Barfuß und Hausrecht
(Forumbeiträge im Sommer 1999)

Vorbemerkung : Das Thema wurde im Forum recht engagiert diskutiert im Zusammenhang des Verhaltens einer barfußfeindlichen Kassiererin in der Bonner Universitätsmensa.
Weil die Aussagen zum Thema "Hausrecht" aber über diesen Zusammenhang hinaus Geltung besitzen, habe ich sie dort ausgegliedert und hier getrennt zusammengefasst.

Auch wenn das Ergebnis letztlich nicht jedem Mut machen dürfte, es auf Auseinandersetzungen ankommen zu lassen, so hilft es doch allemal, Situationen richtig einzuschätzen und sachgerecht zu argumentieren.
Georg

Unabhängig von irgendwelchen Gesetzen gilt jedenfalls das Hausrecht
Liebe Forumsteilnehmer, nachdem die Frage, ob der Zutritt zu irgendwelchen Gebäuden mit nackten Füßen aufgrund irgendwelcher Bestimmungen verboten sein kann, in verschiedensten Zusammenhängen in diesem Forum bereits öfters aufgetaucht ist, möchte ich mein Schweigen durchbrechen und hierzu eine hoffentlich sachkundige Antwort geben:
Auch wenn es Euch sicher nicht gefällt: Niemand ist verpflichtet jemand anders in sein Etablissement zu lassen, wenn er an dessen Äußeren Anstoß nimmt, sei es auch nur wegen nackter Füße. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich nun um ein Amt, ein Museum, einen Supermarkt oder eben die Mensa handelt.
Auch ob es irgendwelche Hygiene-, Gesundheits-, Anstands- oder sonstige Vorschriften nun tatsächlich geben sollte oder diese nur vorgeschoben werden, spielt deshalb schlussendlich überhaupt keine Rolle, so dass es müßig ist hierüber zu diskutieren.
Jemand, der seine Einrichtung grundsätzlich der Öffentlichkeit zugänglich macht, ist hinsichtlich seines Hausrechtes nur dahingehend eingeschränkt, dass er nicht wegen der in Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz genannten Merkmale diskriminieren darf. Deshalb dürfen z.B. Ausländer nicht vom Disco - Besuch ausgeschlossen werden, nur weil sie keine Deutschen sind. Nackte Füße werden in Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz aber nun mal nicht erwähnt, und ich gebe ehrlich gesagt einer etwaigen diesbezüglichen Initiative zur Ergänzung des Grundgesetzes keinerlei Erfolgschancen (auch wenn's noch so sehr zur Volksgesundheit beitragen sollte, aber wer weiß, was Bruder Johannes dazu meint...;-) ).
Außerdem sind nackte Füße mit den sonst dort genannten Merkmalen schon deshalb nicht vergleichbar, weil man die Eigenschaft barfuß zu gehen im Gegensatz zu seiner Religion, Nationalität, Geschlecht oder Behinderung ohne jedwedes Problem ändern, nämlich einfach Schuhe anziehen kann.
Wenn Euch also jemand irgendwo mit nackten Füßen nicht reinlassen will, kann er dafür die schwachsinnigsten Argumente der Welt haben, es nützt Euch nichts. Alles was Ihr tun könnt, ist eben woanders hinzugehen, wo Ihr willkommener seid.
Das könnt ihr gut finden oder nicht, das ist so, weshalb es meines Erachtens keinen Sinn macht, diesen Punkt weiter zu diskutieren. Möglich ist allenfalls, durch Aufklärung, wie z.B. Lorenz dies betreibt, etwaigen Fehlvorstellungen entgegenzuwirken und so die jeweiligen Hausherren möglicherweise zu bewegen, an ihrem Verbot nicht festzuhalten.
Soweit mein bescheidener Beitrag, trotzdem allen noch viel Spaß und viel Erfolg beim barfüßigen Aufsuchen verschiedenster Lokalitäten.
Dr. Oliver S., Rechtsanwalt und gelegentlicher Forumleser
aus beruflichen Gründen in der Öffentlichkeit niemals barfuß

