[Medienberichte] [Erfahrungsberichte Forumteilnehmer]

Der "Barfußpark Dornstetten"
(Forumbeiträge seit Frühjahr 1999)

Medienberichte :

"Barfußpark im Schwarzwald Dornstetten - Die Schwarzwaldgemeinde Dornstetten im Landkreis Freudenstadt bietet stadtgeplagten Menschen, die raus aus engen Schuhen und weg vom Asphalt wollen, demnächst ein besonderes Bonbon: Am 21. Mai öffnet der zweite Barfußpark Deutschlands seine Tore.
Die Planer des Vorhabens, die jetzt noch eifrig Sand streuen und Schlamm verteilen, sind im Premiere- Fieber. Juliane Huber, Leiterin des örtlichen Verkehrs- und Kulturamts: "Mit dem Barfußpark betreten wir Neuland.'' Das Konzept ist einfach: Am Start gibt es Schließfächer für die Schuhe. Dann geht es rein in die Fußwaschanlage und ab auf den Parcours: Für Ungeübte ist die Eingewöhnungsrunde von 1,6 Kilometern vorgesehen, Profis mit genug Energie und dicker Hornhaut wagen sich auf die große Runde von 2,5 Kilometer Länge. Abwechselnd läuft man über Kies, Sand, Rinde und Waldboden, dazwischen tappt man immer wieder in Wasserstellen. Übungsanleitungen für Fußgymnastik auf Holztafeln ergänzen den Rundgang. Für Kinder ist eine Wasserspielanlage zum Planschen vorgesehen.
Matthias Dittes, Mediziner und Mit-Initiator des Projekts, lobt die heilsame Wirkung des Barfuß - Laufens: "Barfuß - Laufen stärkt Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck. Wer es regelmäßig tut, stärkt seine Abwehrkräfte.'' Vor allem Venenkranken soll der Dornstetter Pfad gut tun. Dittes, Gründer einer Venenschule in Bad Peterstal im Schwarzwald, will sich dafür einsetzen, dass die Krankenkassen den Barfuß - Trip künftig auch als Therapie anerkennen. Der Eintritt ist umsonst. Für den Park wurden eigens zwei "Abgeher'' eingestellt, die täglich barfuß die Runde machen und die Strecke auf Glasscherben absuchen.
Ganz billig war der "Unten- ohne- Park'' nicht. 500000 Mark kostete der Umbau des Terrains für das schuhlose Vergnügen, die Hälfte übernahm das Landeswirtschaftsministerium. Der Bürgermeister des knapp 8000 Einwohner zählenden Schwarzwaldorts, Hansjürgen Pütsch, brachte die Idee aus dem pfälzischen Bad Sobernheim mit. Dort inspizierte er Deutschlands ersten Barfußpark und importierte den Vorschlag in den Schwarzwald. Im Winter soll der Park als Loipe genutzt werden. 
(Stuttgarter Nachrichten, 6.5.99)

Mit konzentrierter Miene durch Schlamm
Der Schwarzwälder Kurort Dornstetten hat mit einem Barfußpark unerwartet großen Erfolg
Im Wettbewerb um die Touristen hat sich der Kurort Dornstetten in der Nähe von Freudenstadt etwas ganz Besonderes einfallen lassen: einen Barfußpark. Von Eva Drews
Seltsame Szenen spielen sich seit einigen Monaten am Rande des idyllischen Nordschwarzwald - Kurorts Dornstetten - Hallwangen ab. Bis zum letzten freien Fleck ist der Waldrand vollgeparkt, und rund um die vielen Autos laufen lauter Menschen herum, die keine Schuhe tragen. Wagt man sich etwas näher heran, stößt man auf eine Art Wasserstelle, an der Scharen darauf warten, sich die Füße zu waschen. Und aus der Ferne tönen dazu befremdlich hohle Flötenklänge.
Was entfernt an eine Kultstätte erinnern mag, ist in Wahrheit die allerneueste Einrichtung der "Infrastruktur Kur'' von Hallwangen, der erste Barfußpark Baden - Württembergs. Schon auf dem Parkplatz ziehen sich die Leute die Schuhe aus, um sich auf ihre Barfußwanderung zu begeben. Die seltsamen Töne, so wird nach etwa hundert Metern Weges klar, rühren vom "Wassererlebnisspielplatz'' her, wo man mit einer Pfeifenwippe "nasse'' Musik machen kann. Bis zu 1500 Besucher, so schätzt die Leiterin der Dornstettener Tourismusinformation, Birgit Kristin Meng, lockt der Park an Spitzentagen an, am Wochenende seien es etwa 800 bis 1000.
Mit einem solchen Ansturm hatte in Hallwangen keiner gerechnet. Der Parkplatz ist zum Beispiel viel zu klein, sodass die Barfüßler schon bei geringem Andrang auf Feld- und Waldränder ausweichen müssen. Auch vor dem kleinen Kiosk des Sportvereins, der eigentlich für die Skifahrer gedacht ist, die im Winter die Langlaufloipe benutzen, bilden sich regelmäßig Warteschlangen. Vor allem Familien tummeln sich auf dem Spielplatz am Beginn des Barfußpfades, doch nicht nur die Kleinen sind von dem ungewöhnlichen Spielplatz begeistert. Auch Väter drehen mit heiligem Ernst an der "archimedischen Spirale'', die Wasser bergauf transportieren kann, oder stauen das Nass an dem Dämmen rund um den so genannten Matschtisch. Die Mütter stehen derweil in aller Regel daneben und warten mehr oder minder geduldig, dass es weitergehen kann. Sie sind aber spätestens dann wieder bei der Sache, wenn es in die Schlammstrecke geht. Denn im Anschluss an ein Kneippbecken führt der Weg etwa zehn Meter lang durch knöcheltiefe Lehmpampe. Von der Möglichkeit, diesen Breigang zu umgehen, macht kaum einer Gebrauch. Menschen jedes Alters stapfen mit konzentrierter Miene, die Hand am Geländer, durch den Matsch und entsteigen ihm mit Lehmsocken, die den Schlammgänger noch Stunden später kennzeichnen.
Die Kneippanlage und der anschließende Trimm - dich - Pfad waren die Keimzelle des Hallwangener Barfußparks. Auf der Suche nach einer neuen Attraktion für den Kurort, der wie alle anderen auch unter den Gesundheitsreformen der neunziger Jahre gelitten hat, stieß der Ortschaftsrat auf einen Barfußparcours im rheinland - pfälzischen Bad Sobernheim. Die Idee gefiel den Hallwangern. Zu etwa den 350000 Mark Eigenmitteln trieben sie etwa 250000 Mark Landesmittel auf. So schlängelt sich seit dem 21. Mai ein Barfußpfad über rund zweieinhalb Kilometer vorbei an einer Rasenfläche, einem privaten Teich mit Plastikreihern und durch einen Kiefernwald mit Heidelbeerstauden und Moospolstern.
Doch von alledem bekommt man nur dann etwas mit, wenn man stehen bleibt und sich umschaut. Ansonsten empfiehlt es sich, den Blick auf den Weg zu heften. Zwar besteht der Boden des idyllischen Pfades über weite Strecken hinweg aus weichem Rindenmulch, doch immer wieder gibt es Abschnitte aus anderen Materialien. Kopfsteinpflaster und Holzbohlen sind ebenso dabei wie kleine und große Kiesel, rund oder kantig. Je nach Untergrund kann da der etwa einstündige Spaziergang für Ungeübte schon mal zum Eiertanz geraten.
Sinn und Zweck des Ganzen ist unter anderem, die Blutzirkulation in den Beinen zu verbessern, die Reflexzonen in den Fußsohlen zu massieren und motorische Fähigkeiten zu trainieren. Genau aus letzterem Grund ist Marita Bojen mit ihrem Sohn Daniel aus dem Emsland hier. Daniel leidet an einer linksseitigen Spastik - für ihn ist das Barfußgehen eine gute Übung. Abgesehen davon macht es ihm aber auch noch Spaß. "Vor allem die Pfützen'', sagt er. Und warum? "Da wird man dreckig.'' Erlaubtermaßen im Dreck herumzumarschieren scheint für viele Kinder auf diesem riesigen Abenteuerspielplatz eine wahre Wonne zu sein. "Ey, das ist ja cooler Matsch hier'', kräht mit strahlendem Gesicht ein etwa dreijähriges Mädchen im adretten Blümchenkleid. Kaum eine Lache, kaum eine matschige Ecke am Wegesrand, in der nicht kleine Fußspuren zu sehen wären.
Die Großen dulden das Treiben währenddessen amüsiert und balancieren auf Moospolstern um den Matsch. Die Erleichterung, zu Hause eine Waschmaschine zu wissen, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Bei den Kindern stößt so wenig Interesse am Dreck auf wenig Verständnis: "Mann, die Erwachsenen stellen sich echt blöd an'', erklärt eine Neunjährige ihrer Freundin auf der Jagd nach dem nächsten Matsch, "die gehen überall drumrum.''
[Stuttgarter Zeitung, 28./29.8.99]

