[Barfußurlaub in Istrien] [Jörgs "Wüstes Barfuß - Abenteuer (Serbien)"]

Barfußurlaub in Istrien
(Forumbeiträge im Winter 1998 und Frühjahr 1999)

Der Schnee schmilzt, und bald wird die Frühlingssonne für optimale Barfuß - Bedingungen sorgen. Dann wird es mich nicht mehr am Computer halten! Also berichte ich schnell noch über eine gute Urlaubserfahrung.
Die ersten beiden Juniwochen des vergangenen Jahres verbrachte ich mit meiner Familie in Istrien. Wir hatten uns die Naturistenanlage Valalta ausgesucht, unter anderem, weil sie gute Pools hat, denn unsere Dorothee sollte endlich mal richtig schwimmen lernen. Diese Anlage erwies sich als sehr sauber und komfortabel, trotzdem waren Unterbringung und Verpflegung sehr preisgünstig. Den Füßen kam es sehr zugute, dass in der Anlage viel Rasen war, so dass man die manchmal etwas steinigen Wege umgehen konnte. So blieben meine Schuhe im Koffer; Ausnahme war die Besichtigung einer Tropfsteinhöhle, wo ich befürchtete, dass mir in der Enge zu viel auf den Zehen herumgetrampelt würde.
Wir machten etliche Ausflüge in die schönen alten Städte Rovinj, Vrsar und Porec. Es war ein besonderes Gefühl, die jahrhundertealten Pflastersteine dieser historischen Städte von venezianischem Gepräge unter der Sohlen zu spüren.
Abgesehen von einigen spielenden Kindern sah ich in dort niemanden barfuß gehen. Erfreulicherweise gab es keinerlei Einwände gegen meine Füße, weder in Restaurants, noch in Geschäften oder Kirchen. Auch mit den berühmten uralten Mosaiken in Porec habe ich direkten Gefühlskontakt aufgenommen.
Die Leute waren immer sehr freundlich und sehr darauf aus, den vom Krieg ruinierten Tourismus durch guten Service wieder auf die Beine zu bringen. Mein Eindruck ist, dass bare Füße in Kroatien viel leichter und selbstverständlicher akzeptiert werden als im übrigen Mittelmeerraum -- mit dem Naturismus ist es ja genauso. Wir wollen dieses Jahr wieder dorthin fahren, und ich werde den Schuhen wieder völlige Ruhe gönnen.
[sag mal, wie waren Wetter und Temperaturen, wann ward ihr dort?]
In den ersten beiden Juni-Wochen. Wir hatten viel Sonne, einige Gewitter, einige bewölkte Tage (gut für Ausflüge, dabei keine versengten Fußsohlen am heißen Asphalt), ein Regentag. Das Meer hatte anfangs um die 20°, erwärmte sich aber schnell auf geschätzte 24°. Ich habe mir sagen lassen, dass es um diese Jahreszeit auch frischer sein kann. In Anbetracht des nicht so strahlenden Wetters im sonstigen Europa hatten wir wirklich Glück.
Serfuß, Lorenz
 

