[Barfuß in der Bibel] [Barfußpfad in Kirche]

Barfuß in der Bibel
(Forumbeitrag im Frühjahr 2003)

Morgens früh um 7 - In wie fern sei dies denn verwerflich, gar unmoralisch, fragte ich sie, wäre es doch nicht uninteressant zu wissen, wieso dies so sei ...
Die Antwort, nun ... Gott, der Herr, schenkte, er gab, uns Schuhe, ich nun, würde dies Geschenk, diese Gabe verwehren, und dadurch ihn, und somit keinen Einlass in sein Himmelreich erlangen, so ich mich nicht noch ändern täte ...
Rilastan

Wie gut, dass es unter der Barfuß"gemeinde" 'nen Mittelalter-Historiker gibt, der das Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) und 'ne Bibel im Schrank stehen hat. :-))

LThK, Bd. 1, Spalte 1244:
Barfüßer: Sekte des 4. Jh., die unter Berufung auf EX 3,5; Jos 5,15 und IS 20,2, den Gebrauch der Fußbekleidung als sündhaft ablehnte. Augustinus bez. sie um 428 als "haeresis nudis pedibus semper ambulantium" (Anm. - Übers.: "Sekte der immer barfuß - mit nackten Füßen - Laufenden").

[BIBEL: EXODUS (= Zweite Buch Mose) - EX 3,5: "Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land."
DAS BUCH JOSUS - Jos 5,15: "Und der Fürst über das Heer des HERRN sprach zu Josua: Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig. Und so tat Josua."
DER PROPHET JESAJA - JS 20,2: "...zu der Zeit redete der HERR durch Jesaja, den Sohn des Amoz, und sprach: Geh hin und tu den härenen Schurz von deinen Lenden und zieh die Schuhe von deinen Füßen. Und er tat so und ging nackt und barfuß."]

LTHK, BD. 1, SP. 1244:
Barfüßer: ... Das Barfußgehen war ein Zeichen der Ehrfurcht (EX 3,5), der Demut (Dt 25,9f), der Armut (Is 20, 2ff) und der Buße (2 Sam 15,30). Schon das antike Rom kannte die Nudipedalia, bei anhaltender Dürre als eine Art Regenprozession angeordnet. ... Auch die alten Asketen gingen barfuß. Die ägypt. Mönche legten vor der hl. Kommunion Lederschuhe ab.
Im Westen schrieben Joachim von Fiore, Johannes von Martera (Gründer der Benediktiner-Kongregation von Pulsano) und vor allem Franz v. Assisi das Barfußgehen vor. Ebenso ging der hl. Norbert (Anm. "von Xanten", Ordensgründer/Erzbischof von Magdeburg) sowie die Augustiner von Yrevallis u. Abiey ohne Fußbekleidung. Franziskus sah darin Nachfolge Christi (od. Johannes d. Täufers?) - Es folgen dann noch 14!!! Reformorden und -gemeinschaften, die das ununterbrochene Barfußgehen verpflichtend eingeführt haben.

[BIBEL: DEUTERONOMIUM (= Das Fünfte Buch Mose) - Dt. 25,9f.: "... so soll seine Schwägerin zu ihm treten vor den Ältesten und ihm den Schuh vom Fuß ziehen und ihm ins Gesicht speien und soll antworten und sprechen: So soll man tun einem jeden Mann, der seines Bruders Haus nicht bauen will! Und sein Name soll in Israel heißen "des Barfüßers Haus."
DAS ZWEITE BUCH SAMUEL - 2 Sam 15,30: "David aber ging den Ölberg hinan und weinte, und sein Haupt war verhüllt und er ging barfuß. Auch alle vom Volk, die bei ihm waren, hatten ihr Haupt verhüllt und gingen hinan und weinten."]

