Barfuß zum (Schul-/ Vereins-) Sport in der Turnhalle ?
- Standpunkte und Argumentationshilfen
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Forumbeitrag im Winter 1998/99

"Für Sportler müsste es eigentlich klar sein, dass die Füße genau so viel wert sind wie die Hände -- und genau so wenig das Eingesperrtsein verdienen!" (Lorenz, 47 J.)

Zahlreiche Sportler wissen und wir (vom Hobby? Barfuß! Forum) sind überzeugt davon, dass nackte Füße beste Voraussetzungen und Bedingungen für die Ausübung vieler Sportarten in Schule und Verein bilden, in der Halle ebenso wie im Freien !
Wir gründen diese Überzeugung auf folgende drei Sachverhalte :
1) Sich barfuß zu bewegen schafft Wohlbefinden;
2) Barfüße sind in vielen Sportarten einfach überlegen - und Schuhe sind objektiv hinderlich, weil sie Gefühl und Bewegungsfreiheit der Füße behindern;
3) Barfußsport erbringt positive Folgewirkungen für den ganzen Körper.

Wo ist "das Problem" ?

Während es vor Jahren noch in weiten Teilen der Bundesrepublik und ihrer Nachbarländer üblich und weitgehend selbstverständlich war, dass eine ganze Reihe von Sportarten grundsätzlich oder zumindest häufig barfuß ausgeübt und in vielen Schulen große Teile des Schulsports auf nackten Füßen absolviert wurden, gibt es offensichtlich inzwischen aufgrund verschiedenster Ursachen eine Entwicklung dahin, dass die Barfußsportlerin und der Barfußsportler jeglichen Alters zur Seltenheit werden könnten.
Zu den Ursachen hierfür mögen die aggressiven Werbestrategien der um ihre Marktanteile besorgten Sportschuh - Hersteller ebenso gehören wie Bedenken überbesorgter Eltern und die kurzfristige Denkweise der jedes erdenkliche Risiko ausschließen wollenden Gemeindeunfallversicherungsträger und Sportstättenbetreiber.
Mancherorts scheint auch eine schwer erklärliche diffuse Barfußfeindlichkeit zu herrschen.
Im Vereinssport ist zumindest die Ausübung bestimmter Disziplinen - Jazztanz, Turnen / Gymnastik, alle asiatischen Kampfsportarten, Beachvolleyball - oft noch barfuß üblich, doch selbst hier finden "Schläppchen" und Spezialschuhe immer wieder Anhänger (= Träger).

Worum geht es dabei ?

Die Füße des Menschen sind entwicklungsgeschichtlich betrachtet die Fortbildung weitgehend gleichartiger Greifwerkzeuge wie die Hände (vgl. die mit dem Menschen entwicklungsgeschichtlich verwandten Affen). Aufgrund des Erwerbs des aufrechten Ganges durch den Menschen haben Hände und Füße unterschiedliche Funktionen bekommen und sich in ihrer Form auf diese Funktionen optimal eingestellt.
So hat zum Beispiel die Fähigkeit zum Greifen bei den Füßen an Bedeutung verloren, ist aber nach wie vor existent. Sie wird nicht mehr vorrangig zum Klettern benötigt, ist aber zur Sicherung der Standfestigkeit unerlässlich. Auch das Ertasten im Sinne eines Erfühlens des Untergrunds hat seine Bedeutung behalten, während das Abrollen, Abdrücken und Abspringen als wesentliche Funktionen hinzugekommen sind.