Es ist schon unglaublich, wie viele Postings so an einem verlängerten Wochenende eingehen... Das ist einfach großartig! Interessant auch, wie viel Grundsätzliches man zum Thema Barfuß schreiben kann. Ich für meinen Teil laufe eher barfuß "aus dem Bauch" und weniger "mit dem Kopf" - sprich: emotional statt rational. Ich liebe es einfach, meine Schuhe zu Hause zu lassen und mich ganz den angenehmen Barfußgefühlen hinzugeben.
So geschehen letztes Wochenende bei meinem Istrien-Kurztrip - womit also der versprochene Bericht beginnen soll: Das wirkliche Barfußparadies habe ich nicht gerade entdeckt.
Aufgrund der felsigen Klippen laufen die Leute sogar ins Meer mit Badeschlappen. Und in der Stadt habe ich in vier Tagen eine einzige Frau gesehen, die barfuß lief - und das bei ca. 30 Grad.
Ich für meinen Teil ließ mir die Freude am Barfußlaufen nicht verdrießen. Besonders toll war ein asphaltierter Weg, der kilometerweit entlang der Küste verlief. Vor allem am Abend konnte man hier stundenlang lustwandeln. Der Asphalt war einigermaßen rau, sodass die Gefühlswelt für die Füße durchaus unterschiedlich war. Glatter Asphalt, an dem man sich nur die Füße plattlatscht, ist nämlich meine Sache nicht so sehr.
In der Stadt erntete ich so manchen erstaunten Blick. Hier ist der uralte Steinboden erhalten. Durch die jahrhundertelange Benutzung ist er richtig glattgeschliffen und es ist ein tolles Gefühl, den geschichtsträchtigen Boden hautnah zu erleben. Außerdem war der Halt mit nackten Sohlen wesentlich besser.
Die Leute mit ihren Ledersohlen rutschten ständig auf dem glatten Boden aus, aber ans Barfußgehen dachte interessanterweise niemand.
Zugegeben: An der Felsenküste mussten die Sohlen schon einiges durchmachen. Teilweise war der Kalkfelsen spitz wie Nadeln. Hätte ich Schuhe mitgehabt, wäre ich bestimmt in Versuchung geraten. Aber so hieß es einfach Zähne zusammenbeißen und durch. Dasselbe galt für den doch etwas heißen Asphalt. Manchmal fühlte ich mich wie auf einer Herdplatte. Doch meine Ängste bezüglich Brandblasen blieben glücklicherweise unbegründet.
Offenbar hat der heuer frühe Beginn der Barfußsaison schon für eine entsprechende Abhärtung gesorgt (ein spezieller Dank an unci, Georg und die anderen, die mich dazu animierten). Ein einziges Mal wünschte ich mir tatsächlich Schuhe an die Füße: Die meisten Städte Istriens sind sehr sauber. Lediglich in Pula, der größten Hafenstadt, sind vornehmlich die Nebenstraßen gespickt mit Glassplittern. Prompt musste ich an jeder zweiten Ecke Halt machen und einen blöden Splitter aus den Sohlen entfernen - was nicht nur meine Freundin ziemlich nervte, da die Prozedur manchmal ziemlich langwierig war. (Frage an die Stadtbarfüßer: Wie bewältigt Ihr eigentlich Situationen, wo man einfach durch einen Scherbenhaufen durch muss? Im Vorjahr in Avignon hatte ich auch einmal ein ähnliches Problem und wusste nicht recht weiter.)
Dieses kleine Problem konnte mir die vier schuhfreien nicht vermiesen. Es war eine wunderbare Erholung für die Füße mit vielen neuen - sinnlichen - Erfahrungen. Mit barfüßigen Grüßen Gerald

Hallo Gerald, Deine Erfahrung deckt sich weitgehend mit meinen schönen Erinnerungen an meinen letztjährigen Pfingsturlaub in derselben Gegend.
[Stadt ... uralte Steinboden erhalten ... Benutzung richtig glattgeschliffen ... Halt mit nackten Sohlen besser]
War das Rovinj? Von dort habe ich die großen glatten Pflastersteine besonders gut in Erinnerung. Diese haben auch den Vorteil, dass die Glasscherben in den Ritzen dazwischen verschwinden. Im Prinzip ist das auch bei grobem Asphalt so.
[kleine Problem konnte vier schuhfreien Tage nicht vermiesen ... wunderbare Erholung für die Füße mit vielen neuen - sinnlichen - Erfahrungen]
Das ist eben unser Plus, dass wir noch ein Sinnesorgan mehr als andere haben, um die Welt zu erleben!
Serfuß, Lorenz

Fahre in 2 Wochen mit meinem Freund nach Kroatien und hab eigentlich nicht vor, mir Schuhe mitzunehmen - oder zumindest nur Sandalen für den Notfall
Gibt es dort irgendwas zu beachten ? Wird man da schräg angeschaut, verhaftet oder ist es dort eh normal ?
Schon irgendwelchen Erfahrungen gemacht ?
Danke für eure Tipps!!!
Daniela

