Barfuß - Verbot in der Mensa ?
(Forumbeiträge im Sommer 1999)

Vorbemerkung : Im Zusammenhang dieses Beitrags entwickelte sich eine umfangreiche Diskussion zum Thema "Barfuß und Hausrecht". Ich habe sie wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung hier ausgeklammert und getrennt veröffentlicht. Georg

Hallo zusammen! Heute wurde ich in der Mensa freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass es die Gastronomie - Hygienevorschriften verbieten, einen Barfüßigen zu bedienen.
Wie ist Euer Wissensstand? Ein Schreiben an den Mensaleiter kann ich mir ersparen, wenn dies tatsächlich gilt.
Vielleicht wäre noch eine Anfrage im Gesundheitsministerium sinnvoll ?
Ich hoffe sehr auf kompetente Antworten! Viele Grüße, Euer MarkusII

Das halte ich ehrlich gesagt für blanken Unsinn. Lass Dir schwarz auf weiß diese Vorschrift zeigen, wenn es sie denn tatsächlich gibt. Ich kann's mir zwar nicht vorstellen, aber leider sind Beamte/ Schreibtischtäter zu großem Schwachsinn fähig und zu Bestimmungen, die am realen Leben total vorbeigehen.
Man steckt ja nicht seine Füße in das Essen oder ?! Marco

Wo liegt das Problem ?
a) Könnte die Bedienung des Barfüßigen dazu führen, dass dieser fortan mit den Füßen sein Essen einnehmen wird? Ist die studentische Esskultur dadurch gefährdet?
b) Könnte der Barfüßige in der Mensa eine Gefahr darstellen, weil dieser mit den Keimen am Boden in "direktem Kontakt" steht und daher zu vermuten ist, dass er auch bei Einnahme der Mahlzeit Gesundheitsgefahren absondert? c) Liegt die Befürchtung nahe, dass es sich bei dem Barfüßigen aufgrund seiner naturnahen Gehweise um einen Naturmenschen handelt, der an hiesige Gebräuche nicht gewöhnt ist? Ist eventuell mit sexuellen Übergriffen zu rechnen?
d) Handelt es sich um einen hartgesottenen Karatekämpfer und ist der Hausfrieden für die anderen Gäste der Mensa in Gefahr?
e) Ist es ein entwichener Patient einer psychiatrischen Anstalt? Sind Kinder hierdurch gefährdet?
f) Leidet der Betreiber der Mensa unter Halluzinationen und gibt es überhaupt keinen Barfüßigen dort?
g) Ist es vielleicht so: der Barfüßige ist ein Übrigbleibsel der 68er-Studentenproteste. Ist er somit ein Vorbote neuer Studentenunruhen an der Universität und sind hiergegen Maßnahmen zu treffen?
h) Handelt es sich bei dem Barfüßigen um einen zerstreuten Professor?
i) Ist ein wissenschaftliches Experiment im Gange (Selbstversuch?) oder ist der Barfüßige ein Proband für neue Arzneimittel oder Behandlungsmethoden?
k) Handelt es sich gar um eine Demonstration und ist diese durch den Leiter der Universität und die Polizeibehörde genehmigt? Falls die Mensa in der Bundeshauptstadt liegt: ist das Bannmeilengesetz tangiert?
l) Eine religiöse Kundgebung oder Ausdruck religiöser Bräuche des Barfüßigen?
m) Handelt es sich nicht vielmehr um einen Studenten, der sich aufgrund der neuen BAföG - Gesetzgebung mit einem Kredit für seine Ausbildungskosten übernommen hat und sich keine Schuhe leisten kann?
Bevor auf diese sicherlich wichtigen Fragen keine hinreichend wissenschaftlich fundierte Antwort vorliegt, kann über die Einlassung des Mensa-Betreibers nicht abschließend geurteilt werden. Es wird vorgeschlagen, das Thema im Rahmen einer Doktorarbeit abzuhandeln. MfG Jörg (2)

