Lofoten - Im Licht der Nacht
(Forumbeiträge im Sommer 2001)

Hallo alle zusammen,
endlich habe ich Zeit gefunden, meinen Barfußbericht von der Lofotenreise zu verfassen. 

Zunächst eine kleine Auflistung norwegischer Buchstaben und ihrer Aussprache.
æ = ä, å = o, ø = ö, y = ü-i, u = u-ü, o = u, v = w
somit wird Lofoten also Luufuten gesprochen

Es gibt eigentlich keinen wirklich treffenden Titel für das, was ich Ende Mai auf meiner Reise auf den nordnorwegischen Inseln Lofoten erlebte. "Im Licht der Nacht" - gut, aber was heißt schon Nacht, es gab ja keine Nacht, zumindest nicht das, was man sich bei uns gemeinhin unter Nacht vorstellt. Obwohl es zumeist klares, kaltes Wetter war, waren keine Sterne zu sehen, auch der gute alte Mond zeigte sich nicht am Firmament. Nein, es war die Sonne, die mich (und meine Kamera) 24 Stunden jeden Tag mit ihrem Licht verwöhnte. Was will das Fotografenherz noch mehr?
Am 20.Mai bin ich von Frankfurt über Oslo nach Bodø, etwas nördlich des Polarkreises geflogen. Schon in Oslo zeigte sich, was ich noch mal rund 1000 km weiter nördlich witterungsmäßig zu erwarten hatte. Es regnete, bei recht kühlen Temperaturen. Am Rande der Rollfelder schmolzen die letzen, von den Schneepflügen aufgehäuften grauen Schneemassen dahin.
In Bodø war es dann für unsere Begriffe eigentlich noch ziemlich winterlich. Schneeregen, bei 4 °C, nicht gerade vorsommerlich! Dazu blies noch ein unangenehmer nasskalter Wind. Neuschnee bedeckte die Berge gleich außerhalb der Stadt.
Ich hatte einige Stunden Zeit, bis das Schnellboot nach Svolvær ablegte und wollte die Zeit eigentlich nutzen, um mir Bodø etwas anzuschauen. Doch bei diesem Wetter war mir dann doch nicht so danach und außerdem ist Bodø auch nicht gerade eine umwerfend schöne Stadt.
Es war Sonntag und der Warteraum am Schiffskai war geschlossen. Erst eine Stunde vor Abfahrt sollte geöffnet werden. Also ging ich die paar hundert Meter zum Bahnhof und setzte mich dort in den Warteraum und verbrachte die Zeit lesend.
Am Abend legte dann das Boot ab, die Fahrt ging zunächst entlang der Küste Richtung Norden, wobei das Boot eine ganze Reihe von malerischen kleinen Dörfern anlief. Es war taghell, trüben am westlichen Horizont erhob sich diffus die Lofotenwand mit ihren markanten Bergspitzen aus der Weite der Nordatlantiks. Ab und zu blinzelte die Sonne zwischen den Wolken hindurch.
Irgendwie war die Stimmung paradox. Wie gesagt, es war heller Tag, aber außer den paar Leuten, die am Kai auf das Boot warteten, regte sich nicht viel in den Ortschaften. Klar es war ja längst später Abend. Die Fischerboote und noch mehr Freizeitboote dümpelten vor Anker in der ruhigen Buchten.
Gegen Mitternacht legte das Boot nach dreistündiger Fahrt auf der Insel Skrova an. Hier ging ich an Land. Möwengeschrei und Fischgeruch empfingen mich. Eine kurze Wanderung führte mich durch das nachtschlafende Dorf hinaus in die freie Inselnatur. Hier fand ich einen herrlichen Platz zum Zelten, mit Aussicht zu den gezackten, düsteren Lofotenbergen. Irgendwo hinter dieser Bergwand rollt um diese Uhrzeit die Sonne über den Horizont, dort wo im Norden Himmel und Meer zusammentreffen, bevor sie weiter nach Osten zieht und nach Mitternacht wieder langsam zu steigen beginnt.
