[Barfußwanderung mit der Klasse 6a : Vorgeschichte] [Barfußwanderung: Ablauf]

Barfußwanderung mit der Klasse 6a : Vorgeschichte
(Forumbeiträge im Herbst 2001)

Während ich - neben dem normalen Arbeitsanfall - noch die Projekttage nachbereite und Ergebnisse verschrifte, Fotos scanne usw., plane ich bereits die nächste Barfußwanderung mit Schülern.
Dass es dazu kommen würde, hätte ich bestenfalls erhofft, aber kaum geglaubt.
Wie kam es ?
Gestern Vormittag, 2. Unterrichtsstunde, ich gehe in eine sechste Klasse, aus der zwei Jungen und ein Mädchen aktiv am Projekt teilgenommen hatten. Ich erkundige mich kurz nach den Eindrücken von den Projekttagen insgesamt, einige erzählen, dann fragt ein Junge: "Was sollte das eigentlich mit dem Barfußlaufen ? Das hat doch nichts mit Gewalt zu tun!"
Die Frage kenne ich schon, beantworte sie geduldig, erzähle noch etwas Grundsätzliches über Füße und Schuhe, dann mischen sich zögerlich einige ein und sagen, dass sie das auch gerne mal machen würden. Erfreut überrascht sage ich, dass ich das gerne mit ihnen als Wandertag machen kann und sie sich die "leichtere" oder die "schwerere" Strecke aussuchen können. Natürlich müssen wir auch die Klassenlehrerin fragen.
In der folgenden Pause habe ich Hofaufsicht; bei kühler Witterung ziehen sich drei Mädchen schon mal Schuhe und Strümpfe aus und rennen mal barfuß quer über den Schulhof Probe, um zu berichten, dass sie das gut im Griff haben.
Als ich in der 2. großen Pause die Kollegin erwische, weiß sie schon Bescheid, die Klasse hatte es ihr bereits erzählt. Sie findet die Idee gut, schlägt vor, wegen des Wetters den Wandertag so schnell als möglich durchzuführen, und den Rest heute verbindlich zu klären.
Ich mache mir Gedanken, besonders auch wegen der drei, die die Strecken schon kennen, erinnere mich an die Beschreibung der Kottenforst - Wanderung, die MarkusII ausgearbeitet hat, und nehme mir vor, diese Alternative ebenfalls anzubieten.
Heute melden sich im Klassengespräch zuerst einige zögerliche Stimmen zu Wort, aber (zum Glück) die Begeisterung ist noch da und bricht sich Bahn. Die drei Varianten werden vorgestellt, die "softe" Lösung findet die wenigsten Anhänger, und mit Zweidrittel zu Eindrittel fällt die Wahl auf die Route des "schweren" Projekttages (Breiberg im Siebengebirge, war der zweite Projekttag / Mittwoch).
Und wenn jetzt nichts Unerwartetes mehr dazwischen kommt, gibt es nächste Woche einen barfüßigen Wandertag mit dieser 6.
Vielleicht hält ja auch der Altweibersommer lange genug durch, bei Sonne hat der Gipfel sicher auch seinen Reiz.
Mitunter staune ich im Augenblick doch, was alles geht. Vielleicht ermutigt die Erfahrung ja auch die eine oder den anderen Leser dieses Forums.
Ich berichte weiter.
Projektleiter

Für den Wandertag mit der 6a habe ich einen Zusammenschnitt der beiden Elternbriefe der Projekttage hergestellt :

