Aerobic barfuß schlecht für die Gelenke?
(Forumbeiträge im Frühjahr 2002)

Folgendes las ich zufällig am 25. 04. 2002 in der Berliner Zeitung auf S. 10:
KÖRPERKULT
Schwitzen für den Aufstieg
Aerobic mag Männer mit einem Frauentyp verstört haben, der seine Freizeit dafür opferte, frei von Fett zu werden und alles zu beseitigen, was jahrzehntelang als "natürliche Schönheit" durchaus wohl gelitten war; auch, weil die Herren plötzlich gezwungen waren, selbst an ungeformten Partien ihrer Silhouette zu arbeiten. Der muskulöse, drahtige Körper fungierte als ideales Erscheinungsbild der 80er-Jahre. Das Streben danach hatte bei Frauen allerdings wenig damit zu tun, dass plötzlich irgendein neuartiges Gesundheitsbewusstsein um sich gegriffen hätte; dagegen spricht, dass Jane Fonda ihre Jüngerinnen unerbittlich bis zum Muskelkater voranpeitschte und gern barfuß trainierte, was schlecht für die Gelenke ist. [...]
Ich halte das nicht für richtig, dass das schlecht für die Gelenke ist. Schlecht recherchiert oder einfach zu stark verallgemeinert, würde ich sagen, was meint Ihr?
TeWe

Dieser Behauptung kann ich aus eigener Erfahrung nur widersprechen.
Ich habe zehn Jahre lang eine asiatische Kampfsportart auf hartem Boden barfuß betrieben, wie Tausende anderer Leute auch, bei dem Barfußsein zur Tradition gehört und betreibe heute, meinem fortgeschritteneren Alter gemäss, regelmäßig Taibo und (gelegentlich) Aerobic barfuß, und habe nie deswegen Gelenkprobleme gehabt.
Ich finde Schuhe ganz im Gegenteil beim Aerobic äußerst lästig, und meine, dass sich Aerobic barfuß viel "leichtfüßiger" im wortwörtlichen Sinne betreiben lässt.
Ohne hinderliche Schuhe prägen z.B. Schrittfolgen sich viel leichter ein.
Was das Springen auf hartem Boden anbelangt, ist die angeblich fehlende Dämpfung bei nackten Füssen eher eine Hilfe: Der Boden sendet einen Teil der Aufprallenergie zurück, den man , das entsprechende Körpergefühl vorausgesetzt, für die Weiterführung de Bewegung hervorragend ausnutzen kann. In gedämpften Schuhen geht diese Energie verloren.
Man muss sich nur die Mühe geben, dieses Körpergefühl zu erlangen.
Bei all den Presseartikeln sollte man nicht vergessen, dass Aerobic ein sehr kommerzialisierter Sport ist (Reebok, Nike etc.), und da ist es nicht verwunderlich, dass das Schuhetragen in dem Zusammenhang so intensiv gepredigt wird.
Aquajeans

[Ich halte das nicht für richtig, dass das schlecht für die Gelenke ist. Schlecht recherchiert oder einfach zu stark verallgemeinert, würde ich sagen, was meint Ihr?]
Kommt wohl drauf an.
Barfuß auf hartem, unnachgiebigem Untergrund herumspringen ist bestimmt nicht besonders toll für die Gelenke. Denn dafür wurde der menschliche Fuß nicht von der Natur konstruiert, sondern zum Laufen über Naturböden (Erde, Sand, Wiesen, ...)
Deshalb können Sportschuhe sehr sinnvoll sein, je nachdem.
Marco N.

[Naturböden]
... Felsgestein, Vulkankrater, Höhlen, Dornen, harte Zweige...
Auch in der Natur gibt es harte Untergründe. Die Füße sind vor allem eins: anpassungsfähig, das sollte man immer denen sagen, die ausschließlich von einem idealisierten (und unrealistischen) Naturzustand ausgehen, auf dem man barfuß gehen könne.
Im Falle von Aerobic ist nach Absprache mit einer Bekannten zu sagen, dass es am Anfang durch die ungewohnte Belastung evtl. zu leichten Schmerzen kommen kann, nach etwas Eingewöhnungszeit aber keinerlei Bedenken mehr zu erwarten sind.
Mal ganz allgemein: Wer hat den menschlichen Fuß eigentlich "konstruiert"? Und woher weißt du, was sich dieser jemand dabei gedacht hat?
Versteh' das bitte nicht als Kritik, ich finde es nur allgemein immer seltsam, wenn irgendwelche Leute meinen, ganz genau zu wissen, warum DIE Natur/Gott/etc. etwas genau so und nicht anders gemacht hat, als ob sie eine persönliche Unterhaltung mit ihm gehabt hätten ...
Andi

Halten wir fest, dass wir Erdenbewohner (alle, nicht nur die Menschen) gut an unsere Umgebung angepasst sind, egal, was dazu geführt hat. Leider neigt die Industriegesellschaft dazu, vereinzelt Umgebungen zu schaffen, in denen das überleben ohne hilfsmittel nicht mehr ganz so einfach ist. Das kann bis zum aussterben von arten führen, aber auch die Lebensart des Barfußgehers an den Rand der Ausrottung bringen. Zum "Kampf ums überleben" gehört daher, sich seine barfußfreundlichen räume zu erhalten und auszuweiten.
Unci

[Das kann bis zum aussterben von arten führen, aber auch die Lebensart des Barfußgehers an den Rand der Ausrottung bringen.]
Man kann sich auch anpassen. Ich meine nicht, Schuhe anzuziehen :) Ich gehe gerne barfuß über künstliche, ebene Oberflächen, weil ich dann nicht immer auf den weg vor mir achten muss.
[Zum "Kampf ums überleben" gehört daher, sich seine barfußfreundlichen räume zu erhalten und auszuweiten.]
Dabei ist die Menschheit in der Situation, sich die Umgebung nach ihrem belieben gestalten zu können.
Barfußfreundlich heißt für mich einerseits, "technisch" barfuß problemlos begehbar zu sein, also keine scharfkantigen oder extrem unebenen Oberflächen. Und keinen gefährlichen und/oder unangenehmen Müll.
Andererseits, "sozial" problemlos, also keine Verbote, Kommentare, Zurechtweisungen durch andere.
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