Am Morgen war das Wetter gar nicht mal so schlecht, Sonne und Wolken wechselten sich einträchtig ab und es war noch nicht mal kalt. Einige Möwen verkündeten mit ihrem Geschrei, dass ich mich mit meinem Zelt auf ihrem Stammplatz niedergelassen habe. Sie werde es noch ein paar Stunden akzeptieren müssen. Ich startete zu einer Wanderung auf der Insel.
Wer mich kennt, der weiß ja, dass ich gerne barfuß wandere, und dieses Gelände mit Gras und Moor war herrlich dafür geeignet, zumal es heute wirklich frühlingshaft mild war.
Die Aussichten von der Insel, die zwischen Festland und Lofoten liegt ist phantastisch. Malerische Strände liegen am Nordrand der Insel, dahinter stauen sich dramatisch die Wolken an den schroffen Bergen von Litl- und Stormolla. Ich setzte mich ans Wasser und ließ mir die Wellen, die mit sanftem Plätschern den feinen Strand streichelten, über die Füße lecken.
Ein Austernfischer hinterließ seine zarten Fußspuren im weichen Sand, daneben meine Abdrücke, die wie Spuren eines Riesen anmuteten, im Vergleich zu den zarten Vogelfüßchen.
Dann machte ich mich wieder auf den Rückweg zum Zelt. Überall auf der Insel liegen die ausgehöhlten Schalen von Seeigeln herum, welche die Möwen ausgepickt haben.
Gegen mittag überließ ich den Möwen dann ihren Aussichtspunkt wieder alleine und wanderte zurück ins Dorf zum Fähranleger. Ich hatte noch Zeit, mir gemütlich das Dorf anzuschauen, in dem noch reger Fischereibetrieb herrscht. Eine kleine Fischfabrik garantiert den Insulanern ein einigermaßen gesichertes Auskommen. Es ist kein Problem, den Rucksack an den Wartebänken am Fährkai stehen zu lassen, hier kommt nichts weg.
Am frühen Nachmittag brachte mich die Fähre dann hinüber nach Svolvær auf Austvågøya. (Øya = die Insel) Von hier aus ging es dann gleich per Linienbus weiter nach Kabelvåg, was zunächst mal den Busfahrer nervte. Ich stand nämlich mit meinem riesigen Rucksack neben dem Bus, und wartet darauf, dass mir der Fahrer den Gepäckraum öffnet. Der deutete aber immer nur nach hinten, ich verstand aber nicht was er meinte. Dann sprang der ältere Herr auf, zeigte mir, ich solle zum hinteren Eingang kommen, schnappte meinen Rucksack und stellte ihn recht temperamentvoll an den Platz für Kinderwagen "hær har det plass!" Naja, nun wusste ich wenigstens für die folgenden Tage Bescheid.
Kabelvåg wird in Reiseführern begeistert beschrieben, diese Bücher sind aber wohl schon älter, denn der vielgepriesene Hafen ist so gut wie tot. Ein paar Sportfischer, meist aus Deutschland, angeln am Ufer, ein Boot bringt sie auf Wunsch gegen Bezahlung hinaus aufs Meer. Die Berufsfischerei ist nicht mehr. Dort, wo früher der Fischmarkt war, sieht man nur noch einige pakistanische Asylbewerber, die von der Telefonzelle aus ihre Freunde anrufen.
Ich übernachtete in einer Rorbu, eine traditionelle Fischerhütte, die auf Stelzen gebaut direkt am Wasser steht. Solche Rorbuer findet man überall in Lofoten. Sie beherbergten früher während der Fischfangsaison die Fischer, die von weit her anreisten, heute werden sie zumeist an Touristen vermietet. Das Wetter hier in Kabelvåg war bewölkt und es blies ein kalter Wind.
Am Morgen ergänzte ich meine Lebensmittelvorräte dann ging es wieder zur Bushaltestelle. Es regnete in Strömen, bei etwa 5°C. Es war der gleiche Fahrer wie gestern, der mich heute nach Henningsvær brachte.