Hallo,
war vor 2 Jahren in Kroatien. Das Land braucht Touristen, die Leute sind einiges gewöhnt und man kann sich - fast - alles erlauben.
Im Plitvice Nationalpark waren viele auf den (Kies)-Wegen und Holzterrassen barfuß unterwegs und wenn man, speziell die Einheimischen (Kroaten, Slowenen) beobachtete, hatte auch am Schotterstrand keiner Probleme zum Laufen. Am Campingplatz in Krk waren auch viele barfuß unterwegs.
Du solltest aber abgehärtet sein, Sandstrand gibt's so gut wie nirgends und die Steine der Wege sind recht spitz, außerdem wird es sehr heiß. Öffentliche Toiletten wären jetzt in HR nicht mein Fall, da hat's mir ab und zu mit Schuhen schon gegraust.
Gruß und viel Spaß
Josef

Hi Daniela,
Ich war 3 Jahren dort (in der Anlage Valalta bei Rovinj in Istrien) und habe in den zwei Wochen nur einmal Schuhe für den Besuch einer Tropfsteinhöhle angezogen. Es gab niemals Reaktionen auf meine nackten Füße.
Lorenz

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Jörg denkt an sein "Wüstes Barfuß - Abenteuer, Jugoslawien 1975 (Serbien)"
(Forumbeitrag im Frühjahr 1999 - während des Kosovokrieges)