Mit nackten Füßen die Natur erleben
Deutschlands einziger Barfußpark liegt im Nordschwarzwald - «Schritt für Schritt der Wahnsinn»
[...] Der Wanderweg in Dornstetten gleicht vielen anderen: Er führt über Gras und Kies, dann über Sand und Pflastersteine und auch mal kurz durch flaches Wasser.
Besonders wird der 2,5 Kilometer lange Pfad erst durch die Wanderer, die auf ihm gehen. Sie alle tragen weder Schuhe noch Strümpfe, sondern laufen auf nackten Füßen. Sie sind im Barfußpark unterwegs, dem einzigen in Deutschland, wie Bürgermeister Hans Jürgen Pütsch betont. «Die Natur mit den Sinnen der Füße erfühlen», so umschreibt er das Motto des Parks, der vor den Toren Freudenstadts im Nordschwarzwald liegt. Die ungewöhnliche Idee kam den Stadtoberen vor rund einem Jahr: Damals hatten sie zusammen mit Tourismus - Experten schon monatelang nach einer Idee gesucht, wie man wohl den Tourismus in ihrem Luftkurort ankurbeln könne. Die Entscheidung fiel auf den Barfußpark. Mit Zuschüssen des Landes Baden - Württemberg wurde das 500.000 Mark teure Projekt verwirklicht. Ein Volltreffer, wie sich bereits im ersten Jahr herausstellte: Bis zu 800 Personen pilgerten täglich zu der natürlichen Fußmassage im Nordschwarzwald. An Wochenenden zählte man teilweise 2.000 Besucher. Prompt schnellten auch die Übernachtungszahlen von einst 50.000 auf 56.000 in einem Jahr nach oben.
«Keiner von uns hat gedacht, dass es ein solcher Erfolg wird», räumt man auch bei der Touristen - Information ein. Nun, nach den Aufräumarbeiten, die der Orkan «Lothar» zu Weihnachten verursacht hatte, ist der Park wieder geöffnet.
Auch der vierjährige Sven und sein Freund Thomas sind in ihrem Element. Schon nach wenigen Metern müssen ihre Füße erste Bewährungsproben im Kiesbecken überstehen, was zu einigen Aua - Rufen führt. Davon ist wenig später nichts mehr zu hören, als sie über eine Grasfläche gehen und ein kleines Fußbad nehmen.
«Ich habe schon lange nicht mehr ein so gutes Gefühl in den Füßen gehabt», erzählt eine Besucherin, als sie nach dem Mosaikkleinpflaster eine kurze Pause einlegt. Zusammen mit ihrem Mann hat sie sich auf den Weg gemacht. Mal geht es über Rindenmulch, dann über Holzpflaster, mal wird durch Sand spaziert, dann warten kleine Pflastersteine und ein Knüppelweg auf die Besucher.
Ob Kegelclubs oder Turnvereine, ob Managerkurse oder ganz normale Familien: Auf den 1,5 und 2,5 Kilometer langen Rundwegen ist jedermann zu treffen. Die einen krempeln die Hosen hoch, andere kommen gleich in der Badehose. Viele beginnen im Storchenschritt, um den Schmerz abzufedern, die meisten laufen aber schon bald so auf dem Weg, als ob sie in der Stadt zum Einkaufen gehen. Genau auf diesen Effekt setzen auch die Mediziner: Das Barfußlaufen auf verschiedenen Belägen soll das Herz-Kreislaufsystem anregen und durchblutungsfördernd wirken. Dadurch wird auch das Abwehrsystem des Körpers gestärkt.
Informationstafeln entlang der einzelnen Stationen zeigen dem Besucher, was mit den Füßen passiert. Das ältere Ehepaar ist seit gut einer Stunde unterwegs. Beide sind zu Gast in der benachbarten Hallwänger Venenschule. Sie sind sich einig: Wer die ersten Meter hinter sich gebracht hat, möchte gar nicht mehr aufhören.
Auch Sven und sein Freund sind mittlerweile fast am Ziel. Vor ihnen liegen noch der Splitt, der Lattenrost und die Sandsteinplatte, ehe an der Fußwaschanlage die Spuren der Natur beseitigt werden.
Wer danach in die Stöckelschuhe oder Sandalen steigt, empfindet ein «wohliges Prickeln», wie es eine Besucherin umschreibt. Ihr Sohn formuliert es etwas drastischer: «Das war Schritt für Schritt der Wahnsinn»."
[Yahoo! Schlagzeilen Dienstag 30. Mai 2000, 10:03 Uhr]