Es war keine angenehme Sache, bei diesem Wetter eine Unterkunft zu suchen, zumal noch keine Saison war und viele Unterkünfte noch geschlossen waren. Ich fand ein Zimmer über einem Fischrestaurant, direkt am malerischen Hafen mit seinen Fischerbooten.
Später machte ich dann einen Rundgang durch das Dorf. Es war absolut kein Wetter, das zum Barfußlaufen einlud, aber wenigstens ließ der Regen vorübergehend etwas nach, so dass ich einige Fotos machen konnte. Der nächste Morgen brachte dann besseres Fotografierwetter, es drückte sogar zeitweise die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Doch die Temperaturen blieben weiterhin im Keller, da zieht es einem kaum die Schuhe aus.
Per Bus ging es dann weiter nach Eggum, ich hatte bis Rørvika wieder meinen "Stammfahrer". In Rørvika und in Bøstad musste ich umsteigen und als der Bus Bøstad erreichte, begann es zu schneien! Meine Stimmung war so ziemlich auf dem Tiefstpunkt.
Eggum ist ja traumhaft gelegen, an der Nordküste der Insel Vestvågøya, direkt am offenen Meer, aus dem sich steile schneebedeckte Berge erheben. Die Aussicht geht genau nach Norden, ideale Voraussetzungen für die Mitternachtssonne. Doch was heißt schon Sonne, der steife Wind blies mir Schneeregen ins Gesicht. Nach einer kurzen Wanderung fand ich einen einigermaßen windgeschützten, wenn auch alles andere als trockenen Platz zum Zelten und ich verkroch mich zunächst mal in den warmen Schlafsack. Gegen abend wurden die Schneeregenschauer weniger und ich startet zu einer Wanderung an der Küste entlang. Doch immer wieder gab es Schauer und dann blies der Wind recht unangenehm. Später tat sich eine Wolkenlücke Richtung Norden auf, doch die Hoffnung auf die Mitternachtssonne währte nur kurz, dann schnell rückten wieder schwere Schneewolken heran und trieben mich in den Schlafsack.
Am nächsten Morgen war der Schneespuk dann vorbei, die Sonne schien vom blauen Himmel, aber ein eisiger Wind wehte aus Norden daher, direkt vom Nordpol! Den Tag heute verbrachte ich mit Wanderungen, am Vormittag zu einem Wasserfall in einem Tal, am späten Nachmittag und Abend noch mal entlang der Küste. Es gibt eine kleinen Strand mit feinem weißem Sand und glattgeschliffenen Granitblöcken.
Inzwischen hatte die Sonne den Boden etwas aufgewärmt und es wurde eine herrliche Barfußwanderung im Licht der Nacht. Und diese Licht der Nacht ist wirklich ein einmaliges Erlebnis, ein unwirkliches warmes Licht. Einzelne Wolken trieben über das Meer und die Berge, es wurde eine dramatische Szenerie zwischen Sonne und Wolken. Wer wird um Mitternacht die Vorherrschaft gewinnen, lange bestand noch Hoffnung, aber später zog sich der Himmel im Norden doch zu und verdeckte die Sonne auf ihrer mitternächtlichen Bahn über das Meer.
Früh morgens mit dem ersten Schulbus fuhr ich dann nach Leknes und von dort weiter nach Ramberg und Fredvang. In der Gegend von Fredvang auf Flakstadøya gibt es eine wunderschöne Strandbucht, die man nur zu Fuß erreichen kann: Kvalvika. Ich sagte dem örtlichen Busfahrer, er solle mich am Wanderweg zur Kvalvika absetzen. Das tat er dann auch und ich wanderte den beschriebene Weg den Berg hinauf. Oben auf einem Sattel hatte ich auch eine herrliche Aussicht über eine herrliche Sandbucht, traumhaft. Ich stellte mein Zelt an einem kleinen See auf und genoß die Aussicht zur Kvalvika.
