[Sonja war überrascht, dass Mitschülerinnen barfuß Sport machten] [Jutta erzeugte als Sportlehrerin mit Barfußlaufen Unwillen]

Sonja war überrascht, dass ihre Mitschülerinnen im "reichen Westen" barfuß Sport machten
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumsbeiträgen im Sommer/Herbst 1998)

Unter der Rubrik "Ich bin neu" bin ich wohl richtig und so platziere ich denn meinen Beitrag an dieser Stelle. Mir gefällt dieses Forum, und ich bin vor allem überrascht, wie angeregt, anregend und ausführlich es sich über "Barfuß" diskutieren lässt.
Nachdem ich mehrere Beiträge gelesen habe, finde ich eigentlich, dass es sich wohl eher um Erfahrungsaustausch und Ratschläge handelt, als um wirkliche Diskussion, was ja auch nicht verkehrt ist und sich wohl daraus erklärt, dass praktisch alle, die hier schreiben, gerne barfuß laufen, mich eingeschlossen.
Umgekehrt fehlen die Leute, die es z.B. für unsittlich oder zu gefährlich halten, auf der Straße oder beim Sport barfuß zu laufen. Dabei sind es nicht zuletzt solche Meinungen, die "Barfußlaufen" überhaupt erst zum Thema machen. Soweit meine allgemeinen Eindrücke zu diesem Forum.
Leider muss ich zugeben, dass ich mich doch meistens der (scheinbaren?) Norm unterwerfe, also z.B. in der Stadt niemals ohne Schuhe gehe, auch wenn mir des öfteren danach zumute ist. Selbst beim Sport trage ich heute stets Turnschuhe, obwohl ich es von der Schule her auch anders kenne, aber da gab es eben auch noch keinen Gruppenzwang (wenn überhaupt, dann in umgekehrter Weise). Insofern finde ich dieses Forum natürlich sehr motivierend und überlege, ob ich nicht einfach öfter mal mehr Courage aufbringen sollte. ...
Ich stamme aus Thüringen und bin, als ich 14 war, mit meiner Mutter Ende der 70er Jahre in die BRD gekommen. Als Kind bin ich, wenn es warm war, viel barfuß gelaufen. An meiner Schule in Thüringen war das jedoch nicht üblich und beim Sport gehörten Turnschuhe unbedingt zur Einheitskleidung. ...
Am Zustand der Sporthallen lag es sicher nicht (die sind meiner Erfahrung nach im Westen ja auch nicht immer tipptopp zu nennen), es war in der Tat eine Anordnung, an die sich praktisch jeder hielt, und wenn jemand mal seine Sachen vergessen hatte, gab es einen ziemlichen Rüffel. Dass es in der DDR einen Hang zur Uniformierung gab, ist ja wohl bekannt, und er wurde auch nicht allzu oft hinterfragt, schon gar nicht im Zusammenhang mit unserer Sportkleidung. Wenn man sich den heutigen Konsumzwang gerade unter Kindern und Jugendlichen vor Augen führt, dann kann man der Idee nach einem Einheitsdress vielleicht ja sogar was Gutes abgewinnen, und es gibt ja auch noch Schuluniformen in manchen europäischen Ländern. ...
Deshalb war ich umso überraschter, als ich an meiner neuen Schule "im reichen Westen" feststellte, dass die meisten meiner Mitschülerinnen barfuß Sport machten (was sich offenbar mit Silvias Erfahrungen deckt). Und ich erinnere mich, dass einige von ihnen mich gleich aufforderten, es doch auch barfuß zu versuchen. Obwohl ungewohnt, war dies eigentlich kein schwerer Schritt, da ich mich ja nur der Mehrheit anzuschließen brauchte. Tatsächlich fühlte ich mich aber anfangs sogar ein bisschen genötigt. Aber es wurde denn auch schnell zur Normalität für mich und ich habe den Rest der Schulzeit meistens (nicht immer) ohne Schuhe Sport gemacht. ...
Als ich damals in den Westen kam, hatte ich schon die Vorstellung, dass sich alle teure Klamotten leisten können. Ich erinnere mich auch, dass einige meiner Mitschülerinnen sich Schulsachen vom eigenen Taschengeld kaufen mussten und das Geld lieber für andere Sachen als Turnschuhe ausgegeben haben.
Wir sind beim Sport nicht allzu oft rausgegangen (die Jungs öfter zum Fußballspielen). Unsere Lehrerin hat uns dann wohl vorgewarnt, aber, Macht der Gewohnheit, kam es doch vor, dass ich und andere ihre Turnschuhe vergessen haben. Jedenfalls habe ich noch konkrete Erinnerungen, an einige barfüßige Runden im Sommer auf der neuen Kunststoffbahn vor unserer Halle, die mit ziemlich heißen Sohlen endeten.
Mit einigen Freunden sind wir auch sonst schon mal barfuß spazieren gegangen und fanden das eigentlich immer ziemlich lustig und frech. Aber soweit, wie einige es hier beschrieben haben, nämlich tagaus, tagein habe ich es nie praktiziert. ...
Ich spiele (in Leipzig) Volleyball in einer Hobbygruppe, und da alle Sportschuhe tragen, habe ich mich bisher auch dem Gruppenzwang gebeugt. ...
Ich will Deinen Beitrag nutzen, um mich auch mal wieder einzuklinken, nachdem ich mich ja schon mal im September hier gemeldet hatte. Da hatte ich noch erwähnt, dass ich zwar in der Schule oft barfuß Sport gemacht habe, aber nun beim Freizeit - Volleyball stets Schuhe trage.
Nun, angeregt durch dieses Forum habe ich mich inzwischen auch entschlossen, die Sportschuhe einfach mal daheim zulassen. Beim Umziehen habe ich dann ein bisschen die Überraschte gemimt: "Oh, ich hab wohl meine Schuhe vergessen". Wie aus einem Munde die Reaktion von meinen Mitspielerinnen: "dann spiel doch einfach barfuß mit". Gesagt, getan und es ging eine Weile ganz gut, bis ich mir dann schließlich doch noch eine Blase am Ballen geholt habe.
Nachher beim Bier sind wir noch mal drauf zu sprechen gekommen, und es stellte sich heraus, dass auch einige andere von der Schule her mehr oder weniger gewöhnt waren, barfuß Sport zu machen und es eigentlich für keine schlechte Idee halten, daran wieder anzuknüpfen. ...
Zwar hat keiner unserer Mannsbilder im Mixed - Team etwas von barfüßigen Sportstunden in der Schule erzählt, aber diese Woche kamen doch glatt zwei von ihnen unbeschuht zum Volleyball. Ich hatte zwar zur Abwechslung mal wieder meine Sportschuhe mitgebracht, aber sie dann gleich ganz solidarisch wieder ausgezogen, als ich die beiden mit ihren nackten Füßen gesehen habe. Es hat uns allen drei jedenfalls großen Spaß gemacht.
Sonja