Nur heiße Sohlen rauchten
Falscher Alarm am Barfußpark macht Parkproblem deutlich
Dornstetten-Hallwangen (bka). Aus der Maisonntag-Idylle wurden vorgestern nicht nur die Hallwanger Bürger heraus gerissen, denn kurz vor 16 Uhr schreckte Sirenengeheul Einheimische und Gäste auf. Alles fuhr oder rannte zur Feuerwehrremise. Die Nachricht: "Am Barfußpark brennt's, dort steigt Rauch auf!"
Die Feuerwehrleute fahren mit Löschfahrzeug und heulendem Martinshorn Richtung Mühlweg. Dort ist wieder fast kein Durchkommen, denn der Barfußpark ist im ganzen Ländle beliebt. Die letzten Feuerwehrmänner rennen zu Fuß herbei. Sie organisieren Privatautos und fahren über den Lutzenrain und Erlensee zum Barfußpark. Alle Wege kontrollieren sie, doch Rauch ist nur bei der Grillstelle am Pflanzgarten zu sichten, denn alles genießt nach langen Regenwochen das Picknick mit Grillwürsten im Freien.
Im Barfußparcours selbst gibt es jedoch jede Menge heißer Sohlen. Lange Menschenschlangen suchen barfüßig die Reize der Natur zu erkunden. Alle wartet mehr oder weniger gespannt und aufgeregt auf die Mitteilung, wo der Brandherd denn nun eigentlich ist, doch die Feuerwehr Hallwangen findet weder am Parcours noch im Wald einen Grund zum Löschen. Kommandant Jörg Hiller gibt zu guter Letzt nach langer Suche das Kommando: "Ende des Einsatzes! Keinen Brandherd gefunden!"
So rauchen nur noch die Grillstellen und die heißen Sohlen der Füße im idyllischen Tal des Glattbächles. Der Alarm machte jedoch deutlich, wie dringend nötig eine Lösung der beengten Parkplatz-Situation am Barfußpark ist, damit Feuerwehr und Rettungswagen passieren können - ob es nun im tatsächlichen oder im übertragenen Sinne "brennt".
[Schwarzwälder Bote, 29. 05. 2001]

Barfußpark
Unten ohne über Stock und Stein
Barfuß macht's mehr Spaß: In Dornstetten läuft man lieber ohne Schuhe [...]
Man kann sich durchaus fragen, ob die Menschheit ausgerechnet auf einen "Barfußpark" gewartet hat. Und dann auch noch in einer Kleinstadt mit dem unheilverheißenden Namen "Dornstetten".
Das hat sich der örtliche Verkehrsverein wahrscheinlich auch gefragt und die wichtigsten Vorsichtsregeln beim Barfußgehen in einem Büchlein für Anfänger festgehalten. Das heißt es zum Beispiel:
"Wenn Sie fühlen, dass Sie auf etwas Unangenehmes treten, sollten Sie schnell genug reagieren und woanders hintreten."
Oder: "Immer den Weg im Auge behalten - wenn es wo anders etwas zu sehen gibt, bleiben Sie besser stehen."
Und: "Die meisten Verletzungen lassen sich vermeiden, wenn die Füße wirklich gehoben werden."
Das alles klingt doch sehr einleuchtend. Doch nun das Verblüffende: Anscheinend hat die Menschheit tatsächlich auf einen Barfußpark gewartet!
"Die Leute fahren drauf ab wie die Sau", formuliert es Karl-Heinz. Tatsächlich sind jetzt, am frühen Nachmittag, fast alle Parkplätze am Waldrand besetzt und viele der Besucher haben Hunderte von Kilometern auf der Autobahn zurückgelegt, nur um hier ohne Schuhe durch den Wald zu schreiten.
Oft sei der Andrang in Dornstetten noch viel extremer, erzählt Erika. Dann werde es richtig eng auf den Wegen. Vielleicht liegt die große Begeisterung für diese Anlage ja daran, dass bei viel zu vielen Freizeitbeschäftigungen Schuhe nach wie vor Pflicht sind. Nicht nur beim Skifahren oder Reiten. Auch beispielsweise auf dem Golfplatz. Selbst im einzigen Nudisten-Golfclub Europas, in Bordeaux, darf man den Rasen nicht mit nackten Füßen betreten.
Spazieren gehen ist also eine der wenigen Nischen für Liebhaber der Barfuß-Kultur. Karl-Heinz und Erika sind erfahrene Barfußwanderer. Sie wohnen im nahen Freudenstadt und kommen jede Woche mindestens einmal in den Barfußpark. "Unser Sport", sagt Erika. "Nach dem Rundgang ist man angenehm müde und kann sehr gut einschlafen", erklärt die Krankenschwester.
Besonders gerne trainiert sie abends nach der Arbeit. "Ich bin nach dem Büro auch so müde genug", meint Karl-Heinz, aber er begleitet Erika trotzdem immer.
Die scharfkantigen Kieselsteine zu Beginn des Parcours sind gleich ein echter Härte-Test. "Die Hölle", sagt Karl-Heinz und wir beide weichen bald ins Gras aus, während Erika unbeeindruckt weiter auf dem vorgesehenen Pfad ausharrt. Erst führt der Weg an einem Bach entlang, in dem fette, gefleckte Fische träge umherschwimmen, dann in den Wald hinein, wo er bald einen Vita Parcours kreuzt. Erika beginnt sofort an der Reckstange herumzuturnen, und Karl-Heinz dreht sich auf einem Bänkchen in der Nähe erst einmal eine Zigarette.
Entspannend ist es hier, denn die meisten Besucher sitzen um diese Zeit noch in der Kneipe bei den Parkplätzen. Man hört lediglich ein paar Vögel, Insekten und in der Ferne Kinderstimmen. Nur, woher kommen plötzlich diese seltsamen Pfeiftöne? Des Rätsels Lösung ist eine unscheinbare, hölzerne Wippe. Wenn sich jemand drauf stellt und sein Körpergewicht geschickt verlagert, erklingen Töne, die ein wenig an eine Kirchenorgel erinnern.
Anschließend muss man in ein großes Becken mit eiskaltem Wasser steigen, im Kreis gehen und dabei tapfer die Beine heben, nach der traditionellen Methode des katholischen Geistlichen und Naturheilkundlers Sebastian Kneipp (1821-1897). Der kannte - wie Erika - keinen Schmerz und empfahl auch das "Gehen in neu gefallenem Schnee".
Wahrer Balsam für die Fußsohlen sind die Wegabschnitte mit Sand, Schlamm, Tannennadeln, Moos oder Kopfsteinpflaster. Als Verkehrschilder dienen bunte Füße aus Holz und ab und zu die schriftliche Warnung: "Vorsicht Wurzeln!"
An einigen Stellen ging es vor ein paar Wochen noch knietief durch den Schlamm, erklärt Karl-Heinz. Doch inzwischen haben Waldarbeiter Kies aufgeschüttet, um die Unfallgefahr zu verringern. Nicht eben ein angenehmes Polster.
Damit man nach dem Rundgang, der ungefähr eine Stunde dauert, nicht unfreiwillig bloßfüßig bleibt, können Schuhe und Socken beim Eingang in einem Kästchen eingeschlossen werden. Mitbringen sollte man lediglich ein Handtuch, Eintritt kostet der Barfußpark keinen.
An der kalten Brause beim Ausgang waschen wir uns schließlich den Dreck von Füßen und Beinen, und bereits wenige Minuten nach dem Abtrocknen setzt ein angenehmes Kribbeln ein. [...]
[Tagesspiegel, 17. 08. 2001]