Nachdem ich hier noch nie ein Barfuß - Erlebnis im Forum schilderte, sei heute zum Stichwort "Jugoslawien" eines zum Besten gegeben. Sicher ein Barfuß - Abenteuer der anderen Art ...
Ich war - etwa 18-jährig - mit einem Freund per Tramp nach Griechenland unterwegs. Der sogenannte "Autoput" führte über Belgrad - Nis - Skopje, also über weite Strecken durch Serbien. Schon damals war die Passage dieser Region stets unerfreulich: Dreck an den Straßen, unfreundliche Menschen, vielerorts schlechte soziale Verhältnisse sind mir noch gut in Erinnerung. Unter Griechen galt die Devise, viel Sprit im Kanister mitzunehmen und möglichst erst wieder auf griechischem Boden das Auto zu verlassen.
Irgendwo zwischen Belgrad und Nis hatte uns jemand durch ein Missverständnis ins Hinterland bis zwischen Nis und Skopje mitgenommen. Dort waren nur noch Pferdekarren unterwegs, mit unserem Tramp war es "Essig". Wir beschlossen, das Gepäck nicht sichtbar im Gebüsch zu lassen, und jeweils nur einer von uns sollte sich an der Straße aufstellen. Vielleicht würden so eher Autos anhalten ...
Irgendwann nachts schob ich "Tramp-Schicht", als ein Polizeikommando anhielt und mich ohne langes Federlesen kommentarlos grob ins Auto zerrte. Gepäck und Kumpel blieben zurück. Auf einer kleinen, gammeligen Dorf - Polizeiwache musste ich mich bis auf die Unterhose auskleiden und wurde ziemlich brutal verhört. Es war eine klapprige Bruchbude. Es gibt Situationen, welche in dir plötzlich Instinkte wie ein wildes Tier wachsen lassen. Noch während man mich schlug, lag meine Aufmerksamkeit bereits auf der Suche nach Fluchtmöglichkeiten. Ich merkte zumindest, dass man wohl eigentlich einen entflohenen Straftäter, einem Schmuggler oder so was suchte. Man sperrte mich dann in ein Nebenzimmer, das wohl eine Art Internierungszelle sein sollte. Das Fenster war durch drei eingemauerte Eisenstangen gesichert. Ich hatte keinen Pass mehr, hatte alle Kleidung bis auf die Unterhose ausziehen müssen und bekam in der Nacht nur mit Bitten meine Jeans, nicht aber Hemd und Wanderschuhe zurück. Dann passierte nichts, außer, dass der Dorfpolizist am Abend begann, sich zu besaufen. So ging das drei Tage und drei Nächte. Zum Essen gab es wässrige Suppe und rohes Gemüse.
Am 4. Abend hatte man offenbar Nachschub - Probleme mit dem Essen; der Polizist hatte sich Nachschub besorgt, Suppe und Löffel für mich sowie neuen Schnaps für sich selbst. Zuvor hatte ich sorgsam die Beschaffenheit der Mauer samt Gitterstäben inspiziert: verputzte Klinkersteine, darin die Stäbe eingelassen. Als der Kerl nachts endlich volltrunken war, begann ich, den Löffelstiel zu schärfen und dann die Mauerfugen am unteren Fensterrand freizulegen. Es ging besser, als ich dachte, wenngleich die Lockerung der Steine mit bloßen Händen Schwerstarbeit wurde. Stunden arbeitete ich, schweißüberströmt. Irgendwann bekam ich einen Stab frei und konnte ihn lösen. Der entstandene Gitterspalt war sehr eng. Ich zog mich hoch, quetschte mich hinein und bekam einen wüsten Muskelkrampf. Mit den nackten Füßen arbeitete ich mich an der Wand empor, das Fenster war etwa auf 1,7 m Höhe. Schließlich musste ich die Jeans wieder ausziehen und fast nackt durchschlüpfen. Brust und Hüfte schmierte ich mit der Suppe ein. Nur wegen der Schicht aus Schweiß und Fettschmiere auf meiner Haut gelang es, durch den Spalt zu gleiten, ohne stecken zu bleiben. Draußen fiel ich kopfüber, die Jeans in der Hand, in einen Müllberg und zog mir kleinere Schnittverletzungen an Brust und Arm zu, die aber reichlich bluteten und mich übel aussehen ließen. Dann flüchtete ich - barfuß mit Jeans und freiem Oberkörper - in die Nacht. Auf einem Feld klaute ich Gemüse und "fraß" es mit Erde und Kraut wie ein Tier. An einem Ziehbrunnen reinigte ich mich. Zum Glück war meine Haut noch so sonnenbraun, dass ich auch ohne Hemd in der Nacht kaum zu erkennen war.
Dann begann ich die Flucht Richtung Griechenland, stets nachts zu Fuß, damit ich nicht entdeckt würde. Ich hatte wahnsinnige Angst, entdeckt zu werden. Einmal verbrachte ich einen Tag in einem stinkenden Abwasserschacht, voller Algen, mit Schlangen und Echsen in den Mauerspalten. Später rechneten wir aus, dass ich mindestens 60 km barfuß bis zum Autoput zurück gelaufen war. Dort fand ich einen LKW, auf dessen Ladefläche ich heimlich bis in Grenznähe kam. Als irgendwann der Fahrer zum Pinkeln anhielt, offenbarte ich mich ihm. Es gelang, ihn zu überreden, mich nach der griechischen Grenze wieder aufzunehmen. Die Grenzpassage erfolgte nachts, wobei ich - immer noch halbnackt und barfuß - über die "grüne Grenze" nach Griechenland kam.
Wir fuhren dann geradewegs aufs deutsche Konsulat nach Thessaloniki. Dort wartete bereits der Freund samt Gepäck. Nachdem die Formalien erledigt waren, setzten wir unsere Tour durch Hellas unverdrossen fort. Ich blieb übrigens weitgehend barfuß, nur für die dornigen Bergwege hatte ich ein paar Sandalen gekauft. Als meine Füße später unempfindlich genug waren, warf ich sie mit einem Heidenspaß einfach weg.
Aus Sicherheitsgründen erfolgte die Rückreise dann mit Ersatzpapieren auf dem Schiff. Meinem Begleiter hatte die Sache übrigens mehr Angst eingejagt als mir. Er hätte am liebsten sofort wieder nach Hause gewollt und blieb für den Rest der Tour ein ziemlicher "Schisser".
Soweit dieser Bericht. Ein ähnliches Abenteuer habe ich 1983 noch in Tunesien erlebt.
Wenn ihr möchtet, kann ich's gelegentlich nachtragen.
Schöne Füße allseits Jörg (2)

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