Sehr geehrte Eltern,
ich habe mich wirklich gefreut, dass das heutige Gespräch über die Projekttage und die durch einen Schüler angeregte Erzählung über das von Frau S. und mir geleitete Projekt "Barfußerfahrungen" dazu geführt hat, dass spontan eine große Anzahl der Schülerinnen und Schüler der 6a gesagt hat, "das möchten wir jetzt auch machen !"
Und da dies natürlich nicht nur im Rahmen von Projekt-, sondern auch von "Wandertagen" (übrigens ganz im ursprünglichen Sinn des Wortes) möglich ist, gehe ich sehr gern mit Ihren Kindern barfuß wandern !
Zu dem Zeitpunkt, an dem ich dieses schreibe, stehen Termin und Ziel noch nicht endgültig fest; Frau W. wird dazu noch informieren. Ich möchte Ihnen aber gerne - zur Information - zwei Auszüge aus Informationstexten für die Eltern der Teilnehmer aus unserer Projektgruppe abdrucken :
(aus Brief 1) Schön wäre es , wenn in der natürlichen Umgebung auch das Picknick naturnah ausfallen würde, also z. B. mit Obst und Körnerbrot sowie Apfelschorle statt mit Chipstüten und Cola.
Das Picknick ist am besten in einem Rucksack aufgehoben, in dem auch Schuhe während der Barfußwanderung verschwinden können. Eine zusätzliche Plastiktüte im Rucksack kann das Sitzen auf feuchtem Untergrund ermöglichen, deshalb bitte mitnehmen.
Natürlich hoffe ich auf schönes Herbstwetter (der "Altweibersommer" soll ja jetzt kommen). Für den Fall, dass sich diese Hoffnung nicht ganz erfüllen sollte, zitiere ich weiter aus Brief 1:
Ganz wichtig ist außerdem Regenzeug , denn wir hoffen zwar sehr auf sonniges Wetter, können aber Regen leider nicht ausschließen und wollen uns davon nicht abhalten lassen!
Hier ist vielleicht auch eine günstige Gelegenheit, um auf denkbare Befürchtungen einiger Eltern einzugehen : "Erkältungen" tragen einen irreführenden Namen, sie werden nicht durch Kälte, sondern durch Ansteckung verursacht, eine Auskühlung des Körpers kann dies bestenfalls erleichtern. Während des Barfußgehens werden die Füße kräftig durchblutet und vom Körper erwärmt, sodass das Erkältungsrisiko auch dann gering bleibt, wenn die Außentemperaturen frisch sind.
Auch für kleine Verletzungen muss man unachtsam sein und z. B. in Dornen treten oder sehr viel Pech haben; Verbandsmaterial nehmen wir für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle natürlich mit (ein eigenes Pflaster im Rucksack kann aber auch nichts schaden).
Und falls Sie sich doch noch Sorgen um die Gesundheit Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes machen sollten - aus Brief 2:
Entscheidend ist (bei ungünstiger Witterung) der wirkungsvolle Schutz des gesamten Körpers vor Feuchtigkeit (das muss das Regenzeug leisten) und Auskühlung (bei kühlem Wetter also warm anziehen ). Über nackte Füße wird vom Körper nicht entscheidend mehr Wärme "verloren" als über Gesicht, Hände, die Arme bei zu dünnem Pullover usw. usf.
Wenn also an anderen Stellen des Körpers keine Wärme verloren geht, ist auch bei kühleren Temperaturen das Barfußgehen ohne Risiko. Die Betonung liegt hier auch und gerade auf Gehen, denn die Bewegung der Füße fördert ihre Durchblutung und Erwärmung in ganz entscheidender Weise. Aus diesem Grund werden wir geplante Pausen und Unterbrechungen - so sehr das zu bedauern wäre - wenn nötig streichen oder verkürzen. Sollten die Füße dennoch allzu kalt geworden sein, hilft ein raues Handtuch (zum äußeren Reiben und damit Durchbluten).
Wenn während der Barfußstrecke das Immunsystem des Körpers in Maßen herausgefordert wird, kann das der Gesundheit insgesamt nur gut tun.
Im Internet finden sich (z. B. unter http://www.pfaffenwinkel.de/marktplatz/natur/glff.htm) Erfahrungsberichte von Menschen, die häufig barfuß gehen und übereinstimmend erklären, dass ihre Anfälligkeit für "Erkältungskrankheiten" stark nachgelassen hat und sie fast immer ohne eine solche Erkrankung durch den Winter kommen. Dieser unter dem Begriff "Abhärtung" bekannte Effekt ist schon vor über einhundert Jahren von Pfarrer Sebastian Kneipp populär gemacht worden.
Und ich füge abschließend gern - falls es doch noch bei jemand Zweifel geben sollte - die Erfahrung aus zwei ausgiebigen Barfußwanderungen unter nicht wirklich günstigen Bedingungen während der Projekttage an : wir haben kein einziges Pflaster verbraucht und niemand war anschließend verschnupft, hat gehustet oder gar krankheitshalber die Schule versäumt.
Lediglich der Verbrauch an Hautcreme ist in einigen Familien gestiegen : die etwas ungewohnt geforderten Füße verlangten energisch danach.
Mit freundlichen F(Gr)üßen

Ich bin begeistert! Es ist ja wirklich erstaunlich, dass man Jugendliche derartig anstecken kann. In der Regel kommen auf der Straße ja gerade von dieser Personengruppe die meisten dummen Bemerkungen rüber; meistens hinter dem Rücken des barfuß-Läufers.
Ich hätte wohl doch Lehrerin werden sollen :-). Kurz vor dem Abi habe ich es mir damals anders überlegt ...
Allerdings habe ich jetzt einen Studiengang gewählt, in dem ich das barfuß-Laufen vielleicht auch einmal einbringen kann.
Einen ganz lieben Gruß
Eva H.