1) Sich barfuß zu bewegen schafft Wohlbefinden
Nur wenige Menschen laufen heute noch bewusst und häufig barfuß. Seit jedoch die Fußreflexzonenmassage an Popularität gewonnen hat, ist vielen wieder stärker bekannt, dass von den Fußsohlen zahlreiche Nervenbahnen zu nahezu allen Körperorganen abgehen.
Diese geben auch bei jedem Schritt auf bloßen Sohlen vielfache Sinneseindrücke an das Zentralnervensystem weiter, die eine optimale Steuerung des Zusammenspiels aller am Fuß befindlichen Muskeln ermöglichen sollen. Barfußläufer(innen) erleben auf jedem Untergrund intensiv ihre "Erdung"; die Intensität der durch die Fußsohlen übermittelten Sinneseindrücke erschließt geradezu eine eigene Dimension von Empfindungen (dazu gehören viele positiv - "beglückende", aber gelegentlich auch schmerzhafte). Außerdem wird ein Gefühl der Entspannung erzeugt.
"Ich finde es sehr erfrischend und angenehm ... Und das Gefühl in den Füßen nach so einer Sportdoppelstunde ist super, man merkt es noch ein paar Stunden später." (Melli, 16 J.)
In der Summe alldessen entsteht also Wohlbefinden. Etwas Fußpflege nach der barfußsportlichen Betätigung (Waschen, Eincremen) vermag dieses noch zu steigern.
Der Effekt ist zwar nach Laufen oder Gehen auf (wechselnden) Naturböden intensiver ausgeprägt als auf den Parkett- oder Kunststoffböden von Turnhallen - aber auch dort ist er deutlich spürbar !

2) Barfüße sind in vielen Sportarten beschuhten überlegen
Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass sich barfuß bewegende Menschen in der Harmonie ihrer Bewegungsabläufe Schuhträger übertreffen müssen !
Daher gelingen verschiedenste Bewegungsabläufe flüssiger, eleganter, harmonischer und bewegungsangemessener - ohne "Klotz am Bein" ! Bei verschiedensten Bewegungsabläufen übernehmen die Füße auch (für den Sportler oft unbewusst) eine "führende" Rolle, unbeschuht sind sie dazu viel sensibler in der Lage. Auch die Fähigkeit zum (Er-)Tasten und Greifen bringt im Zusammenhang vieler Sportarten erhebliche Vorteile.
In Schuhen aller Art - auch solchen mit dünnsten Sohlen ("Schläppchen") - liegen diese Fähigkeiten weitgehend lahm und verkümmern. Schuhe mit festen Sohlen bewirken darüber hinaus, dass die Muskulatur der Füße nicht ausreichend stimuliert wird - ihre Leistungsfähigkeit bleibt hinter ihren Möglichkeiten weit zurück !
Dabei gibt es nur ganz wenige Sportarten, bei denen die Leistungsfähigkeit Füße so gut wie keine Rolle spielt !

3) Barfußsport erbringt positive Folgen für den ganzen Körper
Die Leistungsfähigkeit der Füße ergibt sich, wie schon dargestellt, aus ihrer (angeborenen) Konstruktion und dem antrainierten Zustand ihrer Muskeln. Bei den sogenannten "Naturvölkern" sind die bei uns weit verbreiteten Fußschäden unbekannt, weil sie vom Zeitpunkt des Laufenlernens an bei jedem Bewegen barfuß ihre Fußmuskeln ganz selbstverständlich trainieren und deren Leistungsfähigkeit steigern bzw. erhalten.
In den Industrieländern bewegen sich die Menschen vom Laufenlernen an in aller Regel ohnehin zu wenig - und das dann auch noch mit in Schuhen eingesperrten Füßen. Logische Folge ist ein unzureichender Trainingseffekt für die Fußmuskulatur.
Zu schwache Muskeln und Bänder - nicht selten gepaart mit zu hohem Körpergewicht - führen zu Fehlstellungen der Füße und Fußgelenke, die sich in Folge des aufrechten Ganges zwangsläufig auf Knie, Hüften und Lendenwirbelsäule übertragen. Probleme mit diesen Gelenken haben deshalb sehr häufig ihre Ursache in ungenügend trainierten Fußmuskeln.
Barfußlaufen - nicht nur - beim Sport hilft beim Vermeiden dieser schmerzhaften, viel zu oft an Behinderungen heranreichenden Haltungsschäden.
Was wiegen dagegen z. B. die schon von Pfarrer Kneipp widerlegten Bedenken, man könne sich barfuß erkälten etc. (siehe unten) ? Barfußsport leistet - ohne irgendwelchen Aufwand oder Kosten - einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Fußmuskulatur - und damit des gesamten Bewegungsapparates !
Aufgrund der klimatischen Bedingungen in Mitteleuropa bietet der Hallensport außerdem in Wintermonaten eine der wenigen Möglichkeiten, die Füße aus dem fußschweißtreibenden "Gefängnis" der Schuhe auf Zeit zu befreien und ihnen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten.
"Ich glaube einfach, dass es sehr angenehm und erfrischend sein kann, wenn man an einem langen Schultag mal zwei Stunden lang barfüßig laufen kann, in der Turnhalle ist ja richtig viel Platz und man kann sich schön frei bewegen. Es ist sicher ein superangenehmes Gefühl, im Winter steckt man ja den restlichen Tag über in festen Schuhen, da sind zwei Stunden Auszeit einfach klasse" (Julia, 16 J.)

