Lorenz berichtet von erfolgreichen Fühlpfadaktivitäten
(Forumbeiträge ab Frühling 2000)

Hallo, Freunde des natürlichen Gehens, der Marktsonntag in Inning am Ammersee bot mir gestern die erste Gelegenheit, einen Fühlpfad öffentlich vorzustellen - als Bereicherung der Informationsstände von Bund Naturschutz und Agenda 21.
Die Örtlichkeit war gut geeignet: direkt neben Sandkasten und Schaukel in einem Bauerngarten mit schönem Rasen. Außerdem waren Biertische aufgestellt und auch gut besucht, die Blaskapelle sorgte für Stimmung, und am anderen Ende des Anwesens wurde ein Ochse gebraten.
Bei überraschend schönem Wetter waren der Parcours und die Utensilien für Fußgymnastik schnell aufgebaut. Und schon war eine vierköpfige Familie zugegen und entledigte sich gemeinsam der Schuhe - und blieb, soweit ich sah, auch im weiteren Verlauf des Tages barfuß. Ansonsten kam es leider nur selten vor, dass Erwachsene spontan mitmachten - und wenn, dann zogen sie ihre Schuhe danach wieder an (selber schuld, das Gelände war ideal für bare Füße).
Das Interesse der Kinder war natürlich groß. Vor allem die Greif- und Geschicklichkeitsspiele für die Zehen kamen gut an. Und viele Kinder blieben auch weiterhin barfuß. Bedauern musste ich nur den Teil der Kinder, die sich nicht zum Ausziehen ihrer Schuhe durchringen konnten (vielleicht auch nicht durften) .......
Das viele Reden mit Kindern und Eltern machte durstig. Auf dem Weg zum Ausschank kam ich an einem Marktstand vorbei, an dem drei schätzungsweise 14-jährige Mädchen Honig verkauften - barfuß. Natürlich lud ich sie zu meinem Fühlpfad ein, und sie kamen auch kurz darauf. Braungebrannt wie ihre Füße waren, hatten ihre Schuhe die letzten Wochen wohl hauptsächlich im Schrank verbracht; und sie sagten mir, dass sie auch in der Schule oftmals barfuß seien.
Für die Geschicklichkeitsspiele, die ich vorführte, erfanden sie noch erschwerte Varianten. z. B. stellten sie sich zum Weiterreichen eines Stöckchens von Fuß zu Fuß auf die Steine, die ich für Balanceübungen in einer Reihe ausgelegt hatte. Und aus Tannenzapfen und Moos legten sie mit den Füßen ein Bild - einen Pferdekopf (von Mädchen dieses Alters hätte ich auch nichts anderes erwartet, ich kenne ja den Pferdefimmel meiner Tochter).
Natürlich war es erfreulich, so viel Geschicklichkeit von hübschen Mädchenfüßen zu sehen. Doch auch über die barfüßigen Schritte des 2. Bürgermeisters freute ich mich, obwohl diese nur unter erheblichem moralischen Druck zustande kamen.
Ich erwarte nicht, dass mit ein paar Fühlpfaden die große Barfuß - Revolution ausgelöst wird. Aber sie bieten Gelegenheit, Barfußgehen öffentlich in einem sehr positiven Licht darzustellen und bestehenden Vorurteilen den Boden zu entziehen. Und die Anregung, so etwas in eigener Regie zu machen (z. B. Fußspiele auf Kinderfesten anzubieten), habe ich zusammen mit meinem Flyer immer wieder weitergegeben.
Vor allem aber hat mir die Sache Spaß gemacht! ...
Letztes Wochenende baute ich mit einigen Helfern einen Barfußparcours von ca. 60 m Strecke auf. Anlass war ein Kleinkunstfestival, das einige Tausend Leute anlockte und bei sommerlichem Wetter an einer landschaftlich schönen Stelle stattfand. Und ein erheblicher Teil der Besucher ließ sich auch nicht lange bitten, aus den Schuhen zu schlüpfen -- ich schätze, dass es zwischen 500 und tausend Personen waren. Überwiegend waren es Kinder, die meist viele Runden drehten, oft auch rannten; die Eltern machten meist auch gerne mit. Aber auch die Jugendlichen zierten sich nicht.
Wenn die Lokalpresse darüber schrieb: "gefragt war vor allem der Sinnesparcours", so meine ich, dass das objektive Berichterstattung war.
Da der Festplatz überwiegend geschottert war, zogen erwartungsgemäß viele Besucher nach dem Parcours ihre Schuhe wieder an - teils wohl auch aus der üblichen Angst vor Glasscherben. Und trotzdem sah man auf dem ganzen Festplatz weit mehr barfüßige Menschen, wohin man blickte. Teilweise hatten die Leute wohl auch das Problem: wohin mit den Schuhen? Ein Mädchen, das vor mir in der Schlange am Ausschank stand, hatte die perfekte Lösung: ihre Stoffschlappen steckten in den Gesäßtaschen der Jeans!
Jedenfalls hat sich die Mühe gelohnt! Ich denke, vielen Leuten wurde dadurch in Erinnerung rufen, wie schön Barfußgehen ist. Auch die Fragebogenaktion ergab, dass doch sehr viele Leute Interesse an Angeboten wie Barfußparks haben. Der Bürgermeister war begeistert und ist nun sicherlich auf der Seite der Unterstützer eines solchen Projekts. Mir selbst hat das Ganze sehr viel Spaß gemacht: kleine und große Leute über den Parcours zu begleiten, Anleitung zu den Fußgymnastikspielen zu geben, Gespräche zu führen und Flyer weiterzugeben.
Ich weiß nun auch aus der Praxis, dass sich solche Aktivitäten lohnen! Barfüßige Grüße, Lorenz

Wie berichtet, habe ich dieses Jahr einige Male Barfußpfade aufgebaut und damit teilweise großen Publikumserfolg gehabt.
Dazu habe ich jetzt einen bebilderten Jahresrückblick aufs Web gebracht:
Barfußpfade zum Selbermachen  Lorenz

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