Sich trotzdem nicht unterbuttern lassen
Hallo Oliver, hallo Barfüßer, vielen Dank für den kompetenten und gewiss sachdienlichen Beitrag !
Dass der Eigentümer einer Einrichtung eine Hausordnung erlassen kann, ist ja gewiss unstrittig. Ich gebe auch gerne zu, dass nackte Füße und das Recht, mit ihnen öffentlich herumzulaufen, nicht der Nabel des Weltgeschehens sind.
Trotzdem sollte man sich meines Erachtens grundsätzlich nicht allzu viel Willkür gefallen lassen - und was die Mensa angeht, handelt es sich m. E. um solche !
Ich bin kein Jurist, habe freilich beruflich mit dem Rechtswesen gelegentlich zu tun. Insofern nehme ich zunächst einmal an, dass die Hausordnung vom Eigentümer erlassen sein und schriftlich vorliegen muss - und nicht jede Kassiererin sich schnell und mal eben ihre eigene machen darf - auch nicht "nach zwanzig Jahren Gastronomieerfahrung" (ich will jetzt nicht zynisch werden - aber gab es mit dieser Qualifikation in einer unter großem Arbeitskräftemangel leidenden Branche wirklich keine idealeren Jobs als den an der Mensakasse ?)
Und selbst falls eine schriftliche Hausordnung dies hergeben sollte, wäre die Sache aus unserer Sicht gewiss eine Diskussion mit dem Träger der Einrichtung (bei der Mensa vermutlich dem Studentenwerk) wert über die Frage, welche sachlich nachvollziehbaren Argumente dies angeblich oder wirklich notwendig machen. Wenn diese Argumente dann einsichtig sind, sollte man sie m. E. akzeptieren - eher aber nicht !
Ein schönes Beispiel dafür, dass das auch ganz erfolgreich verlaufen kann (natürlich nicht muss), bietet Patrick Leibbrandt auf seiner Homepage; er ist Barfüßer in Kaiserslautern (am Forum leider nicht interessiert) und hat sich mit der Leitung der dortigen Verkehrsbetriebe erfolgreich über das barfüßige Linienbusfahren auseinandergesetzt.
Durchsetzungsfreudige Füße an alle wünscht Georg

[Hausordnung vom Eigentümer erlassen und schriftlich vorliegen ... nicht Kassiererin sich ihre eigene machen]
Hier irrst Du leider. Eine vorherige schriftliche Hausordnung ist nicht erforderlich (Du musst ja auch nicht vorher schriftlich festlegen, was Du nicht willst, was Deine Gäste in Deiner Wohnung tun, um es Ihnen verbieten zu können). Es geht einzig und allein um die Ausübung von Hausrecht, und die kann auch der kleinsten Angestellten an der Kasse übertragen sein ...
[Diskussion mit Träger wert über Frage, welche nachvollziehbaren Argumente]
Das kann man natürlich immer tun.
[Wenn Argumente einsichtig sind, sollte man akzeptieren - eher aber nicht]
Ob Du sie akzeptierst oder nicht, spielt eben keine Rolle. Es kann der größte Schwachsinn sein - wenn der Hausherr darauf beharrt, musst Du entweder Schuhe anziehen oder verschwinden, sonst machst Du Dich wegen Hausfriedensbruch strafbar. Ich kann ja nichts dafür, so ist es nun mal...
[schönes Beispiel ... mit Leitung der Verkehrsbetriebe erfolgreich über barfüßige Busfahren auseinandergesetzt]
Wenn er sie überzeugt hat, sehr schön =)
Oliver S.

[vorherige schriftliche Hausordnung ist nicht erforderlich ... geht einzig und allein um die Ausübung von Hausrecht, und die kann auch der kleinsten Angestellten übertragen sein]
Aber es ist AFAIK erforderlich, die Berechtigung zur Ausübung des Hausrechts offensichtlichen Nichteigentümern des Hauses s c h r i f t l i c h zu übertragen. Rainer

Hallo, vielen Dank für die sehr sachkundige Auskunft, die sicher auch unabhängig vom barfüßigen Essengehen auch in anderen Lebensbereichen ganz hilfreich sein kann.
[hinsichtlich Hausrechtes nur dahingehend eingeschränkt ... nicht wegen der in Art. 3 Abs. 3 GG genannten Merkmale diskriminieren]
Im amerikanischen barefoot - forum kam vor einigen Monaten der Vorschlag auf, zu behaupten, dass Barfüßigkeit ein Ausdruck einer bestimmten Religionszugehörigkeit sein. Wie sähe denn in diesem Fall die konkrete Auslegung des GG aus. Könnte - theoretisch betrachtet (!) - jemand mit Verweis auf eine Religionsvorschrift zur barfüßigen Essensaufnahme seinen Zugang zur Mensa verlangen oder gibt es hier eine "Bagatellegrenze"?
Ich hoffe, diese Frage geht nicht zuweit ins Spekulative ...
Herzliche Grüße Kai