Dieser Artikel zeichnet sich nicht nur durch eine originelle Überschrift, sondern auch eine wahrhaft begeisterte Berichterstattung aus :
Die Fußballen-WM
Im Barfuß-Park im Schwarzwald eine Runde zu gehen, macht Spaß. Daneben ist es auch gesund [...]
Ungläubig schauen die Besucher die junge Führerin an. «Ab zehn Grad Außentemperatur kann man barfuß laufen», sagt Maria Zorin, die Kurgeschäftsführerin von Dornstetten im nördlichen Schwarzwald. «Schließen Sie ihre Schuhe ein, dann gehen wir los.»
Die meisten aus der Gruppe setzen ihre Füße ganz vorsichtig auf das piksende Kopfsteinpflaster. Nach wenigen Metern ist das weiche Gras beim Eingang des Barfuß-Parks im Schwarzwälder Dorf Dornstetten-Hallwangen erreicht. «Jedes Jahr kommen etwa 150 000 Besucher zu uns», sagt Kurgeschäftsführerin Maria Zorin, die uns das Barfußlaufen auf einer kleinen Runde schmackhaft machen soll.
Es bleibt nicht lange bei dem weichen, leicht kitzelnden, natürlichen Bodenbelag aus plattgetretenem Gras. Nach zweihundert Metern beginnt der eigentliche Parcours. Zugegeben, es sieht hübsch aus, wie das Wasser in einem dünnen Film die Steinplatten des sanften Abhangs herunterläuft. Aber genau dieses Wasser, das aus Düsen in Bodennähe spritzt, ist schweinekalt. «Das regt die Durchblutung an», frohlockt die Führerin und tänzelt der unbeholfenen Gruppe voraus. Als furcht- und offensichtlich schmerzlose Kinder uns überholen, steigt das Tempo ein wenig. «Kids haben hier das größte Vergnügen», sagt Maria Zorin. Familien pflegen oft einen ganzen Tag im Barfuß-Park zu verweilen. Es gibt Picknickplätze und einen großen Spielplatz [...]
«Hier können sie ihren Gleichgewichtssinn schulen, damit sie später nicht von der Hängebrücke fallen», scherzt die Führerin und zeigt die nächste Herausforderung: drei überdimensionierte Barfüße aus Holzplatten, getragen von übergroßen Federn. Nur die furchtlosen Teilnehmer wagen den Schritt auf die in etwa 40 Zentimeter Höhe wackelnden Ungeheuer. Zwei Leute sind auch gleich unter großem Gequietsche wieder unten. «Erstaunlich, wie wenige Menschen in der Lage sind, ihr Gleichgewicht zu halten» [...]
Der große Anklang, den der zweieinhalb Kilometer lange Parcours durch Wiesen und Wälder gefunden hat, freut nicht alle. Die Anwohner des von Industrie, Massentourismus und Durchgangsverkehr verschont gebliebenen Dorfes Dornstetten-Halwangen haben manchmal ihre liebe Mühe mit den anreisenden Tagesgästen. Die Touristiker mussten noch eine Wiese dazu pachten, um genügend Parkplätze bereitzustellen [...]
Wir dürfen noch nicht zurück aufs weiche Wiesengras. Es wartet ein tiefschwarzes, zertretenes und feuchtes Stück Weg: Schlamm. Die ersten Schritte durch das feuchte, schmatzende Erdreich verursachen ein ungewohntes, fast ekliges Gefühl. Wenn der Schlamm zwischen den Zehen hervorquillt, kitzelt es ebenso, wie es kühlt. Nach ein paar Schritten verschwindet der Ekel, und es fängt an, Spaß zu machen. Einige Wanderer bohren mit dem großen Zeh Löcher in den Schlamm. Bis über die Knöchel verschwinden die Füße im kühlen, feuchten Dreck. Am Ende des Weges werden die schmutzigen Füße im Bad à la Kneipp von alleine wieder sauber. Es kribbelt leicht unter den Fußsohlen, die nun in einem gesunden Rot erstrahlen.
Der folgende kleine Wasserpool ist der Ort des schlimmsten Unglücks in der jungen Geschichte des Barfuß-Parks: Ein Vater sprang in den Teich, um seinem dreijährigen Sohn zu helfen, der im nicht mal kniehohen Wasser ausgerutscht war. Der Junge stand alleine wieder auf, nur der Vater musste mit einem gebrochenen Fuß zum Arzt.
Barfußlaufen wird oft unterschätzt. Es stimuliert die Durchblutung und fördert gesunde Venen. Alle Nerven des Körpers laufen in den Füssen zusammen und werden durch intensive Berührung und natürliche Massage stimuliert. «Viele Patienten aus der Kurklinik machen morgens und abends den großen Rundgang im Park», berichtet Maria Zorin. Zudem kämen auch sehr viele Migräneleidende, denen das Wandern Entspannung bringt.
Am Ende des Weges wartet eine letzte Herausforderung: noch mal Schlamm. Aber diesmal tiefer, länger und auch noch am Hang. Jauchzend schlittern wir durch den Matsch. Unten angelangt, sind die Besucher kniehoch mit Schlamm beschmiert. Spätestens jetzt ist Skepsis der offenen Begeisterung fürs Barfußlaufen gewichen.
[Sonntags Zeitung, 23. 06. 2002 ]

