[Barfuß beim Musizieren] [Barfuß und Oper]

Barfuß beim Musizieren
(aus verschiedenen Forumbeiträgen im Herbst 1998)

Ansonsten bin ich während meiner gesamten Schulzeit, speziell während des Gymnasiums, höchstselten barfuß gelaufen, nicht weil ich nicht wollen hätte, aber getraut habe ich mich irgendwie nie. Die einzige Ausnahme waren dann irgendwelche Chor- oder Orchesterwochen oder Jugendlager im Sommer, da bin ich dann öfters mal barfuß gewesen und war auch nicht der einzige - gemeinsam läuft es sich halt einfach leichter barfuß...
Barfuß aufgetreten bin ich leider noch nie... Tja, mit musikalisch untermalen wird's wohl etwas schwierig, da alle meine Instrumente ziemlich unhandlich sind (Hackbrett, Cello, Orgel), aber es macht sicher auch so Spaß.
Christian

hmm.... bei den Domsingknaben war auf Konzertreisen leider alles, was auch nur entfernt eine Erkältung auslösen könnte, strikt verboten. und das trotz vieler mittelalterlicher Illustrationen barfüßiger Chorknaben ....
Gruß, unci (war mal im
Kirchenchor, aber hat nie der Kirche angehört

Schön, dass Du ein musikalischer Barfüßer bist!
Ich habe auch ein paar Jahre in einem Orchester mitgespielt. Gleich beim ersten Mal habe ich gesehen,
dass einige barfuß waren; und daraufhin habe ich meine Schuhe konsequent daheim gelassen, wenn das Wetter es irgendwie erlaubt hat.
Einmal bin ich auch als Trendsetter aktiv gewesen: Ich habe mal in einem Posaunenchor Horn gespielt. Neben mir saß ein hübsches Mädchen, das dasselbe Instrument spielte. Ich bin bei schönem Wetter nur barfuß zur Probe gegangen -- und nach ein Paar Wochen ließ sie ihre Schuhe auch zuhause. Kurz danach war nahezu der halbe Bläserchor barfuß! ...
Wenn der Posaunenchor beim Berggottesdienst, beim Gemeindefest oder sonst bei schönem Wetter im Freien spielte, war für mich und einige andere barfuß angesagt. Beim Herumstehen in kalten Kirchen hatte ich dann doch Sorge,
dass ich mich erkälten könnte, was ja auch die Sorge von unci's Kirchenchorleiter war. ...
Eine Zeitungsnotiz über einen Kinderchor, der barfüßig einen Wettbewerb gewonnen hat, habe ich auf das Web gebracht !
Mir wird das Barfußlaufen von allen Seiten leicht gemacht, denn ich erhalte viel anerkennende Rückmeldung und ernte so gut wie nie Spott oder Tadel. Selbst meine Chefs ignorieren wohlwollend, wenn ich barfuß im Büro sitze! Schön,
dass Du auch bei süddeutschen Barfuß - Wandertreffs mitmachen willst
Mit barfüßig-musikalischen Grüßen, Lorenz

Der J. N. Forkel, Biograph des Kirchenmusikers und Leipziger Thomas-Kantors von Johann Sebastian Bach (1685-1750) berichtet: kurz vor Weihnachten gingen seine Chorsänger (meist Waisen) an die Haustüren singen.
Sie bekamen dann etwas zu Essen, Obst usw. damit sie gesund blieben, weil sie doch barfuß liefen.
Jörg

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Barfuß und Oper
( aus verschiedenen Forumsbeiträgen seit Herbst 1998)

Hi Ihr, barfuß in Rom, erinnert das nicht an was ?
"Inbrunst im Herzen, wie kein Büßer noch sie je gefühlt, sucht' ich den Weg nach Rom...... ....der nackten Sohle sucht 'ich Dorn und Stein...." (Wagner, Tannhäuser) Das zum Thema Kultur.
Die Vorstellung von Silvia dort zum barfuß laufen angeregt zu werden finde ich super. Das fällt für mich fast schon in den Bereich Erotik. ...
Was die Oper angeht, so bin ich bedingungslos vom Wagner-Virus befallen und da ist mir der Bezug zwischen Rom und barfuß aufgefallen. ...
Der liebe Tannhäuser wandert also nach Rom, um seine Sünden zu bereinigen. Dabei geht er insbesondere auch barfuß. Im Allgemeinen wird dies ja als Strafe angesehen, aber wir wissen es besser und somit wundert es uns nicht, dass der Papst ihm keine Gnade gewährt.
Wie viel das zu bedeuten hat erfahren wir auch; Gott verzeiht nämlich Tannhäuser seine Sünden. ...
Es gibt zudem eine zweite Wagner-Oper in der barfuß gelaufen wird, nämlich den Parsival. Ich könnte mir vorstellen, dass es in den Opern von Siegfried Wagner (dem Sohn von Richard und Schüler von Humperdinck) so manche Barfußszene gibt, aber das weiß ich nicht genau. ...