Hallo, meiner Meinung nach kann diese Ausdehnung nicht stattfinden. Art 3 GG grenzt den Rahmen eindeutig ein. Man sollte aber auch einfach mal Sachen akzeptieren und nicht endlose Diskussionen machen! Gee

[mit Verweis auf Religionsvorschrift zur barfüßigen Essensaufnahme Zugang verlangen]
Selbst wenn man eine solche Behauptung aufstellen könnte, würde sich meines Erachtens nichts ändern. Dass grundsätzlich Religionsfreiheit gewährleistet ist und dies bedeutet, dass man auch die Möglichkeit zur Religionsausübung hat, bedeutet noch lange nicht, dass man dies immer und überall tun darf.
Man nehme das Beispiel einer islamischen Lehrerin, die im Unterricht ein Kopftuch tragen wollte, was die staatliche Schulverwaltung abgelehnt hat (da sie Indoktrination befürchtete). Man kann jemandem nicht den Zugang zum Lehramt verwehren, weil er einer bestimmten Religion angehört - das heißt aber noch lange nicht, dass er die Religion auch während der Arbeit ausüben darf.
Übertragen auf eine hypothetische "Barfuß" - Religion würde das bedeuten: Man kann jemanden nicht deshalb ausschließen, weil er grundsätzlich einer Religionsgemeinschaft angehört, zu deren Geboten es gehört barfuß zu gehen. Man kann aber sehr wohl verlangen, dass er sich entscheidet, entweder seiner Religion für die Dauer des Aufenthaltes in den jeweiligen Räumlichkeiten insoweit untreu zu werden oder eben draußen zu bleiben. Wenn das anders wäre, könnte man mit Berufung auf Religion letztendlich alles rechtfertigen ...
Damit soll dieses Thema aber nun endgültig sein Bewenden haben
Grüße Oliver S.

Zusammenfassend: wir sparen, kaufen gemeinsam ALDI und lassen nur Barfüßige rein
Hallo Leute, erst einmal ein Dankeschön an Oliver, dass er die Sachlage klargestellt hat! Ein bisschen sportlicher als "Gee" kann man die Sache aber schon sehen - diskutiert werden darf doch wohl immer noch alles, oder?*
Mein Vorschlag lautet daher wie oben: möglichst viele publikumswirksame Orte "aufkaufen" und (diesmal mit Hausordnung) zur Barfuß - Zone erklären! Also da weiter barfuß laufen, wo man uns lässt... Gruß, Lupu

Ich bin mir über das bewusst, was Oliver dankenswerterweise geschrieben hat.
Mich wundert nur, dass jede Hilfskraft (ohne Wissen des Chefs) Barfüßige vor die Tür setzen darf, v. a. in einer öffentlichen Einrichtung. Heute habe ich es drauf ankommen lassen [...]
Ich ging also barfuß in die Mensa Bonn (vegetarisches Essen), und zwar zur anderen Kassiererin. Sofort wurde ich von besagter Dame von hinten [...] angesprochen. Auf die sehr deutliche Kurzpredigt ihrerseits habe ich sehr bestimmt und fest geantwortet [...] hat mich für heute in Frieden gelassen. Überzeugt wirkte sie nicht [...]
Viele Grüße aus Bonn, Euer MarkusII