Homepage des Barfußparks Dornstetten

Hallo Lorenz und alle zusammen, die Homepage macht einen hervorragenden Eindruck. Die Seite "Was macht Barfußgehen so gesund?" fasst das Wesentliche daran sehr gut zusammen. Man könnte sie glatt mit "auf Tour" nehmen und sie bei Bedarf an Interessierte weitergeben, wenn man denn möchte.
Die 56(!)seitige Informationsbroschüre habe ich soeben bestellt. Viele Grüße, MarkusII

Vielen Dank für diese erfreuliche Information! Sobald Barfußlaufen angesagt ist und damit vom Anruch des mega - Peinlichen befreit, hupfen also ganze Menschenherden begeistert aus ihren Schuhen. Wenn die Sache richtig aufgezogen ist, befreien sich die Leute liebend gerne von der irrationalen Massenhysterie des Fuß - Verhüllungswahns!
Aber im Alltag inmitten der Herden von Schuhträgern? Man muss eben ein wenig Mut aufbringen und selbstbewusst klarstellen, dass man gerne und mit voller Absicht barfuß geht, und schon sind die Spötter mit ihrem Latein am Ende. Für die ist es dann mega - peinlich, wenn sie kein vernünftiges Argument gegen die baren Füße vorbringen können. Manchmal kriegen sie dann von mir noch eines meiner berüchtigten Barfuß - Faltblätter  in die Hand gedrückt und werden zur andächtigen Lektüre verdonnert.... Auf jeden Fall aber wertet der Barfußpark Dornstetten das Image des Barfußgehens erheblich auf, vor allem, wenn es solch positive Resonanz in der Presse gibt.
Darauf sollte man vielleicht auch die Leute hinweisen, die glauben, dass man nur auf ihre dummen Bemerkungen gewartet hat. Serfuß, Lorenz

Für alle, denen das autofahren zu riskant ist, ist Dornstetten auch mit der bahn zu erreichen; es liegt an der strecke Freudenstadt - Eutingen. Ab Stuttgart beträgt die fahrzeit 1h16m. Unci

Erfahrungsberichte von Forumteilnehmern :

Da ich durch Beiträge in diesem Forum mitbekommen habe, dass in Dornstetten ein Barfußpark eröffnet wurde, habe ich mich heute dazu entschlossen einmal hinzufahren.
Der Park ist übrigens in Dornstetten-Hallwangen, in Hallwangen ist der Weg zum Park sehr gut beschrieben, wenn man in Dornstetten ist, also zunächst nach Schildern Richtung Hallwangen schauen. Am Park gibt es Parkplätze (ohne Parkscheinautomaten), und der Zugang zum Park selbst ist auch kostenlos.
Der Weg beginnt zunächst auf einer Wiese, und führt dann weiter über eine (rutschige) Schlammstrecke, in den nachfolgenden Wasserbecken geht der Schlamm aber wieder leicht von den Füßen. Wegen der Wasserstrecken empfiehlt es sich mit kurzen Hosen zu laufen. Anschließend folgt wieder ein Stück Wiese, der größte Teil des Wegs verläuft jedoch im Wald, zumeist auf Rindenboden, auf dem es sich sehr angenehm gehen lässt. Zwischendurch kommen jedoch einige Kiesstrecken und Kopfsteinpflaster, wohl um die Fußsohlen zu massieren. Am Schluss folgen noch Holzbretter und kühle Sandsteinplatten.
Wem der ganze Weg mit ca. 60 Min. Gehzeit zu lange ist, kann unterwegs eine Abkürzung wählen. Am Schluss stehen einige Wasserhähne zur Verfügung, an denen man sich die Füße abduschen kann, damit man dabei nicht aus dem Gleichgewicht kommt, kann man sich dazu auf Bänke setzen. Für Leute, die nicht mit dem Auto anreisen, gibt es Schließfächer um die Schuhe einzusperren, damit man sie nicht den ganzen Weg über in der Hand tragen muss. Vom Bahnhof Dornstetten ist der Park aber nach meiner Ansicht schlecht zu erreichen, ich schätze, dass der Bahnhof ca. 5 km vom Park weg ist.
Bei dem herrlichen Sommerwetter heute war der Park gut besucht; so viele Leute wie dort barfuß unterwegs waren, findet man sonst nur noch am Strand. Gero

War heute erstmals in Dornstetten. Der Park dort ist echt super. Was man da alles mit den Füßen ertasten kann, kann keine Stadt oder kein normaler Wald bieten.
Daher ist der Besuch des Parks IMHO (In My Humble Opinion = Meiner bescheidenen Meinung nach) auch hartgesottenen Barfußgehern zu empfehlen. Joe Blow

