkultur recht gut überstanden hatte)! Einfach ein zutiefst angenehmes, natürliches, normales Gehen, ohne irgendwelche Bedenken oder Missempfindungen in dieser Hinsicht. Irgendwelche "Rettungssandalen" kann man getrost zu Hause lassen, wenn man nicht gerade auf sehr langer Wanderung ist.
Ich hoffe, diese Dinge bald nicht mehr großartig aufschreiben zu "müssen" – weil sie dann - hoffentlich – im "Best Of" stehen werden (neben den vielen sehr ähnlichen Angaben), für jedermann nachzulesen sind und vor allem - die normalsten Dinge der Welt sind! Und für mich wichtig: weil nun auch ich dies so empfinden kann (selbst in einer Umwelt, die leider "verzogen" ist und von der ich auch "verbogen" wurde).
Außerdem hoffe ich, baldmöglichst, genau wie Du, von "1 ½ Wochen barfuß" berichten zu dürfen .
Noch graut mir etwas vor dem Ende des Sommers, wenn man wieder stärker auffällt. Aber ich hoffe, dann mehr innere Kraft gefunden zu haben, um wiederum besser zu mir selbst stehen zu können ("I am what I am").
So, ich hoffe, es war nicht zu pathetisch !
Viele Grüße und bis bald MarkusII

Hallo MarkusII, ich fand Deinen Beitrag sehr schön zu lesen. Du kannst sehr plastisch und nachvollziehbar Deinen Weg beim Hinausschieben der eigenen Grenzen beschreiben. Ich habe es mit Freude gelesen!
Bei Deiner Schilderung fiel mir ein Zitat ein, welches Epiktet (soviel ich weiß einer der griechischen Stoiker) zugeschrieben wird: "Die Menschen werden nicht durch die Dinge, die passieren, beunruhigt, sondern durch die Gedanken darüber." Dieses Zitat spiegelt, so glaub' ich, ganz gut die meisten der hier im Forum beschriebenen Erfahrungen wieder. Oder?
[graut mir vor Ende des Sommers, wenn man wieder stärker auffällt ... hoffe, mehr innere Kraft gefunden zu haben ... "I am what I am"]
Der Gedanke des irgendwann endenden Sommers ging mir auch schon durch den Kopf - irgendwo muss ein kleiner Pessimist vergraben sein ;-)
Andererseits stehen uns allen aber noch viele, viiiiele ereignisreiche Barfußwochen bevor und - so hoffe ich - ein reger Austausch darüber hier im Forum.
[ich hoffe, es war nicht zu pathetisch]
Nö! Machs gut Kai

[Ich hoffe, diese Dinge bald nicht mehr großartig aufschreiben zu "müssen" – weil sie dann - hoffentlich – im "Best Of" stehen werden] Bitte sehr, bitte gern ! Georg

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MarkusII zeigt auf, was mit trainierten Füßen gut möglich ist
(Forumbeiträge im Sommer 1999)

