Norbert möchte nicht aufhören, barfuß in nassem Gras und Laub zu laufen
(Forumbeitrag im Frühjahr 1999)

Da dies mein erstes Posting in diesem Forum ist, kurz zu mir : Name Norbert, Alter 43, seit einigen Jahren Barfußfan und seit kurzem Leser dieses Forums.
Heute habe auch ich die Saison barfuß eröffnet und einen lange gehegten Plan verwirklicht: Eine Barfußwanderung querfeld- wald- und- wiese- ein. Bei ca. 12-15 Grad ging es zunächst am Grünrand eines Feldwegs zum Wald, dort am Rand entlang. Wegen der geplanten Strecke fand ich Shorts, Pullover u. barfuß die einzig vertretbare Kleidung, obwohl es zunächst etwas kühl war.
Bemerkenswertes: Man sollte sich zumindest soweit mit der Botanik befassen, dass man Disteln, Brennnesseln und dornige Ranken bereits mit dem Auge und nicht erst mit der Fußsohle erkennt... Den diesbezüglichen Reflex hatte ich zum Glück bereits bei einigen anderen einschlägigen Gelegenheiten trainiert, sodass auch die halbe Glasflasche, die später unter meinem Fuß auftauchte, quasi automatisch ein 'Ausweichmanöver' auslösen konnte.
Neben den bereits mehrfach in diesem Forum beschriebenen sehr positiven Empfindungen von inniger Verbundenheit mit der Natur, die ich hier nur kurz bestätigen möchte (insbesondere das Laufen in nassem Gras und auch Laub fand ich so herrlich, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte) entdeckte ich noch einen Aspekt des Barfußlaufens in der Natur, der mir besonders bezüglich meiner Querfeldein - Wanderung wertvoll war: Barfuß ist keine Wiese zu nass, kein Weg zu schlammig und kaum eine Schlamm-Pfütze zu tief! (meine persönliche Wohlfühl-Grenze endet dabei etwa oberhalb der Knöchel)
Weil es dann doch etwas langweilig war, dauernd nur am Rand des Waldes entlangzulaufen, ging ich einfach mal rein. Auch im Wald gab es viele Stellen, an denen sich unter dem Laub Schlammlöcher befanden, die einem beschuhten Wanderer schon mal das Wasser in die 'Treter' treibt. Ich erinnere mich auch an beschuhte Wanderungen in ähnlichem Gelände, bei denen ich nach einer gewissen Strecke kaum noch die Schuhe heben konnte, wegen des daran haftenden Lehms; nicht so barfuß. Mein Weg führte mich dann an einer Kiesgrube und Schnellstrasse vorbei zum Fluss, dem ich am Ufer etwa 3km folgte. Der Fluss hatte noch einen kleinen Bach als Zulauf (auf meiner Seite). Bei dem Versuch, diesen zu überqueren, stellte ich fest, dass fließendes Wasser doch noch um einiges kälter ist, als eine nasse Wiese. An der Überquerung hinderten mich aber mehr die nassen, glitschigen und wackeligen Steine an der gewünschten Übergangsstelle. (Ich wollte nicht unbedingt auch noch Baden gehen, einige Meter nach dem Auslass unserer Kläranlage...). Also Umweg über eine richtige Brücke.
Kurz danach kam mir auf einem Feldweg ein Trecker mit einem großen Tankanhänger entgegen. Ich respektierte ihn und hielt nach seinem 'Arbeitsplatz' Ausschau. DIESE duftende Wiese passierte ich lieber am Rande des danebenliegenden Ackers; auch ein interessantes Gefühl. Zurück am Fluss drängten mich umgestürzte Bäume, obiges Erlebnis mit der Flasche und eine bereits erhebliche Überschreitung meines Zeitplans dann zu einer kleinen Abkürzung.
Wer solche Regionen barfuß begeht, sollte immer daran denken, dass Waldränder und Flussufer, insbesondere wenn sie mit dem Auto erreichbar sind, oft als wilde Müllkippe missbraucht werden; also Vorsicht und/oder Beten (oder notfalls vielleicht doch bleiben lassen...). Meine Abkürzung war wirklich nur sehr klein, sie führte mich lediglich einen knappen km früher in den Wald. Wegen des Müllproblems beschloss ich, die Wege und den dazugehörigen Waldrand zu meiden und ging einfach mittendurch (Kompass). Einem ausgeschilderten Reitweg vertraute ich zwar, musste ihn aber wegen seiner Richtung bald wieder verlassen. Recht lästig (nicht für die Barfüße, sondern für meine geringe Kondition) war das häufige auf und ab in der hügeligen Gegend (Ich versuchte zwar, möglichst auf gleicher Höhe zu laufen, aber das ließ sich leider nicht immer machen). Genau (glücklicherweise) an der vorgesehenen Stelle erreichte ich den Waldrand, überquerte kurzen Fußes einen lehmigen Acker und bewegte mich dann meist auf dem Rand zwischen den Feldern Richtung Strasse, die ich zum Glück nur überqueren musste. Ein dorniger Ast, den ich übersehen hatte, steckte plötzlich in meiner Ferse; als ich ihn entfernte, folgten dem Dorn ein paar rote Tropfen - aber nachdem ich früher schon ähnliches mit einem rostigen Nagel ohne Probleme überstanden hatte, billigte ich dem keine Bedeutung zu.
Ich umrundete noch einen kleinen Burgberg, an dessen Fuß das Wasser nur so aus den Wiesen gluckert. Hier hatte mich dann auch die Zivilisation endgültig in Form von vielen Zäunen um Wochenendgrundstücke eingeholt, weshalb ich dem leicht geschotterten Zufahrtsweg folgen musste. Noch ca. 1 km über Wege und Wiesen, dann war ich am geplanten Ziel meiner Wanderung (nach ca. 4 Stunden). Dort in einem Eimer im Garten Füße und Beine abgewaschen und ich war wieder ein zivilisierter Mensch. Auf diesem letzten Teilstück häuften sich dann auch die Häufchen, die die Zivilisations-Hunde leider genau auf den von mir bevorzugten grünen Wegrändern hinterlassen hatten.
Am Abend stellte sich dann langsam der (bereits erwartete) Muskelkater ein, und das Auftreten mit der Ferse war etwas unangenehm. Die Nachschau ergab einen kleinen schwarzen Punkt (der aber nicht von obigem Dorn stammte, dessen Verletzung bereits überhaupt nicht mehr erkennbar war). Mit einer Stecknadel entfernte ich die etwa 2mm lange Spitze eines Stachels, die unter der Hornhaut abgebrochen war. (Herkunft unbekannt, beim Laufen habe ich nichts gemerkt) - Alles in allem ein wunderbares Erlebnis, das ich jedem nur zur Nachahmung empfehlen kann. Ich jedenfalls werde es mir wohl bald (aber nicht morgen - Muskelkater) wieder gönnen.
PS: fremde Reaktionen: Den Rückweg trat ich per Fahrrad an (u.a. durch den Stadtpark). Ich wollte gerade eine Familie mit halbwüchsigen Kindern (Mantel, Gummistiefel) überholen, als sich ein Mädchen umdrehte, mich sah (Shorts, barfuß) und einen Schrei ausstieß, als habe sie ein GESPENST gesehen. Ich überholte; der nächste Schrei vom andern Mädchen: 'oh Gott, ist das nicht kalt?' Ich: 'nee- schön warm'. Weil Radfahren barfuß nun doch nicht ganz so schön ist, und es soo warm nun doch wieder nicht war, zog ich ein Stück weiter Strümpfe und Schuhe an. Von hinten der Ruf der inzwischen aufgeholten Kleinen: Na, doch nicht so warm ?? - aber ich finde man muss leider irgendwann auch mal das Ende finden...
Herzliche Grüße und Serfuß, Norbert