[wundert, dass jede Hilfskraft Barfüßige vor Tür setzen darf, in öffentlicher Einrichtung].
Ich bezweifle, dass sich das Hausrecht automatisch an jeden beliebigen Mitarbeiter delegiert!
Nicht jeder kann eine juristische Person rechtskräftig vertreten -- eigentlich nur ein Prokurist. Der kann natürlich gewisse Kompetenzen delegieren (z.B. den Werksschutz anweisen, niemanden einzulassen, der nicht den Sicherheitsvorschriften entsprechend gekleidet, d.h. beschuht ist). Oder ein Dress-Code kann von einem von der Geschäftsleitung beauftragten Gremium erlassen werden und wird durch Unterschrift eines Anweisungsberechtigten verbindlich.
Aber so etwas bedarf immer schriftlicher Fixierung mit Datum und Unterschrift! Und deren Existenz kann man bis zum Beweis des Gegenteils in Frage stellen. Die DSS empfiehlt deshalb, die Vorlage des Dokuments zu verlangen, welches im konkreten Fall das Barfußgehen verbietet, denn dazu sind die Leute in der Regel nicht in der Lage!
Und wenn dann doch eine Hygienevorschrift gefunden wird, steht höchstwahrscheinlich nichts über das Barfußlaufen darin.
[wie ich sie einschätze (korrekt und "diensteifrig") wird sie etwas unternehmen]
Also muss sie doch eine Regelung ausgraben, die das Barfußgehen verbietet oder einen Erlass durch die Leitung der Mensa erwirken. Man muss abwarten, wie das Spiel ausgeht. Wenn man unerwarteterweise wirklich etwas Schriftliches vor den Latz geknallt bekommt, muss man ein guter Verlierer sein.
Dann noch zu prozessieren, wäre nicht mehr mein Bier, aber vielleicht würde ich ab und zu ein barfuß - Happening mit Dosenwurst und Campingkocher vor der Mensa veranstalten???
["seriöser" Name für Art "Deutscher Barfußverein" wäre günstig .... Name, der etwas hermacht]
Irgendwie müsste sich dieser Verein schon konstituieren und ein per Satzung formuliertes Ziel haben, sonst ist es nur ein durchschaubarer Bluff. Aber vielleicht kommen wir auch auf der jetzigen Basis weiter, indem wir uns gegenseitig gute Argumente liefern.
Die Barfußgegner in Beweisnot zu bringen, wirkt wahrscheinlich besser als der Verweis auf einen Verein, dessen Existenz man nicht nachweisen kann.
Doch gottlob sind die Situationen recht selten, in denen der Barfußgenuß durch derlei Konflikte getrübt wird.
Serfuß, Lorenz

Wenigstens möchte ich mich herzlich für Eure beiden Beiträge bedanken, die ich für sehr hilfreich halte. Wenn man sehr hinter einer Sache steht, neigt man wohl auch dazu, sich zu sehr aufzuregen, und Eure sachlichen und praktischen Gedanken lassen einen die Angelegenheit wieder nüchterner sehen.
Vielleicht frage ich wirklich einmal beim Gesundheitsamt oder bei der Gewerbeaufsicht nach. Sollte die Auskunft "positiv" sein, könnte man Lorenz Variante durchspielen oder im Idealfall auch gleich eine schriftliche Auskunft des Amtes vorlegen. Sollte sie "negativ" sein, hilft nur (freundliches, aber bestimmtes) bluffen - oder aber sich fügen.
Viele Grüße und gute Nacht (falls Ihr heute noch reinschauen solltet)! Euer MarkusII