Hallo Projektleiter,
was wäre, wenn jetzt Sommeranfang ist?
Barfuß würde sich wie ein roter Faden durch das Schuljahr ziehen. Der kommende Winter könnte das Thema zum Erliegen bringen.
Zu hoffen ist, dass sich das ganze Anfang 2002 ebenso erfolgreich wieder in Gang bringen lässt.
mfg, Markus (malo)

[hoffen, dass sich das ganze Anfang 2002 wieder in Gang bringen lässt]
Ich denke, dass jetzt die Neugierde geweckt ist! Das zeigt sich ja auch an der Initiative von Schülerseite (!), noch einen barfüßigen Wandertag zu machen.
Ende April/Anfang Mai ergeben sich ideale Barfußbedingungen, und es ist noch kein Badewetter. Da wird es ein Leichtes sein, den Funken der Begeisterung für das "Leben auf freiem Fuß" wieder zu entfachen!
Serfuß, Lorenz

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Barfußwanderung mit der Klasse 6a : Ablauf
(Forumbeiträge im Herbst 2001)

Mit dem gestrigen Dienstag hatten wir uns einen von den Bedingungen her sehr günstigen Tag für die Barfußwanderung der Klasse ausgesucht: dank des Regens der letzten Tage präsentierten sich Pfützen und Schlammlöcher in bester feuchter Verfassung, aber der Nieselregen hörte am Ankunftbahnhof Rhöndorf auf und machte sogar im zweiten Teil der Wanderung der Sonne Platz; außerdem waren die Temperaturen im angenehmen Bereich mit anfangs wohl 15, später über 20 Grad. Von "kalten Füßen" war insofern diesmal nicht die Rede.
Am Startpunkt mit der Wandertafel waren noch die Fußabdrücke zu sehen, die vor zwei Wochen einige melkfett - bewehrte Fußsohlen hinterlassen hatten. Eine Runde Melkfett gab es diesmal auch, nachdem eine kurze Einführung in die Geheimnisse des Barfußwanderns (diesmal ergänzt um eine Warnung vor Steinen, die von Laub bedeckt sein können) erfolgt war.
Auf dem ersten Stück Naturpfad erklangen sogleich auch die ersten spitzen Schreie der Ungeübten, als sich 54 junge und 4 etwas ältere Bar-Füße in Bewegung setzten.
Der Aufstieg erfolgte diesmal im ersten Abschnitt etwas anders als während der Projekttage: von vornherein über einen sehr lauschigen Naturpfad mit recht wenig Steinen - was aber einen der Jungen nicht davon abhielt, mit einem regelmäßigen «Au, aua, Scheiße» die ihm neuen Erfahrungen zu kommentieren (war aber nicht weiter schlimm, auf Nachfrage zeigte er sich recht zufrieden).
Dann weiter hinauf auf den 313 m hohen Breiberg.
Die zwei Jungen und das Mädchen, die den Weg von den Projekttagen her schon kannten, waren nicht zu zügeln, sie stürmten voran und zogen etliche andere mit. Allerdings bildete sich auch schon sehr bald eine Nachhut, die aus einigen Mädels bestand, die wohl wenig Wandererfahrung hatten und sich auch mit dem Barfußgehen schwer taten. Auf unsere gute Zurede hin haben sie aber - ich werde sie noch einmal deutlich dafür loben - der Versuchung widerstanden, sich in die Schuhe zu flüchten. (Etwas hartnäckiger war ein Junge, der schon im Vorfeld seiner Unlust Ausdruck verliehen hatte und der oben auf dem Berg die Schuhe anzog. Die Klassenlehrerin hat ihm aber erfolgreich klar gemacht, dass er sich in Schuhen zum Außenseiter der Gruppe machen würde, so hat er sie wieder ausgezogen und ist bis zum Ende zwar etwas aufmüpfig, aber ohne nennenswerte Probleme barfuß gegangen).
Auf dem Breiberg die schon erprobte Gipfelzeremonie : Barfuß - Gipfelkreuz errichten und "Siegerfotos" machen, sowie Eintragung in das mitgeführte "Gipfelbuch".