Aber - irgendwas stimmt da nicht. Dort unten ist ein Dorf, Kvalvika sollte aber unbesiedelt sein. Die Bucht da unten geht genau nach Norden, Kvalvika müsste aber nach Westen gehen! Ein Blick auf die Landkarte bestätigte: Das dort unten ist Sandbotnen, die Ortschaft heißt Ytresand. Kvalvika liegt weiter südwestlich. Der Busfahrer hat mich eine Straßenbiegung zu früh abgesetzt. Ein abendlicher Spaziergang brachte herrliche Aussichten über die umliegende Inselwelt und ich fand auch einen Trampelpfad, der wahrscheinlich zur Kvalvika führt. So war mein Programm für den nächsten Tag schon klar: Wanderung zur Kvalvika.
Um Mitternacht ging ich wieder auf Beobachtungsposten, aber wieder schoben sich kurz vor Mitternacht im Norden Wolken vor die Sonne. Es wurde eine bitterkalte Frostnacht. Trotz Sonne war schon am späten Abend Raureif auf dem Zelt und dem Gras.
Am Morgen ließ ich die Maisonne erst mal ihre Arbeit verrichten und als sie den Boden einigermaßen aufgewärmt hat startete ich zu meiner Wanderung. Ein herrlicher, fast wolkenloser Tag, an windgeschützten sonnigen Stellen war es herrlich warm. Der Pfad führte meist über Wildwiesen eine Wohltat für die Füße. Und dann öffnete sich der Blick auf Kvalvika. Traumhaft liegt sie vor mir, blauer Himmel, weißer Sand, grünblaues Wasser. Steil führt der Weg hinunter, ich kann Moorhühner und Austernfischer beobachten. Dann bin ich unten, das Wasser lädt direkt ein zum Bad, aber nur bis man mit den Füßen drin ist! Es ist eiskalt. Einige Möwen schaukeln genüsslich auf den Wellen. Ich bin der einzige Mensch, der hier seine Fußspuren durch den Sand zieht. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel tauchte dann ein Mann mit seiner Tochter auf. Ich habe sie nicht kommen sehen. Sie warfen eine Flaschenpost ins Meer, gingen etwas spazieren, dann stiegen sie wieder über das Geröll in die Berge. Auch ich wanderte wieder zurück. Eine herrliche Abendwanderung im warmen Sonnenlicht.
Gegen Mitternacht startete ich eine kurzen Wanderung zu einem nahegelegenen Aussichtspunkt, von wo aus ich hoffte, um Mitternacht die Sonne sehen zu können. Es war schon wieder frostig kalt und die Felsen waren reifglatt, als ich dick eingepackt den Aufstieg begann. Der Himmel im Norden war fast ganz wolkenlos, nur einige schwache Cumulusreste hauchten über dem kalten Meer noch ihr Leben zu Ende.
Neben dem Bergrücken am Westrand der Bucht erwartete ich nun das Erscheinen der Sonne, wenn sie auf ihrer flachen Bahn aus dem Schatten des Berges hervor kommt. Und dann erscheint sie auch, ungewohnt diffus, aber es ist die Sonne, die dort hinter dem Berg hervorlugt, um 0:30, mitten in der Nacht. Doch was ist das, die Sonne ist ja doppelt zu sehen, denn weiter unten erscheint sie gleich noch mal, und jetzt wesentlich klarer.
Das erste Erscheinen war gar nicht die Sonne, sondern ihr Spiegelbild an einem kleinen Wölkchen. Nun ist sie aber da, die Mitternachtssonne und die Berge rund herum erstrahlen in ihrem schwach rötlichen Glanze. Bis um den 20. Juli wird die Sonne hier nicht mehr untergehen.
Ich reiste am nächsten Tag weiter nach Nusfjord. Da dieses Fischerdorf nicht mit öffentlichen Bussen bedient wird, musste ich die 6 km von der Hauptstraße bei Kilan aus zu Fuß gehen. Nach ca 1 km stellte ich mein Zelt auf, legte das Gepäck hinein und ging den restlichen Weg ohne Gepäck, das war angenehmer. Die Straße zieht sich am Ufer eines Sees entlang durch eine dramatische Hochgebirgslandschaft die sich bis zu 931 Meter aus dem Meer erhebt.