[Mich wundert, dass Hilfskraft Barfüßige vor Tür setzen darf ... bezweifle, dass sich Hausrecht automatisch an jeden Mitarbeiter delegiert ... Nicht jeder kann juristische Person rechtskräftig vertreten -- eigentlich nur Prokurist ... Der kann natürlich Kompetenzen delegieren]
Soll dann vielleicht der Werkschutz jedes Mal, wenn irgendetwas passiert, was nicht durch eine ausdrückliche Anweisung abgedeckt ist, bei der Geschäftsleitung anrufen müssen und nachfragen, wie er sich verhalten soll?
Ich habe keinen Werkschutz, aber wenn ich einen hätte und der würde mich ständig belästigen, wenn irgendeine Situation auftritt, für die ich keine explizite Anweisung gegeben habe, täte ich mich ernsthaft fragen, wofür er eigentlich da ist. Entsprechendes dürfte für die Mensa - Kassiererin gelten. Man stelle sich vor, sie müsste ernsthaft die vertretungsberichtigte Person der Studentenwerkes, das die Mensa betreibt - also wohl dessen Geschäftsführer! - anrufen und nachfragen, ob sie den Barfüßer zurückweisen darf oder nicht.
Fazit: Das Hausrecht nach außen hin übt zunächst derjenige Mitarbeiter aus, der faktisch vor Ort ist - ob er intern das auch darf oder hinterher vom Chef einen Rüffel kriegt (etwa weil mein fiktiver Werkschutz einen barfüßigen Millionär nicht zu mir durchgelassen hätte und mir ein Riesenmandat deshalb entgangen ist), ist eine ganz andere Frage...=)
[Dress - Code erlassen werden ... bedarf schriftlicher Fixierung ... deren Existenz kann man in Frage stellen]
Nochmals in aller Deutlichkeit: Das ist so einfach nicht richtig! Natürlich kann man versuchen, die Leute zu verunsichern, indem man so etwas behauptet bzw. fragt, wer das eigentlich sagt und mal - gerade als Kunde - darauf hinweisen, dass der Chef es sicher nicht schätzen würde, wenn ihm wegen einer übereifrigen Kassiererin ein Geschäft entgeht. Man kann natürlich auch verlangen den Chef zu sprechen. Aber wenn das alles den Mitarbeiter vor Ort nicht beeindruckt ("Ich sage das und für Dich bin ich hier der Chef"), bleibt nur noch erst mal nachzugeben und sich gegebenenfalls hinterher beim richtigen Chef zu beschweren.
[DSS empfiehlt ,Vorlage des Dokuments zu verlangen, welches Barfußgehen verbietet]
In Amerika gelten wegen der Vielzahl der Rassen, Kulturen, Religionen, etc. und der diesbezüglich wenig ruhmreichen Vergangenheit inzwischen viel strengere Anti - Diskriminierungsvorschriften als hier, so dass einfach die Befürchtung geweckt wird, wenn man sich auf keine formgültige Vorschrift berufen kann, mit hohen Straf - Schadensersatzforderungen (ebenfalls ein im deutschen Recht so nicht existentes anglo - amerikanisches Rechtsgebilde) konfrontiert zu werden. Im Prinzip ist die amerikanische Rechtslage aber auch für unsere Probleme uninteressant, wir sind eben nicht in Amerika =)
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich sage nicht, dass ihr es einfach hinnehmen sollt, dass man mit den Leuten nicht diskutieren sollte. Mir geht es nur darum klarzustellen, dass wenn jemand definitiv und endgültig "nein" sagt, man nicht einfach trotzdem weitergehen kann, ohne ernste Konsequenzen befürchten zu müssen. Ich empfehle daher in diesem Falle Schuhe anziehen oder umkehren und sich hinterher beim Chef beschweren bzw. mit ihm das Thema zu diskutieren. Wenn man dann vielleicht etwas schriftliches vom besagten Chef unterschriebenes hat, dass er gegen nackte Füße nichts einzuwenden hat und man das der Angestellten beim nächsten Mal vor die Nase hält, dürfte das genügen. Aber bitte: Auch dann kann diese Angestellte immer noch sagen "Interessiert mich nicht, ohne Schuhe kommt bei mir niemand rein." Das mag dann eine Kompetenzüberschreitung und Verletzung des Arbeitsvertrages gegenüber ihrem Chef sein, wegen der er sie abmahnen und eventuell sogar kündigen kann, aber dem Betroffenen konkret vor Ort nützt das zunächst einmal gar nichts ...
Ich will ja wirklich nicht destruktiv sein und hab mir das alles ja auch nicht ausgedacht, aber wem bringt es was, sich mit Sturköpfen anzulegen, die formal eben im Recht sind?
Soviel wieder von Eurem selten barfüßernden, dafür um so mehr "klugscheißenden"
Rechtsanwalt Dr. Oliver S.

Hallo Oliver! Von wegen "klugscheißen" !
Ich bin Dir außerordentlich dankbar dafür, dass Du so detailliert und kompetent Auskunft gibst. Ähnliches dürfte einiges Geld kosten, wenn man als Kunde (dann allerdings auch formal "rechtsverbindlich") zu einem Rechtsanwalt ginge! Und "destruktiv" in punkto Barfußlaufen bist Du nun wirklich erst recht nicht, denn Du weist ja Wege durch einen "Dschungel", der sozusagen viel schlimmer ist als die allerübelsten Glasscherben (die richtigen Barfüßen ja kaum etwas anhaben können). Schade, dass unser Recht auf Gesundheit (die "facts" hierzu sind ja außerordentlich deutlich und überzeugend, wie ich meine) im Vergleich dazu überhaupt nicht zählt.
Wer in Schuhe schlüpft, geht automatisch nach dem Prinzip "Heublumenaufguss" vor, von den noch unangenehmeren Wirkungen und Beeinträchtigungen ganz zu schweigen.
Noch einmal vielen Dank sagt Dir MarkusII