Neu war die kleine süße Belohnung : "Montelinos" (oder so ähnlich) von der Klassenlehrerin und ich hatte - ein Tipp meiner Frau - von Katjes süße Joggingschuhe im Rucksack, die mit den Worten «das Sinnvollste, was man mit Schuhen machen kann, ist sie aufessen» verteilt wurden.
Weiter ging es. Das Angebot, an der steinigen Passage des Pfades in den Wald auszuweichen, nahm nur ein Drittel der Gruppe an, die anderen tanzten ganz fröhlich über die Steine weg, immer mit den Ortskundigen zügig voran, bis wieder Warten auf die Nachhut angesagt war.
Auch das ist ein sozialer Lernprozess und es fiel kein böses Wort gegenüber den Langsamen, vielleicht auch, weil ihr Durchhaltewillen respektiert wurde.
Dann in das Tal des Tretschbachs. Die matschigen Stellen (es gab reichlich) wurden von einigen doppelt gegangen, so gut gefiel es ihnen, das Waten im Bach machte wieder viel Spaß und auch das Klettern durch den Hang erwies sich erneut als Attraktion.
Das Tretschbachtal mündet an einem schönen Rastplatz in das Annatal ein, recht nah am Ausgangspunkt. Viele zufriedene und etwas erschöpfte Gesichter waren zu sehen, auch einige wenige sehr strapazierte. Der Teich kühlte strapazierte Füße.
Dann noch am Ausgangspunkt vorbei bis zum Brunnen, ab dem Schuhe wieder erlaubt waren. Bis zur Bushaltestelle blieben aber noch 6 x 2 bare Füße, bis zum Ausgangsbahnhof 3 x 2 bare Füße (auch meine) übrig.
Ich hatte ein wenig den Eindruck, dass die Mütter vom Fahrdienst etwas skeptisch schauten, in welcher Verfassung sie ihre Kinder zurückbekamen. Da sich aber auch diesmal wieder niemand verletzt hatte (eine ganz kleine Schürfwunde an einem Zeh schien mir jedenfalls nicht Pflaster - würdig) und Mütter es eigentlich ganz erfreulich finden, wenn ihre Kinder ihnen leicht müde - weil ausgepowert - zurückgegeben werden, ging man allenthalben ganz erfreut seiner Wege.
Noch zwei abschließende Bemerkungen : die drei "Geübten" waren richtig stolz, wie problemfrei entspannt sie hatten barfuß wandern können : es hätte ihnen noch besser gefallen als beim ersten Mal, verkündeten sie.
Und auch meine Kollegin, die von einem Fußsohlen - Muskelkater nach der Probewanderung zu berichten wusste, erzählte, dass sie diesmal problemlos gelaufen sei. Sie hält jedenfalls gern an dem Gedanken fest, im kommenden Frühjahr mit der Klasse eine neuerliche Barfußwanderung - dann die Strecke im Kottenforst - zu machen.
Mal sehen, was die Schüler(innen) darüber denken ... (ich bin mir eigentlich sicher, dass es eine Mehrheit dafür gäbe - die Frage ist mehr, wie diejenigen, die sich erkennbar plagen mussten, reagieren werden).
Grüße an alle vom Projektleiter
1. PS : Wenn die Stimmung nächstes Frühjahr gut sein sollte (was ich hoffe), lade ich auch mal Eltern und Geschwister zu einer Wochenend - Barfußwanderung ein. Oder wir machen im Sommer eine Wanderung mit allen zum Schuljahrsende?
2. PS : Meine beiden Kolleginnen erzählen so angetan von unseren Barfußwanderungen, dass auch bei anderen Klassenlehrer(inne)n unserer jüngeren Klassen Interesse aufkommt. Ich bleibe am Thema; allerdings wird nach den am Freitag beginnenden zweiwöchigen Herbstferien sich kaum mehr eine Gelegenheit im laufenden Herbst ergeben. Wie sich das Interesse im nächsten Frühjahr darstellt, werden wir sehen.