Nusfjord steht auf der Liste erhaltenswerter Kulturdenkmäler, die Fischerei wird dort aber hauptsächlich noch als Touristenattraktion betrieben. Es gibt ein Hotel und eine stattliche Anzahl von Rorbuer und natürlich die allgegenwärtigen Trockenfischgestelle. Das große Aha konnte diese Siedlung bei mir nicht hervorrufen, zumal ich ja schon Henningsvær und Skrova gesehen hatte. Ich wanderte später dann wieder zurück zum Zelt und genoss den Abend vor dem Hintergrund der malerischen Bergkulisse.
Am nächsten Tag brachte mich der Bus zunächst nach Reine, der Ort, der auf keiner Lofoten- Bilderserie fehlt und der sich als schönster Ort in Lofoten bezeichnet. Die Landschaft ist ja auch wirklich einmalig schön, eine Bilderbuchkulisse. Und das Wetter war fantastisch - wie schon seit Tagen trübte kaum ein Wölkchen den Himmel. Von Reine und Hamnøya aus betrachtet sind die fast senkrecht aufragenden, spitz gezackten Berge ja schon eindrucksvoll genug, doch wenn man eine Bootsfahrt durch den Kjerkfjord zu den Ortschaften Rostad, Kjerkfjorden und Vindstad macht, gerät man geradezu in Verzückung. Wie eine Fantasielandschaft aus einem Film von Steven Spielberg ragen die Berge aus dem Meer. Diese Landschaft sucht weltweit nach ihresgleichen! Und wenn dann noch solch wunderbares Wetter herrscht, läuft der Film im Eiltempo durch die Kamera!
Am Abend ging es per Bus dann zum südlichen Endpunkt der Lofotenstraße, die Ortschaft, deren Namen man unmöglich vergessen kann: "Å" (sprich "O") Ganz einfach kurz und knapp Å!
Viele Besucher, die Å besuchen, suchen nach dem berühmten "Fiskeværmuseet" (Fischerdorfmuseum), dabei stehen sie bereits mitten drin. Ganz Å ist ein Museum! Und das lohnt sich wirklich anzuschauen. Es zeigt das Leben im Fischerdorf, wie es noch Mitte des 20. Jahrhunderts war. Bootshaus, Schmiede, Holzlager, Bäckerei, Wohnhaus, Trankocherei, Herrschaftshaus.
Solche Dörfer gehörten meist einem einzigen Großgrundbesitzer. Die Wohnhäuser gehörten den Bewohnern meist selbst, sie standen aber auf dem Grundeigentum des Großgrundbesitzers (Also das gleiche Prinzip, das man heute in deutschen Großstädten als "Erbbaupacht" bezeichnet. Das ist also keine Erfindung unserer Zeit.)
Ich verbrachte 2 Tage in Å und Umgebung und zeltete am See Ågvatnet, dessen Bergkulisse der von Reine kaum nachsteht.
Die Möwen waren inzwischen für mich so selbstverständlich, dass sie kaum noch erwähnenswert erscheinen. Die ständige Geräuschkulisse ihres Geschreis ist mit Lofoten so untrennbar verbunden, wie die markante Bergkulisse, die gelben Fischerboote, die Stockfischgestelle und die taghellen Nächte. Die Möwen sind überall, am Strand, am Hafen, auf den Dächern der Häuser. Sie nisten nicht nur an Felsen, sondern auch auf Dächern, Fenstersimsen und Telefonzellen. Dazwischen mischen sich noch Austernfischer, deren gellende Rufe jeden sich anschleichenden Fotografen verraten und einige Seeschwalben, sowie auch Eiderenten. Auch in Å wird man die Möwen nicht übersehen und -hören.
Von Moskenes aus ging es dann per Schiff weiter, vorbei an der wie eine Haifischflosse aus dem Meer ragenden Insel Mosken nach Værøy und von dort aus nach Røst. Die Hauptinsel, Røstlandet ist topfeben und der Wind pfeift steif darüber hinweg. Hier musste ich mich um Mitternacht auf Unterkunftssuche, das heißt nach einem halbwegs windgeschützten Zeltplätzchen machen. Sauber erscheint die Insel nicht gerade, weil der allgegenwärtige Wind die Überreste menschlichen Wirkens flächendeckend über das Inselchen verteilt. Eimer, Plastiktüten, Stofffetzen, Planen, Plastikflaschen eben alles, was der Wind mit sich tragen kann, liegt auf der Insel verstreut.