Hallo zusammen! Da ich inzwischen glücklicherweise zu jemand geworden bin, der sich nur noch höchstens 24 Stunden in der Woche (gezwungenermaßen) etwas an die Füße schnallt, möchte ich kurz berichten, dass die Barfüße doch viel leistungsfähiger sind, als die meisten es so in den Köpfen haben. Dies ist v.a. zur Ermunterung für Zweifler gedacht, die meinen, dass Barfußlaufen außerhalb des eigenen Gartens etwas doch eher Gefährliches sei...
Gestern habe ich zusammen mit einem Freund eine 85 km - Radtour gemacht, mit teils beachtlichen Steigungsstrecken (und auch Schieben auf teils steinigem Weg). Es ist ein Genus! Ich rate aber davon ab, dies mit untrainierten Füßen machen.
Heute musste ich vor einem Gewitter flüchten – mir blieb nichts anderes übrig als über knapp zwei Kilometer zu laufen. Es ging zwar auch über Wiese, aber meist über Asphalt und auch etwas Schotter. Mit untrainierten Füßen wäre dies m. E. ausgesprochen gefährlich, ich war nun aber erstaunt darüber, dass es ein Genus ist! Man läuft viel leichtfüßiger und angenehmer – die ständigen Erschütterungen, die beim an Joggingschuhe angepasstem Laufen auftreten, fallen weg. Ich glaube inzwischen auch, dass man sich selbst bei Lauftempo wohl kaum noch wehtut (beim Gehen ohnehin nicht). Der Sicherheitsgewinn liegt m.E. neben der "passiven" Sicherheit - Sohlenpolster, darüber feste Hornhaut - v.a. in der "aktiven" Sicherheit: die Beine und Füße sind viel "wacher", man bewegt sich ganz anders und viel feinfühliger, als wenn man an Schuhe gewöhnt ist. Dies gilt auch beim Radfahren; und vor allem: die erhöhte Vorsicht kommt dem gesamten Menschen zugute!
Wie ja allgemein bekannt sein dürfte, gibt es eine eigene Internetseite zum Thema Barfuß - Joggen. Auch dort wird dessen Ungefährlichkeit betont. An einem Rastplatz im Verlauf der Radtour warnte mich der Freund vor Scherben, wie es eigentlich alle sofort tun, die jemand ohne Schuhe herumlaufen sehen. Nach dem "Härtetest" auf der "Scherbenstrecke" unter der Südbrücke bei der Bonner R(h)einkultur, wo ich wohl oder über "durch" musste, habe ich jetzt mal vorsichtig probiert, wie es denn so ist, wenn man barfuß auf eine größere Scherbe tritt. Sie war nur von einer Einwegflasche, aber immerhin mit schräg nach oben gebogenen spitzen Enden (vielleicht 45 Grad), und ich habe den Vorfuß vorsichtig auf sie gesetzt. Sie zerknackte völlig unspektakulär, ohne dass ich etwas Großartiges wahrgenommen hätte. Jeder spitze Stein ist viel deutlicher spürbar. Größere Scherben waren nicht auffindbar, so dass das Experiment hier erst einmal beendet war. Also, auch hier gilt mal wieder: die Vorurteile sitzen im Kopf, und was eigentlich simpelstes Basiswissen aller sein müsste (s.u.), muss man sich im Eigenversuch "erarbeiten".
Wie Lupu heute schreibt, tut es recht weh, dass man fast immer der Einzige ist, der barfuß ist. Es geht mir manchmal auch so und z.T. zugegebenermaßen auch auf die Nerven (und vor diesem Hintergrund ist das Untenstehende auch geschrieben; also, los geht's:). Aber was können wir bloß dafür, wenn den Leuten die simpelsten Dinge nicht bekannt sind, eben (für die Vielleser ab hier nur noch Wiederholung)
- dass in Schuhen die ständige natürliche Fußreflexzonenmassage wegfällt und somit der gesamte Mensch beeinträchtigt wird
- dass sich viele in Schuhen einen Gang angewöhnen, der für den Körper gar nicht gut ist
- dass mehr als die Hälfte der Europäer deformierte Füße hat, was u.U. Folgeschäden an Knien, Hüften und Rücken nach sich zieht, während dies bei barfuß laufenden Völkern eine Seltenheit ist
- dass die Füße für ständigen direkten Kontakt mit dem Untergrund sowie Licht und Luft gemacht sind. Das Tragen von Schuhen und Sandalen zieht Hautkrankheiten nach sich (Europa: 56% bis 2/3 der Bevölkerung, je nach Studie; barfuß laufende Völker: ca. 1%, auch da, wo es feuchtwarm und gar nicht so sauber ist).
Und noch mal für diejenigen, die schwarze Sohlen gar nicht schön finden (obwohl das nie gewaschene Hautschuppen - Pilz - Schweißfußbett eines Schuhes oder einer Sandale für Füße sehr viel unschöner ist, s.o.): Mit zunehmender Abhärtung werden schwarze Sohlen immer seltener und laufen sich auch schnell wieder sauber, sobald man den schmutzigen Bereich (z.B. die Innenstadt) verlässt. Vor dem Betreten der Wohnung reicht das Benutzen einer vernünftigen Fußmatte, und helle Teppiche bleiben hell. Unter der Dusche geht mit etwas Shampoo sowieso alles ruck - zuck und beinahe restlos runter.
Also: Wer seine Füße trainiert, erschließt sich eine völlig neue Welt und tut sich etwas SEHR, sehr Gutes; und das Barfußlaufen ist auf Dauer viel ungefährlicher und wesentlich sauberer als das Gehen in irgendetwas, was man ständig an den Füßen mit sich herumschleppt.
So, nun habe ich genug "Dampf" abgelassen! Ist ja auch ziemlich gewittrig heute...
Viele Grüße an Euch alle MarkusII

Hallo Markus, natürlich hast du mal wieder vollkommen Recht, was das Training und die Gesundheit anbetrifft!
Mich selber verwundert es ja auch jedes Mal wieder, dass denkende Menschen der Meinung sind, man würde sich sofort "was holen" (Erkältung), wenn man barfuß läuft. Von Infektionsgefahr und dem ganzen PiPaPo mal ganz abgesehen.
Aber auch ich bin so erzogen worden und habe (etwas übertrieben gesagt), dass Barfußgehen etwas für irgendwelche Eingeborenenstämme sei (so als ob uns "Zivilisierten" unsere mutierten Füße nur noch mit Schuhen tragen würden). Erst nach und nach habe ich selbst andere Erkenntnisse gewonnen und in stetig höheren Dosen praktiziert (erst nur ab und zu in der Wohnung, dann immer in der Wohnung, dann mal in Parks, dann auch auf der Straße etc.).
Natürlich bin ich auch der Meinung, dass gute Beispiele (so wie wir sie hoffentlich sind) die beste Werbung für Barfüßigkeit sind. Aber das wirklich schwierige sind die massenhaften Vorurteile und kulturellen Einengungen, denen wir hier alle unterliegen. Dagegen kommt man einfach nicht so schnell an (und so müssen wir wohl noch lange Clowns bleiben, wenn nicht gar für immer).
Aber immerhin: jetzt bin ich schon drei Tage permanent barfuß (o.k., muss auch gerade nicht zur Arbeit...) und das tut schon mal ziemlich gut! Reicht zwar noch nicht für ein gutes Training - aber immerhin. Gerade höre ich Cat Stevens' "If you want to be free, be free...!" und so halten wir's auch...
optipessimistische Grüße aus dem (noch nicht gewitternden) Berlin von Lupu

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