Hallo Projektleiter,
Gratulation! Mit dem Glück des Tüchtigen ausgestattet (was das Wetter, aber auch die positiven Erfahrungen der Teilnehmer betrifft) hast Du den jungen Leuten die Freude am unmittelbaren Naturerlebnis vermittelt.
Jetzt hast Du schon etliche Schüler, Eltern und auch einige Kollegen auf Deiner Seite, und ich bin überzeugt, dass sich diese Idee im nächsten Frühjahr wieder erfolgreich aufgreifen lässt!
Ich bin gerade dabei, die örtlichen Schulen für mein Barfußerlebnispfad-Projekt zu gewinnen, und einige Lehrkräfte habe ich schon begeistern können. Einer ist mit seiner Klasse gestern über den schon vorhandenen Parcours gelaufen, und ich habe mich am Abend gefreut, an einem schlammigen Wegabschnitt jede Menge von Fußabdrücken vorzufinden!
Ich bin inzwischen überzeugt, dass Schulkinder die ideale Zielgruppe für Natürliche und gesunde Barfußaktivitäten sind.
Lorenz

Gratulation, dass Ihnen das gelungen ist. Ich hoffe, dass ich auch einmal mit Kindern und Jugendlichen ähnliches schaffe. Ich arbeite in einer Pfarrei. Auf Zeltlager oder so laufen viele, wenn es warm ist, schon gerne barfuß herum. Auch macht es einigen Spaß sogar bei niedrigen Temperaturen im Winter - auch im Schnee - barfuß in unserem Garten herumzulaufen.
Da ich selbst gerne barfuß laufe, finde ich das toll.
Werner K.

Es wäre keine großer Aufwand, ein Grüppchen Jugendlicher zur Zusammenstellung eines Barfuß-Fühlpfads anzuleiten dann das ganze Zeltlager darauf loszulassen! Wenn dann alle Spaß daran haben, sollte auch der Vorschlag einer Barfußwanderung gut ankommen.
Meine Erfahrungen mit Fühlpfaden habe ich ins Internet gestellt: Fühlpfade für Schulfeste und Aktionstage
Lorenz

Hallo Werner,
die Voraussetzungen sind bei Euch doch schon bestens gegeben : barfußlaufende Kinder und Jugendliche und ein barfußbegeisterter Jugendleiter sind bereits vorhanden und müssen gar nicht erst grundlegend motiviert werden.
Der Tipp von Lorenz ist gewiss eine gute Möglichkeit, ins "Gespräch" über das Barfußthema zu kommen und Begeisterung zu wecken.
Barfußwanderungen sind eine tolle Sache - und ich kann jetzt ganz sicher sagen, dass man Kinder und Jugendliche dafür begeistern kann.
Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein :
a) Man braucht eine gut barfuß - begehbare Strecke.
Was so selbstverständlich klingt ist vielerorts leider eher schwierig, denn auch kurze Schotterstrecken verderben den positiven Eindruck langer Passagen.
Gerade beim Zeltlager in einer fremden Gegend stelle ich mir das gar nicht so einfach vor.
Tipp Nr. 1 : Wanderkarte auf "Pfade" bzw. "unbefestigte Wege" untersuchen (so bin ich auch auf den Breiberg gekommen), allerdings sind gerade die für uns interessanten Wege oft nicht eingetragen.
Tipp Nr. 2 : Mit einem Mountainbike kann man sich weit schneller als zu Fuß eine Übersicht über die Gegebenheiten eines Terrains verschaffen.
Tipp Nr. 3 : Vielleicht lässt sich ja eine kleine Gruppe Jugendlicher finden, der es Freude machen würde, eine für die ganze Gruppe geeignete Strecke auszutüfteln ?
b) Die Strecke muss mehr bieten als nur angenehmen Untergrund.
Ich habe selbst mit Interesse beobachtet, welche Faszination von den Matschstellen des Weges ausging. Aber auch eine kurze steinige Passage, ein nicht zu langes Stück über ein abgemähtes Getreidefeld o. ä. entfalten für viele ihren Reiz : so ganz einfach darf es für ältere Kinder auch nicht sein, aber dieses ?nicht ganz einfache? muss sich an einer konkret fassbaren (!) Herausforderung festmachen lassen, die es erlaubt, hinterher von sich zu sagen : ich hab's geschafft !
Das Waten im Bach und das Durchklettern eines belaubten Hanges erwiesen sich ebenfalls als attraktiv. Auch das Gehen über Waldboden mit verbundenen Augen unter Anleitung eines Sehenden kam gut an - und mit solchen Attraktionen kann man ja auch im Vorfeld schon mal ein wenig Werbung betreiben.
c) In der Gruppe ist es einfacher.
Wenn alle barfuß gehen, kostet das weniger "Überwindung", als wenn man das alleine oder in Minderzahl machen würde.
Im Zeltlager kann man sicher eine Neigungsdifferenzierung machen - und wer gar nicht will, kann ja solange ein anderes Freizeitangebot wahrnehmen (oder - falls man auf Sekundärmotivation setzen will - alternativ eine als unangenehm eingestufte Aufgabe zur Erledigung angeboten bekommen).
Wo eine Differenzierung nicht so leicht machbar ist - wie z. B. bei einer Klassenwanderung -, halte ich es für durchaus vertretbar, einige Unmotivierte leicht zu nötigen. Vielleicht entdecken sie ja doch den Reiz des Barfußwanderns - und falls nicht, ist gegenüber vorher nichts verloren.
Zur Sekundärmotivation : Die Klassenlehrerin der 6a z. B. war klar entschlossen, Schüler(inne)n, die evtl. nicht mitziehen wollten, dann den Besuch des Unterrichts einer Parallelklasse als Alternative anzubieten.
Ich habe eine gute Erfahrung damit gemacht, die bewältigte Barfußwanderung als eine durchaus bemerkenswerte Leistung darzustellen. Das steht zwar in gewissem Widerspruch zur Nachricht "barfuß gehen ist das Natürlichste von der Welt", entspricht aber in unserer Region (Rheinland) durchaus der Lebenswirklichkeit, denn nur eine kleine Gruppe unserer Kinder / Jugendlichen ist anflugsweise barfußgeübt.
Und das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben, eine Herausforderung bewältigt zu haben, verstärkt sinnvoll das hoffentlich ohnehin positive Erleben. So haben wir z. B. zweimal diese kleine Gipfelzeremonie durchgeführt und Beweisfotos geschossen, die eine kleine mit dem PC und dem Tintenstrahldrucker gestaltete "Siegerurkunde" zieren (werden).
Ich hoffe, mit diesen Praxistipps etwas weitergeholfen und auch Mut zum Versuch gemacht zu haben!
Es füßt der Projektleiter