Hallo zusammen, schon seit einiger Zeit wollte ich mal den Barfußpark in Dornstetten - Hallwangen testen - gestern [September 2000] hat es nun endlich geklappt. Die Erfahrungen waren vielfältig und zum Teil erstaunlich, deshalb will ich sie euch nicht vorenthalten.
1. Der schon in der Presse immer wieder berichtete starke Andrang scheint wirklich zuzutreffen. Nein, nicht etwa, dass gestern Scharen von Barfüßern dort waren, aber das extra eingeführte Einbahnstraßensystem auf den Zu- und Abfahrtswegen, die zahlreichen Hinweise auf Ausweichparkplätze usw. sprechen dafür, dass dort im Sommer wirklich was los ist.
2. Obwohl der Thermometer 12 Grad anzeigte und es wolkenverhangen war, war ich nicht etwa alleine dort. In den wenigen Minuten, in denen ich am Ende der Runde an der Fußwaschanlage den Schlamm von den Füssen spülte, kam eine Gruppe von 5 jungen Frauen und eine Familie an und begab sich auf den barfüßigen Weg.
Ich schließe daraus: Nachdem der Barfußpark ja noch offiziell geöffnet ist (leider nur bis 15.10.), kann es ja nichts schaden, auch barfuß rumzulaufen. Ist ja dort normal. Läuft man im Stadtpark oder sonst wo bei diesem Wetter barfuß, löst man meist ungläubiges Staunen aus, mindestens, und die Leute befürchten schlimmste Erkältungen und schlimmeres.
3. Der Weg selbst ist wirklich ein Genuss. Ich fand zwar manche Stellen eher schwierig (Kies, Steine usw.), das kann aber daran liegen, dass insgesamt die Strecke durch die vorangegangenen Regenfälle ziemlich aufgeweicht war und dementsprechend auch die - bei mir eh nicht sehr ausgeprägte - Hornhaut schnell weich wurde.
Für Matsch- und Schlammfreunde ist die Strecke jedoch bei diesem Wetter ein Traum. Mir hat es auch riesig Spaß gemacht, durch knöcheltiefen Schlamm zu waten, ein für mich ganz neues feeling.
4. Bei der Rückkehr dann ein "Schlüsselerlebnis": Ich saß an den Fußwaschbecken, als ein Auto mit der bereits erwähnten Familie eintraf. Auch wenn ein paar Leute unterwegs waren, war natürlich eher wenig los, so dass man unmittelbar am Eingang zum Barfußpark parken konnte.
Eine Dame mittleren Alters entsteigt dem Auto, kommt auf mich zu.
- Können Sie mir sagen, wo der Weg beginnt?
- Gleich hier, hinter dem Häuschen.
- Ah, und wo tut man die Schuhe hin, trägt man die mit?
- Man kann sie dort in die Schränke einschließen, oder man lässt sie gleich im Auto. Es geht ja eh gleich hier los.
- Ah ja, vielen Dank.
Und nun kommt das, was ich nie begreifen werde: Die Familie entschloss sich tatsächlich, beschuht die ca. 30 Schritte vom Auto zu den Schuhschränken zu tun, um dann die 20 Schritte bis zum offiziellen Beginn der Strecke barfuß zurückzulegen. Der direkte Weg vom Auto zum Eingang hätte ca. 40 Schritte betragen.
Und genau das zeigt doch das ganze "Dilemma": Wenn da ein Schild steht "Barfußpark", dann läuft man dort barfuß. Ganz klar, die müssen's ja wissen, die dieses Schild aufgestellt haben. Ohne die geringsten Bedenken oder Hemmungen darf man da barfuß laufen, auch bei 12 Grad.
Aber bis zu genau diesem Schild ist nicht Barfußpark, sondern normaler Weg bzw. Parkplatz. Und da läuft man eben nicht barfuß. Genau so klar. Und wenn es noch so absurd und umständlich ist, die Schuhe 25 Meter neben dem Auto umständlich in einen Schrank zu schließen.
Dieses eigentlich unbedeutende Erlebnis spiegelt m.E. genau die Entwicklung wider, wie ich sie ja kürzlich schon erwähnt habe: Dass barfuß laufen gesund ist und Spaß macht, spricht sich schon immer mehr rum. Und wirkt sich aus auf die Häufigkeit von Barfüßen in Parks etc.
Aber dann scheint da irgendwo eine unüberwindbare Schwelle zu liegen, den einen Schritt weiterzugehen und einfach auch mal dort barfuß zu laufen, wo es nicht "vorgesehen" oder gar verbreitet ist. Und deshalb sieht man - ich will nicht durch Wiederholungen langweilen, aber es passt einfach hierher - in der City, beim Einkaufen, an der Uni oder wo auch immer außer bestimmten Zonen keineswegs mehr, sondern immer weniger Barfüßer.
Ich will jetzt keineswegs Barfußpfad - Aktivisten wie Lorenz irgendwie demotivieren. Sicher ist es erfreulich, dass wenigstens dort sich die Leute den barfüßigen Genuss gönnen. Aber die Hoffnung, durch solche Aktionen das Barfußlaufen generell verbreiten zu können, teile ich absolut nicht.
Ich denke eher, die Barfußpfade führen dazu, die Einteilung in "Barfußterrain" und "Schuhzone" noch mehr zu verfestigen. Ich lasse mich gern eines besseren belehren, vielleicht seh ich das ganze auch zu negativ, aber für mich war es eben beeindruckend, wie meine allgemeinen Erfahrungen aus diesen Sommer durch die Erfahrungen im Barfußpark bestätigt wurden. Okay, es war nur eine Familie. Und vielleicht wagen es ja auch einige Besucher, schon das Auto barfuß zu verlassen.
Aber irgendwie war's doch typisch, meine ich. Was meint ihr dazu?
Fuß zum Gruß Moritz