Also der Dame aus der Christen"gemeinde" bei der nächsten Begegnung sagen: wohl nicht ganz bibelfest?! Und von Kirchengeschichte auch keine Ahnung. Vielleicht zu viel Neues Testament gelesen (Die oben angeführten Bibelzitat stehen nämlich alle im Alten Testament). Nichts da mit verwerflich und unmoralisch! Andersherum wird ein Schuh - Verzeihung - Barfüßler daraus.
Nette Grüße an alle Füße und viele schöne barfüßige Erlebnisse
Peter (BS)

Online nach Stichworten in der Bibel suchen unter dem Link z.B. nach den Stichworte "barfuß", "Schuhe", "Fuß", "Füße", etc. - oder wonach Herz und Seele sonst begehren.
Einfach auf der Seite oben links auf "Gast" (etwas unscheinbare graue Schrift über den Login-Feldern) klicken und schon bist Du auf der Suchseite. Mehr ist nicht nötig.
Barfüßige Feiertagsgrüße
Kai (WN)

Siehe dazu auch die folgende Passage im untenstehenden Beitrag!

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Barfußpfad in Kirche
(Forumbeiträge seit Sommer 2000)

Gestern erfuhr ich von einem Bekannten, dass es zur zeit in der Apostelkirche in Hannover einen Erlebnispfad zum Thema Garten Eden gibt.
Die Kirche ist innen drin mit Grünpflanzen aller Art bestückt und einem plätschernden Teich. Es ist eine alte Kirche mit Buntglasfenstern und alten Schnitzereien. Der Boden ist mit Mulch, Steinen, Stämmchen etc. ausgelegt, immer verschieden. Ich war heute drin (meide Kirchen sonst), aber es war herrlich. Tolle Atmosphäre, die Kombination von alter Kirche und Urwaldhaus.
Eine Frau sprach mich an: "Da ich sehe, dass Sie barfuß laufen, waren Sie schon auf dem Sinnespfad?" Ich bejahte. Die ganze Kirche ist momentan ein Sinnespfad. Es ist echt zu empfehlen, sowohl für Botaniker, als auch für Kirchenfreaks und auch für Leute, die gerne einmal anderen das Barfußerlebnis näher bringen wollen.
Alles zusammen ist das eine schöne Sache. Die Ausstellung "Garten Eden" begann am 11. Juni und geht [im Rahmen der EXPO] bis zum 31. Oktober 2000.
Bis denn, heute mal ohne Zettel am Zeh (fühle mich zu lebendig), John Doe

Als evangelischer Pfarrer in einer Gemeinde im Nordschwarzwald bekam ich neulich von einer Kirchengemeinderätin das Programm eines Krabbelgottesdienstes (Gottesdienst, der vor allem auch für Kleinkinder gedacht ist) in Niefern / Enzkreis. Der Gottesdienst fand am 1. 7. dieses Jahres statt und hatte zum Thema: "Mit Händen und Füßen".
Mit verschieden gefüllten Kisten (Kieselsteine, Blumenerde u. a.) und auf den Boden vor dem Altar auf einer Plastikfolie ausgebreitetem Sand wurde ein kleiner Fühlparcours aufgebaut. Die Kinder sollten so erfahren, wozu unsere Füße auch in der Lage sind, und was für ein schönes aber auch sensibles Geschenk Gottes unser Körper ist. Der Gottesdienst soll recht gut angekommen sein.
Vielleicht gibt es ja unter Euch auch kirchliche MitarbeiterInnen, die das gern nachmachen würden. Ich ziehe es jedenfalls für einen der nächsten Familiengottesdienste in Erwägung.
Man vergesse auch nicht das Kirchentagsmotto in diesem Jahr: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31)
Gruß, mit leider allzu oft in Konventionen gefangenen Füßen,
Werner A.