Hallo Projektleiter,
dein Ausflug und deine Aktion war ja ein voller Erfolg. Gratulation!
Leider fand die ganze Aktion etwas spät im Jahr statt. Für mich stellt sich nun die Frage, wie Du und deine Mitstreiter im Kollegium das positive Ergebnis über den Winter ins nächste Frühjahr retten wollt.
Eine mögliche Idee wäre, dass ihr das Barfußlaufen in den Klassenräumen und beim Sport erlaubt. Da die Eltern gegen einen Barfußwandertag nichts einzuwenden hatten, dürfte hier wohl kaum Widerstand auftreten. Dann hätten die begeisterten Kinder die Möglichkeit sich ihrer nassen und dicken Schuhe zu entledigen.
Machbar bei Euch? In der Schule meines Sohnes gab es schon Ärger, weil er mal seine Turnschuhe vergessen hatte. Ihr habt einfach eine super Schule.
Viel Glück bei weiteren Aktionen.
Grüße Klaus_sg

Ins Gästebuch meiner HP hat sich mal eine angehende Grundschullehrerin eingetragen, die eine Fußgymnastikstunde als Lehrprobe gehalten hat. Die hat sich für die Tipps auf meiner Seite bedankt. Leider ist dieser Eintrag inzwischen weggecrasht, aber folgende Mail habe ich noch auf meiner Platte:
Hallo Lorenz, also die Fußgymnastikstunde hat richtig Spaß gemacht - den Kindern und mir.
Zuerst ein bisschen spielerische Gymnastik, dann ein Parcours mit versch. Aufgaben:
- mit den Füßen malen
- mit einem Igelball die Füße massieren
- Zeitungen zerreißen
- Dinge mit dem Fuß aufheben und in eine Box legen
- Balancieren auf Tau und Bänken
- Gleichgewichtsübungen mit Therapiekreisel ...
und zum krönenden Abschluss:
ein Fühlparcours mit Kastanien, Moos, Reisig, Steinchen, Teppich, Matten, Heu ...
Also, da ist Musik drin!
Lorenz

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