Hallo, ich denke, dass der Vergleich Geschäft oder Fabrik zur Mensa hinkt.
Die Mensa ist Teil des Studentenwerks und damit so was wie eine Anstalt öffentlichen Rechts oder so. Mir ist klar, dass aus Gründen der Hygiene da auch spezielle Regeln gelten dürfen, z.B. darf man wohl nicht mit Schuhen ins städtische Hallenbad und ähnliches. Die einzige Regel die ich aus der Mensa kenne und ich wünschte es würde noch konsequenter darauf geachtet ist, dass Speisen nicht zurückgestellt werden dürfen. Aber jetzt schweife ich gerade ab.
Inwieweit dürfen Behörden und ähnliche Institutionen Menschen wegen ihrem Äußeren/ Kleidung zurückweisen?
Der nächste Klugschwätzer, der zwar gerade eben, aber oft auch nicht, barfuß ist.
Besonders liebe Grüße an unseren Juristen. Heiko

Jetzt kommen wir tief in die juristischen Feinheiten
Du hast zunächst einmal natürlich völlig recht, wenn du darauf hinweist, dass für Behörden und auch das Studentenwerk als Anstalt des öffentlichen Rechts strengere Regeln gelten als für x-beliebige Private.
Aber auch hier muss man ganz klar trennen: Zunächst ist da die konkrete Anweisung des Bediensteten vor Ort, die sich in etwa auf "Zieh dir Schuhe an oder verschwinde" zurückführen lässt. Unabhängig davon, ob das nun im konkreten Fall als privatrechtliche Ausübung des Hausrechtes oder als öffentlich - rechtlicher Verwaltungsakt zu werten ist, muss das zunächst mal befolgt werden, sonst Strafbarkeit wegen Hausfriedensbruch.
Das nächste ist die Frage, ob dieser Verwaltungsakt möglicherweise rechtswidrig ist oder ein öffentlich - rechtlicher Zugangs- und Benutzungsanspruch besteht, der gegebenenfalls verletzt wäre. Das müsste man dann im Nachhinein - notfalls gerichtlich, wenn jemand wirklich soweit gehen will (die Chancen auf einen verständnisvollen barfüßigen Richter zu treffen sind indes nach meiner Einschätzung ... ähm ... gering) - geltend machen.
Zur Verdeutlichung: Sehr viele Tempo - 30 -Zonen in Innenstädten sind eklatant rechtswidrig, weil die Voraussetzungen der Straßenverkehrsordnung für deren Ausweisung einfach nicht vorliegen. Wenn du dort mit 50 geblitzt wirst, musst du trotzdem das Verwarnungsgeld bezahlen und kommst normalerweise vor Gericht mit dem Argument, dass das Verkehrsschild rechtswidrig war, nicht durch (auch wenn die Chancen, hier einen verständnisvollen autofahrenden Richter zu finden, erheblich größer sind).
Gegen die Rechtswidrigkeit des Verkehrsschildes muss man vor der Verwaltungsbehörde bzw. vor den Verwaltungsgerichten vorgehen (für die Einsprüche gegen die Bußgeldbescheide sind dagegen die Amtsgerichte zuständig).
Jetzt reicht's aber wirklich dazu. Die Details dürften für die große Mehrzahl der Forumsteilnehmer nun wirklich uninteressant und eher nervig sein - ganz abgesehen davon, dass dafür auch ich mich tiefer in die Materie einarbeiten müsste, wozu ich angesichts real existierender auf meinem Schreibtisch zur Bearbeitung liegender Fälle (in denen kein Beteiligter barfuß ging) keine Zeit habe.
Das wäre vielleicht mal ein Thema für die Doktorarbeit eines engagierten barfüßigen Jurastudenten (auch wenn die Chancen, zur Betreuung einen aufgeschlossenen barfüßigen Jura - Professor zu finden ... na ja, lassen wir das).
Jetzt muss ich weiterarbeiten, damit ich möglichst bald nach Hause und dann endlich aus meinen Schuhen 'rauskomme :-)
Euer anderweitig spezialisierter Rechtsanwalt Dr. Oliver S.

fussohli.jpg (920 Byte) zurück zur Übersichtsseite des "Best of"
im Hobby? Barfuß! Forum
zum Kopf der vorliegenden Seite