Ich hoffe, dass der ausgesprochen kreative und erfrischend ironische Beitrag von Jörg Dir, Markus, Mut macht, Dir in der Mensa nicht in dieser plumpen Art auf die bloßen Füße treten zu lassen ! Darauf zu bestehen, dass die angebliche Vorschrift Dir gezeigt wird, sollte ohnehin das Mindeste sein. Wenn es die tatsächlich geben sollte, können wir ja mal gemeinsam die zuständigen Stellen mit klugen Briefen nerven ... und da bin ich sehr zuversichtlich, dass denen bei der großen Anzahl guter Argumente pro barfuß recht schnell die argumentative Puste ausginge ! Durchsetzungsfreudige Füße Georg

Gut, dass Schuhträger so keimfrei sind ... Schwachsinniger kann eine Argumentation nicht sein, wie ich finde. Schließlich tragen Schuhträger kaum weniger Keime mit sich herum (vielleicht sogar mehr) als barfüßige Menschen. Auch wenn in der Mensa sicherlich "offene Lebensmittel" gereicht werden (anders als im Supermarkt "Aldi", wo mir mal ein ähnliches Argument verkauft wurde), so sind diese ja wohl kaum vom Boden zu essen (das hoffe ich ja mal). Meiner Meinung nach ist dies eine Phantom - Bestimmung und man sollte jetzt mal anfangen, danach zu recherchieren, um solche Dinge gleich abbügeln zu können. Grüße, Lupu

Hi! Also ich bin in den Bonner Mensen bisher immer auch barfuß bedient worden und bin auch schon auf weitere Barfüßer in der Mensa gestoßen ... Schnaxel

dito hier in München. Welche Mensa war es denn eigentlich? Christian

Hallo zusammen! Vielen Dank für Eure Antworten! Meine "Richtige" darauf kommt noch!
Nur soviel kann ich schon verraten: Es war die Bonner Mensa. Im Bereich des Ausgabe der vegetarischen Gerichte sitzt links eine neue Kassiererin "mit 20 Jahren Gastronomie-Erfahrung". Mein Problem: Da ich in einer Fortbildung bin, darf ich nicht immatrikuliert sein. Ohne Studentenausweis kostet es das Essen aber das Doppelte, wenn ich nach ihm gefragt werde (da ich aber meinen gesamten Lebensunterhalt für dieses Fortbildungsjahr mit Jobs zusammengespart habe und vom Staat dafür nichts bekomme, meine ich schon, einigermaßen guten Gewissens in der Mensa essen gehen zu können).
Also muss ich leider "braver" sein als ich es sonst sein würde (auch wenn ich mich sehr über diesen Schwachsinn ärgere). Wie gesagt: Näheres kommt noch! Viele Grüße an Euch MarkusII