Ich freue mich immer, wenn ich von Menschen lese, die gerade am Barfußlaufen durch Wald und Wiesen ähnlich viel Freude haben wie ich. Auch ich begebe mich ab und an mal gerne (aber - aus verschiedenen Gründen - mit halbschlechtem Gewissen) in unwegsames Gelände und habe dabei ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du. Ansonsten ziehe ich es vor, weniger begangene Nebenwege (Trampelpfade) zu suchen, auf denen es sich immer sehr schön gehen lässt.
[ Ich wollte gerade eine Familie mit halbwüchsigen Kindern (Mantel, Gummistiefel) überholen, als sich ein Mädchen umdrehte, mich sah (Shorts, barfuß) und einen Schrei ausstieß, als habe sie ein GESPENST gesehen. Ich überholte; der nächste Schrei vom andern Mädchen: 'oh Gott, ist das nicht kalt?']
Die Reaktion der Mädchen zeigt das Ergebnis ihrer Erziehung : Regenmantel und Gummistiefel statt Naturerfahrung. Im Ergebnis hatten sie zwar noch nie einen Dorn im Fuß, sind dafür aber mit Mutter - wie zahlreiche unserer Nachbarn - vermutlich Stammgast beim Kinderarzt (Mittelohrentzündung etc.). Wer gewinnt die Diskussion über das "kleinere Übel" ?
Fröhliche Osterfüße aus Köln Georg

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