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Jutta erzeugte als Sportlehrerin mit Barfußlaufen Unwillen
(Forumbeitrag im Herbst 1998)

Da ich dieses Forum nun schon seit einiger Zeit mitverfolge, will ich mich jetzt auch mal zu Worte melden, wenn auch nicht regelmäßig beteiligen.
Ich bin 28 Jahre alt und derzeit Referendarin am Gymnasium für Sport und Biologie. Ich bin wirklich erstaunt, wie viele Menschen es hier gibt, die gerne barfuß Sport machen. Ich selbst habe in meiner Schulzeit auch oft barfuß mitgeturnt, und es war auch durchaus nichts ungewöhnliches.
Mittlerweile habe ich aber den Eindruck, dass in den Sportstunden keiner mehr freiwillig barfuß läuft. Sport scheint zur lästigen Pflichtübung geworden zu sein, kaum jemand strengt sich mehr an oder kommt gar ins schwitzen, in Schülerkreisen scheint auch Duschen nach dem Sport etwas völlig unbekanntes zu sein.
Als ich einmal meine 10. Klasse in der Halle barfuß laufen ließ, ist dies auf ziemlichen Unwillen gestoßen, vor allem bei den Mädchen, dafür fehlt mir wirklich die Erklärung.
Auf jeden Fall find ich es gut, dass offensichtlich nicht alle so denken und es noch Menschen gibt, die gerne barfuß laufen. Macht weiter so!
Eure Jutta

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