Ich bin mir zwar bewusst, dass ich die versprochene Antwort zum Mensa - Thema bisher nicht liefern konnte; und ich werde auch auf (hoffentlich nicht zu wenige) Antworten auf diesen Beitrag wohl kaum sehr ausführliche Beiträge schreiben können (Endphase Fortbildung etc. etc.).
Ich bin mir darüber hinaus sehr wohl über das bewusst, was Oliver dankenswerterweise geschrieben hat. Mich wundert nur, dass jede Hilfskraft (ohne Wissen des Chefs) Barfüßige vor die Tür setzen darf, v. a. in einer öffentlichen Einrichtung. Heute habe ich es drauf ankommen lassen, weil es mir zu blöd war, extra wegen der einen Kassiererin (wahrscheinlich eine Urlaubsvertretung) immer einen ganzen Tag lang Sandalen im Rucksack mitzuschleppen. Außerdem füge ich anderen ja objektiv keinen Schaden zu.
Ich ging also barfuß in die Mensa Bonn (vegetarisches Essen), und zwar zur anderen Kassiererin. Sofort wurde ich von besagter Dame von hinten ("He, junger Mann...!" etc. etc.) ziemlich laut angesprochen. Auf die sehr deutliche Kurzpredigt ihrerseits habe ich sehr bestimmt und fest geantwortet: "Ich bin Mitglied einer entsprechenden Vereinigung und habe im Internet eine Umfrage durchgeführt. Es gibt bundesweit keine Schwierigkeiten, und es hat hier noch nie Schwierigkeiten gegeben." Daraufhin wirkte sie doch etwas getroffen, aber auch nicht besonders gut behandelt und hat mich für heute in Frieden gelassen. Überzeugt wirkte sie nicht ("es gibt die Hygienebestimmungen, und wenn es hier eine Kontrolle gibt..." war ihr letztes Argument vor meiner o. g. Antwort gewesen), und so wie ich sie einschätze (sehr korrekt und "diensteifrig" (mir fällt leider kein besseres Wort ein), wird sie etwas unternehmen.
Nun habe ich zwei Fragen an Euch:
- Bisher gab es ja einige Rückmeldungen über problemlose Mensen: Könntet Ihr weitere kurz aufführen?
- Ein "seriöser" Name für eine Art "Deutscher Barfußverein" wäre sehr günstig. "Dirty Sole Society" wirkt auf kritisch eingestellte Außenstehende lächerlich, "Barefoot Hikers" auch nur bestenfalls ganz nett; "Hobby? Barfuß!" ist fürs Internet richtig, würde aber in der obigen Situation ebenfalls lächerlich wirken. Gefragt ist ein Name eines (vielleicht auch tatsächlich zu gründenden Vereins), der etwas hermacht. Schließlich geht es hier nicht um das Vertreten und Ausleben eines "Spleens" auf Kosten anderer, sondern um Lebensqualität ... Nun hoffe ich auf Rückmeldungen und Beiträge Eurerseits. Viele Grüße aus Bonn, Euer MarkusII

Hallo zusammen, ich sehe keinen prinzipiellen Unterschied zwischen einer normalen öffentlichen Gaststätte / Kneipe und einer Mensa. Die Hygienevorschriften dürften ziemlich ähnlich sein was den Gastbereich angeht.
["seriöser" Name für Art "Deutscher Barfußverein" wäre günstig .... Name, der etwas hermacht]
Ich glaube nicht, dass sich dadurch das Mensaproblem löst oder allgemein das Problem des Auffallens des Barfußlaufens in der Öffentlichkeit. Denn was wird dieser Verein im konkreten Konfliktfall, wie z.B. bei Dir in der Mensa, bewirken können? Viel mehr als eine moralische Rückendeckung in Deiner Vorstellungskraft kann er sicher in der konkreten Situation nicht bieten.
Ich meine, dass dieses Forum durch seine vielfältigen Erfahrungsberichte und den lebendigen Austausch viel mehr dazu geeignet ist, das eigene Rüstzeug für solche Dispute mit festen Vorstellungen anderer Menschen zu stärken. Gehst Du eigentlich alleine Essen, bzw. sind noch mehr Leute um Dich herum, wenn Du an der betreffenden Kasse vorbeigehst? Falls ja, dann wäre es doch denkbar, andere (ggf. Unbeteiligte) nach ihrer Meinung zu fragen. Wenn Du ganz taktisch vorgehen möchtest, kannst Du ja schon beim Weg zur Kasse die hinter Dir stehenden / gehenden nebenbei ansprechen, dass jetzt gleich wieder "die Barfußdiskussion kommt".
Ich vermute, dass Du in diesem Fall mit Solidarisierung rechnen kannst. Du könntest natürlich auch einfach mal einen kleinen Anruf beim Gesundheitsamt bzw. der Gewerbeaufsicht machen und die nach konkreten Vorschriften fragen, die barfußgehen im Gästebereich untersagen. Die Variante, der Kassiererin einen Zettel mit den Nummern und der Bitte um Anruf zu geben, wäre demgegenüber etwas konfliktträchtiger ... ;-)
Nun, ich denke es gibt einige Möglichkeiten, auf diese Situation in der Mensa zu reagieren (z.B. dreckige Schuhe aus einer Plastiktüte zu holen und die Kassiererin zu fragen, ob Du ernsthaft DAMIT in den Speisesaal gehen sollst, oder ob Barfüße nicht doch hygienischer sind). Beste Grüße Kai