Das "Umsteigen" von beschuhtem zu barfüßigem Sporttreiben fällt möglicherweise nicht ganz leicht. Bedenken wegen erstaunten oder gar abfälligen Bemerkungen anderer spielen dabei vielleicht ebenso eine Rolle ...
"Ein kleiner Tipp noch, wenn Du wirklich barfuß Sport machen willst, dann solltest Du die Turnschuhe auf jeden Fall Zuhause lassen (wenn sie alt sind, kannst Du sie ja vielleicht sogar in den Müll werfen), damit Du Dich in der Umkleide einfach nicht mehr vom Gruppenzwang umstimmen lassen kannst. Und die beste Antwort auf irgendwelche Kommentare ist die Aufforderung zum Mitmachen (leider hilft es nicht immer)" (Michaela, 16 J.)
...wie die ungewohnte Beanspruchung der mitunter noch nicht abgehärteten und voll belastbaren Fußsohlen, Sehnen und Muskeln :
"Als ich sah, dass einige schon barfuß waren, hatte ich schon die Befürchtung, auch gleich meine Schuhe ausziehen zu müssen. Als dann der Trainer kam, wurden wir alle aufgefordert, die Schuhe und Socken auszuziehen, was ich damals recht widerwillig tat. Nach den zwei Stunden Training dachte ich mir würden die Füße abfallen, so dermaßen schmerzten sie. Erst nach und nach gewöhnte ich mich dann ans Barfußlaufen. Mittlerweile könnte ich mir allerdings gar nicht mehr vorstellen mit Schuhen zu trainieren." (Florian, 17 J.)
Und vielleicht ist es auch einfach etwas ungewohnt ?
"Ich hatte nach einem brauchbaren Vergleich gesucht und mir sind die Umstellungsprobleme meiner Kinder eingefallen, als wir von ihren Fahrrädern die Stützrädchen abgemacht haben. Da haben sie auch erst etwas Souveränität verloren und wurden langsamer auf ihren Rädern, aber sehr schnell hat sich da Sicherheit eingestellt - und ihre "Leistungen" als Radfahrer waren auch besser (sie wollten auch nie wieder Stützräder haben). Wenn Du "dran" bleibst, geht's Dir vielleicht mit den Barfüßen ohne Sportschuhe wie damals mit dem Fahrrad ohne Stützräder ?" (Georg, 43 J.)
Aber merke : es lohnt sich (siehe oben !) und wird ganz schnell zu einer liebgewonnenen Selbstverständlichkeit !
"Irgendwie wurden dann Turnschuhe auch bei uns Mädchen üblicher und ich hab dann phasenweise auch öfter mal in Turnschuhen Sport gemacht. Aber außer für draußen auf der Aschenbahn habe ich dabei keinen Vorteil gemerkt und bin dann freiwillig wieder unter die Barfüßerinnen gegangen. Ernstlich verletzt habe ich mich an den Füßen nie. Als ich in der Schul-Volleyball AG mitgemacht habe, habe ich mir lieber Knieschoner als Volleyballschuhe geholt. Also, wie ihr seht, bin ich barfuß gut über die Schulsport-Runden gekommen und kann es nur empfehlen." (Tina)

Spricht auch etwas dagegen ?