Hallo Moritz, Ich war mit meiner Familie in August in Dornstetten -- auf der Rückfahrt vom Urlaub. Wir waren an einem sonnigen Sonntag Vormittag in Barfußpark -- und da war echt der Bär los!
Vor allem auf dem Wasserspielplatz mit seinen originellen Spielgeräten und bei der Kneipp - Anlage waren massenweise Leute. Gegen Mittag war alles zugeparkt und viele kamen schon ohne Schuhe aus den Autos.
Und mir fiel auf, dass die Leute fast alle hübsche Füße hatten; viel weniger schuhgeschädigt, als die Füße, die ich vorher drei Wochen lang am Strand gesehen hatte. Es kommen also wohl vor allem Leute, die ohnehin viel barfuß laufen - wie man ihren Füßen ansieht.
["Dilemma": Schild "Barfußpark", dann läuft man barfuß. Ganz klar, die müssen's ja wissen ... bis zu genau diesem Schild ist nicht Barfußpark ... da läuft man eben nicht barfuß ... wenn es noch so absurd ist, Schuhe 25 Meter neben Auto umständlich in Schrank zu schließen]
Das zeigt nur, dass viele Menschen in ihren Entscheidungen sehr unselbständig sind! Was die anderen Leute denken könnten, ist eben oft der Maßstab.
[denke , Barfußpfade führen dazu, Einteilung in "Barfußterrain" und "Schuhzone" zu verfestigen]
Das ist mir jetzt zu pessimistisch! Wer im Barfußpark entdeckt, wie schön Barfußlaufen ist, entwickelt gewiss auch mehr Verständnis für diejenigen, die auch anderswo barfuß laufen. Und er wird es seinen Kindern auch nicht mehr strikt verbieten.
Ich stelle fest, dass mein Barfußlaufen allüberall toleriert, oftmals sogar positiv kommentiert wird. Das ist ein spürbarer Trend zur Barfußtoleranz der Bevölkerung!
Wenn ich mich für Barfußpfade stark mache, zielt das auf das naturverbundene Barfußlaufen ab; das sollten die Leute erst mal wiederentdecken. Der eine oder andere überträgt das vielleicht auch einmal in den Alltag.
Aber meinetwegen muss das nicht unbedingt sein. Ich bin mir der Sache sicher genug, um auch ganz alleine barfuß durch die City oder auf Reise zu gehen! Herzliche Füße, Lorenz

[ 12 Grad und wolkenverhangen [...] Gruppe von 5 jungen Frauen und eine Familie begab sich auf barfüßigen Weg ... Barfußpark ja noch offiziell geöffnet, kann nichts schaden, barfuß rumzulaufen. Läuft man im Stadtpark bei diesem Wetter barfuß, löst man ungläubiges Staunen aus]
Hallo Moritz, ich kann ja Deinen Frust und den anderer gut verstehen - aber manche Vergleiche hinken auch : die Kopfschüttler im Park kämen vermutlich nie auf die Idee, den Barfußpark aufzusuchen ...
[ "Schlüsselerlebnis" [...] Auto mit Familie [...] am Eingang zum Barfußpark parken [...] Familie entschloss sich , beschuht 30 Schritte vom Auto zu Schuhschränken zu tun, um dann 20 Schritte bis zum Beginn der Strecke barfuß zurückzulegen ... zeigt ganze "Dilemma": Schild "Barfußpark", dann läuft man barfuß. Ganz klar, die müssen's ja wissen ... bis zu genau diesem Schild ist nicht Barfußpark ... da läuft man eben nicht barfuß ... wenn es noch so absurd ist, Schuhe 25 Meter neben Auto umständlich in Schrank zu schließen]
Zu den Schwächen der Menschen gehört der unreflektierte Nachahmungs- und Anpassungstrieb - er ist die Ursache für das, was Du beschreibst.
Ähnliche Beobachtungen könntest Du in einer Turnhalle machen : geht man zum Judo ist man ohne viel Überlegen oder Einwände barfuß auf der Matte (wie jeder weiß und die anderen auch sind), bei Gymnastik in der gleichen Halle und womöglich auf den gleichen Matten in Turnschläppchen oder Schuhen - genau : wie die anderen auch ...
[ Dass barfuß laufen gesund ist und Spaß macht, spricht sich rum ... irgendwo unüberwindbare Schwelle, Schritt weiterzugehen und barfuß zu laufen, wo es nicht "vorgesehen" oder verbreitet ist ... deshalb sieht man in City, beim Einkaufen, an Uni weniger Barfüßer]
Dazu tragen - außer dem schon erwähnten Anpassungswillen und auch -druck - neben vielen verqueren Vorstellungen allerdings auch die leicht zu beobachtenden Gegenindikationen bei, wie Scherben, Hundekacke, Schotterstrecken : wir wissen zwar, dass das keine wirklichen Probleme sind - aber das muss man erst einmal im „ungeschützten“ Terrain erfahren haben !
Zum Erfolg der Barfußparks trägt bestimmt auch die quasi garantierte Sicherheit für die so verletzlichen, weil immer weggesperrten Füße bei !
[ keineswegs Barfußpfad - Aktivisten demotivieren [...] Hoffnung, durch solche Aktionen Barfußlaufen generell verbreiten zu können, teile ich nicht ... denke eher, Barfußpfade führen dazu, Einteilung in "Barfußterrain" und "Schuhzone" noch mehr zu verfestigen]
Ich habe auch große Zweifel diesbezüglich - und das wurde übrigens auch schon einmal diskutiert . Aber schaden werden diese Initiativen ja keinesfalls - und ansonsten ist es ja auch an uns, neue Wege zur Barfußpromotion zu finden und zu beschreiten ... Serfuß Georg