Hallo MarkusII, mal ein ganz anderer Ansatz: hast Du evtl. schon mal probiert mit dem Häuptling von Eurer Mensa ein konstruktives Gespräch über das Thema zu führen? Falls wirklich nur die eine Kassiererin den Ärger macht, könntest Du damit evtl. (mit weniger Aufwand) mehr erreichen, als wenn Du mit fraglicher Kassiererin ein "Vorschriftenwettrüsten" anfängst. Ich sehe darin bessere Chancen als in der offenen Konfrontation - zumal es für das Image der Barfüßler evtl. besser sein dürfte. Selbst wenn Du nach Vorschriftenlage das Barfußlaufen in der Mensa durchsetzen kannst, hätte es dann immer den Beigeschmack "schon wieder einer der Ärger macht".
Wenn der Chef genauso engstirnig ist, kannst Du ja immer noch mit Gesetzbüchern werfen... (falls Du meinst, dass sich das wirklich lohnt...). mfG Rol

Hi Leute! Nach der Artikelflut zum Thema Mensa und Hausrecht, muss ich Euch nun doch mal ein bisschen ärgern... Gestern war ich zum ersten mal seit langem wieder in der Mensa (natürlich barfuß) und ich habe einen herrliche leckeren Gyros mit Tsatsiki, Pommes, Krautsalat und Nachtisch für 4,- DM verspeist, alles barfuß und alles ohne irgendwelche Beschwerden oder blöde Kommentare.
Da kann ich Euch wohl allen nur raten, auch nach Bonn zu ziehen... :-P
Fuß zum Gruß, XL
Speisepläne der Bonner Mensen

Hallo SchnaXeL, wage Dich mal an die Dame, die in der 1. Etage beim Eintopfessen "abkassiert" (oder vielleicht besser doch nicht ...).
Viele Grüße, MarkusII

Hi Markus, SchnaXeL kann Karate, da traut sich die Dame nicht zu widersprechen ;-) Serfuß, Jörg (Hanna)

Jetzt sag nur, Du bist der, der gestern barfuß in der Schlange von Essen I stand und mir auch so schon mal barfuß in Bonn über den Weg läuft ... Fuß zum Gruß XL

Hallo SchnaXeL, ich stand gestern tatsächlich so in besagter Schlange. Die fiese Kassiererin hat sich nach der Urlaubsvertretung an die "Eintopf - Kasse" zurückgezogen. Sie sieht mich zwar, stört mich aber bislang glücklicherweise nicht.
Die "richtige" Kassiererin hatte nie Ärger gemacht (sie ist im übrigen ein wirklich sympathischer Mensch, wie ich finde). ... Trau Dich ... Ist sie zu stark, bist Du zu schwach ... (es könnte aber sein, dass bei der zu erwartenden Freundlichkeit der Eintopf nicht mehr schmeckt ...) ...
Die fiese Urlaubsvertretung hat sich auf einen anderen Platz "zurückgezogen". Mit der "Stamm - Kassiererin" gibt's keine Probleme. O-Ton (in etwa): "Es kann doch jeder herumlaufen, wie er will! Von solchen Bestimmungen habe ich noch nie etwas gehört! Die Leute tragen im Profil ihrer Schuhe doch viel mehr Dreck herein als Sie!"
Noch ein Gruß, MarkusII

fussohli.jpg (920 Byte) zurück zur Übersichtsseite des "Best of"
im Hobby? Barfuß! Forum
zum Kopf der vorliegenden Seite