Bei aller Begeisterung für den Sport auf bloßen Sohlen wissen wir freilich auch, dass es Argumente gibt, die für das Schuhetragen beim Sport sprechen können
Aus unserer Sicht lassen sich darunter mehr und weniger ernstzunehmende unterscheiden.
Zu den schlechteren Argumenten z. B. gehört die Mär von der Ansteckungsgefahr mit Fußpilz, da dieser ohnehin nur im feuchtwarmen Klima von Schuhen gedeihen kann. Regelmäßiges Barfußlaufen trocknet ihn aus und raubt ihm jede Chance !
In diesem Kontext wird neuerdings auch gerne die Ansteckungsgefahr mit Warzen hochgespielt - die verursachenden Viren können eine kräftige Hornhaut allerdings kaum durchdringen. Die Warzen können zwar etwas hartnäckiger sein, sind aber auch erfolgreich zu bekämpfen.
Schmutzige Böden schließlich hinterlassen zwar tatsächlich ihre Spuren an nackten Füßen, aber sich hinterher zu waschen und einzucremen sollte ohnehin selbstverständlich sein (s. o. Wohlbefinden) - und ist auch für die Schweißfüße der Schuhträger dringendst zu empfehlen. Der Schmutz wird übrigens zu großem Teil mit den Sportschuhen in die Sportstätte getragen !
Eine andere häufig benutzte Argumentation beinhaltet die Furcht vor Erkältung, die durch Unterkühlung begünstigt wird und ohnehin nur im Winter in Frage kommen könnte. Ein ganz einfaches Mittel hiergegen ist ausreichend Bewegung während des Sporttreibens - sie fördert die Durchblutung und erwärmt den Körper (einschl. Füße).
Dafür müssen freilich Übungsleiter und Lehrer dann sorgen !
Regelmäßiges Barfußlaufen übers Jahr auch im Freien stärkt außerdem ganz immens das Immunsystem und die Wärmeproduktion des Körpers und hilft schon dadurch bei der Erkältungsabwehr - wie Pfarrer Kneipp schon lehrte !
Auch die Gefahr, bei der Ausübung von bestimmten Sportspielen mit engem Körperkontakt vom beschuhten Mitspieler / Gegner verletzt zu werden, ist unfraglich vorhanden - z. B. bei Fuß, Hand- oder Basketball. Wenn die anderen nicht davon zu überzeugen sind, auch barfuß anzutreten, bleibt wohl für diese Phase (sie bildet vermutlich nur einen Teil der gesamten Übungseinheit) sicherheitshalber nur das Tragen von Schuhen über.

Da schon bei Kindern und Jugendlichen erhebliche Schwächen und Vorschädigungen der Füße beobachtet werden müssen, ist auf dem harten Boden von Turnhallen eine behutsame Eingewöhnungsphase in den Barfußsport sinnvoll.
Tatsächlich ist nachgewiesen und leicht einsichtig, dass bei abrupter Landung auf hartem Boden nach Sprungbewegungen die Füße ein Vielfaches des Körpergewichtes abfangen müssen - für durch schwache Muskulatur geschädigte Füße Gift.
Gut gedämpfte Schuhe könnten da tatsächlich hilfreich sein.
Auch hier sind im Kern Übungsleiter und Sportlehrer gefragt, Bedingungen zu schaffen, die Barfüße solchen Belastungen nicht aussetzen : z. B. indem bei den Sprüngen im Turnen nicht nur dämpfende Matten zur Landung bereit liegen (das ist wohl ohnehin selbstverständlich), sondern auch das Weiterlaufen nach der Landung statt des Stands erlaubt ist, da so die Abfangbelastungen für die Gelenke sehr stark reduziert werden.
Aufbauende Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur würden dieses noch sinnvoll ergänzen.

Bliebe am Ende dieses Teils noch die Frage an alle die, die immer noch skeptisch sind :
wie bitte soll sich am häufig schon vorhandenen traurigen Zustand der Fußmuskulatur je etwas ändern, wenn damit nicht wenigstens im Sport systematisch, engagiert und barfuß damit begonnen wird ?


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