Røst bietet einen beeindruckenden Vogelreichtum. Schon in Røstlandet konnte ich außer Möwen auch Austernfischer, Seeschwalben, Kampfläufer, Goldregenpfeifer, Eiderenten, Kormorane und andere beobachten, doch die Hauptattraktion liegt außerhalb der Hauptinsel auf den Vogelfelsen im weiten Meer. Während der Brutzeit locken diese Felseninseln Ornithologen aus der ganzen Welt an und diese Brutzeit stand nun Anfang Juni unmittelbar bevor. Ich nahm an einem (preiswerten und sehr empfehlenswerten) Bootsausflug zu den Vogelfelsen teil. Mit von der Partie waren noch 4 weitere deutsche Touristen, eine Gruppe norwegischer Studenten und ein norwegisches Höhlenforscherteam, deren Interesse weniger den Vögeln als einer erst vor 2 Jahren entdeckten Höhle galt. Diese Männer und Frauen entsprachen wirklich dem Idealbild von richtigen Wikingern!
Die Studenten und die Handvoll Touristen (mich eingerechnet) wendeten uns aber den ornithologischen Sehenswürdigkeiten zu und da konnten wir schon vom Schiff aus eine Fülle von Seevögeln beobachten. Alleine 500.000 Alke und 2 Millionen Papageientaucher bereiteten sich auf ihr Brutgeschäft vor. Dazwischen kreisten auch einige Fischadler auf der Suche nach Beute.
Eine Klettertour an der Insel Vedøya brachte einen Vorgeschmack auf das, was sich hier eine bis zwei Wochen später abspielen würde, wenn die Vögel voll in der Brut sind. Wir konnten Papageientaucher, Tordalke, Trottellummen, Eiderenten, Kormorane, Fischadler, Möwen, Austernfischer und andere beobachten, wenn auch meist nur aus größerer Entfernung. Die Kletterpartie in meist grasigem bis felsigem Gelände machte ich wieder barfuß, es war angenehm mild und eigentlich konnte ich mir für mich keine bessere Alternative vorstellen. Natürlich kamen, vor allem von den Studenten, wieder die üblichen Fragen, wie ich das denn kann, aber sie konnten sich ja davon überzeugen, dass es für mich keinerlei Problem darstellt, barfuß zu wandern. Für mich war es jedenfalls eine Wohltat bei den relativ milden Temperaturen.
Røst hat, obwohl es nördlich des Polarkreises liegt und somit wie die gesamten Lofoten zur Arktis gerechnet werden kann, auf Grund des Golfstromes übrigens die mildesten Wintertemperaturen von ganz Norwegen. Im Februar, dem kältesten Monat, liegt die Durchschnittstemperatur mit ca +2°C auf gleichem Niveau wie z.B. in Freiburg, Genf oder Zagreb!
Zum Abschied gab es am zweiten Tag auf Røst wieder nasskaltes, windiges Regenwetter, doch der Rückflug bescherte bei meist klarem Wetter herrliche Aussichten auf die spätwinterlich verschneite norwegische Bergwelt, mit blauen Seen in grünen Tälern, in denen bereits der Frühling eingekehrt ist.
Zum Abschluss noch einige Reisetipps:
Verkehrsmittel: Lofoten ist mit Bahn, Bus, Flugzeug und Schiff erreichbar Von den Bahnstationen in Narvik und Bodø gibt es Fähr- und Schnellbootverbindungen, sowie Busverbindungen. Flugverbindungen nach Leknes und Svolvær von Bodø, Narvik und Tromsø.
Busverbindungen von Narvik, sowie von Bodø/Fauske über Skutvik - Skrova nach Svolvær (Fähre). Die örtlichen Busverbindungen vor Ort funktionieren wie in ganz Norwegen vorbildlich. Auch kleinste Orte kann man mit den Schulbussen meist mehrfach am Tag erreichen.