Eigentlich wollte ich heute mit meinem Bruder Matthias nur kurz ins Tal fahren, um auf unserem Lieblingsbarfußweg am Bach entlang zu wandern. Aber bevor wir die Autotüren öffnen konnten schwirrten schon ein knappes Dutzend Bremsen herum.
Also entschlossen wir uns spontan, zum Barfußpark nach Dornstetten zu fahren (von uns gute 20 min). Trotzdem wir fast daneben wohnen waren wir noch nie dort, teils weil wir lieber in der echten Natur vor unsrer Haustür wandern, teils weil wir im entscheidenden Moment nicht dran dachten.
In Dornstetten - Hallwangen war der Pfad hervorragend ausgeschildert und ganze Reisebusse warteten auf die Rückkehr der Barfußpfadler. Da der Tag schön warm war und dazu noch Sonntag haben wir gerade noch einen Parkplatz erwischt. Wir waren dann allerdings fast die einzigen, die die 300m vom Parkplatz bis zum Eingang barfuß zurücklegten!
Der Park war vor allem von Familien besucht, wobei die meisten Kinder ums Kindergartenalter herum waren, insbesondere die Teenager fehlten dagegen fast völlig. In einer Schlange von Menschen sind wir dann die ersten paar hundert Meter über Wiese gelaufen, von der allerdings nur noch die Erde übrig war (immerhin war daneben schon wieder ein Streifen neu gesät). Die interessanten Wasserspiele waren natürlich von Kindern belagert und so zogen wir es vor, gleich auf dem Pfad weiterzugehen.
Der erste Schock für mich kam dann an einem Wasserbecken von ca. 2,5m Durchmesser und Wadenhoch mit kühlem Wasser. Die meisten drehten eine Runde in dem Wasser und kletterten dann "schreiend" wieder raus. Ein Junge im Grundschulalter stieg nur auf die Treppe, so dass seine Füße gerade nass wurden und drehte dann mit dem Kommentar, dass es ihm viel zu kalt sei, um. Ich hätte nicht gedacht, dass es um die Abhärtung der Füße so verheerend schlecht aussieht! Kein Wunder wenn in Deutschland ganze Scharen von Menschen den Grippewellen erliegen.
Wir zwei liefen ungefähr 10 Runden und es war dann nicht die Kälte, die uns heraustrieb, sondern ein neuer Schwall Menschen und die Neugierde auf den restlichen Pfad.
Es ging nun (leider zementiert) durch einen flachen Teich und über eine Brücke aus pendelnd gelagerten Rundhölzern auf einen längeren Weg über die Wiese. Zwischendurch waren immer wieder ca. 3 - 4 m lange Strecken mit Kies, Sand, Lehm und sehr harmlosem kleinem Schotter angelegt.
Dann kam die Abzweigung zum großen Rundweg mit 2,3km Länge, den wir natürlich machten. Dieser Weg läuft hauptsächlich auf sehr angenehmem Untergrund (dunkel und feucht) durch den Wald, wobei als "Fußattraktionen" Balancierstämme, längere Strecken mit Matsch, Sand, Kies und Pflaster, sowie ein Becken mit richtig schleimigem Lehm eingebaut waren. Die härteste Strecke mit 3m von dem uns allen wohlbekannten Grobschotter war allerdings als Alternative angelegt und wurde (soweit ich sah) von niemand anderem begangen.
Komisch waren die Stellen, wo der Pfad fein geschotterte Forstwege überquerte. Die meisten gingen sehr vorsichtig mit gelegentlichen Aufschreien darüber, andere zogen sogar für die zwei Meter ihre Schuhe an. (Vielleicht aus Mangel an Schließfächern, vielleicht aber auch aus einer diffusen Angst hatten die Meisten ihre Schuhe in der Hand).
Auf einer längeren Strecke Feinschotter waren dann geradezu komische Szenen zu beobachten: Zwei Damen stützten sich gegenseitig und versuchten irgendwie weiterzukommen, wie lange sie brauchten weiß ich allerdings nicht, denn wir zogen (obwohl wir beide uns nicht als Schotterexperten bezeichnen würden) einfach an den ganzen Leuten vorbei, die teilweise ziemlich blöd auf unseren lockeren und forschen Gang blickten. Hat richtig Spaß gemacht und gezeigt, dass selbst extensives Schottertraining Wirkung zeigt!
Nach einer guten halben Stunde war der Weg zu Ende und wir stellten uns an den Brunnen zum Füßewaschen an. Nach 10min (!) waren wir dran, weil einige Eltern wohl meinten, auch das kleinste Krümelchen von ihren Kindern abschrubben zu müssen. Nach dem Füßewaschen hatten dann die meisten ein Handtuch dabei und sperrten ihre Füße dann wieder weg (also in die Schuhe hinein). Aber es ging doch eine wesentlich höhere Anzahl barfuß zum Auto zurück, als hergekommen waren (schätzungsweise 25%, darunter viele Kinder).
Ohne die Diskussion jetzt neu anheizen zu wollen ist das doch immerhin bemerkenswert.
Also uns hat es Spaß gemacht und wir werden bei Gelegenheit (vielleicht mit Gästen) mal wieder hingehen. Dem geübten Barfüßer bietet der Pfad eben weniger Erfahrung als einfach Barfußgenuss pur ohne das Risiko auf irgend eine scharfe Wurzel o.ä. zu treten, das im Wald sonst doch meistens zu erhöhter Aufmerksamkeit zwingt.
Viele Füße
Samuel

Herzlichen Dank für Eure lustige Schilderung des Barfußpfad - Besuches.
Schade, dass ich so weit weg wohne; es hätte sicher Spaß gemacht, den untrainierten Leuten bei ihren mühsamen "Gehversuchen" zuzusehen (auch wenn es im Grunde genommen eigentlich gar nicht lustig ist).
Ich verstehe nur nicht ganz, warum Ihr Euch am Ende des Barfußpfades vor dem Fußwaschbecken angestellt habt. Ein echter Barfüßer, der gar keine Schuhe dabeihat bzw. diese gänzlich ungebraucht im Auto liegen lässt, wäscht sich die Füße doch erst zu Hause.
Markus U.

[ lustige Schilderung des Barfußpfad- Besuches ... hätte sicher Spaß gemacht, untrainierten Leuten bei mühsamen "Gehversuchen" zuzusehen (auch wenn es im Grunde gar nicht lustig ist)]
"Im Grunde genommen" war ich auch ziemlich entsetzt, wie exotisch das Barfußlaufen offensichtlich von vielen gespürt wurde, aber ein bisschen Stolz darf man ja auch darauf sein, dass man es besser kennt. Und Schadenfreude ist ja auch nicht völlig verwerflich (wir haben natürlich die anderen keine "Verachtung" spüren lassen, sondern sind freundlich Lächelnd vorbeigegangen um zu zeigen, dass es eigentli8ch möglich ist...
[ verstehe nicht ganz, warum Ihr Euch vor Fußwaschbecken angestellt habt. Ein echter Barfüßer wäscht sich Füße doch erst zu Hause]
Die Schuhe waren zwar im Auto, aber die Füße bis zu den Knöcheln dick mit nassem Lehm verschmiert, so dass wir die Wahl hatten, entweder die Füße zu waschen oder hinterher die Fußmatten und Pedale im Auto. Da denke ich, dass es selbst dem gnadenlosesten, echten, hardliner-Barfüßer erlaubt ist, seine Füße zu waschen. Immerhin ging es bei uns sehr viel schneller als bei den anderen, weil wir einfach nur den Lehm abspülten.
Viele Füße Samuel

Weitere Diskussionsbeiträge zum Nutzen von Barfußpfaden finden sich auf dieser Seite.

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