Vielleicht das Folgende auch als Nachtrag zum Thema Oper: Wie war das eigentlich mit dem Koenig Heinrich, barfuß nach Canossa, eigentlich der reinste Widerstand gegen den Papst, obgleich die Geschichtsschreibung das anders interpretiert.
Viele Grüße Fritz

Hallo Barfüßler, Auch bei mir muss es nicht immer Natur sein, des öfteren zieht es mich in die Stadt zum Opernbesuch.
Es fing ja auch gut an: schon bei meinem ersten Opernbesuch fegten Barfüßler über die Bühne - es waren Hänsel und Gretel und ich steckte noch in den Kinderschuhen. Der gute Engelbert Humperdinck war nun mal ein Barfuß - Fan, in den "Königskindern" lässt er die Gänsemagd nur barfuß auftreten -- sogar im Schnee, obwohl der verliebte Königssohn sich doch so große Sorgen um ihre Gesundheit macht. Gott sei Dank ist der Schnee auf der Bühne ja nicht echt!
Bei Humperdincks großem Vorbild Wagner geht's allerdings weniger barfuß - freundlich zu: die Rheintöchter wären zwar gute Kandidatinnen, aber sie haben dummerweise Fischschwänze. Die Walküren haben das Handicap,
dass bloße Füße zur Ritterrüstung bescheuert aussehen und die Nibelungen müssen Sicherheitsschuhe tragen, weil es die Arbeitssicherheit verlangt. In den Meistersingern ist gar ein Schuhmacher Tag und Nacht beschäftigt, um allen Nürnbergern Schuhe zu verpassen. Sogar für seinen ärgsten Widersacher schafft er Schuhwerk heran -- allerdings klopft er die Sohle so weich, dass dieser ein Beinahe- Barfuß- Gefühl entwickelt, das ihn etwas aus dem Gleichgewicht bringt.
Nur Evchen Pogner
muss mal kurzzeitig ihr Füßchen zeigen, damit der Schuh richtig gefittet werden kann -- und prompt springt der erotische Funken: ihrem Junker Stolzing fällt endlich die so dringend benötigte dritte Strophe seines Preisliedes ein.
Meine Lieblingsbarfüßerin auf der Opernbühne ist übrigens Tatjana in "Eugen Onegin"; sie schreibt ihre Liebesbriefe zu meiner Freude im Negligé, und dazu passen keine Schuhe -- oder etwa Birkenstock-Sandalen? Aber Spaß beiseite: Eugen Onegin ist meine Lieblingsoper ...
Barfußlaufen in Opern ist sehr selten per Regieanweisung vorgegeben, auch nicht im Parsifal, wo es aber sehr gut zur Gestalt der Kundry
passt. Auch Carmen habe ich schon als barfüßige Zigeunerin gesehen, was ihr sehr gut steht. Und wenn Undine oder Rusalka den Fluten entsteigen, wird man sie kaum mit Taucherflossen auf die Bühne latschen lassen.
Es gibt gottlob genügend Regisseure, die es verstehen, den Reiz hübscher Füße in das Gesamtkunstwerk einfließen zu lassen.
Gruß, Lorenz, der diesmal auf Kultur macht

Barfüßige Sängerinnen auf der Opernbühne
Bei einem Opernabend der Würzburger Hochschule für Musik am 22. Dez. 2000 haben ein halbes Dutzend talentierter Nachwuchssängerinnen "Fuß gezeigt". Das kam gut rüber, zumal die jungen Damen hübsche, nicht von extremen Schuhmoden geschädigte Füße hatten - und es passte auch zu den dargestellten Rollen.
Z.B. zu Aschenbrödel, das auf der Flucht seine Schuhe verloren hatte, zur Wassernixe Undine, die in einem schönen blauen Phantasiekleid die Identität eines Fischermädchens angenommen hatte, oder zur Jungfrau von Orleans, die als einfach gekleidetes Hirtenmädchen Abschied von den heimatlichen Wiesen und Bächen nahm.
Besonders gut gefiel mir die ausdrucksvolle Darstellung der Nedda aus dem Bajazzo - die Darstellerin stand nicht einfach nur da und sang, sondern musste sich in einer sehr bewegten Szene aufdringlicher Liebhaber erwehren. Einen davon brachte sie schließlich, schon am Boden liegend, mit einem Tritt ihres bloßen Fußes in die Magengrube zu Fall. So sicher und elegant, wie sich die junge Künstlerin auf ihren hübschen Füßen bewegte, hatte sie wohl schon einige Erfahrung als Barfußsportlerin gesammelt (Karate??)
Gesang, Darstellungskunst, schöne Kostüme und Bühnenbild ließen auch keinen Wunsch offen (das galt auch für Szenen, in denen Schuhe getragen wurden). Als besonderen Gag ließ man die Mädels aus "Cosi fan Tutte" nicht im Rokokokleid, sondern als Urlauberinnen in (recht kurzen) Bademänteln auftreten - und gottlob ohne Badeschlappen.
Dieser Stilbruch zeigt, wie hoch der "Barefoot Lifestyle" in der Bühnenkunst im Kurs steht! ...
In der Oper ist es ja oft ein starkes Ausdrucksmittel, wenn Leute barfuß auf die Bühne gehen.
Mich hat kürzlich eine barfüßige Nedda im Bajazzo sehr beeindruckt.
Und in Rusalka von Dvorak singt die Waldnymphe auf eine wunderschöne Melodie:

Weiß ist mein Fuß,
durch die ganze Wiese lief ich bis hierher,
barfuß durch die Wiese.
Tau wusch mir die Füße,
der Mond zog ihnen über
zierliche goldene Schuh'.

Diesem Zauber wollen wir uns nicht verschließen!
Ciao, Lorenz

Am liebsten würde ich mir "Carmen" ansehen, mit der Hoffnung dass sie, zumindest wenn sie mit den anderen Frauen in der Zigarrenfabrik arbeitet, barfuß auftritt!
Tiziana

Ich habe viele "Carmen" gesehen und ganz häufig treten die schöne "Carmensita" und die Frauen der Zigarrenfabrik barfuß auf. So eine "Carmen" hab ich in dem leider später verbrannten Theater "La Fenice" in Venedig gesehen.
Barfüßige im Theater sind aber häufig. Ich habe eine Dorabella und eine Fiordiligi, eine Desdemona, Hänsel und Gretel und noch andere barfuß gesehen.
Die Regisseure wissen, dass es auf der Operbühne sehr elegant ist!
Federico

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