Auto: Es gibt in jedem größeren Ort (Svolvær, Kabelvåg, Leknes, Stamsund, Bodø, Narvik u.a. Autovermieter, allerdings sehr teuer, mind. ca 120 Euro/Tag bei großen Vermietern. Kleine Vermieter sind teilweise erheblich billiger) Benzin ist bei uns inzwischen fast genau so teuer wie in N.
Die Straßen in Lofoten sind durchweg in gutem Zustand, allerdings teilweise sehr schmal.
Fahrrad: In vielen Campingplätzen zu mieten, des weiteren auch in Svolvær und in Moskenes am Fähranleger (ca 20 Euro pro Tag für ein Treckingfahrrad mit 21Gang-Schaltung). Die guten, meist ebenen Straßen bieten sich im Sommer für Radtouren ideal an.
Übernachtungen: Es gibt überall Hotels (teuer). Rorbuer finden sich allerorts und bieten eine urige und preiswerte Alternative, zumindest wenn man in einer Gruppe reist und sich die Unterkunft teilen kann (ca. 15 Euro pro Person, mit 4 Personen in einer Hütte). Den gleichen Preis zahlt man in Jugendherbergen.
Romantische Plätze zum Zelten in freier Natur mit Märchenkulisse finden sich überall, an Stränden, in Seitentälern, auf Bergpässen. Wenn man ganz am Ende der Straße in Å (am Busparkplatz) noch hundert Meter weitergeht kommt man zu einem vorzüglichen Platz zum Zelten mit sagenhafter Aussicht aber ohne Frischwasser. Frisches klares Wasser ist sonst kein Problem (außer in Værøy und vor allem in Røst und auf kleineren Inseln, wo es kaum Quellwasser gibt.)
Auf den Vogelinseln ist Übernachten während der Brutzeit verboten.
Mit Wohnwagen und Motorhomes ist wild campen problematischer. Da ist man meist auf Campingplätze angewiesen.
In Røst ist die Jugendherberge direkt am Hafen sehr zu empfehlen. Der Besitzer, Roald Olsen, veranstaltet auch die Vogeltouren sowie auch Fischertouren. Vor Ort, oder noch besser bereits auf der Fähre fragen.
Bernd A.

Mein Glückwunsch zu Deiner gelungenen Reise! Hab den Text gerade nur überflogen und mich etwas gewundert, dass DU Schuhe dabeihattest ?? ;-)
Immer wenn ich sowas lese bekomme ich Sehnsucht nach Norwegen; wenn nur der Weg nicht so weit wäre!
Viele Füße
Samuel

Dein Reisebericht ist wirklich super! Mit einer Einschränkung: Ich möchte mitten im Sommer nichts von Kälte, Frost, Schneeregen usw. lesen. Gerade hatte ich den Gedanken, das es auch mal wieder Winter werden könnte, erfolgreich verdrängt - jetzt hast du mich wieder dran erinnert. Bitte reise das nächste Mal in wärmere Gefilde!
Markus (31)

Sag mal, bist Du Reiseberichterstatter oder sonstiger Schriftsteller?
Wunderbar zu lesen, Dein Bericht, interessant, direkt ein wenig spannend und man kann sich beim Lesen so richtig die Landschaft einschließlich Deinen Aktionen vorstellen. Supergut, weiter so.
MfF UlliDO

Hallo UlliDo,
ich habe mich schon als solcher versucht und ein Buch über das östliche Afrika geschrieben. Es waren auch auf Anhieb 3 Verlage an meinem Manuskript interessiert, bzw. sie hätten Druck und Publikation dafür organisiert.
Aber leider sind die meisten Verlage heute nicht in der Lage, alle interessanten Bücher mit eigenen Mitteln vorzufinanzieren, so bleibt das zum Großteil am Autor selbst hängen. Je nach Illustration mit Fotos kommen da schnell 20.000 bis 30.000 DM zusammen, eine Summe über die ich nicht lange nachdenken brauche - ich habe sie schlicht und einfach nicht! Vielleicht gewinne ich ja mal im Lotto...
Gruß, Bernd A

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