Ein der Ideen in meinem (katholischen) Hinterkopf wäre eine gottesdienstliche Fühlerfahrung, die die Symbiosebeziehung von uns Menschen zu Gottes Schöpfung bewusst machen soll. Da würde ich gerne alle Altersgruppen barfuß im Altarraum sehen und vielleicht aus der Bergpredigt darlegen, wie gut wir in Gottes Schöpfung geborgen sind, wenn wir nur eine echte Beziehung zu ihr aufbauen.
Gruß, Lorenz

Die Idee ist gar nicht schlecht, wenn sie auch noch einen Schritt weiter geht. Es ist durchaus möglich, dass es auf die Kinder beschränkt worden ist, weil die Hemmschwelle, sich auf so etwas einzulassen, bei Kindern als wesentlich niedriger vermutet wird, als bei Erwachsenen (Viele Erwachsene würden sich zieren, in der Kirche Schuhe und Socken auszuziehen, zumal das auch nach überkommenen Glaubensmustern mit Erniedrigung und Armut gleichgesetzt wird
(Lies dazu auch mal Jesaja 20, 1-6)
Heißt aber nicht, dass ich das genauso sehe. Ich denke, an diesem Bewusstsein muss sich was ändern. Das Denkmuster: Barfuß auf der Straße - Penner sollte auf dem Rückzug sein, bzw.: Wer barfuß gehen will, soll es tun, wenn es ihm nicht schadet, wer es nicht möchte, soll's eben lassen.
Die Bandbreite, wann einzelne es für angemessen halten, sollte durchaus verschieden sein dürfen. So halte ich es auch.
Gruß, Werner

[Lies dazu auch mal Jesaja 20, 1-6]
Dort heißt es, dass der "Prophet nackt und barfuß" einhergeht, um "vor dem Gericht Gottes zu warnen". Man trug damals Sandalen und ein Ober- und Unterkleid. Der Prophet Jesaja zog sein Oberkleid aus und nahm die Sandalen ab - quasi als PROTEST gegen die moralischen und religiösen Fehlentwicklungen der damaligen Zeit, unmittelbar vor der Gefangennahme der Juden durch die Babylonier.
Erinnert das auch ein bisschen an die Hippiebewegung? Ich glaube, durchaus. Barfuß durch die Stadt, in Einkaufszentren, in Kinos etc. würde nicht schaden, um das total moralisch heruntergekommenen Establishment zu schocken, so meine ich ...
Frankie von Süden

Ein bisschen Hintergrundinformation gefällig? Keine Bange! Allzu theologisch möchte ich es nicht machen!
Der Anlass des Protests und die Aussageabsicht dieser Barfuß- und Halbnackt-Aktion des Jesaja war wesentlich konkreter:
Das Südreich Juda wollte sich durch ein Bündnis mit Oberägypten und Kusch (das heutige Nubien) gegen die Bedrohung durch Assyrien schützen. Kriegsgefangene wurden damals mit bloßem Oberkörper, oft nur im Lendenschurz und barfuß in die Sklaverei getrieben. Jesaja sollte also den Landsleuten zeigen: So wie ich jetzt herumlaufe, werden eure Verbündeten auch aus der Schlacht weggeführt - gedemütigt und zum Gespött aller umliegenden Nationen.
Ein Parallelbeispiel aus heutiger Zeit, das mit einer anderen Aktion ähnliches zeigen sollte: Die Friedensbewegung veranstaltete zur zeit der NATO Nachrüstung in den 80ern sog. Die-outs. Dutzende, manchmal bis zu hundert Menschen legten sich auf das Abspielen eines Tonbandes (Luftschutzsirene, Explosion) auf den Boden. Das sollte zeigen: So wird es bei uns überall aussehen, wenn die Bombe gefallen ist - von wegen Schutz!
Mit Hippie-Dasein hat das recht entfernt zu tun, zumal es wohl von Jesaja eine zeitlich begrenzte Aktion war. Aber dieser Abschnitt zeigt, dass niemand damals scharf darauf war, barfuß (und halbnackt) so in der Öffentlichkeit vorgeführt zu werden.
Übrigens: Barfuß als Demuts- und Armutsgeste war auch das Motto mittelalterlicher Bettelorden (Barfüßer als Zweig der Franziskaner, die Unbeschuhten Karmelitinnen.)
Frage: Kann barfuß sein nicht auch einen positiveren Wert besitzen - Ich denke, doch! (vorausgesetzt, man macht daraus nicht auch einen Zwang)
Gruß, Werner

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